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Ich bin über das Buch "Die Suchtlüge" auf dieses Forum hier aufmerksam geworden und bin würde diesen Post nutzen um mich einfach mal vorzustellen.
Ich bin 51 Jahre alt, verheiratet, keine Kinder aber dafür 3 Hunde (aus dem Tierschutz), 4 Hühner und einen Hasen. Wir bewohnen ein kleines Häuschen direkt am Waldrand welches wir vor 7 Jahren gekauft haben. Also alles harmonisch, sollte man meinen. Ne, aber das ist es nicht. Mein Vater war Alkoholiker und meine Kindheit war nicht schön, wirklich nicht. Somit hätte ich allen Grund gehabt es "anders" zu machen. Aber ich habe es nicht getan, nicht geschafft. Heute würde ich mich definitiv als Alkoholiker bezeichnen. Ich trinke niemals auf der Arbeit. Abends nach Feierabend geht's los. Bier reicht da schon lange nicht mehr. Mittlerweile sind es wohl so 10-15 Jahre wo es immer und immer mehr wurde. Die tägliche Dosis wurde immer mehr und nun stehe ich da wo ich nun bin. Ich will das nicht mehr,. Die körperlichen Probleme werden immer größer, immer heftiger wehrt sich der Körper. Jeden morgen gucke ich in den Spiegel und sehe mich an und Denke "wie bekloppt bist Du eigentlich"...sehe ein ausdruckloses geschwollenes Gesicht. Versuche mich dann ein wenig aufzupäppeln, dann zur Arbeit. Während der Fahrt dorthin sage ich immer wieder "heute Abend nicht"...und es passiert doch wieder. Dazu kommen immer größer werdende "dunkle Phasen"..mein innerlicher Zorn, mir gegenüber wird immer größer. Ich bin niemals anderen gegenüber Handgreiflich oder zornig geworden, wirklich niemals. Aber ich bin so ungnädig mir selber gegenüber. Will immer alles richtig gut machen. Mein Verhängnis. Denn andere nutzen diese Situation Gnadenlos aus. Ich sehe das, und schon muss ich abends wieder abschalten, mit diesen scheiß Alkohol. Ein endlos zu scheinender Kreis in dem ich mich bewege, fühlt sich so an.
Ich glaube ich habe erstmal einiges geschrieben und vorgestellt was bei mir los ist.
Eins vielleicht noch. Ich habe vor einigen Jahren (vielleicht so 3-4 Jahre) schon mal den Schritt gemacht und bin hier zur Diakonie. Dort habe ich 4 Sitzungen gehabt. Das hat zuerst sehr gut geklappt. Irgendwann aber nicht mehr. Ich habe das hier Zuhause auch zum Thema gemacht damals. Meine Frau meinte ob das notwendig ist mit der Diakonie. Sie hätte nichts bemerkt von meinen Exzessen, ich würde mir nur was vormachen...usw... ich bin hier Zuhause also komplett allein. Mein Frau interessiert das nicht. Hauptsache Hunde, Tiere....der Rest "also ich" kommt 5 Stufen dahinter...und ich mache hier und tue und kümmere mich in der Zeit wo sie unterwegs ist um alles. Und der Haufen den ich erledigen darf wird immer größer und höher.....und schon dreht sich die Spirale wieder...kein schönes Gefühl..
Ich wünsche Euch einen schönen Tag.
Holger
@tectonics Hallo Holger,
erst einmal herzlichen Willkommen hier. Das hört sich ja nach großer Frustration an.Hast Du denn schon aufgehört zu trinken, oder bereitest Du Dich noch vor? Alle Probleme bekommt man nicht auf einmal gelöst. Fange für Dich mit Deinem Größten an, wenn man nüchtern ist, kann man viel zielstrebiger und selbstbewusster agieren.
Wünsche Dir viel Glück.
Grüße Lea
@tectonics Hi Holger! Schön das Du hier bist! Das ist der erste Schritt in die Veränderung. Das hört sich wirklich nach sehr vielen Baustellen und Herausforderungen an. Diese Wut, dieses Enttäuscht sein von sich selbst, gepaart mit dem Gefühl von Hilflosigkeit ist wirklich einer der schlimmsten Gefühlcocktails die es gibt! Mir haben 2 Gedanken immer etwas geholfen bzw helfen mir. A wie Gaby beschreibt, Du bist nicht willensschwach es ist die Chemie die durcheinander ist! Und B, die Verharmlosung der größten legalen Droge die es gibt lässt Menschen in die Falle der Sucht tappen! Es ist die Droge die Dich, schleichend und nach und nach, in die Falle gelockt hat. Nicht Du bist zu schwach!
Nach Gaby‘s Buch habe ich noch Endlich ohne Alkohol von Allen Carr gelesen. Mir hat es Schuldgefühle und schwach zu sein, sehr gut genommen.
Liebe Grüße und noch einmal, schön das Du hier bist!
@tectonics Herzlich willkommen und viel Erfolg! Trinkst Du aktuell noch oder hast Du schon mit dem Ausstieg angefangen?
Hallo,
ich Danke Euch sehr für das herzliche Willkommen. Ich freue mich wirklich riesig das ich hier sein darf.
Ich habe bereits aufgehört zu trinken. 4 Tage ist es her das ich mir gesagt habe das es so nicht mehr weitergehen kann bzw. der Wunsch dieses zu tun hatte ich schon länger. Der Körper hat halt immer mehr gestreikt, meine Psyche hat immer mehr gelitten. Und somit war nun der Entschluss da. Ich habe derzeit extreme Gleichgewichtsstörungen, habe das Gefühl alles dreht sich so komisch. Außerdem ist eines von Tinnitus-Geräuschen gerade extremst heftig. Das piept wie bescheuert. Zum Glück kenne ich dieses Geräusch schon sonst würde es mich wohl wahnsinnig machen. Ich merke auch an mir selber wie dünnhäutig ich gerade bin.
Allerdings bin ich gerade sehr stolz. Denn ich musste gestern nach der Arbeit noch eine Kiste Wasser holen in dem Getränkemarkt wo ich sonst meinen Alkohol geholt habe. Ich habe vorher lange im Auto gesessen und versucht mich per Atmung einfach zu entspannen mich selbst zu hören und mir zu sagen...NUR die Kiste Wasser. Also rein ins Geschäft, eine Kiste Wasser und wieder raus. Das Gefühl danach war unbeschreiblich. Ich kann das gar nicht in Worte fassen....
Werde gleich noch ein wenig rausgehen in den Wald, nochmal durchatmen und die Ruhe genießen...
Viele Grüße
Holger
@tectonics Spitze. Das sind so die kleinen Erfolge im Alltag, die einen voran bringen. Glückwunsch!
@tectonics Wow, nach 4 Tagen schon in den gewohnten Getränkemarkt zu gehen und tatsächlich nur mit Wasser rauszukommen ist eine sehr stramme Leistung, Glückwunsch! Ob ich das geschafft hätte, weiß ich nicht genau. Viel Erfolg weiterhin!!🙋♀️





