Du bist nicht angemeldet als Gast hier –
und kannst deshalb nur einen kleinen Teil des Forums sehen.
Hier kannst Du Dich kostenlos und anonym anmelden!
Ein herzliches Hallo in die Runde!
Nachdem ich schon ein knappes Jahr mitlese wird es nun doch langsam Zeit, dass ich mich mal vorstelle und meine Geschichte mit euch teile... Ich werde versuchen das ganze nicht in einen mehrteiligen Roman ausarten zu lassen... 😉
Die Trinkerei beleitet mich schon seit meinem 16. Lebensjahr in ewta (heuer wurde ich 40...). Damals ging ich noch zur Schule, arbeitete aber wochenends im Gastgewerbe - vorrangig in Bars wo damals Leute meines Altern hingingen um sich derb einen reinzustellen. Freitags und Samstags, nach einer Zeit auch schon Donnerstags - warum auch nur 2 Tage lang einen Filmriss haben, wenn's auch an Dreien möglich ist!? (So oder so ähnlich könnte damals unser Motto gewesen sein, wenn wir eines gehabt hätten.) Weil mich das durch die Matura (Abitur ;)) gebracht hat, setzte ich das ganze dann auch während meiner (etwas ausgedehnten) Studienzeit fort.
Bei einem Musikfestival lernte ich meinen jetzigen Ehemann kennen - 3 Tage Dauerrausch, wenn das mal kein solides Fundament für eine Partnerschaft bildet, was dann!? Wie schon oben erwähnt war ich dem Alkohol durchaus nicht abgeneigt, trank aber nicht jeden Tag, war auch körperlich nicht abhängig, bemerkte aber recht schnell nachdem ich meinen Mann kennengelernt hatte und mehr Zeit mit ihm verbrachte, dass sein Konsum doch als 'ziemlich bedenklich' einstufbar wäre... Nachdem wir abends gemeinsam getrunken hatten, stand er in der Früh dann auf und kippte erstmal 2 Gläser Wein, damit das Zittern aufhört. Heute weiß ich, dass ich das Ganze brutalst unterschätzt habe. Ich war der Annahme, dass ich das schon handeln kann - wird ja wohl nicht so schlimm sein...
Was folgten waren 'turbulente' Beziehungsjahre, mit allen Facetten eines Alkoholikers, Krankenhausaufenthalten, Entzugsversuchen bzw. Versuchen abstinent zu bleiben und all das gipfelte schließlich auf der Intensivstation mit einer schweren Bauchspeicheldrüsenentzüng inkl. 2 Tagen Ungewissheit, ob er das denn überhaupt überleben wird. Was habe ich gemacht, als ich nach dem Besuch nach Hause gefahren bin? Erstmal eine Flasche Wein auf den Schock getrunken... What else.
Dann folgte knapp ein Jahr der (ehrlichen!) Abstinenz beiderseits. In diesem Jahr beschlossen wir zu heiraten. Als wir das mit der Hochzeit umsetzten tranken wir natürlich beide wieder. 'Nur' Abends, aber dafür zwischen 2 und 5 mal die Woche. Das war 2019. Jetzt, 2023 stehen wir vor dem Scherbenhaufen, den wir uns mit all den Wein- und Bierflaschen aufgebaut haben über die Jahre. Vor knapp 6 Monaten ist mein Mann in unser Gartenhaus gezogen, nach einem furchtbaren Streit im Vollrausch, in dem die Auseinandersetzung darin endete, dass er mich würgte. Daraufhin beschlossen wir, dass die räumliche Trennung vorläufig von Vorteil ist. Was folgte, waren unschöne Monate, in denen wir -räumlich getrennt voneinander - versuchten gegen dieses Drama anzutrinken. Für mich hat diese traurige Geschichte im Krankenhaus geendet - 3 Wochen auf der Psychiatrie nach einem Selbstmordversuch.
Und wisst ihr was? Der Krankenhausaufenthalt war ein wahrer Segen. Natürlich war es nicht schön, aber es war notwendig. Auch jetzt war die körperliche Abhängigkeit überhaupt kein Thema, dafür aber meine Nerven und meine Psyche umso mehr. Es ist einfach unfassbar, was ich mir und auch meinem Umfeld jahrelang angetan habe und vor allem was jetzt alles in mir ans Licht kommt, wenn es nicht durch Alkohol in Nebel gehüllt und weggeschickt wird... Ich bin in therapeutischer Begleitung (auch schon vorher, aber jetzt in nüchternem Zustand wirklich mal ehrlich...), bin angemeldet für eine Austestung hinsichtlich einer Autismus-Spektrum-Störung und fange auch langsam an das Thema der Co-Abhängigkeit zu bearbeiten, dass ich auch noch mitgenommen hab - um so wenig Rucksäcke wie möglich stehen zu lassen... 😉
Mein Mann hat inzwischen auch eine Psychotherapie begonnen, trinkt allerdings nach wie vor. Nicht täglich, aber oft. Wie es weitergehen soll bzw. ob es weitergehen kann steht momentan in den Sternen. Ich versuche den Fokus so gut es geht erstmal auf mich zu legen und mich zu stärken (wobei mir manchmal meine Co-Abhängigkeit noch reingrätscht, aber immerhin erkenn ich es inzwischen schon manchmal, wenn ich da reinkipp)... Der Drang Alkohol zu trinken ist (zumindest im Moment) überhaupt nicht da, eher das Gegenteil davon. Am Donnerstag waren es 6 Wochen, also bin ich jetzt bei 6 1/2 und ich vermisse es überhaupt kein bisschen. Natürlich ist es mühsam, weil ich plötzlich meine Gefühle wahrnehme, die mich eigentlich ständig überfordern, aber ja. Es gibt so einiges, dass jetzt ganz anders ist. Es fühlt sich ein klein wenig so an, wie ein totaler Neustart, als ob man neu Leben lernen muss... Einen Schritt nach dem anderen ist meine Devise und genau so leb ich auch im Moment. Jeder Tag ohne zu trinken ist ein Schritt nach vorn denk ich mir...
So, jetzt wurde es doch ziemlich lang, obwohl ich gefühlt 80% nicht erzählt hab. Aber ich glaub, man bekommt einen ungefähren Eindruck.... Es hat mich meeeega viel Überwindung gekostet diese (vielen) Zeilen zu schreiben und damit quasi mich öffentlich zu machen... Aber im Moment mach ich täglich neue Erfahrungen zum Thema mutig sein, also warum nicht auch auf diesem Weg...
Ich freue mich sehr hier zu sein und bewundere jeden von euch für eure Stärke und eure ehrlichen, hilfreichen und motivierenden Beiträge!
@lieblingsfellnasen Ich danke dir, liebe Kerstin. Ja, es ist echt ein mega Scherbenhaufen, den ich mir da geschaffen hab. Es ist echt sehr herausfordernd im Moment, weil da echt sehr viele Dinge 'weggeschwemmt' wurden, die mich jetzt einholen. An manchen Tagen fühlt sich meine Seele wie eine einzige, riesige Wunde an, einfach alles tut weh. An anderen Tagen gehts wieder. Ich hab gsd inzwischen einige Werkzeuge, um mich in solchen Situationen halbwegs zu regulieren.
Womit ich mir auch sehr schwer tue ist meinen Mann quasi sich selbst zu überlassen. Über die Jahre war immer ich es, die ihn aus der gröbsten Scheiße geholt hat, bzw. ihn jedes mal aufs Neue ins Krankenhaus brachte oder daheim beim Entzug begleitete... Aber so geht's nicht mehr und ich hab endlich verstanden, dass es höchste Zeit ist auf mich zu achten. Er kann sich nur selbst helfen - das versuche ich gerade zu verinnerlichen...
Ich kümmer mich um meine Rucksäcke und packe einen Stein nach dem anderen aus, irgendwann wirds dann bestimmt leichter...
@soberella Aus dem Wort Matura schließe ich auf Österreich. Willkommen.
Wenn es Dir nur ein bisschen wie mir geht, dann wirst Du die Überwindung, Dich hier zu zeigen, nicht bedauern und viel Stärke, Zuversicht und Zuspruch daraus gewinnen. Alles Gute. Wir lesen uns sicher noch...
@christian gut kombiniert 👍😉
Ich hoffe das Beste, bis jetzt bereue ich es nicht. 🙂
Danke und bis demnächst
@soberella du hast schon einen riesigen Schritt in die richtige Richtung getan, dich selbst überwunden hier zu schreiben und hast erkannt, dass du dir erstmal selbst helfen musst. Im Forum hat jemand den Satz geprägt " Zwei Ertrinkende können sich nicht gegenseitig retten ". Diesem Satz finde ich sehr gut. Jetzt bist du dran, irgendwann dein Mann, wenn er es denn zulässt. 🙂
@soberella und ja, die Steine werden weniger, die Rucksäcke leichter, sogar überflüssig.
Hallo und herzlich willkommen . Und Gratulation zu 6 Wochen nüchtern.
Du hast eine ziemlich ernüchternde Lebensgeschichte bis jetzt gehabt, ich wünsche dir, dass du weiter zu dir vordringst, dass du dir hier im Forum viel mitnehmen kannst und merkst ...... du bist nicht allein.
LG Crazy
ebenfalls Össi 😂
@crazy2610 Hi Crazy! Danke für deine Worte. 😊 Ja, klingt schon hart, wobei es nicht nur beschissen war, zwischendurch ist auch viel Schönes und Lustiges passiert - sonst hätte ich niemals so lang durchgehalten schätz ich... 🫣😉
Aber ja, jetzt würde es allerhöchste Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen. NEMs sind bestellt (nicht alle, weil das sprengt leider mein Budget,aber zumindest die -für mjch- notwendigen)... Wobei ich sagen muss, dass es mir wirklich gut geht, was das Thema Suchtdruck betrifft... Der ist überhaupt nicht da, auch keinerlei Verlangen. Ab und zu mal ein Gedanke, aber der verschwindet ganz schnell wieder .. Ich seh das als gutes Zeichen.
Pfirti und an schenen Obnd 😁





