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Hallo, ich bin damit garantiert nicht die Erste, doch ich glaube, dass ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich wirklich Hilfe und Unterstützung brauche.
Ich möchte mich nicht an meine Hausärztin wenden, sie hat genug anderes mit mir durch in diesem Jahr.
Allerdings benötige ich gerade, wirklich, soziale Kontakte, die mich davon abhalten.
Aktuell trinke ich seit drei Wochen durch. Ich kann nichts mehr, außer Schlafen und mich selbst dafür hassen.
Das ist jetzt, der erste Schritt. 🤓
@soberrebel
Hallo,
Stigmatisierung ist ein schwieriges Thema und für mich nur ein Randthema, weil ich Stigmatisierung persönlich nicht nennenswert erfahre. In meinem persönlichen Umfeld wissen alle, dass Schneider nichts mehr trinkt, es interessiert aber niemanden. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass es nur diejenigen interessiert, die selbst ein Alkoholproblem haben.
Ich bin mal gespannt, ob mich mein Chef bei der kommenden Weihnachtsfeier wieder auf mein „nicht trinken“ anspricht. Der ist selbst kein Kind von Traurigkeit. In seinen ersten Jahren als Chef ist er bei derartigen Anlässen bedenklich über das Ziel hinausgeschossen. Da sank beim Griechen nach dem X-ten Ouzo schonmal zutraulich sein Kopf auf meine Schulter und seine achtsame Sekretärin hat ihn davon überzeugt, dass es für ihn doch besser wäre, vorzeitig die Heimreise anzutreten. Um die eiserne Regel „Trinke bei offiziellen Anlässen nie mehr als Dein Vorgesetzter“ musste ich mir nie keinen Kopf machen.
Mit meinem direkten IT-Chef, der unter dem Ouzo-Chef steht, unterhalte ich mich auch hin und wieder über das Thema und aus seinen Erzählungen weiß ich, dass er auch nicht „ganz knusper“ ist. Er müsse mal seinen Lebenswandel überdenken, trinkt aber nur am Wochenende und nie unter der Woche.., - kam mir irgendwie bekannt vor.
Es ist aber so, dass ich mich im Kollegenkreis noch nicht hingestellt und verkündet habe, dass ich Alkoholiker bin. Weil mit diesem Akt Unwohlsein und imaginäre Befürchtungen verbunden sind. Das wäre dann ein Punkt, an dem mich die Stigmatisierung zumindest Tangiert. Das Unwohlsein und die imaginären Befürchtungen sind aber in meinem Fall unbegründet. Ich würde voraussichtlich nur auf ungläubiges Interesse stoßen und die Mehrzahl meiner Kollegen, die bei Feierlichkeiten den ganzen Abend an ihrer Weißweinschorle nuckeln interessiert es eh nicht, ob ich Fassbrause oder Bier trinke.
Um der Stigmatisierung entgegenzuwirken, wäre es vermutlich das Beste, wenn ich mich meinem Gegenüber, bei dem leisesten Anflug von Interesse an der Frage, wieso ich keinen Alkohol trinke, sofort mit breiter Brust zum Alkoholiker bzw. Alkoholkranken erkläre. Dann kommt man darüber ins Gespräch und kann Aufklärungsarbeit leisten. Die Stigmatisierung rührt ja in erster Linie daher, dass Außenstehende Alkoholsucht nicht nachvollziehen können und nur eine nebulöse Vorstellung von der Angelegenheit haben. Und eine gewisse Nachvollziehbarkeit und halbwegs realistisch Vorstellung lässt sich nur vermitteln, wenn man über seine Alkoholsucht berichtet. Das dürfte mehr bringen, als an Begrifflichkeiten zu schrauben. Ich kann mich nicht hinstellen und erwarten, dass die Gesellschaft auf meine Alkoholkrankheit doch bitte so und so zu reagieren hat. Stigmatisierung ist ja kein Akt des Willens - den Alkoholkranken stigmatisiere wir mal, den Krebskranken nicht.
Ich bin mir auch 100% sicher, dass ich durch ein Outing im Kollegenkreis nicht von einem halbwegs geschätzten, unterhaltsamen und umgänglichen Herrn Schneider zu einem heruntergekommenen Arschloch mutiere. Das dürfte nur passieren, wenn ich vorher eh schon an der Schwelle zum heruntergekommenen Arschloch stand.
Was meine Sucht angeht bin ich der Experte und Profi, niemand sonst.
Ja, leider. In dem von mir beschriebenen Sinne sollte ich zur "Endstigmatisierung" versuchen, auch andere zum Experten meiner Sucht zu machen.
Dennoch denke ich das jeder heutzutage die Möglichkeit hat, sich selbst,- und eigenverantwortlich mit seiner Sucht zu befassen und diese auch eigenständig überwinden kann.
Es wird niemals jeder schaffen. Möglichkeiten gibt es, ob man diese Möglichkeiten aber zielführend und gewinnbringend Nutzen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb: Wenn Alkoholsucht nicht der Ausdruck eines schwachen Willens ist, kann es in meinen Augen auch nicht Ausdruck eines schwachen Willens oder einer mangelhaften Nutzung von Möglichkeiten sein, wenn man nicht von seiner Alkoholsucht loskommt.
Gruß Matthias





