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Neubeginn und mir s...
 
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Neubeginn und mir selbst verzeihen

22 Beiträge
7 Mitglieder
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231 Ansichten
(@barblin)
Mitglied
Nüchtern: 13 tage
Beigetreten: Vor 1 Woche
Beiträge: 11
Topic starter  

Guten Abend,

nachdem ich hier einige Stunden gestöbert habe, möchte ich mich auch gerne kurz vorstellen. Ich bin weiblich, 52 Jahre alt und seit über 30 Jahren Rauschtrinkerin meist bis zum Filmriss. Ich habe dies in jungen Jahren stark an Wochenenden auf Parties und unter "Freunden" (besser: Saufkumpanen) betrieben, in den letzten Jahren zu Hause, auch schon unter der Woche,  jedoch nicht räglich.

Vor 2 Jahren habe ich mich von meinem alkoholabhängigen Partner getrennt, er ist ausgezogen. Dabei habe ich aber immer funktioniert, war und bin erfolgreich im Job, perfektionistisch veranlagt, mir selbst nicht gut genug. Zu Hause habe ich jeden 2., 3. Tag  bis zu 2 Flaschen Wein getrunken, selten mal Wodka, aber immer bis zum Filmriss. Mit meinem alkoholabhängigen Partner war es auch mehr. Ich war 6 Jahre mit ihm zusammen.

Letztes Jahr wurde mir richtig bewußt, dass es so nicht mehr weitergeht.  Ich habe, da ich auffällig wurde, meinen Job dadurch fast verloren, hatte aber vorher die Reißleine gezogen und aktiv gewechselt. Ich habe da schon mittags angefangen zu trinken (Homeoffice) und war in virtuellen Meetings dann "anders", also betrunken. Als man mich darauf ansprach, hatte ich natürlich alles geleugnet und meine Flucht vorbereitet in den nächsten Job.

Leider habe ich es erst zum 29.12.1025 geschafft,  es zu lassen, mir ärztliche Hilfe zu holen, in einer SHG bin ich schon seit geraumer Zeit immer wieder mal. Dies wird nun regelmäßig sein.

Ich suche den Austausch, Tipps/Mittel, um die Einsamkeit in ein glückliches Allein Sein mit Konzentration auf mich zu wandeln, nicht mehr an die peinlichen Momente zu denken (das kommt immer und immer wieder sehr stark hoch, private wie auch geschäftliche Erinnerungen) - und mir dies schließlich selbst zu verzeihen. Mein Ziel für 2026: nüchtern bleiben, das ist die einzige Lösung.

ich habe mich bereits seit Jahren mit dem Thema beschäftigt,  nehme auch die NEM, aber in den letzten Versuchen gab es nach 2 bis 3 Wochen aus heiterem Himmel immer wieder einen Rückfall.

Ich denke, dass der Austausch hier für mich sehr wertvoll sein kann. So sehe ich zu jeder Zeit,  dass ich nicht alleine bin damit. Meine momentan wichtigste Frage ist, wie ich diese peinlichen Erinnerungen loswerde. Dass ich krank bin, ist mir klar. Aber ich denke immer wieder daran, was die anderen gedacht haben. Es ist wirklich quälend. Der äußere Eindruck war schon im Elternhaus sehr wichtig, das steckt wie ein Stachel in mir.

Ich freue mich auf den Austausch, toll, dass es dieses Forum gibt, viele Grüße 

Barblin



   
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harley
(@harley)
Ich unterstütze Alkohol adé
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 2660
 

@barblin Herzlich willkommen und viel Erfolg! Homeoffice kann offensichtlich ziemlich tückisch sein, wenn man dem Nervengift zuspricht ...

Schreib und lies, nimm das Forum als Ergänzung zur SHG – wie es für Dich gut ist. Und noch einmal: Viel Erfolg. Es geht, und es lohnt sich.

 

----

@lagertha, @natarie, @baileys23  @ulli1962 

 



   
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lagertha
(@lagertha)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 149
 

Herzlich willkommen, gut das es " klick" gemacht hat bei dir,das ist der erste Schritt, da hast du ja " harcore" mässig nach Weihnachten und VOR Silvester angefangen, das spielt keine Rolle ,es ist nur für dich schon mal positiv vor einem grossen "Pauschalmassenbeäufnis" und in kurzer Zeit ein Riesen Fortschritt,wenn mir einer vor Jahren gesagt hätte: Es kommen Zeiten,da trinkst du Silvester keinen Alk mehr und " es wird dir auch nichts ausmachen" ,hätte ich schallend gelacht,so lächerlich hätte ich die Aussage gefunden...Deine Erfahrungen mit trinkendem Expartner,drunk im morgenmeeting kenne ich zwar nicht,aber das sind bestimmt alles Gründe die dich step by step zu nachdenken und überdenken gebracht haben. Es ist ein 6 er im lotto,wenn man nicht mehr trinken " muss" ,bleib am Ball,du schaffst das auch! Herzliche Grüsse lagertha 🌹 



   
2
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birgitta
(@birgitta)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 602
 

Verfasst von: @barblin

Ich denke, dass der Austausch hier für mich sehr wertvoll sein kann. So sehe ich zu jeder Zeit,  dass ich nicht alleine bin damit. Meine momentan wichtigste Frage ist, wie ich diese peinlichen Erinnerungen loswerde. Dass ich krank bin, ist mir klar. Aber ich denke immer wieder daran, was die anderen gedacht haben. Es ist wirklich quälend. Der äußere Eindruck war schon im Elternhaus sehr wichtig, das steckt wie ein Stachel in mir.

 

Liebe Barblin, 

schön, dass Du Dich vorgestellt hast.

Das Thema Schuldgefühle und peinliche Erinnerungen kenne ich gut, wie wohl die meisten hier.

Bei mir  war es so:

Mit der beginnenden Zeit meiner Abstinenz kamen, auch bei mir, immer wieder peinliche und unangenehme Erinnerungen hoch. Das gehört einfach dazu, denn wir werden durch die Nüchternheit  viel bewusster. Für mich wurden diese hässlichen Gedanken an alte Saufzeiten letztendlich zu einem grossen Motivationsfaktor, der mir half durchzuhalten! Ich bin mir sicher, ohne diese Erinnerungen hätte ich es nicht geschafft.

In den ersten Wochen kommt man meist an einen Punkt, an dem plötzlich alles leicht und easy erscheint. Die Erinnerungen an heftige Kater, scheussliche Unwohlgefühle, die oft klein geredete Abhängigkeit verschwimmen und verblassen.. Die Rückfallteufelchen schleichen sich ein, animieren verlockend und ausdauernd zum ersten Glas. In solchen Situationen sind diese schlimmen Erinnerungen extrem hilfreich und helfen durchzuhalten!!! "Nie wieder dahin zurück" kann ein sehr starkes Motto sein.

Je länger ich nüchtern zu war, um so mehr nahm mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu. Ich wurde stolz, durchgehalten zu haben. Die peinlichen Erinnerungen zeigten mir, aus welchem desolaten Zustand ich mich befreit hatte. Wieviel Kraft, Energie, Mut und Durchhaltevermögen ich bewiesen hatte. Wie heimtückisch, fordernd und zerstörend diese Erkrankung ist!

Mit dem neuen Selbstwertgefühl konnte ich Nörglern, Zweiflern und Miesmachern im Inneren, wie auch im Äusseren mutig und stark entgegentreten. Ich war eine Andere geworden. Der sich schämende, unsichere, alles hinterfragende, mich kleinmachende Anteil war zu einem vertrockneten Etwas geschrumpft. Ich wurde zur stolzen Kämpferin, die mit Mitgefühl auf das Alte zurückblicken kann. Die zerstörende Kraft hat ihre Macht verloren!

Das ist es, was ich Dir dazu raten kann, liebe Barblin. Vertraue auf den Prozess! Teil Dich mit, sprich mit Freunden oder in der SHG,  schreib hier, wenn anfangs der Druck zu gross wird. Die beginnende Nüchternheit hat  grosse Auswirkungen auf Körper UND  Psyche . Da müssen wir durch, es ist Teil der Findung zum neuen Ich .

Aber es lohnt sich gewaltig diese Schritte zu gehen! Mir hat die Befreiung ein komplett neues Leben geschenkt.

Viel Erfolg für den heutigen Tag wünscht Dir Birgitta!

 

 



   
👏
💕
5
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bantumi
(@bantumi)
Mitglied
Nüchtern: 1 monat
Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 197
 

Liebe  @barblin,

herzlich willkommen. Erst mal möchte ich dir sagen, dass du extrem mutig und stark bist, denn du hast schon Einiges durch gemacht und folgst weiter deine. Weg. Ja, die peinlichen Alkoholsituationen haben mich Anfangs auch so verfolgt. Ich war so voller Schuld und Schamgefühl. Es war so furchtbar. Das Gefühl der Versagung war eine unglaublich schwere Last. Wie du ganz richtig sagst, es ist eine Krankheit. Niemand von uns hat so extrem getrunken, weil Alkohol so lecker ist. Ich werde die Peinlichkeiten nie vergessen, aber das Schamgefühl, die  Schuldgefühle lege ich mehr und mehr ab, denn ich habe eins erkannt:"Ich bin mehr, als der Alkohol, viel mehr!" Ich strauchle, ich mache Fehler, 

Aber, da ist dieses Licht in mir. Nicht immer strahlend hell, manchmal ganz klein und flackernd. Dieses Licht wohnt in jedem von uns. Du darfst so stolz auf dich sein liebe @barblin , denn du hast dich auf den Weg gemacht und das ist wundervoll. und mutig..

Ganz liebe Grüße, bantumi



   
💕
4
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bettymclee
(@bettymclee)
Mitglied
Beigetreten: Vor 8 Monaten
Beiträge: 8
 

@barblin 

Ich kann das mit den Schuld und Schamgefühlen sehr gut nachvollziehen. Lange Zeit hab ich versucht diese zu verdrängen, nur damit sie jedesmal wieder brachial zurückkommen. 

Was mir schlussendlich sehr geholfen hat, war darüber zu reden. Vor allem mit denen, die unter meiner Krankheit sehr gelitten haben ... meine Kinder, mein Mann, mein näheres Umfeld.

Außerdem konnte ich selbst irgendwann "verstehen" was es heißt alkoholkrank zu sein. Es war nicht mehr nur eine Krankheit, die ich mir selbst zuzuschreiben habe und für die ich mich schämen und abgrundtief hassen muss.

Ich habe verstanden, dass mein Verhalten und all die Peinlichkeiten ein Teil der Krankheit sind. (Dabei haben mir all die Bücher und die Podcasts zum Thema die Augen geöffnet)

Auch wenn Nicht-Betroffene es wahrscheinlich nie so nachvollziehen können, wird es für dich leichter werden, wenn du akzeptieren kannst dass du nichts dafür kannst und das, wofür du dich heute schämst, der Alkohol und die Krankheit aus dir hervor gebracht haben.

Es ist nicht leicht aber mir haben die Offenheit und die Akzeptanz zu meiner Alkoholabhängigkeit sehr geholfen diese Schuldgefühle und die Scham loszuwerden.

Ich wünsche dir alles liebe... und gib dir Zeit.

LG Betty 

 

 



   
2
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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
 

@barblin 

Herzlich willkommen

Auch ich habe lange mit Scham und Schuldgefühlen gelebt. Irgendwann habe ich erkannt: Verändern kann ich nur mich selbst. Es wird immer Menschen geben, die uns nicht wohlgesonnen sind – ganz gleich, wie sehr wir uns bemühen.

Schuld und Scham verlieren an Macht, wenn wir verstehen, dass es unsere Gefühle sind. Und wenn wir akzeptieren, dass wir die Gedanken anderer über uns nicht steuern können. In diesem Moment wird es leichter.

Die Wahrheit ist: Irgendwo wird immer jemand negativ über dich denken – egal, was du tust oder wie sehr du dich anpasst.

Für mich war diese Erkenntnis überraschend befreiend.

Ich darf aus dem, was passiert ist, lernen – ohne mich dafür dauerhaft zu verurteilen



   
2
AntwortZitat
(@barblin)
Mitglied
Nüchtern: 13 tage
Beigetreten: Vor 1 Woche
Beiträge: 11
Topic starter  

Vielen Dank für diese herzliche Aufnahme und die wertvollen Beiträge.  Es hilft mir sehr, Eure Gedanken und Erfahrungen zu meinem Thema der Peinlichkeiten sowie Vergebung zu lesen. 

Ich habe sehr viel Respekt vor dieser Krankheit, sie ist ein Teil von mir, und das einzige effektive Gegenmittel ist die Abstinenz. 

Ich hatte heute sehr schräge Träume. Aber ich hatte sie! Lange hatte ich keine und wir wissen ja alle, dass Alkoholschlaf alles andere als erholsam ist.

Ich habe Silvester alleine mit meinen Katzen verbracht. Sie sind mir eine große Stütze und ein sehr kuscheliger Trost. Es tat gut, an Neujahr aufzuwachen ohne Kater, ohne darüber nachzudenken,  was ich im Suff wieder angestellt habe. Ohne Gedankenfetzenpuzzle oder Quercheck der im Suff geschriebenen peinlichen Nachrichten oder gar Sorachnachrichten.

Heute werde ich wieder viel hier lesen und wollte mich ganz herzlich für Eure Antworten bedanken.

Ich habe dieses Mal so viel Hoffnung,  dass ich es schaffe. Ich gebe nicht auf.Niemals. 

Viele Grüße 

Barblin



   
💕
💯
4
AntwortZitat
harley
(@harley)
Ich unterstütze Alkohol adé
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 2660
 

@barblin Wie sich alles wiederholt ... die wilden Nachrichten mit besoffenem Kopp, noch schlimmer Sprachnachrichten oder anderes wildes Zeug wie das hier ... kann schon fast wieder drüber lachen 😉



   
2
AntwortZitat
(@barblin)
Mitglied
Nüchtern: 13 tage
Beigetreten: Vor 1 Woche
Beiträge: 11
Topic starter  

@harley oh nein, die schöne Maschine.

Seih froh, dass nicht mehr passiert ist.

Der letzte Fauxpas waren Nachrichten an einen Exkollegen,  dem ich schreiben wollte, wie toll ich ihn finde. Dumm nur, ich habe nichts Intelligentes aus mir mehr rausbekommen, Nachrichten völlig wirr und ständig " Du bist so scharf" wiederholt. 

Ich hatte mich am nächsten Morgen ausgiebig entschuldigt.

Manche Dinge kommen einfach plötzlich hoch. Über manche kann ich lachen, andere sind mir seit Jahren oder gar Jahrzehnten superpeinlich. Und mein Schutzengel hatte echt viel Arbeit mit mir. 

Ich mache grade eine Psychotherapie, es hilft gut, aber zur Vergebung und Vergessen bedarf es nich Zeit und Geduld. 

Danke für Deine Verlinkung, Harley. War ein interessanter Thread.

 



   
😮
1
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