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Hallo Ihr Lieben!
Auch für mich ist es nun an der Zeit mich hier vorzustellen. Seit letzten Sonntag bin ich hier angemeldet und habe mich hier erst einmal orientiert.
Der Weg bis hier her war für mich, wie für euch alle wahrscheinlich auch, sehr steinig. Und auch, wenn hier alles anonym ist, ist es nicht einfach für mich, mich zu zeigen.
Ich bin 43 Jahre und trinke seit mehr als 10 Jahren deutlich zu viel. Dass ich ein Problem mit Alkohol habe, weiß ich schon sehr lange, spätestens seit 2010. Ich bin mit einem alkoholkranken Vater aufgewachsen (auch meine Mutter hat sehr viel getrunken, konnte aber immer wieder aufhören) und habe mir in meiner Jugend immer geschworen, dass ich nicht so werde wie mein Vater. Nun, was soll ich sagen... ich bin bzw. war auf dem besten Weg dahin.
In meiner Jugend habe ich Alkohol lediglich probiert und fand es echt ecklig. Mit dem Werdegang von meinem Vater im Hinterkopf habe ich Alkohol eigentlich immer abgelehnt und mir waren Menschen, die viel getrunken haben immer unheimlich.
Klammheimlich hat sich der Alkohol aber doch in mein Leben geschlichen. Zuerst immer nur bei Feiern in der Familie meines damaligen Mannes, später dann auch mal im Restaurant zu einem Essen, usw. usw. Ihr kennt das wahrscheinlich alle. Als dann die Ehe mit meinem damaligen Mann in die Brüche ging und ich mit 2 Kindern allein erziehend war, hat sich mein Konsum immer mehr gesteigert. Das war 2010. Und schon da wusste ich, dass wenn ich hier nicht die Kurve bekomme, es ganz bös enden kann. Was hab ich getan? Nichts! Hab mir immer wieder eingeredet, dass ja alles nicht so schlimm ist, ich alles wunderbar hinbekomme und hab weiter gemacht. Zu dem Zeitpunkt habe ich jeden abend fast eine Flasche Wein getrunken.
Dann kam Ehe Nummer 2. Und auch hier habe ich weiter gemacht. Es folgten Depressionen, ein Bandscheibenvorfall, Therapie und irgendwann dann auch das Aus dieser Ehe. Dabei war Alkohol nicht der Grund für das Scheitern. Zumindest nicht vordergründig. Da ich nun nach der Lektüre von Gabys Buch schwarz auf weiß habe, dass der Alkohol sowohl Auslöser wie Verstärker von Depressionen ist, ist mir klar geworden, dass der Alkohol einen ganz großen Anteil daran hatte, dass es mir psychisch damals so schlecht ging. In der Therapie habe ich so viele Themen aufgearbeitet und mir ging es auch ein bisschen besser... dass aber mein Weinkonsum mich an so vielen Entwicklungen gehindert hat, ist mir jetzt sehr klar. Jahrelang habe ich versucht mich psychisch zu stabilisieren und an mir gearbeitet und mich immer wieder gefragt, warum ich einfach nicht fröhlich und ausgelassen, positiv und auch mal optimistisch sein kann.
Nachdem mein 2. Mann ausgezogen ist, habe ich wieder jeden Abend eine dreiviertel Flasche Wein getrunken. Und habe mehr oder weniger im Alltag funktioniert. War erschöpft, bin auf dem Zahnfleisch gekrochen, versuchte mich aufzurappeln. Den Wein habe ich immer wieder in Frage gestellt - den Absprung habe ich nicht geschafft.
Dann habe ich 2019 meinen jetzigen Partner kennengelernt. Er trinkt keinen Alkohol. Für mich war das anfangs sehr befremdlich, insgeheim hab ich mich aber darüber gefreut. Ich sah für mich die Chance endlich vom Wein loszukommen. Also spielte ich ihm vor, dass ich selten Alkohol trinke und zog das auch durch, wenn wir uns getroffen haben. Wobei mir die Wochenenden an denen wir uns anfangs nur gesehen haben, sehr schwer gefallen sind und ich immer den Sonntag abend entgegengefiebert habe um wieder Wein trinken zu können. In dieser Zeit habe ich mich selbst sehr heftig verurteilt. Hab mich gefragt, warum ich es einfach nicht schaffe. 2021 sind wir dann zusammen gezogen. Und in der ersten Zeit (für ca. 3 Monate) habe ich nichts getrunken. So langsam aber sicher hab ich dann immer mehr Ausreden gefunden, warum ein Glas Wein jetzt genau sein musste, warum ich es mir verdient habe und was genau es jetzt heute abend zu feiern gibt. Und so war ich dann ziemlich schnell wieder bei einer halben Flasche am Abend.
Da mein Partner aber nun wirklich so gut wie gar nichts trinkt, habe ich ja nun jeden Tag das lebende Beispiel vor bzw neben mir, dass es auch ohne Alkohol geht. Und natürlich hat er gemerkt, dass ich viel trinke und hat mich auch gefragt, was denn los sei. Ihr kennt die Ausreden alle selbst, die man dann von sich gibt....
Im Mai letzten Jahres bin ich dann auf verschiedene Podcasts und Bücher gestoßen. Hab sie mir als Hörbuch runtergeladen und heimlich gehört. Dann hab ich all meinen Mut zusammengenommen und habe meinem Partner gesagt, dass ich ein Problem mit dem Alkohol habe. Er hat sehr lieb reagiert und gesagt, dass er für mich da ist, ich den Absprung aber selbst schaffen muss. Es hat tatsächlich bis jetzt gedauert. Ich hatte einfach viel zu viel Angst vorher den Absprung zu finden.
Gabys Buch und diese Seite hier haben mir die Augen geöffnet. Ich weiß nun, dass es tatsächlich auch ein handfestes körperliches bzw. biochemisches Problem ist. Schon allein dafür, dass ich diese Erkenntnis haben durfte, herzlichen Dank!
Die NEMs sind unterwegs. Heute ist mein 2. Tag und ich bin endlich wieder hoffnungsvoll!
So, dass war jetzt relativ lang. Danke für's Lesen.
Ich freue mich auf einen tollen Austausch mit euch!
TanteEmma
@tanteemma Hallo, liebe Tante Emma, und herzlich willkommen! Ich wünsche dir viel Erfolg und freue mich auf den Austausch mit dir! 🙋♀️
@tanteemma aka TanteEmma herzlich willkommen hier. Ich kann dich sehr gut verstehen, hab ich doch ähnliches erlebt. 2 Ehen, Kinder meist allein groß gezogen, an mir selbst hart gearbeitet, den Depressionen getrotzt... soooo anstrengend.
Heute, fast 10 Monate nüchtern, hatte ich seit Monaten keine depressive Episode, habe zu mir selbst gefunden, mag mein neues Ich sehr gern und bekomme viel Zuspruch von den Menschen, die mir wichtig sind. Mit meiner neuen Freiheit (ja, es ist Freiheit, wenn sich die Gedanken nicht mehr um das nächste Glas Wein drehen, wenn es kein Versteckspiel mehr gibt) kamen optische Veränderungen (Gewichtsverlust, schönere Haut und Haare, klare Augen) und im Laufe der Monate auch neue geistige Kapazitäten. Und der Schlaf erst! Ich schlafe so gut.
Du hast ja schon mit Podcasts und Büchern viel zusätzliches gemacht. Das hilft auch. Es gibt hier auch ein Thema mit Empfehlungen.
Alles Gute für dich. Wir lesen uns...
Liebe Grüße von der Mermaid 🧜♀️
@tanteemma Herzlich willkommen! Liest sich wie klassisches Entspannungstrinken, bei Deinem Lebenslauf kein Wunder, bist ganz sicher nicht die erste hier. Du schaffst das, den wichtigsten Schritt hast Du schon getan: Das Problem benannt!
Viele Erfolg wünsche ich Dir, lass' von Dir hören.
@rosine123
Hallo liebe Rosine,
vielen Dank für dein Willkommen und für deine Wünsche!
ja, die letzten Jahre waren extrem anstrengend. In den letzten beiden Jahren dämmerte mir allerdings immer mehr, dass der Alkohol einen ganz großen Beitrag dazu leistet, mir das Leben schwer und unendlich anstrengend zu machen.
Ich freue mich für dich, dass du inzwischen deine Freiheit genießen kannst. Ich bin noch am Anfang - freu mich aber auf die Zeit, die kommt.
Liebe Grüße
TanteEmma
@harley danke für deine Wünsche.
ja, es war tatsächlich das "klassische Entspannungstrinken". In " weil man ja nicht wirklich von Entspannung reden kann. Kurzfristig ist man ja eigentlich nur benebelt und der Stress kommt danach umso mehr.
Danke übrigens auch für den Tipp mit den Gummibärchen, den ich hier von dir schon öfter gelesen habe. Die haben mir gestern den Abend gerettet 😉
Liebe Grüße
TanteEmma
Gabys Buch und diese Seite hier haben mir die Augen geöffnet. Ich weiß nun, dass es tatsächlich auch ein handfestes körperliches bzw. biochemisches Problem ist. Schon allein dafür, dass ich diese Erkenntnis haben durfte, herzlichen Dank!
liebe @tanteemma
Das ist schon eine große Erleichterung. Zu wissen, dass man keine Charakterschwäche hat, wenn man dem Alkohol doch etwas zu sehr zugeneigt ist. Viel Erfolg für Dich.
LG, Kris
wenn man dem Alkohol doch etwas zu sehr zugeneigt ist.
Genau das ist das Problem. Wo hört "etwas mehr Zuneigung" auf und wo und wann ist es problematisch, ja sogar gefährlich?
Damit habe ich in den letzten Jahren so oft gehadert. Hab mich immer wieder vor mir selbst gerechtfertigt.
"Ach.... es sind doch nur 2-3 Gläser... andere trinken viel mehr... dein Vater, der war richtiger Alkoholiker, der hat gezittert, war im Delirium, ... du bist noch weit entfernt von einem Problem..."
Und trotzdem dass es täglich "nur" 2-3 Gläser waren, konnte ich nicht einen Abend ohne. Wenn ich nicht mein "Wohlfühlpensum" für den Abend hatte, bin ich sogar in den Keller und hab heimlich noch was härteres in mich reingekippt. Meistens dann wenn mein Partner noch einmal mit dem Hund draussen war.
Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, dann hätte ich in den letzten 3 Jahren wahrscheinlich auch mehr getrunken. Nur die Anwesenheit von meinem Freund ließ mich meinen Konsum deckeln. Zufrieden war ich damit nicht. Die hässliche Weinkrake, die sich immer mehr von meinem Selbst genommen hat, wollte mehr und war nicht zufrieden.
Liebe Grüße
Genau das ist das Problem. Wo hört "etwas mehr Zuneigung" auf und wo und wann ist es problematisch, ja sogar gefährlich?
Damit habe ich in den letzten Jahren so oft gehadert. Hab mich immer wieder vor mir selbst gerechtfertigt.
"Ach.... es sind doch nur 2-3 Gläser... andere trinken viel mehr... dein Vater, der war richtiger Alkoholiker, der hat gezittert, war im Delirium, ... du bist noch weit entfernt von einem Problem..."
Und trotzdem dass es täglich "nur" 2-3 Gläser waren, konnte ich nicht einen Abend ohne. Wenn ich nicht mein "Wohlfühlpensum" für den Abend hatte, bin ich sogar in den Keller und hab heimlich noch was härteres in mich reingekippt. Meistens dann wenn mein Partner noch einmal mit dem Hund draussen war.
Du beantwortest dir das schon selbst.😊 Diese Rechtfertigung und das Schönreden, das Heimliche ... Die Tatsache, dass man jeden Tag trinken MUSS, ständig plant, wo man einkauft, damit es nicht so auffällt, wo daheim unterbringt, wo entsorgt ...
Mensch, war das anstrengend und belastend für mich. Ein Leben ohne Alkohol und dieses ganze "Gschiss" ist so befreiend - und außerdem geht es mir ohne Alkohol psychisch und physisch viel besser. 😊





