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Hallo, mal kurz vorstellen...
Ich bin fatti, fast 59 Jahre alt und lebe etwas westlich von Köln mit meiner dritten Frau. Dazu kommt noch unser Hund und ein paar Orte weiter meine Stieftochter mit ihrem jetzt 15 Monate alten Sohn, unserem Enkelkind. Daneben fotografiere ich gerne, spiele in meiner 45. Saison im Handballtor, fahre Motorrad und verreise mit meiner Frau gerne.
Ich war von Oktober 2009 bis Anfang März 2010 in der LZT in Euskirchen-Stotzheim und lebe seitdem trocken. Ich arbeite seit 1985 als Polizist, inzwischen in einer Führungsposition im Schichtdienst im Rheinland.
Meine Alkoholkarriere nahm vermutlich Fahrt auf nach der Trennung von meiner ersten Frau Ende der 90er Jahre, als diese Frau sich nach ihrem Studium in Köln wegen einem deutlich älteren und vermögenderen Mann in ihrer Heimat von mir trennte.
Im Anschluß suchte ich Unterhaltung, Entspannung und auch Kontakte überwiegend in Kneipen beim Bier. Mein Job stand aber immer im Vordergrund, sodaß ich letztlich nie offiziell im Dienst auffiel. Ich trank je nach Schicht am Folgetag viel oder gerade so wenig, daß ich halbwegs fit war. Am Anfang klappte das noch sehr gut, später trank ich mich aber zusehends immer mehr an die Grenzen der Dienstfähigkeit heran. Das kennen wahrscheinlich viele hier...
Seit Anfang 2000 war ich mit einer Frau zusammen, die geschieden mit 2 Kindern war. Heute weiß ich, daß sie schon in ihrer ersten Ehe und in der Kindheit mit Alkohol zu tun hatte, ohne selbst zu saufen. Aber ich fand lange meine geduldige Co-Alkoholikerin in ihr. 2002 heirateten wir...
2006 kauften wir ein Neubauhaus in Köln, 2008 drängte sie einerseits, etwas gegen meinen viel zu hohen Alkoholkonsum zu unternehmen, andererseits sprach mich Anfang 2009 das einzige Mal ein Vorgesetzter darauf an.
Mit Hilfe eines Amtsarztes und eines Sozialen Ansprechpartners der Behörde, den ich aus der Gewerkschaft kannte, fand ich im September 2009 den Weg in die Entgiftungsklinik in Köln und im Anschluß in die LZT in Euskirchen.
Meine damalige zweite Frau war aber in keiner Weise bereit, sich als kleinen Teil meines Problems zu sehen und verweigerte jeglichen Besuch und jegliche Partnersitzung in der Klinik Im Anschluß, im Sommer 2010, sagte sie mir in einem Uralub, indem sie und ihr 18-jähriger Sohn wie selbstverständlich getrunken haben, die Abstinenz sei mein Problem und sie würde selbstverständlich wie immer weiterleben wollen – also auch mit ihrem und ihres Sohnes Alkoholkonsum. Daraufhin zog ich aus. 2013 wurde diese Ehe geschieden, das Haus vorher verkauft.
Seit Herbst 2010 bin ich mit meiner jetzigen dritten Frau zusammen, inzwischen sind wir auch verheiratet. Wir kannten uns aus der LZT, also auch sie ist trockene Alkoholikerin.
Ich bin seit 2009 bis heute durchgehend trocken. In der Behörde halte ich seit 2011 als Referent mehrmals jährlich Vorträge für Nachwuchsführungskräfte zum Thema „Suchterkennung und Umgang mit Suchtkranken“, anfangs zusammen mit einem (inzwischen pensionierten) Kollegen, der morphinabhängig (Medikamente) war, seit 2018 zusammen mit einer Kollegin, die ich ein paar Jahre vorher selbst auf ihrem Weg aus der Alkoholsucht begleiten durfte.
Was trieb mich jetzt (erst) in dieses Forum? Nun, ich war ein paar Jahrelang in Köln in zwei Selbsthilfegruppen aktiv. Zwei deswegen, damit ich an unterschiedlichen Wochentagen wegen dem Schichtdienst wenigstens eine besuchen konnte. Mit meinem Umzug ins Umland ging ich mit meiner Frau in ihre alte, hier ansässige SHG und somit wurden die Besuche schichtbedingt etwas seltener, aber immernoch regelmäßig. In den Corona-Jahren ahtte sich die Gruppe etwas gewandelt, personell wie auch einstellungsmäßig. Corona-Leugner, Querdenker und Verschwörungstheoretiker wurden zu meinungsbildenden Mitgliedern und wir beide entfremdeten uns. Wir wissen noch, daß wir die Gruppe jederzeit wieder aufsuchen können und werden, aber bleiben oft wochenlang fern. Auch sind unsere Schichten heute häufiger nicht mehr passend. Und hier im Netz und in diesem Forum suche ich halt auf diesem Wege nach einer neuen Möglichkeit, mich weiterhin mit meiner Nüchternheit zu beschäftigen und sie mir bewußt zu halten.
Die Notwendigkeit, mich irgendwo äußern zu können, wurde mir vor allem bewußt, als ich in den letzten Jahren zweimal schwer erkrankte. 2017 erlitt ich einen Infarkt und im Jahr 2020, 5 Tage nach meiner Hochzeit, kam ich ins Krankenhaus mit einem hochentzündeten Blinddarm. Da wurde im Anschluß festgestellt, daß sich im Blinddarm ein Krebsgeschwür befunden hatte. Also auch noch Chemo und alles in Allem ein Jahr Auszeit. Seit Januar 2022 arbeite ich wieder, jetzt hatte ich aber wegen einer chirurgischen Nach-OP etwas Zeit und bin hier gelandet. Ich bin aber derzeit absolut krebsfrei...
So, jetzt ist der Vorstellungstext viel länger geraten, als ich gedacht habe, aber sei's drum.
Feuer frei...
@fatti Wow, eine ergreifende und motivierende Geschichte zugleich. Toll, dass Du hier bist.
Du kannst uns ganz bestimmt super unterstützen.
Bestimmt hast Du vieles weggelassen und es wird sich bestimmt die einer oder andere Gelegenheit ergeben, wo Du Deine persönliche Erfahrung mit einbringen kannst.
Spannend finde ich gerade den Teil, wo Du als Referent tätig warst. Wie "locker" gehen die Behörden mit Sucht im Dienst um?
Wäre es möglich gewesen, dass bereits viel viel früher Du angesprochen worden wärest oder versucht man diese Situationen zu vermeiden. Falls Du berichten magst.
Herzlich willkommen von
Sandra
@fatti Ein herzliches Willkommen von mir! Mit den selbsternannten Querdenkern kann ich auch nix anfangen ... 😎
@fatti Herzlich willkommen in diesem Forum. Vielen Dank für Deine sehr ausführliche Vorstellung. Dann hau' mal in die Tasten
@fatti Schön, dass du dich vorgestellt hast (eine sehr interessante Geschichte) und dass du bei uns bist. Ich freue mich schon auf einen weiteren Austausch mit dir!
Mal kurz fassen...
Im Jahr 2009 und davor wäre es ganz sicher möglich gewesen, mich anzusprechen und mir Hilfe in irgendeiner Weise anzubieten. Meine damaligen Vorgesetzten waren dazu nicht in der Lage, hatten keinen Bock oder sonstwas. Der neue Chef im Sommer 2009 hat das intuitiv sehr gut gemacht, ihm habe ich viel Unterstützung zu verdanken. In den 2000ern und zuvor gehörte Alkoholkonsum bei der Polizei für sehr viele nach dem Dienst dazu, für einige halt auch zuviel Konsum. Inzwischen hat sich das Schichtensystem und insbesondere das Bewußtsein im Zusammenhang mit Sucht zum Positiven verändert.
Zur anderen Frage: Die Polizei Köln ist in Sachen Sucht ziemlich gut aufgestellt, besser als viele andere Arbeitgeber. Klar, es könnte immer noch besser sein, Ford und ein großes Kölner Verlagshaus sind da leuchtende Beispiele, aber ich weiß von jeder Menge auch großer Arbeitgeber, wo die Süchtigen schlechter dran sind. Daß die Kölner Polizei so gut aufgestellt ist, liegt vor allem an einigen Personen. Hatten wir 2009 noch zwei Sozialbetreuerinnen in der Behörde, sind es heute um die 10. Eine der beiden alten Betreuerinnen, die heute die Dienststelle leitet, hat zwischenzeitlich eine sogenannte "Handlungsempfehlung" für den Umgang mit Suchtkranken erstellt, die in Köln zumindestens gute Anhaltspunkte für den Umgang geben kann. Das Land versucht jetzt erst, so etwas für alle Behörden des Innenministeriums zu kopieren. Ich hab Montag einen Workshop zu dem Thema, wo ich mich als Betroffener dazu äußern darf.
Im März habe ich drei Veranstaltungen mit neuen Führungskräften, wo wir denen das Kölner Konzept vorstellen und Fehler aus der Sicht zweier Betroffener schildern, wie mit uns damals umgegangen ist - oder eben auch nicht...
@fatti großartig! Respekt! Das liest sich gut.
Akzeptanz ist da und der Wille auch. Stimmt, daran können sich viele eine Scheibe abschneiden.
Herzlich Willkommen. eine sehr berührende Geschichte, auch das Du im Anschluss den Menschen als Referent zur Seite stehst ist wirklich klasse.Bin neugierig auf all das wa sDu berichtest hier. Lg





