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Hallo liebes Forum!
Ich lese hier schon seit langem mit und ich möchte mich gleich mal für dieses Forum sowie die beiden wertvollen Bücher ganz herzlich bedanken!
Vielen Dank Gaby und Bernd - auch für die tolle Moderation und Betreuung hier!
Vielen Dank allen Lesern und Schreibern, ihr habt mich unwissend sehr unterstützt.
Und das ist auch der Grund, warum ich mich nach so langer Zeit (Dezember 2023 hab ich hier angefangen mitzulesen) auch mal äußern möchte - ich möchte mich nämlich nun auch einbringen und vor allem Menschen, die gerade hadern und hier "Zuflucht" und Hilfe suchen, unterstützen.
Zu mir: Ich bin 57, w, verheiratet, Kind (30), Vollzeit berufstätig (Büro). Klassische funktionierende Trinkerin gewesen. In erster Ehe auch Co-Abhängig (umso erstaunlicher, dass ich dann selbst dem Teufel Alkohol verfallen bin...).
Letzter Alkohol-Tag: 10.05.2024. Warum? Weil ich schon jahrelang wusste, dass mein Konsum (1-2 Flaschen Wein täglich/abends, in Urlaubs- oder Wochenendzeiten auch gern mal mehr und früher) viel zu hoch und hochgradig gefährlich war, aber es war doch immer so gemütlich....
Und es gab doch immer einen Grund zu feiern (Sekt). Oder das klassische "boah, ich hatte heute so einen Stress....".
Meinem (zweiten) Mann ging es ähnlich - wir sind da gemeinsam "gemütlich" immer tiefer in den Bier- oder Weinkasten gerutscht. Klar hat man auch immer mal wieder ne Weile (Tage-Wochen-Monate) nichts getrunken, mal der eine mal der andere. Aber doch wurde die Konsumschwelle immer höher.
Aber wir haben nie was heimlich oder versteckt gemacht - wir haben einfach ganz offen, für jeden sichtbar, immer sehr viel getrunken. Nie wenn wir fahren mussten, nie bis "total besoffen" oder ganz selten nur - Filmrisse hatte ich im Leben vielleicht 2. Früher. Die Leber wächst mit ihren Aufgaben.... Und die Trinkschwelle wächst halt mit. Einen richtigen Kater hatte ich nur ganz selten, ich war "im Training".
November/Dezember 2023 hatte ich dann zum zweiten Mal Corona. Und merkwürdigerweise hat mir der allabendliche Rotwein überhaupt gar nicht geschmeckt. Ich fand's ganz ekelhaft und musste mich regelrecht wieder "rein trinken" - und da hat es irgendwo im versoffenen Hirn doch mal Klick gemacht. Und ich hab angefangen zu recherchieren zum Thema Corona und Alkohol und überhaupt. Und ruckzuck hatte ich "Alkohol adé" am Wickel. Und hab noch mehr gelesen. Aber war immer noch nicht soweit.
Aber ich bin manchmal bissi langsam - bei mir muss der Inhalt/die Sache erstmal überall (Bauch/Kopf/woauchimmer) verarbeitet werden. Ich habe es "sacken lassen". Und schon weniger getrunken.
Januar hatten wir im Job eine große IT-Änderung, für die ich stellenweise mitverantwortlich war. Viel Stress (unnötig, wär gar nicht mein Job gewesen mich darüber verrückt zu machen).
Anfang Februar 2024 schwebte ich stress- und aggressionstechnisch förmlich "an der Decke" und bin gar nicht mehr runter gekommen. Und hab mal Blutdruck gemessen. Zum Glück. 207/99 war mein selbstgemessener Spitzenwert. Am 5.2. hatte ich einen Arzttermin, die Ärztin wollte mich schon einweisen, dem bin ich aber entgangen (Notfall-Medikament hat vor Ort geholfen). Seitdem nehm ich Tabletten. Candesartan, anfangs 8, mittlerweile 4mg. Mein Ziel: Weg davon.
Damals hab ich meinen Konsum schon deutlich runtergefahren. Erstmal nix getrunken, dann nur wenn Besuch und auch dann nur mal 1-2 Gläser, was mir aber wirklich IMMER schwer gefallen ist.
Mai waren wir im Urlaub und danach hatte ich Sodbrennen. Tirol halt - viel essen, viel trinken, ist ja so gemütlich, blöd nur wenn man davon Dauerhusten bekommt, weil man total übersäuert ist und/oder Reflux hat. Das hat mich soooo sehr genervt. Von Dezember bis Mai habe ich zudem immerzu im Forum mitgelesen und viele Bücher und Berichte (Podcasts sind nicht so meins, ich les lieber) zum Thema gelesen.
Auch die Suchtlüge! Und am 10.5. habe ich beschlossen - ab morgen bin ich nüchtern. Zu meinem Mann und meinem Umfeld (es ist natürlich sofort aufgefallen, dass ich ne Apfelschorle bestelle statt nem Grauburgunder/Primitivo o.ä.) habe ich das wunderbar mit meinem Blutdruck und meinem Sodbrennen erklären können.
Eine Woche später ist es bei uns daheim eskaliert (Kind/Mann/Alkohol - ich als einzige nüchtern und vernünftig), woraufhin am nächsten Tag mein Mann beschlossen hat: Das wars für mich auch, ich hör auf. Bis zu dem Tag war das für ihn gar kein Thema, an dem Vormittag haben wir den Kühlschrank (er der Biertrinker) leer geräumt und sind abends bereits bei einem Lokaltermin mit Freunden beide nüchtern geblieben (was sofort aufgefallen ist - "wie, ihr trinkt BEIDE nichts???" - das gab es ja noch NIE!) - mit den Ausreden "Sodbrennen/Blutdruck" (ich) und "Notfallbereitschaft" (mein Mann). Er hat sich dann auch gleich auf die beiden Bücher von Gaby und Bernd gestürzt und war, ebenso wie ich, davon überzeugt.
Seitdem ist es so. Seitdem trinken wir beide nicht mehr. Einfach so. NEMs nehme ich auch, aber nicht so viele wie im Protokoll. Was mir sehr gut geholfen hat war GABA - aber wirklich nur die Sticks von VExpress! Ich nehme nach wie vor Vitamin B Komplex, Vitamin C, D und Zink, Magnesium. GABA bei Bedarf und für mich (mein Cortisolspiegel ist sicher sehr hoch, ich bin ein sehr gestresster Mensch - immer nervös und mein Kopf denkt sich grundsätzlich wund) hab ich Ashwagandha entdeckt. Und ich fang nächste Woche mal mit Glycin an, soll auch sehr gut sein bei stressgeplagten Personen (ich weiß, ich mach mir den Stress selbst).
Wir haben jedoch immer noch (für Gäste) Alkohol im Haus und auch im Kühlschrank. Weil - ich könnte gar nicht gut aufhören mit einem Suchtmittel wenn "ich nicht mehr DARF" - sondern nur weil "ich nicht mehr WILL". Das war beim Rauchen schon so, ich hab die erste Zeit immer ein Päckchen Kippen dabei gehabt und hätte jederzeit rauchen können. Aber ich wollte nicht mehr - das hat bei mir hervorragend geklappt. Auch jetzt. Wir können mittlerweile auch alkoholfreie Varianten trinken, es triggert uns glücklicherweise nicht.
Zum Anstoßen (das hätte mir sehr gefehlt) haben wir Fruchtsecco alkoholfrei (Rotkäppchen) für uns entdeckt, ansonsten gibts viel Tee und Fruchtschorlen und eben ab und an alkoholfreies Bier.
Derzeit bin ich stark erkältet - und nehm Propolis als Tropfen - mein Mann präventiv ebenfalls und am dritten Abend sagt er mir "ups, da ist ja auch Alkohol drin". Äh. Ja. Hab ich gar nicht dran gedacht, triggert mich aber auch nicht. Also tropfenweise als Medikament scheint es für mich zu gehen.
Neulich waren wir im Urlaub - das war komisch, weil wir an den gleichen Ort wie die letzten Jahre gefahren sind, und dort natürlich die "alten Bekannten" = Strandbar, der Supermarkt, das Restaurant - plötzlich mussten unsere Hirne lernen "nicht das Gleiche wie immer", sondern Alternativen suchen und bestellen. Da haben wir beide immer sehr offen über das Thema Alkohol gesprochen. Es war unser erster nüchterner Urlaub. Es war toll! Und so soll das auch bleiben!
Ich missioniere nicht (außer wenn jemand fragt) und ich sage wie es ist: Ich kann nicht nur ein Glas trinken - und ich will nicht mehr jeden Abend 2 Flaschen trinken - also lasse ich es ganz. Wie mit Chips, es gibt Leute, die müssen die Packung leer essen und es gibt Leute, die können nur ne Handvoll rausnehmen und den Rest ignorieren. So gehts mir mit Chips (1 Portion/Handvoll geht wunderbar) - aber leider nicht mit Alkohol (1 Flasche mind.).
Und ich erlebe ganz oft Zustimmung (ein paar wenige Personen hatten sich auch schon Sorgen über meinen/unseren Konsum gemacht), grundsätzlich eine tolle Akzeptanz und noch nie hat mich jemand versucht zu überreden doch zu trinken. Anfangs kam von Freunden mal ein "aber ich darf schon noch, oder" - aber spätestens beim Grillfest bei uns, als jeder was angeboten bekam und auch trinken durfte, war das Thema auch durch.
Wie mit Schnaps, den haben wir früher auch nie selbst getrunken, aber hatten immer welchen zum Anbieten für Gäste da - genauso machen wir es nun mit Bier (ein paar Flaschen haben wir da) und Sekt/Wein (der Vorrat ist noch gut gefüllt). Mittlerweile ist der Vorrat in den hinteren Keller gewandert und andere Dinge nach vorne - ja, die Lebensmittel lagerten hinten, der Wein vorne (ich hab ja halt auch früher viel öfter ne Flasche Wein geholt, statt ner Dose Champignons ;-)). Jetzt ist es umgekehrt.
Für uns funktioniert das wunderbar und ich bin froh, dass es so ist. Und vor allem bin ich froh, dass ICH nicht mehr trinke, mein Mann ebenfalls und wir uns gegenseitig unterstützen.
Und ich bin froh, dass ich zur richtigen Zeit das richtige Buch (Alkohol Adé) und das richtige Forum gefunden habe. VIELEN DANK!
Ganz liebe Grüße
Tani
@tani0815 Was für eine Mut machende Geschichte! Bleibt auf Eurem Weg und dass Dein Partner bewusst mitzieht, Ist unglaublich kostbar und bei Weitem nicht selbstverständlich. Dein Text hat mich sehr berührt und mir gezeigt, dass nicht’s unmöglich ist. Danke für Deine respektiv Eure Offenheit. Herzlich 🙋♀️🍁🌻Mina
Hallo Tani. Herzlich Willkommen im „ Club der nicht mehr Trinkenden“. Wirklich super, dass ihr Beide zur Erkenntnis gekommen seid, „das Leben funktioniert auch ohne Alk“ wahrscheinlich sogar besser.
Manchmal denke ich wir sind gesellschaftlich der Zeit voraus, bis es ähnlich dem Rauchen nicht mehr normal ist bei jeder Gelegenheit zur Flasche zu greifen.
Wenn man heute Filme im Fernsehen sieht, wird sofort das Bier oder der Wein aus dem Kühlschrank geholt, weil es gehört ja zum guten Ton dazu.
Das war früher auch mit dem Rauchen so, heute raucht quasi keiner mehr im Film.
Macht also bitte weiter so ohne Alk und alles Liebe für euch
@mina Vielen Dank liebe Mina, ich hab bei dir auch schon oft mitgelesen und finde deinen Weg richtig toll!
Als er damals auch gesagt hat "offenbar kann ich auch nicht mit Alkohol umgehen, dann lasse ich es jetzt ebenfalls" hat mich das sehr überrascht und froh gestimmt, ich weiß nicht, ob es mir alleine so leicht gefallen wäre. In der Zeit, in der ich nicht so viel getrunken habe, ging mir dieser "Mundgestank" des Abends beim Zubettgehen ziemlich auf den Wecker. Ekelhaft. Wenn man selbst so stinkt, nimmt man das ja gar nicht wahr (wie beim Knoblauch). Daher freue ich mich sehrsehrsehr, dass er auch aufgehört hat. Bei ihm war die Menge aber auch deutlich zu hoch.
Lass uns gemeinsam weitermachen und auch andere dabei unterstützen, wie du das ja schon länger machst!
@jpo Vielen Dank. Ja, ich denke auch, dass sich in den nächsten Jahren bezüglich Alkoholkonsum einiges ändern wird. Schon, weil die WHO ihr Statement zu den "Grenzwerten" runterreguliert hat. Jeder Schluck ist schädlich.
Und wie du schreibst: Früher waren die Zigaretten überall präsent, heute kaum noch. Das wird hoffentlich mit dem Alkohol ähnlich werden. Ich habe so viele Dokus zu dem Thema geschaut, wie es z.B. in Schweden läuft und auch das Heute Show Spezial fand ich mega interessant, inklusive des Musikvideos, was Gaby hier gepostet hat. So spricht man die Leute an!
Lasst uns unseren Teil dazu beitragen - und wenns nur als gutes Beispiel ist.
Ich habe z.B. schon einige "inspiriert" bei gemeinsamen Treffen weniger bis gar nicht zu trinken - obwohl ich zu jedem sage: Trink ruhig, das juckt mich nicht. Und dennoch scheint es die Menschen zum nachdenken anzuregen (von mir nicht mal beabsichtigt). Kann ja nicht schaden 😉
@tani0815 Großartig, herzlichen Glückwunsch und danke dafür, dass Du Dich nach so langer Zugehörigkeit im Forum "outest". Schön zu wissen, dass es doch viele gibt, die einfach nur mitlesen.
Mach weiter so. Ich freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Sandra
Vielen Dank liebe Sandra, auch du hast mich sehr inspiriert mit deinem Werdegang. Habe die TV-Sendung mit dir gesehen und auch deine Homepage angeschaut. Du hattest auch von einem Bildungsurlaub geschrieben - findet dieser in 2025 wieder statt und ist dieser in Hessen anerkannt? Da würd ich mich vermutlich direkt anmelden.
Ich habe vor Jahren eine Ausbildung zum Trainer für Progressive Muskelentspannung gemacht und war früher Fitness-Trainerin (jahrelang sogar hauptberuflich, ich sag immer spasseshalber: Das ist ca. 30 Kilogramm her...), habe meine Fortbildungen/Lizenzverlängerungen mit zunehmendem Alter in Richtung MBSR, Achtsamkeit, Entspannung, Stressbewältigung absolviert. Theoretisch bin ich super vorbereitet - aber der Schuster hat nunmal die schlechtesten Schuhe. Im Beraten und Anleiten bin ich super, aber meine eigenen Lehren verhallen in mir selbst.
Aber ich übe. Mehr denn je. 😌
@tani0815 oh, das ehrt mich, ich danke Dir. Dein Vorteil ist, dass Du die Wege kennst... und es ist so viel leichter mit jemanden, der als Lehrer vorne steht, Dir sagt, was Du zu tun und zu lassen hast, als das die eigene Motivation für sich selbst reicht. Darf ich Dir gegenüber "schlaumeiern"? Hältst Du Dich an Termine, die Du Dir setzt? Sprich mit Bank, Versicherung etc? - haben ja eine wichtige Bedeutung.
Schreibe für Dich einen Stundenplan, der realistisch ist und fang einfach an. 🙂
Glaube mir, ich weiß sehr genau was Du meinst. Gerade jetzt habe ich auch eine komische Phase... und ich tue sehr viel. 😉
Hier kommst Du zu den Terminen für das nächste Jahr Bildungsurlaub2025
Mit Hessen bin ich mir gerade nicht sicher... kläre ich gerne und melde mich zurück.
Dir alles Gute.
Sandra
@cairni Danke Sandra. Meine normalen Pflichten erfülle ich immer (Motto: Was weg ist, ist weg! Gemacht ist gemacht.). Nur mit der eigenen Wellness, das klappt nicht so gut. Aber ich bleib dran und muss mir, wie du schreibst, feste Zeiten einplanen, wie im Job. Termin ist Termin und da taucht man pünktlich auf.
Danke für den Link, schau ich mir die Tage mal genauer an. Auf deiner Seite war ich vor längerem schonmal - gefällt mir sehr gut.
Liebe Grüße
Tani
Update heute:
Plötzlicher Todesfall in der engeren Familie, ich habe den ganzen Tag der Tochter beigestanden und nicht ein einziges Mal an Alkohol gedacht. Solche Situationen wurden hier schon öfter von anderen Forenmitgliedern beschrieben: Dramatisches Erlebnis oder stressige Situation - und kein Gedanke an Alkohol. Hab ich heute erlebt. Vielleicht auch weil es nicht so stark mich selbst betrifft, sondern ich beistehen muss. Ich funktionieren muss, ich Verantwortung nicht nur für mich, sondern auch für die Angehörige übernehmen muss (und möchte!). Ich bin sehr froh darüber, dass ich klar bin und bleibe - und jederzeit verfügbar (fahrtüchtig) sein kann.





