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Hallo! Ich bin 63 Jahre alt und war fast 40 Jahre lang alkoholabhängig. Bei 4 Schwangerschaften nie getrunken, alle Kinder ein Jahr gestillt, während dieser Zeit nie getrunken, so konnte ich mir immer einreden, dass ich ja nicht abhängig sei. Mal war es besser, mal schlimmer. Jedes Jahr etliche Wochen abstinent gelebt mit dem festen Vorsatz, dann normal zu trinken, wie die anderen Menschen halt auch. Geklappt hat es nie. Bis auf einige Ausfälle hat nie jemand gemerkt, wie schwer alkoholkrank ich eigentlich war. Ich hab immer gut funktioniert, als Lehrerin, Ehefrau und Mutter. Wenn man genau hingeschaut hätte, hätte man schon etwas merken müssen, aber ich war sehr raffiniert. Im Jahr 2019 ist mir dann klar geworden, dass es so nicht mehr weitergeht. Ich hatte auch absolut keinen Bock mehr auf diesen täglichen Kampf, das Lügen, das Wissen darum, was ich mir da eigentlich antue. Am 30. Dezember 2019 bin ich dann ein paar Tage in Kurzurlaub gefahren. Silvester hab ich in dem Wissen, dass es dann für immer vorbei ist, exzessiv gefeiert, im Restaurant, dann noch im Hotelzimmer. Am 1. Januar habe ich mit meinem Hund eine lange Winterwanderung gemacht. Abends bei Essen wieder Alkohol getrunken, da war mir schon ganz schlecht vor Angst auf ein Leben ohne Alkohol. Im Hotelzimmer die letzte Flasche Wein geleert. Um Mitternacht stand ich auf meiner Terrasse, mit dem letzten Glas in der Hand, trank es aus und schleuderte das Glas dann wutentbrann tins Gebüsch. Seitdem habe ich keinen Tropfen mehr getrunken. Der 2.1.2020 ist mein neuer Geburtstag. Der Ausstieg war nicht wirklich schrecklich, aber auch nicht leicht. Inzwischen koche ich sogar mit Alkohol, bewirte Freunde, es macht mir nichts mehr aus. Ich habe es geschafft. Vor einigen Tagen bin ich auf das Buch "Alkohol ade" gestoßen, da mich das Thema immer noch interessiert. Wie schade, dass ich es nicht vorher kannte, es hätte mir den Ausstieg mit Sicherheit leichter gemacht. Was mir unheimlich guttut: das Wissen, dass man als Alkoholkranker nicht willensschwach und kein schlechter Mensch ist. Ich möchte allen hier Mut machen: man kann es schaffen und es geht einem so viel besser als vorher. All die Lügen, die Geheimnisse, die Schuldgefühle, der Ekel vor sich selbst, das schlechte Gewissen: weg!
@isabel, Klasse, großen Respekt, ich habe auch 40 Jahre getrunken, bin jetzt seit 2 Monaten abstinent. Ich denke es gibt ganz viele Menschen wie du und ich die in keiner Statistik auftauchen und die irgendwann die Entscheidung treffen wieder ein freies selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich denke man kann auch aus einer Sucht rauswachsen wenn man wirklich genug hat, leider dauert das unter Umständen sehr lange und vergeudet Lebenszeit, wie dem auch sei, ich denke man kann auch im fortgeschrittenen Alter eine Sucht hinter sich lassen, aufpassen sollte man weiterhin immer. Ich liebe mein neues freies Leben sehr.
@harleyDanke!
Herzlich willkommen hier und Glückwunsch zu deinem neuen Leben. Ich Kämpfe erst seit 7 bis 8 Jahren mit Alkoholproblemen, ich habe den allergrößten Respekt, dass du nach 40 Jahren aussteigen konntest. Danke, dass du uns neuen Mut machst und uns inspirierst!
Herzliche Grüße aus Wien
Danke für die nette Aufnahme!
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Hallo und herzlich willkommen auch von mir! 🙂
Deine dramatische Trennung vom Alkohol liest sich gut.
Es freut mich sehr für Dich.
Verzeihe mir einen Nebensatz, auch wenn Du es vielleicht nicht gerne liest:
"Der 2.1.2020 ist mein neuer Geburtstag. Der Ausstieg war nicht wirklich schrecklich, aber auch nicht leicht. Inzwischen koche ich sogar mit Alkohol, bewirte Freunde, es macht mir nichts mehr aus. Ich habe es geschafft."
in mir ist es zusammengezuckt. Warum?
- Nicht, dass Du an dem 02.01.20 einen Geburtstag feierst. Dazu gratuliere ich Dir ganz herzlich!
sondern:
- Dass Du mit Alkohol wieder kochst, Freunde bewirtest und schreibst, dass Du es geschafft hast.
Warum?
Nun, Du bist eine eigene Person und ich drücke Dir beide Daumen, darauf kannst Du wetten. Allerdings ist die Gefahr für einen Rückfall immer gegeben.
Genau wie Du war ich davon überzeugt, "es geschafft zu haben" - 8 Jahre habe ich nüchtern gelebt.
Dann kam der Rückfall, ganz still und leise, weil ich sicher war, zu wissen, wie ich funktioniere und ich kann damit umgehen.
Irgendwann war es nicht mehr das Glas im Urlaub, sondern die Idee, dass es auch zu Hause funktionieren muss. Und wenn der Alkohol erst einmal im Hause ist, und auf einem Bein kann man bekanntlich nicht stehen, dann ist, uups, sorry, die Flasche leer. Vielleicht dauert es dann ein paar Monate, ein paar Wochen oder ein paar Tage und ein paar nicht sehr schöne Situationen treten in Dein Leben und der Suchtteufel ruft sich bei Dir in Erinnerung...
Ich möchte Dir wirklich keine Angst machen, und von mir auf andere Menschen zu schließen ist sicherlich nicht das Richtige, zumindest, dass Du Dir einmal mehr Gedanken über die mögliche Gefahr machst, in die Du Dich begibst dadurch, reicht vielleicht schon einmal aus...
Ganz liebe Grüße und behalte einen klaren Kopf 🙂
@cairniLiebe Grüße zurück! Ich habe keinen Alkohol zuhause. Wenn ich mit Alkohol koche, (meistens sind es nur 100 ml oder so) kippe ich den Rest der Flasche sofort in den Ausguss, um ja nichts zu riskieren. Und ja, mein Mann und mein Sohn trinken im Sommer gern zusammen eine Flasche Radler. Es steht ein Kasten im Keller. Das juckt mich aber nicht. Ich fühle mich da nicht gefährdet. Aber mir ist schon klar, dass man immer achtsam sein muss.
Ein herzliches Willkommen hier!
Schön, dass Du den Weg hergefunden hast. Und noch Schöner: Dass Du es bereits geschafft hast. Toll. Es wäre so wunderbar, wenn Du hier all denjenigen Mut machen kannst, die noch ringen.
Mein Senf: Es lohnt sich einfach so sehr. Die Belohnung: Man bekommt sein Leben zurück.
Fühl Dich wohl hier bei uns.
Liebe Grüße
Gaby
@gaby_guzekVielen Dank! Gerne unterstütze ich, soweit ich kann, andere, damit sie es auch schaffen!





