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Ich grüße euch mal ...
 
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Ich grüße euch mal alle - Vorsicht Lang 🙂

13 Beiträge
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343 Ansichten
(@tanteemma)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 9
Topic starter  

Hallo Ihr Lieben!

Auch für mich ist es nun an der Zeit mich hier vorzustellen. Seit letzten Sonntag bin ich hier angemeldet und habe mich hier erst einmal orientiert.

Der Weg bis hier her war für mich, wie für euch alle wahrscheinlich auch, sehr steinig. Und auch, wenn hier alles anonym ist, ist es nicht einfach für mich, mich zu zeigen.

Ich bin 43 Jahre und trinke seit mehr als 10 Jahren deutlich zu viel. Dass ich ein Problem mit Alkohol habe, weiß ich schon sehr lange, spätestens seit 2010. Ich bin mit einem alkoholkranken Vater aufgewachsen (auch meine Mutter hat sehr viel getrunken, konnte aber immer wieder aufhören) und habe mir in meiner Jugend immer geschworen, dass ich nicht so werde wie mein Vater. Nun, was soll ich sagen... ich bin bzw. war auf dem besten Weg dahin.

In meiner Jugend habe ich Alkohol lediglich probiert und fand es echt ecklig. Mit dem Werdegang von meinem Vater im Hinterkopf habe ich Alkohol eigentlich immer abgelehnt und mir waren Menschen, die viel getrunken haben immer unheimlich. 

Klammheimlich hat sich der Alkohol aber doch in mein Leben geschlichen. Zuerst immer nur bei Feiern in der Familie meines damaligen Mannes, später dann auch mal im Restaurant zu einem Essen, usw. usw. Ihr kennt das wahrscheinlich alle.  Als dann die Ehe mit meinem damaligen Mann in die Brüche ging und ich mit 2 Kindern allein erziehend war, hat sich mein Konsum immer mehr gesteigert. Das war 2010. Und schon da wusste ich, dass wenn ich hier nicht die Kurve bekomme, es ganz bös enden kann. Was hab ich getan? Nichts! Hab mir immer wieder eingeredet, dass ja alles nicht so schlimm ist, ich alles wunderbar hinbekomme und hab weiter gemacht. Zu dem Zeitpunkt habe ich jeden abend fast eine Flasche Wein getrunken.

Dann kam Ehe Nummer 2. Und auch hier habe ich weiter gemacht. Es folgten Depressionen, ein Bandscheibenvorfall, Therapie und irgendwann dann auch das Aus dieser Ehe. Dabei war Alkohol nicht der Grund für das Scheitern. Zumindest nicht vordergründig. Da ich nun nach der Lektüre von Gabys Buch schwarz auf weiß habe, dass der Alkohol sowohl Auslöser wie Verstärker von Depressionen ist, ist mir klar geworden, dass der Alkohol einen ganz großen Anteil daran hatte, dass es mir psychisch damals so schlecht ging. In der Therapie habe ich so viele Themen aufgearbeitet und mir ging es auch ein bisschen besser... dass aber mein Weinkonsum mich an so vielen Entwicklungen gehindert hat, ist mir jetzt sehr klar. Jahrelang habe ich versucht mich psychisch zu stabilisieren und an mir gearbeitet und mich immer wieder gefragt, warum ich einfach nicht fröhlich und ausgelassen, positiv und auch mal optimistisch sein kann.

Nachdem mein 2. Mann ausgezogen ist, habe ich wieder jeden Abend eine dreiviertel Flasche Wein getrunken. Und habe mehr oder weniger im Alltag funktioniert. War erschöpft, bin auf dem Zahnfleisch gekrochen, versuchte mich aufzurappeln. Den Wein habe ich immer wieder in Frage gestellt - den Absprung habe ich nicht geschafft.

Dann habe ich 2019 meinen jetzigen Partner kennengelernt. Er trinkt keinen Alkohol. Für mich war das anfangs sehr befremdlich, insgeheim hab ich mich aber darüber gefreut. Ich sah für mich die Chance endlich vom Wein loszukommen. Also spielte ich ihm vor, dass ich selten Alkohol trinke und zog das auch durch, wenn wir uns getroffen haben. Wobei mir die Wochenenden an denen wir uns anfangs nur gesehen haben, sehr schwer gefallen sind und ich immer den Sonntag abend entgegengefiebert habe um wieder Wein trinken zu können. In dieser Zeit habe ich mich selbst sehr heftig verurteilt. Hab mich gefragt, warum ich es einfach nicht schaffe. 2021 sind wir dann zusammen gezogen. Und in der ersten Zeit (für ca. 3 Monate) habe ich nichts getrunken. So langsam aber sicher hab ich dann immer mehr Ausreden gefunden, warum ein Glas Wein jetzt genau sein musste, warum ich es mir verdient habe und was genau es jetzt heute abend zu feiern gibt. Und so war ich dann ziemlich schnell wieder bei einer halben Flasche am Abend. 

Da mein Partner aber nun wirklich so gut wie gar nichts trinkt, habe ich ja nun jeden Tag das lebende Beispiel vor bzw neben mir, dass es auch ohne Alkohol geht. Und natürlich hat er gemerkt, dass ich viel trinke und hat mich auch gefragt, was denn los sei. Ihr kennt die Ausreden alle selbst, die man dann von sich gibt....

Im Mai letzten Jahres bin ich dann auf verschiedene Podcasts und Bücher gestoßen. Hab sie mir als Hörbuch runtergeladen und heimlich gehört. Dann hab ich all meinen Mut zusammengenommen und habe meinem Partner gesagt, dass ich ein Problem mit dem Alkohol habe. Er hat sehr lieb reagiert und gesagt, dass er für mich da ist, ich den Absprung aber selbst schaffen muss. Es hat tatsächlich bis jetzt gedauert. Ich hatte einfach viel zu viel Angst vorher den Absprung zu finden. 

Gabys Buch und diese Seite hier haben mir die Augen geöffnet. Ich weiß nun, dass es tatsächlich auch ein handfestes körperliches bzw. biochemisches Problem ist. Schon allein dafür, dass ich diese Erkenntnis haben durfte, herzlichen Dank! 

Die NEMs sind unterwegs. Heute ist mein 2. Tag und ich bin endlich wieder hoffnungsvoll!

So, dass war jetzt relativ lang. Danke für's Lesen.

Ich freue mich auf einen tollen Austausch mit euch!

 

TanteEmma



   
4
AntwortZitat
kkopp
(@kkopp)
Mitglied
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 344
 

Verfasst von: @tanteemma

Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, dann hätte ich in den letzten 3 Jahren wahrscheinlich auch mehr getrunken. Nur die Anwesenheit von meinem Freund ließ mich meinen Konsum deckeln.

Das ist eben das Kriterium: man verliert die Kontrolle. Tröste Dich: es gibt keine Grenze zwischen gefährlich und ungefährlich.  Bei ambitionierten Trinkern (es ist egal, ob es 2 Gläser Wein sind oder 2 Flaschen pro Tag) liegt offenbar ein sehr lernfähiges Gedächtnis vor. Und das will eben, dass wir immer auf Knopfdruck entspannen (oder wozu auch immer wir den Alkohol einsetzen). Gute Nachricht: der Mechanismus kann mit der Zeit überschrieben werden, aber nicht gelöscht. Da heisst, der Wunsch lässt nach.



   
1
AntwortZitat
cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@tanteemma schön, dass Du da bist. Schreib mehr. Lieben Gruß

Sandra



   
1
AntwortZitat
(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 5128
 

Verfasst von: @tanteemma

Die NEMs sind unterwegs. Heute ist mein 2. Tag und ich bin endlich wieder hoffnungsvoll!

So, dass war jetzt relativ lang. Danke für's Lesen.

Ich freue mich auf einen tollen Austausch mit euch!

Wie geht es dir inzwischen? 😊

 



   
AntwortZitat
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