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Tach zusammen!..

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(@wilhelmc)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 34
Topic starter  

Hallo liebe Leute & danke an die Autoren Guzek & Guzek für das absolut lesenswerte und wichtige Buch!

Ich bin seit März 2011 dran, mit der dämlichen Sauferei aufzuhören. Gelingt mal mehr, mal weniger, meistens weniger.

Also: aufhören kann ich gut, nicht wieder anfangen gelingt noch nicht so recht.

Ich habe als 14jähriger die Erlösung durch Alkohol erfahren und trinke seither eigentlich durch.

Jetzt bin ich 55 Jahre alt, medizinisch „gesund“ (nichtmal die Leberwerte sind so, dass mein Hausarzt mich drauf ansprechen würde) und hoch funktional. Niemand, der mich kennt, würde auch nur auf die Idee kommen, dass ich da „ein Problem habe“.

Meine Frau und unsere Kinder wissen Bescheid, weil ich inzwischen offen damit umgehe.

Ich habe - auch medizinisch und/oder psychologisch begleitet - mehrfach versucht, wirklich aufzuhören. Ich habe dabei längere Zeit medizinisch betreut auch Baclofen genommen. Wirkung: kurzfristig gut, aber, siehe oben: aufhören kann ich gut, nicht wieder anfangen…?

Inzwischen habe ich eine Diagnose hochgradiges ADHS mit begleitendem missbräuchlichem Alkoholkonsum. Das erklärt mir einiges, meinen Lebenslauf betreffend.

Ich bekomme, psychiatrisch begleitet, jetzt seit gut einem Jahr 40 mg/d Methylphenidat (MediKinet Adult, für Laien: „Ritalin“), seither ist meine Welt eine andere. Ich kann endlich, endlich, endlich meine Power auf die Straße bringen. Ich kriege meinen Alltag hin und schaffe es endlich, das zu tun, was zu tun ist. Gott segne meinen Psychiater und die Psychologin, die mein ADHS aufgedeckt hat. 

Ich habe selbst erfolgreich Psychologie studiert und das Studium abgeschlossen. Aus einer absolut fehlerhaften Selbstdiagnose heraus („ich bin ja sowas von Borderline“) habe ich mich selbst eingewiesen und traf dort - glücklicherweise - auf eine Kollegin, die das mal von außen und professionell betrachtet hat.

Das ADHS ist also bei mir so weit klar, allein der „missbräuchliche Konsum“ ist kleben geblieben…

Jetzt geht es also daran, diesen Mist auch noch wegzuräumen. Ich will, verdammt noch mal, mein Leben zurück!

Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich habe oben geschrieben, ich sei ein hoch funktionaler Trinker, aber meine Leberwerte nicht auffällig: ich trinke ab morgens, den ganzen Tag durch. Ich halte ein Level von etwa 0,3 - 0,5 Promille und benötige dafür etwa 2 Liter Wein pro Tag.

Warum mein Körper das aushält? Keine Ahnung. Glück gehabt bei der Auswahl der genetischen Eltern?

Ich habe heute die Lieferung der NEM aus dem Programm erhalten und starte ab morgen früh damit. 

Ich bin sehr gespannt.

Danke an die Autoren des Buches und Betreiber dieses Forums! Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass eine leicht verdrehte Hirnchemie eine mehr als hinreichende, aber eben auch reparierbare Begründung für das Nicht-Aufhören-Können ist.

 

Herzliche Grüße

Wilhelm

 

 



   
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gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4312
 

@wilhelmc 

Moin, moin,

lieber Wilhelm, herzlich Willkommen hier. Darf ich meine warnende Stimme erheben? Spiegeltrinken ist ein absolut und eindeutiges Kriterium für einen mindestens ärztlich begleiteten Entzug. Wenn nicht eben sogar stationär, was deutlich (DEUTLICH!) besser wäre.

Bitte, bitte: Tu es nicht. Trink weiter und geh zum Hausarzt oder zur Suchtberatung. Es ist saugefährlich, was Du da vor hast. Du hast Familie - Du willst nicht, dass die Dich krampfend in der Ecke finden, oder?

Sei bitte vernünftig. Das geht nicht. Das ist gefährlich. Du willst doch noch leben, Dein Leben ohne Alk genießen.

BITTE!

Liebe Grüße

Gaby



   
2
AntwortZitat
mitallesnschaf
(@mitallesnschaf)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 25
 

Servus!

Ich möchte mich zunächst und hauptsächlich bedanken für Deinen Beitrag und Deine Offenheit!

Ich vermute, es ist nicht selten, dass Alkohol im Grunde eine (ziemlich effektive) Selbstmedikation ist, welche dann früher oder später selbst zum Problem wird.

Bei mir selbst bin ich mir da zwar nicht so sicher, aber immerhin wurde bei mir eine mittelgradige Depression diagnostiziert. Wobei dann die Frage ist, was war als erstes da (Henne oder Ei?)?

Jedenfalls freut mich, dass Du es für Dich nun etwas klarer siehst und einen hoffnungsvollen Versuch starten willst. Viel Erfolg dabei!

Und wegen der medizinischen Seite (körperliche Entwöhnung, Begleiterscheinungen, etc.) vertraue ich ein Stück weit auf Deine eigene Expertise bezüglich Dir selbst und vielleicht auch aufgrund beruflicher Erfahrungen. Aber ich kann mich (Erfahrungen habe ich da nämlich auch schon einige) da Gaby nur anschließen und Dich inständig bitten, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen! Ein klärendes Gespräch mit einem Arzt Deines Vertrauens und daran anschließend ein vernünftiges und sicheres Vorgehen sollte Dir so manchen potentiellen Stein auf Deinem Weg aus selbigem räumen.

Wie gesagt: Viel Erfolg und toll, dass Du es angehst!



   
1
AntwortZitat
harley
(@harley)
Ich unterstütze Alkohol adé
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 2660
 

@wilhelmc Moin Wilhelm, und herzlich willkommen auch. Was war denn die "Erlösung mit 14" für Dich?

Mit 14 hat mein geliebter Opa mir erstmals vier süße rote Aufgesetzte in rund 15 Minuten reingedreht, die Nacht verbrachte ich auf dem Klo ... erlösend fand ich das grad nicht wirklich, habe meinen Opa aber trotzdem geliebt, und war ja irgendwie männlich, das Kotzen, brachte man mir hinterher bei. 

Ansonsten halte ich mich da anders als sonst mal raus wg. Ritalin etc., davon habe ich keine Ahnung. Halte Dich an Gaby ...



   
1
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rumpelheinzchen
(@rumpelheinzchen)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 437
 
Verfasst von: @wilhelmc

Ich bin seit März 2011 dran, mit der dämlichen Sauferei aufzuhören. Gelingt mal mehr, mal weniger, meistens weniger.

Also: aufhören kann ich gut,

soso, Du hast also schon eine gewisse Erfahrung im Aufhören? 

Dann weißt du hoffentlich auch genau über deine körperliche Entzugssymptomatik Bescheid.

Hirnorganische Krampfanfälle, hypertone Krisen, Somnolenz...  all sowas kann auftreten. 

Auch ich habe vor 11 Monaten von etwas mehr als 2 Litern Wein jeden Tag über mehr als 45 Jahre von einem auf den anderen Tag auf Null entzogen. Auch ich hatte eine gewisse Erfahrung mit kaltem  Drogenentzug. Auch meine Transaminasen waren vorher noch im oberen Normbereich. 

Entscheidend war ein minutiös erstellter Einnahmeplan mit Weck- bzw. Erinnerungsfunktion, den ich diszipliniert eingehalten habe und der zuweilen am Anfang eine gewisse gastroenterologische Resilienz erforderte. Auch darfst du dir keinen Kopf über die gut 2 handvoll Kapseln und Pülverchen machen, die da pro Tag zusammenkommen. 

Ich hatte übrigens das Glück, ohne Entzugssymptomatik durch die ersten 2 Monate zu kommen, aber ich hätte da auch keine Zeit für gehabt, da ich beruflich ziemlich eingebunden war und dann noch das Ahr-Hochwasser dazu kam, was mich ziemlich beansprucht hat. 

Also achte auf dich und dein ADHS und berichte weiter. 

viel Erfolg  Rumpel



   
2
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(@wilhelmc)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 34
Topic starter  

Moin!

Vielen Dank für Eure Antworten, guten Wünsche und natürlich auch Ermahnungen.

In der Sache hast Du völlig Recht @Gaby, und das sollte bitte auch niemand nachmachen:

Verfasst von: @gaby_guzek

Es ist saugefährlich, was Du da vor hast.

Nur, wie gesagt, ich hab‘ reichlich Erfahrungen mit dem „Aufhören“, das gab noch nie Probleme. Ich kann, beispielsweise im Urlaub, die Flasche von einem Tag auf den anderen stehen lassen und mit der Familie sechs Wochen durch Island radeln. Überhaupt kein Ding.

Bin ich zurück im Alltag, gib mir drei Tage und aus Alltag wird Alktag. 

Ich bin auch jetzt bereits wieder neun Tage nüchtern, keine Entzugserscheinungen. Und diesmal soll das bitte, verdammt noch mal, auch so bleiben! Wäre doch gelacht 😉

Verfasst von: @harley

Was war denn die "Erlösung mit 14" für Dich?

Fokussiert sein, dazugehören, verstanden sein. Im Prinzip das Gleiche, was ich jetzt mit dem Methylphenidat erreiche, weshalb die „Medikation“ Alkohol ja überflüssig geworden ist. Von einem Schluck auf den anderen war ich nicht mehr der Störfaktor, sondern Teil der Gesellschaft. Ob das nun objektiv auch so war oder nur an der weichgespülten Selbstwahrnehmung lag, lasse ich mal offen…

Also, habt herzlichen Dank für Eure Sorge, aber ich bin durch den Entzug quasi schon durch.

 

Herzliche Grüße!

 



   
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(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

Verträgt sich methylphenidat denn mit Alkohol? Habe den Verdacht auch n adhs zu haben und vor einer Diagnose immer zurückgeschreckt, weil man dann kein Alkohol mehr trinken kann. Möchte das Jetzt aber wieder in Angriff nehmen! Wie mache ich das?



   
AntwortZitat
(@wilhelmc)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 34
Topic starter  

@keithrichards Hi Keith!

Klar, man „sollte“ Methylphenidat und Alkohol nicht mischen, das gilt ja ohnehin für die allermeisten Medikamente. Wann allerdings hätte das „unsereins“ schon mal ernsthaft davon abgehalten?  😉

Es ist allerdings so, dass ein Dopaminmangel (bzw. ein zu rasanter Dopamin-Abbau) als physiologische Ursache für ADHS angenommen wird. Und wenn Du das mit dem Wissen aus dem Buch „Alkohol adé“ über unseren ohnehin vom Alk zerschossenen Dopaminhaushalt zusammenbringst, sollte die Mischung ADHS & Alkohol an sich schon unterbleiben, denn das ist eine gnadenlose Abwärtsspirale (hätte ich das doch nur 40 Jahre früher gewusst…).

Aber wenn Du ja ohnehin nüchtern bist und bleiben willst, ist dieses Problem ja schon unter Kontrolle.

Gute und interessante Beiträge zum Einstieg in das Thema findest Du hier: https://www.adhs-ratgeber.com/index.html

Die Diagnostik ist leider recht aufwändig: falls irgend möglich, wird die Kindheit und Jugend mit einbezogen: gab es da schon Verhaltensauffälligkeiten (alte Schulzeugnisse, noch lebende Eltern/Mitschüler/Lehrerinnen etc. sind natürlich wahnsinnig hilfreich dabei!).

Dann eigene Lebensgeschichte: gab es z.B. viele Abbrüche von Ausbildungen/Hobbies, häufige Jobwechsel, vielfaches Scheitern in Langzeitaufgaben und so weiter.

Hinzu kommen noch ein paar Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests, üblicherweise am Computer, usw. Das ganze zieht sich schon, das ist nichts, was in 30 Minuten diagnostiziert wird.

Am besten gehst Du dazu zu einer psychologischen Praxis, die sich mit sowas auskennt. Rechne mit Wartezeiten, insbesondere, wenn das die Kasse übernehmen soll. Oder halt mit einer saftigen Selbstzahler-Rechnung. Eine gute Anlaufstelle mMn sind übrigens auch Psychotherapeuten-Schulen. Dort werden die angehenden Psychologischen Psychotherapeuten nach dem Studium drei Jahre lang ausgebildet, gegen Ende der Ausbildung übernehmen sie dann auch schon Therapien - unter Supervision. Da bist Du oft in den besten Händen und ganz nah am Pulsschlag der aktuellen Forschung. Und da da nicht jeder gern hingeht und sich „zu Ausbildungszwecken“ therapieren lässt, kommt man da gern mal schneller an einen Termin 😉

Eine ziemlich gute Therapeutensuche (ganz generell, nicht nur ADHS) findest Du hier: https://www.psychotherapiesuche.de/pid/search

Du kannst ansonsten auch erstmal bei einer Suchtberatung nachfragen, ob da jemand Erfahrung hat oder einen geeigneten Psychologen kennt. ADHS plus Sucht ist mittlerweile ein relativ bekanntes Problemfeld.

Herzliche Grüße!



   
AntwortZitat
(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

@wilhelmc es sind diese ausführlichen Antworten, die mich immer zurückschrecken ließen😁



   
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 majo
(@majo)
Mitglied
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 3
 

@wilhelmc Hallo Wilhelm, 

deine Geschichte ähnelt sehr mit meiner, auch ich habe nicht wirklich ein Problem mit dem Aufhören, die ersten 3 Tage muss ich schon bei mir bleiben, aber dann läuft es. Ich denke, wir sind das Aufhören gewöhnt, so ganz nachvollziehen kann ich es auch nicht. In meinem welcome letter schrieb ich ja, dass es bei mir immer wieder dieses verdammte erste Glas ist, was mich zurück wirft und war dann wieder im System. Mittlerweile denke ich ," hingefallen, aufstehen, Krone richten" und weiter geht es. Jeder einzelne nüchterne Tag ist wichtig. Das hilft mir, nicht in die Ausweglosigkeit zu versinken, dass es jetzt eh egal ist. Weiter geht  es, gleich am nächsten Tag mit dem Ziel, dass es einfach mal vorbei ist, wieder der Sucht nachgegeben zu haben. Dafür verwende ich Zeit und Energie und nutze alles was dazu dienlich ist, auch dieses tolle Forum. 

Noch eine Gemeinsamkeit, auch ich bin schon in Island 14 Tage geradelt, ebenfalls ohne Wein und Bier, (wäre ja nicht bezahlbar gewesen 🙂 ) 

Viele liebe Grüße

Manu

 



   
1
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