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Herzliches Hallo auch von mir!
Ich bin weiblich, 56 Jahre alt, beruflich durchaus erfolgreich und habe seit Jahrzehnten ein "besonderes Verhältnis" zum Alkohol.
Mein Vater bereits war über Jahrzehnte Alkoholiker mit sehr schlimmen Exzessen, eigentlich hätte mich das abschrecken sollen. In meiner Jugend bzw. jungem Erwachsenendasein war es undenkbar abends auszugehen ohne Alkohol zu trinken.
Mein Konsum hielt sich damals jedoch in Grenzen, da ich einfach die Kontrolle nicht verlieren wollte. Dennoch bei Parties beim Abfeiern am Wochenende in der Disco, wenn ich nicht fahren musste - ging es öfter mal bis zum Filmriss.
Mein erster Mann war im Staatsdienst und nebenher Musiker mit Band. Bereits er hat schon gerne und regelmässig seine Biere getrunken und wenn ich dabei war, ich auch.
In der Ehe Nr.2 waren wir beide einen längeren Zeitraum darauf bedacht, uns weiterzubilden, noch bessere Jobs zu bekommen, haben sehr viel gerarbeitet. Ich hatte mich damals ganz gut im Griff, ab und an an den Wochenenden oder beim Fortgehen aber niemals daheim Alkohol zu trinken.
Unsere Ehe bekam aus diversen Gründen einen Knacks, ich war abends öfters fort, habe getrunken, fühlte mich wohl im Kreise der Gleichgesonnenen die auch bereits am Montag ein Feierabendbierchen oder mehr trinken.
Ich fühlte mich zwar am Tag danach schlecht und der Brummschädel war fürchterlich, aber bis zum Abend ging es schon. Außerdem war ich sicherlich nicht wie mein Vater, ging ich doch täglich zur Arbeit und erbrachte meine Leistung.
Nach der Scheidung von Ehemann Nr.2 lebte ich eine zeitlang alleine, das war die Zeit in der ich zu Hause alleine vorgeglüht hatte um dann beim Fortgehen nicht aufzufallen. Ich lernte einen Mann kennen, bei dem ich eigentlich instinktiv gespürt habe, dass der mir nicht gut tut. Aber in meiner Daueralk-Nebelwolke bin ich davon ausgegangen " das geht schon".
Den anderen Mann der sich damals um mich bemühte, der jedoch meinen Alk-Konsum bekrittelte, den wollte ich nicht. Also blieb ich in einer Beziehung zu einem Mann der mir absolut nicht gut tat.
Aber diese toxische Beziehung hatte auch ihren Vorteil - nach einer Aktion mit soviel saufen dass die Rettung mich ins Spital zum Magen auspumpen bringen musste, hat dieser Mann zu mir gemeint " tja wenn das so ist, du bist eh ausgeknockt, kann ich dann eh anstellen was ich will mit dir"
Das wars - ich war 5 Jahre lang komplett trocken. Ich habe von heute auf morgen aufgehört zu trinken. Inkl. sämtlicher Nebenwirkungen die ich erst jetzt zurordnen kann. Schilddrüsenüberfunktion,Schlafstörunge, Depressionen, Bluthochdruck uvm. Am schlimmsten war meine Dauerdepression, die ich auch ich nüchternen Zustand nicht mehr wegbekommen habe. Psychotherapie über Jahre hat mir genau nichts gebracht - die ewige Frage " aber warum glauben sie, sie brauchen den Alkohol" hat mich dann schon aggressiv gemacht.
Nach 10 Jahren habe ich es aus dieser toxischen Beziehung geschafft, und hatte das unsagbare Glück den Mann, der mich bereits vor diesen 10 Jahren gerne an seiner Seite gesehen hätte, wiederzutreffen. Er liebt mich, er ist das Beste was mir passieren konnte, bei ihm kann ich mich fallen lassen.
Was ich auch wieder tat - wir sind jetzt seit 8 Jahren zusammen, seit 6 Jahren verheiratet. Ich bin glücklich, ich habe mehr als ich mir jemals erträumt hätte, mein Mann ist noch immer in mich verliebt aber je sicherer ich mich bei ihm fühle desto mehr habe ich getrunken.
Anfangs war es mein geliebtes Bier - vor ihm. Er war ihm nicht recht, aber es war okay. Als es mehr wurde, habe ich begonnen heimlich zu trinken. Die Schilderungen von Gaby Guzek, wie man die Vorräte aufstockt, wo sie deponiert werden, wie man sie entsorgt, waren für mich der Moment weiterzulesen. Bei mir ist es bereits seit längerem Wein, weil wirkt schneller und ist besser zu transportieren, aber auch Whiskey oder Rum.
Ich habe mich hier angemeldet, habe einige Beiträge durchstöbert und mich sofort entschlossen - JETZT ist der beste Zeitpunkt. Das Buch habe ich gestern abend begonnnen - nüchtern - zu lesen.
Ich habe mich seit einigen Monaten zwar schon bemüht 1-3 nüchterne Tage während der Woche zu schaffen, aber das hielt wie hier von so vielen beschrieben genau 2 Tage am Stück, dann war das Verlangen, die miese Stimmung, der Druck so groß und ich bin in den nächsten Supermarkt.
Aber ich möchte mein Leben nicht mehr nur zur Hälfte erleben - ich möchte klar bei Verstand Entscheidungen treffen, ich möchte mich nicht permanent schuldig, wertlos und unfähig fühlen.
UND ich möchte gesund alt werden - ich traue mich seit einiger Zeit mit Beschwerden nicht zum Arzt weil ich davon ausgehe, bei einem Blutbild wäre ich aufgeschmissen. Ich möchte nicht, dass andere mich als Alkoholikerin sehen, ich weiß jedoch dass ich eine bin. Würde es in meinem Bekanntenkreis publik, wäre es mir lieber ich wäre tot.
Ich baue sehr auf die NEM - weil sämtliche Punkte die damit möglicherweise etwas gemildert werden können, exakt die Punkte sind, die mich immer wieder rückfällig gemacht haben.
Ich bin froh Gaby Guzeks Ansatz gefunden zu haben, ich fühle mich mit den Beiträgen hier nicht mehr ganz so alleine. Alkoholismus ist, so meine ich, für Frauen oft eine einsame Sache.





