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Hallo Ihr Lieben!
So oft habe ich schon überlegt, ob wann und wie ich mich hier vorstellen soll. Mit welchen Worten, was ist wichtig? Jetzt mache ich es einfach, weil ich wichtig finde, dass Ihr eine Ahnung habt, wer ich bin, wenn ich schon anfange mich zu bestimmten Themen zu äußern (Stichwort: Frage der Woche zum Thema "Fasching/Karneval").
Also, ich bin Mitte 50, wohne im Rheinland, bin seit Ewigkeiten mit meinem Mann zusammen, angestellt, keine Kinder. Persönliche Probleme: Im Wesentlichen Sozialphobie, und noch so das ein, oder andere, komme aber im Großen und Ganzen gut zurecht.
Was mich in das Forum geführt hat? Eigentlich war ich auf der Suche nach Seiten, Argumenten, Literatur, o.ä. um etwas zu finden, was meinen Mann von seinem Alkoholkonsum runter bringt (ha ha ha, guter Witz, wie ich inzwischen weiß). Er ist ein Geselligkeitstrinker, und übertreibt es dann regelmäßig. Und das ist es ja, was so einen großen Teil unserer Gesellschaft betrifft. Und dazu zähle ich mich auch: Nicht abhängig, weder körperlich, noch psychisch (obwohl... ;-)), aber viel zu viel konsumierend. Und wie es so ist, zum x-ten Mal einen Test gemacht, gedanklich für meinen Mann, meinen Konsum und mein Verhalten aber direkt mit bedacht und das Ergebnis ist immer das Gleiche: kritischer Alkoholkonsum.
Ich habe begriffen (insbesondere durch den Podcast "Tanzen kann man auch auf Brause"), dass nichts in der Welt meinen Mann vom Alkohol abbringen kann, wenn er es nicht selber will.
Also blieb übrig, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Seit ca. Weihnachtszeit lese ich hier regelmäßig. Inzwischen habe ich alle Beiträge durch. Ich bewundere Euch in Eurem Kampf und Euren Weg, was Ihr geschafft habt. Eure Leistung ist ein Vielfaches höher, als meine je sein kann. Alles zusammen hat mich inspiriert, es einfach selber zu versuchen. Und für mich ist dieses "Nicht-trinken-müssen" nicht die Befreiung, wie für manch anderen. Ich habe nicht den gewaltigen Druck gespürt, trinken zu müssen. Das ist mir glücklicherweise erspart geblieben, obwohl das eigentlich erstaunlich ist. Dennoch denke ich mit Wehmut an die vielen Wein- und Sektflaschen im Keller.
Was uns sicherlich eint, ist die Sensibilisierung im Umgang mit Alkohol bzw. der Blick darauf. Man schenkt sich immer Alkohol. Total selbstverständlich. Wenig Auswahl an alternativen Getränken bei Feiern und in Restaurants etc, Gestern - Karnevalssonntag - nur Wasser in der Kneipe zu trinken, ist nicht so sexy. Etwas mehr Abwechslung wäre schon nett. Dann jetzt schon die Gedanken an die nächsten Feiern und Urlaube. Kein Sekt. Weihnachten kein Champagner. Will ich das wirklich? Schaffe ich das? Dann sage ich mir: nur heute. Heute trinke ich mal keinen Alkohol. Das klappt jetzt knapp 3 Wochen.
Zu meiner Überschriftsfrage, ob ich hier richtig bin: Ich kam mir ein bißchen vor, als würde ich durch ein Schlüsselloch spionieren, ich fand es eigentlich unfair, alles zu lesen, aber nichts von mir selber preiszugeben. Deswegen wollte ich mich eigentlich auf jeden Fall vorstellen, und wenn es auch nur bei dieser einen Vorstellung bleiben sollte. Es ist jetzt ein kleines bißchen anders gekommen. Und dann halt auch die Frage, ob ich mit meinem Alkoholthema - nicht abhängig, aber missbrauchend - für Euch hier richtig bin.
Ach so, ein kleiner Schwank noch, der auch zu meiner Entscheidung beigetragen hat (ggfs. Triggerwarnung): Silvester waren mein Mann und ich bei uns in der Eckkneipe, Frühschoppen. Ging lang, bis zum frühen Abend. Wir haben uns schon lange drauf gefreut und ich fand es auch urgemütlich. Wir saßen zu zweit an einem Tisch, haben uns unterhalten, anderen zugeguckt, mit anderen geredet und dabei dann ein Bier nach dem anderen getrunken. Ich hatte mit Kölsch-Malz-Bier angefangen, wobei auf meinen Wunsch das Mischungsverhältnis mehr in Richtung Kölsch geändert wurde. Mir ging es gut, ich konnte reden, noch geradeaus auf Toilette gehen, alles gut. Als wir am frühen Abend nach Hause gingen (natürlich nur, weil die Kneipe zugemacht hat), haben wir Musik aufgedreht und ich habe ausgelassen getanzt. Da hat mich das Gleichgewicht im Stich gelassen und ich bin auf irgendwas drauf gefallen, ich vermute, es war die Kommode (ICH WEIß ES NICHT!!). Ich sah auf einmal die Weihnachtspyramide gefährlich nahe vor mir. Mir tut heute noch die Rippe weh, geprellt, oder gebrochen, keine Ahnung. Und da dachte ich mir, bevor ich die ganze Weihnachtsdeko runter reiße, gehe ich lieber ins Bett. Silvesterabend um 21.00 Uhr.
Und das ist es doch, was der Alkohol mit mir macht: Ich werde aggressiv, streite mit meinem Mann, haue Sprüche raus auch gegenüber anderen, ich verletze mich, ich mache was kaputt, ich schade meinem Körper. Die Grenzen zwischen Genuss und "Zuviel" sind so fließend und wenn man meint, es sei noch Genuss, ist man oft schon drüber, weil das "Zuviel" wie an einem gespannten Gummiband auf einmal an einem vorbei schießt und mitnimmt.
So, das sollte für das Erste reichen - liebe Grüße und gute Nacht 🙂
Liebe @marlina!
Erstmal - gut, dass du es rausgefunden bzw für dich benennen kannst! Ich selbst bin - spät diagnostiziert- im Autismus Spektrum, wobei man hier betonen muss, dass da die Grenzen zu AD(H)S bzw auch HS teilweise echt sehr verschwimmen...
Was ich dir aus meiner Erfahrung sagen kann - für mich war es ehrlich eine Befreiung, als ich die Diagnose bekam. Einfach aus dem Grund, weil mir plötzlich klar wurde, warum bei mir so vieles anders läuft - speziell in meinem Kopf - und dass das absolut ok ist. Es fiel ein riesen Druck von mir ab hinsichtlich 'so sein müssen wie alle'.
Abgesehen davon, dass ich eh noch nie so wie alle war, musste ich es jetzt auch nicht mehr krampfhaft versuchen. Ich habe ganz andere Grenzen als andere - und das ist total ok. Ich habe das Glück hier in der Nähe eine wirklich gute Ärztin zu haben, die darauf spezialisiert ist erwachsene Frauen auf Autismus/AD(H)S zu testen... Man wartet halt eine kleine Ewigkeit auf einen Termin aber für mich war das echt ein Game Changer 🙏🏻
Ich find es wahnsinnig traurig, dass dieses Thema - bei erwachsenen - nach wie vor 'stiefmütterlich' behandelt wird. Es ist bzw wäre so wichtig, dass man da mehr Anlaufstellen hat...
Alles Liebe zu dir und ein neurodiverses high five 🙌🏻 🫶🏻
@gaby_guzek Liebe Gaby, ich habe mich sehr über Deine ausführliche Reaktion mit den hilfreichen Tipps gefreut. Und danke, dass Du Dich auch "geoutet" hast 😉 Ja, es war ein kalter Waschlappen; inzwischen habe ich mich etwas beruhigt. Ich habe mich natürlich schon sehr eingelesen, und diverse Arztpraxen ergoogelt, meine Krankenkasse angeschrieben bzgl. Facharzt-/-ärztin-Terminierung usw. Übrigens "Kirmes im Kopf" hatte ich am Tag "0" ergoogelt, also an dem Tag, wo ich für mich festgestellt habe, dass ich ADS habe. Ich habe ihren Instagram-Account durchgesehen und bei den Kommentaren der - vorwiegend - Frauen mich extrem wiedererkannt. Das Buch werde ich mir wohl auch mal zulegen, das stand schon auf meiner inneren Liste 😉
Die Fragebögen werde ich noch durchgehen; lieben Dank!!
Viele Grüße und noch einen netten Rest-Sonntag 🙂
@mina Liebe Mina, herzlichen Dank für Deine reflektierte Rückmeldung 🙂 Ehrlich gesagt, finde ich es für mich gar nicht mutig die Diagnose anzugehen. Denn aus der positiven Diagnose wird eine medikamentöse Behandlung und daraus wird ein besseres Leben, juchhuuh 🙂 So sehe ich das gerade 😉
Ich bin seit kurzer Zeit in einem Forum für hochsensible Personen, und ich habe einen ähnlichen Beitrag auch in dieses Forum gesetzt und es haben sich einige Frauen gemeldet, die auch erst kürzlich im Erwachsenenalter die Diagnose erhalten haben. Es gibt also offenbar wirklich viele Überschneidungen. Und in diesem Forum sind nur sehr wenige Mitglieder, also ist der prozentuale Anteil dort mit AD(H)S sehr hoch!
Wenn Du an das Thema nicht ran willst, habe ich da volles Verständnis für. Für mich bedeutet es definitiv Erleichterung. Jetzt weiß ich, dass ich nicht faul bin, jetzt weiß ich, dass irgendwelche Botenstoffe nicht den Job machen, den sie eigentlich machen sollten 😉 Das hebt die Stimmung. Einerseits. Andererseits läuft noch so der Eindruck mit "ich bin behindert". Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das gibt. Schauen wir mal...
Auch Dir wünsche ich noch einen schönen sonnigen Sonntagabend! Liebe Grüße
@soberella Liebe Soberella, das glaube ich Dir gerne, dass es für Dich eine Befreiung war. Und auch Dir ein herzliches Dankeschön, für Deine Antwort und Deine Erfahrungen....
Da ich mich jetzt leider erst spät ans Forum gesetzt habe und mein Mann drängelt zu einer Veranstaltung bei uns im Dorf zu gehen, muss ich jetzt leider meine Antwort an Dich abwürgen 😉
Ich wünsche Dir einen schönen Abend, ich melde mich die Tage hoffentlich nochmal zu dem Thema.
Liebe Grüße
@marlina Liebe Marlina, Ganz herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Hast Du gesehen, dass ich schrieb, dass der Komponente hochsensibel auch bei ADHS enthalten kann? Der Grund warum ich mich nicht dem Thema ADHS befasse, ist das ich mich momentan einfach mit dem Thema Abhängigkeit befasse. Obwohl ich jetzt nur das Allernötigste auf die Reihe kriege, denke ich für mich, dass es ohne Alkohol wieder besser wird. Ich werde meine Therapeutin dennoch beim nächsten Termin darauf ansprechen. Werde Dir dann schreiben. Ich versuche derzeit meine Wohnung neu zu gestalten, dass ist für mich eine Riesenaufgabe. Werde mich von zahlreichen Erinnerungsgegenstände trennen, was für eine hoch sensitive Person eine Mammut Aufgabe ist. Zeichnungen, Bastelarbeiten etc., von meinen Kinder und ihren Freunden, Gegenstände welche ich nicht mehr brauche zu entsorgen, für mich sehr emotional! Jeder Gegenstand hat so seine Geschichte oder eine Bedeutung. Es wird noch einige Tage ein Chaos in meiner Wohnung herrschen und doch fühle ich mich erstaunlicherweise etwas leichter. Liebe Grüsse. 🍀🙋♀️🌻Mina
@mina Liebe Mina, halleluja, das ist in der Tat eine Mammutaufgabe mit Deiner Wohnung. Ich könnte da Romane schreiben, von dem jahrelang währenden Vorhaben unser Umfeld neu zu gestalten. Ich stemme mich mit Leibeskräften dagegen, weil das so angstbesetzt ist. Ich muss meine Sachen durchgucken, sortieren, ausmisten. Es wird Lärm und Dreck geben. Kosten, die ich nicht überschauen kann. VERÄNDERUNG. Sehr beängstigend.
Ich lebe in einer Messi-ähnlichen Situation (ohne Müll, alten Spül und sonstige Begleiterscheinungen), weil ich mich von NICHTS trennen kann. Mein Hirn ist durchlässig, ich habe kaum Erinnerungen. Ich brauche die Prospekte, Eintrittskarten, Zeitungsartikel u.ä. um mich an mein gelebtes Leben zu erinnern. Therapien habe ich deswegen gemacht. Alle sagen mir, ich soll mich von dem Scheiß trennen, wenn ich mich nicht erinnere, war es nicht wichtig für mich und ich solle JETZT leben. Ich schaffe es nicht.
Ich kann also sehr gut nachempfinden, welche Anstrengung es bedeutet, sich an diese Aufgabe zu machen. Super, dass Du es angehst. Ich glaube, die Nüchternheit ist eine Zäsur und es ist gut, diesen Schwung zu nutzen und tatsächlich aufzuräumen. Auf allen Ebenen: Seelisch, physisch, menschlich. Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei und dass es eine Metamorphose ist zu einer neuen Entwicklungsstufe 🙂
Liebe Grüße
@marlina Hallo liebe Marlina, Effektiv wird das Chaos noch etwas andauern. Bei jedem Gegenstand muss ich zig Mal überlegen ob ich ihn tatsächlich entsorgen will. Die schlimmste Baustelle ist mein Riesenkleiderschrank, wo sich Klamotten tummeln die Zig Jahre alt sind. Dabei bin ich nicht mal eine Shopping Queen!🙃 Säcke sind schon mal bereit aber eben, es braucht Zeit. Da ich auch gerne nähe, kommen dann wieder so Gedanken, ich könnte ja das eine oder andere Stück aufpeppen .Nicht leicht das ganze Unterfangen. Ich hoffe, dass ich bis Freitag durch bin! wünsche Dir alles Gute und falls es Dich tröstet, es wird bei mir nie aussehen wie in einer TV-Werbung. Liebe Grüsse Mina☘️🙃🙋♀️
@marlina unfassbar - ich dachte beim Lesen,"... hab ich das Ggeschrieben?.."
Bei mir ist es ziemlich ähnlich - ich bin bald 60 (Nov.) und die Diagnose hab ich im April erhalten...Jeden Tag sehe ich wieder etwas wo ich mir sagen kann:..." ah, jetzt verstehe ich - das liegt DARAN.."
Ich nehme mittlerweile medis (Medikinet adult) und komme bei der Arbeit deutlich besser zurecht - ernsthaft,ich habe noch niiiiiie so einen aufgeräumten Schreibtisch gehabt!Zum Nachmittag/zu Hause, hat die Wirkung dann nachgelessen und ich bin noch am überlegen, wie ich für mich mehr Struktur/Ordnung hinbekommen.
Alkohol, war vmtl. Selbstmedikation - habe letzen September aufgehört, jetzt 3 mal - ich nenne es "Vorfälle" gehabt und möchte mich ernsthaft und wirklich vom Alk verabschieden.
LG
Heike
@marlina
Hallo Marlina,
Dein Text könnte von mir sein.
Mit absoluter Sicherheit habe ich(58 J.) auch AD(H)S, allerdings gibt es noch keine offizielle Diagnose.
Darauf bin ich gekommen, als bei meinem Sohn die ADHS-Diagnose gestellt wurde.
Erst habe ich das für Schwachsinn gehalten, aber die Ärzte haben das ja studiert und haben vielleicht etwas mehr Ahnung.
Also habe auch ich gegoogled...und siehe da: die Diagnose stimmt und da dies mit hoher Wahrscheinlichkeit vererbt wird und sämtliche Online-Tests es bestätigen, werde ich wohl auch betroffen sein.
Alkohol habe ich wahrscheinlich nur konsumiert, um zu funktionieren und mit der Welt klar zu kommen.
Mit dieser Erkenntnis und den Biochemiekenntnissen aus Gabys Buch nehme ich jetzt Lithium (ganz niedrig dosiert) und L-Tyrosin für tagsüber und am Abend GABA. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es mir etwas hilft.
Eigentlich schreibe ich ja hier nicht, aber das musste jetzt raus...
LG





