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Hallo,
heute nun finde ich den Mut mich einfach mal vorzustellen. Ich glaube dass mir das Forum helfen kann um in einen Austausch zu gehen. Viele Beiträge habe ich einfach mal "gestalkt"... und finde mich so erschreckend in einigen wieder :(( Ich bin fast 50 Jahre jung, habe in meinem Leben eigentlich nie einen Grund zum Trinken gehabt. Früh einen Traummann kennengelernt, zwei tolle mittlerweile erwachsene Kinder, dazu seit 2,5 Jahren zauberhafte Zwillingsmädchen als Enkelchen. Im Job relativ erfolgreich, alle sind gesund - was will man mehr? Ich gehöre wohl auch zu den funktionierenden Alkis, brav jeden Morgen trotz Augenringe und Kater aufstehen und auf gehts. Ich glaube es hat bei mir wegen Überforderung angefangen. Ich habe im Job - da waren die Kinder noch klein - erst einmal noch 3,5 Jahre die Schulbank für einen weiteren Abschluss gedrückt. Und dann musste 2007 auch noch ein Studium her - natürlich neben Vollzeitjob, Kindern, Haus & Hof weitere 3 1/2 Jahre jeden Freitag Abend und Samstags. Heute weiß ich gar nicht mehr wie ich das überhaupt geschafft habe. Da fing es an, dass mir das abendliche Glas Wein soooo gut tat. Im Laufe der Jahre hat sich diese Entspannungstechnik jedoch leider verselbständigt. Mittlerweile muss es an den Wochenenden und vor freien Tagen eine ganze Flasche sein - und dazu ziehe ich mich natürlich ganz gepflegt zurück... Und dank Homeoffice sind die Wochenenden irgendwie manchmal auch länger... da konnte man auch schon mal Donnerstags starten - sieht ja keiner das aufgedunsene Gesicht am nächsten Morgen. Seit längerer Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Sucht - leider kommt bei mir die Nikotinsucht dazu. Viele Bücher habe ich gelesen, schon einiges probiert, immer erfolglos. Ich weiß ganz genau dass mir diese Nervengifte nicht gut tun - und auch vor Gaby Guzek war ich mir im Klaren, dass Nikotin mich einfach nur runterzieht und ich im Laufe der Zeit immer mehr konsumiere. Nun habe ich den Entschluss gefasst mit der Wiederherstellung meiner Synapsen mal so richtig aufzuräumen - und hoffentlich den Alkohol und auch das Nikotin hinter mir zu lassen. Am meisten bereue ich wie sehr ich meinen Mann die Jahre gequält habe. Zunächst hat er noch versucht mit gutem Zureden, aber auch einigen Ausflippern, den Alkohol von mir fernzuhalten. Im Laufe der Zeit hat er sich aber auch zurückgezogen, wahrscheinlich aus Verzweiflung. Er selbst hat fast ganz aufgehört Alkohol zu trinken... Er ist ständig niedergeschlagen und müde, ich kann mir vorstellen dass ich ihn in eine Depression getrieben habe. Er hängt sehr an seiner Familie und allem, was wir uns gemeinsam aufgebaut haben - ich an seiner Stelle hätte mich längst verlassen...
Die Liste der NEMS hat mich echt erschlagen, aber ich habe nun alles vorrätig und gestern bereits mit der Einnahme begonnen. Noch nie in meinem ganzen Leben hatte ich so viele Pillen auf dem Tisch stehen - ich hasse Tabletten. Habe mir in der Apotheke so eine Sortierschachtel gekauft, da passen die gerade so rein... Aber ich möchte durchhalten weil ich an das Konzept glaube.
So - nun habe ich mich ein wenig ausgekotzt - Tag 1 geht zu Ende - obwohl ich ja unter der Woche auch oft nicht getrunken habe. Angst habe ich vor den Wochenenden... muss ich gut durchplanen. Morgen möchte ich versuchen auch die Glimmstengel wegzulassen, habe heute bereits den Eindruck gehabt dass ich sehr ruhig über den Tag gekommen bin - obwohl ich gegen 14:30 Uhr ein ganz schönes Tief hatte, dachte ich schlafe gleich im Stehen ein...
Ich werde mich bemühen jeden Abend reinzuschauen und zu berichten wie es mir geht.
Eure Patientin1
Hallo Patientin nr.1 😉
toll das wird was das ist wie ein Abenteuer mit sich selbst unterwegs sein und was da alles zum Vorschein kommt wenn mann nicht alles runterspült!! Das ist wie ein Krimi oder Roman oder sonst eine spannende Geschichte, sie wird auch nie langweilig. Jedenfalls hilft mir diese Betrachtung immer wieder das ganze interessant und lohnenswert zu sehen und dran zu bleiben. Egal ob es Gefühle körperliche Unruhe träume oder sonst was ist alles ist interessant zu entdecken was es einem sagen will. Viel spass und Neugierde auf deiner Weltreise mit dir selbst!!!
Herzlich willkommen im Forum. Fein, dass Dir das Konzept vertraut ist und Du auch die NEMs schon nimmst.
Die Anzahl der Tabletten, Pulver, Tropfen hat mich, und vermutlich die meisten hier, zu Beginn auch erschreckt. Aber diese Menge ist ja nur für einen Monat und ab dem zweiten Monat wird es sehr überschaubar.
Rauchen und Alkohol gleichzeitig anzugehen finde ich sehr gewagt. Beide Süchte haben ihre jeweils eigenen, manchmal auch gemeinsamen, Trigger die Deine Aufmerksamkeit erfordern. Ich würde mich erst mal auf den Alkohol konzentrieren. Und mich wirklich intensiv mit dem nächsten Wochenende und deinen Gestaltungsmöglichkeiten auseinander setzen.
Schön, dass Du da bist. Bleib dran und lass weiter von Dir hören.
@patientin1 Herzlich willkommen! Fühl dich wohl bei uns! Da du schon ein bisschen im Forum gelesen hast, hast du sicher entdeckt, dass wir alle irgendwie im gleichen Boot sitzen, aber auch, dass das Konzept von "Alkohol adé" wirklich funktioniert. Ich wünsche dir alles Liebe und Gute für deinen Start und freue mich auf den Austausch mit dir!
Herzlich willkommen hier im Forum!
Ich freue mich sehr, dass du endlich wegkommen willst vom Alkohol - und dem Nikotin. Da ich nie geraucht habe, bin ich kein Experte, aber Christians Meinung scheint mir logisch: Ich glaube, 2 Süchte auf einmal zu überwinden ist eine vielleicht zu große Herausforderung.
Dein Bericht hat mich an eine Situation in meinem 40jährigem Trinkerleben erinnert. 2007 bin ich einmal über meinen Schatten gesprungen und meinem Hausarzt gestanden: "Eigentlich führe ich ein glückliches Leben: führe eine glückliche Ehe, habe 3 gut geratene Kinder, Freude und Erfolg im Beruf (da hab ich dann nur noch geheult) - und ich habe ein Problem mit dem Alkohol. Ich habe eigentlich keinen Grund zum trinken und dennoch hänge ich an der Flasche."
Das war das erste - und einzige Mal, dass ich jemanden meine Sucht eingestanden habe. (Außer meinem Mann, vor dem konnte ich es natürlich irgendwann nicht mehr verheimlichen).
Mein Hausarzt hat dann gleich per Ultraschall meine Leber gecheckt, alles okay. (Leider).
Ein paar Monate habe ich dann eine Pause mit dem Trinken eingelegt, wieder erfolglos angefangen, kontrolliert zu trinken - und später den Hausarzt gewechselt. Hab mich zu sehr geschämt, wieder als Trinkerin zu ihm zu gehen.
Eigentlich kein Grund zum Trinken gehabt und doch immer den Grund gefunden:
Wenn was gut lief, wenn was schlecht lief, bei Stress, bei der Durchsicht meiner Kontoauszüge, wenn ich befürchtete, im Minus zu sein...
Das ist seit 4 Jahren vorbei.
Liebe Patientin, plane deine Wochenenden gut, anstehende Feiern, Geburtstage - und auch wenn du dir jetzt noch nicht vorstellen kannst, wie das ohne Alkohol gehen kann: es geht. Vor allem mit dem Programm hier.
Tue es für dich, deinen Mann, deine Kinder und Enkelkinder! Es lohnt sich so sehr.
Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, wieder von dir zu hören!
Isabel
@patientin1 Wunderbar, dass du hierher gefunden hast, es wird dir helfen, auch das Schreiben und Lesen hier im Forum, es gibt so viele, die ähnliche Erfahrungen wie du gemacht haben. Aber einen Rat (den dir auch andere schon gegeben haben): einen Schritt nach dem anderen. Nicht alles auf einmal. Zuerst die Alk-Geschichte. Und ja, am Anfang sieht es nach sehr viel NEMs aus, das war für mich auch ein Schreck, ich hatte auch eine "Tabletten-Phobie" - aber es hat geholfen, mich ans Konzept zu halten und die ausgeräumten und kaputten Depots mit dieser Hilfe erstaunlich rasch ins Gleichgewicht zu bringen. Ich hab ein Leben lang getrunken (ich bin 70), seit 3 Jahren halte ich mich ans KOnzept und es funktioniert großartig, ich hab mein Hirn und meinen Körper, mein Leben zurück! Schon gar, wenn dein Mann ziemlich deutlich in die Depression absackt - die Kinder zeigens vielleicht nicht, sind aber sicher auch zutiefst verunsichert - niemand macht einen Entzug "für" die anderen, du machst ihn für DICH SELBST - aber du, als Mensch, als Frau, die du bist, wirst dein Leben ändern und SCHritt für Schritt die Achtung von ihnen, vor allem aber auch die Selbstachtung, wiedergewinnen. Denn die leidet am meisten. Also. Eins nach dem anderen. Alles Gute.
@isabel Hallo und vielen Dank auch an alle anderen für den Zuspruch. Tag 2 lief super, geschlafen habe ich auch ganz gut. Nicht lachen - ich habe nicht vom Trinken sondern von Tabletten-Sortieren geträumt :)) Na ja aber wenn man den Tag vorher wie im Altenheim schön sein Schächtelchen vorbereitet geht es ganz gut. Und als Nebeneffekt habe ich festgestellt: ich trinke mehr, weil ich die Kapseln ja irgendwie runterbringen muss alle zwei Stunden... Sozusagen WinWin-Situation. Das mit dem Ablegen auch der Nitkotinsucht sehe ich ähnlich, prioritär steht das auch nicht im Vordergrund. Jedoch muss ich sagen - heute habe ich ganze drei Zigaretten geraucht (sonst vertilge ich ca. 1 Schachtel täglich) und diese haben ekelhaft geschmeckt. Ich weiß nicht ob die NEMs schon so schnell wirken, aber ich habe auch kein übermäßiges Verlangen, es kommt nur temporär mal vormittags und am frühen Nachmittag (Nikotinverlangen). Alkoholverlangen habe ich momentan gar nicht. Ich habe aber auch brav meine Hausaufgaben gemacht und sehe mir jeden Morgen meine Motivationsliste an sowie die Trigger Link entfernt Man muss dann für den Tag gut organisiert sein (genug Essen/Obst/Gummibärchen) - das kriege ich hin. Mental fühle ich mich tagsüber ein wenig "neben der Spur", nicht übermäßig schläfrig aber nun auch nicht als könnte ich Bäume ausreißen. Das wird sich hoffentlich einpegeln, ich bin überraschend ruhig - bin sonst ein sehr aufgedrehter Mensch.... Eine frühere Kollegin hat mich "Duracellhase" getauft - wer den noch kennt... Das wäre total traumhaft wenn ich nach dem Geraderücken der Andockstellen wieder mal zu mir selbst finde und auch Zeit in Ruhe und Gelassenheit wieder genießen kann. Mir fällt es eigentlich schon schwer einem Film im Fernsehen zu folgen ohne mehrfach durch die Bude zu laufen...
Ich werde weiter berichten - morgen werde ich erst einmal am Nachmittag meine beiden süßen Enkelchen aus der KiTa abholen und sie ein wenig bespaßen. Und dann ist auch schon Tag drei rum - das zehnfache dürfte dann schon ein ganzer Monat sein - ich freue mich drauf.
Eure Patientin1
@patientin1 wie schön, dass du jetzt deinen eigenen Thread hast und klasse, wie du das Thema angehst. Behalte diese Gelassenheit, die Dinge anzunehmen wie sie sind. Genieße diese Reise der Heilung mit allem, was da schönes kommt.





