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Hallo zusammen! Nach ein paar Tagen als stiller Mitleser möchte ich nun auch gerne meine „ Geschichte“ mit euch teilen. Kleiner Spoiler – es könnte ein kleiner Roman werden.
Ich bin vor kurzem 35 geworden, habe keine Kinder im klassischen Sinne (meine 3 Katzen sind eben diese für mich), einen festen Partner (ich bin ein Mann) seit 15 Jahren und einen festen Job seit circa 12 Jahren.
Ich hatte eine zusammenfassend akzeptable Kindheit, in der nie etwas wirklich schlimmes passiert ist und auch die Homosexualität hat nie dazu geführt, dass ich irgendeine Art Ausgrenzung weder in der Familie noch meiner unmittelbaren Umgebung erlebt habe. Ein Outing als Teenager ist zwar nicht das leichteste der Welt; aber das wäre jetzt eher Stoff für einen anderen Blog 😉
Dennoch leide ich seit frühester Jugend an Depressionen; wie so viele von uns. Sie kamen, waren immer da und werden auch für immer bleiben. Öfter habe ich bereits über mögliche Behandlung nachgedacht. Dennoch habe ich abschließend meine Entscheidung getroffen, diese ständigen Begleiter – ich nenne sie liebevoll Engelchen und Teufelchen; es gibt mich nur mit den beiden – mit mir selbst auszumachen. Ich denke auch (als nicht studierter Psychologe), dass ich Gott sei dank keine schwere Form habe. Ich kann jeden Morgen mein Bett verlassen und bin auch nicht suizidal; aber manchmal sind da eben diese bösen und traurigen Gedanken und in diesen Zeiten geht es mir eben auch nicht gut. mal dauert dieser Zustand ein paar Stunden, manchmal ein paar Tage. Irgendwann geht es mir aber immer wieder gut.
Warum erzähle ich das?
Diese mentale Situation ist der Grund für meine Abhängigkeit. Gezielt habe ich mit ca 18 Jahren täglich Bier oder stärkeres aus dem elterlichen Vorrat genommen um Abend für Abend die traurigen Gedanken zu betäuben, was wunderbar funktioniert hat und bis heute anhält (auf den aktuellen Zustand der Abstinenz / meines Trinkverhaltens komme ich später).
Vom Prinzip her bin ich ein Trinker wie es die meisten hier auch sind. Der Tag beginnt mit einem Kater und einem geschwollen Gesicht. Dann muss erst mal Kaffee her. Der Arbeitstag beginnt, ist mal stressiger, mal weniger – umso stressiger, umso früher kommt der Gedanke an den vermeintlich so wohlverdienten Alkohol (in meinem Fall Sekt oder Weißwein). Der Feierabend ist da, je nach Uhrzeit und ob man alleine zuhause ist, wird das erste Glas gefüllt und plötzlich ist es nach 2 Sekunden wieder leer. Das dauert dann so lange – in meinem Fall zumindest- bis das selbe mit der zweiten Flasche geschehen ist. Das sehe ich dann aber am nächsten Tag meistens erst. Und so verläuft jeder einzelne Tag bis auf kleine Unterschiede. Bei Ausflügen im Urlaub zb darf das ganze auch gerne schonmal mittags losgehen, dann auch gerne länger denn ich habe ja den ganzen Tag Zeit um einen gewissen Pegel zu erreichen. Ansonsten bin ich allerdings tatsächlich ein ausschließlich abends Trinker.
Dass dies eine ausgewachsene Sucht ist, das wissen Engelchen und Teufelchen seit Jahren ganz genau. Der Gedanke auszuhören; der hat schon oft an der Tür geklopft; aber dem Idioten mache ich doch nicht auf, haha.
Nun ja – bis jetzt. Kaum nicht hin geschaut, hat der Idiot seinen Weg nach drinnen jetzt gefunden.
Jetzt folgt die Erklärung, wie ich meinen Weg hierher gefunden habe. Nämlich auf eine ursprünglich sehr unfreiwillige Weise. Genau heute vor einem Monat bin ich im Zuge einer Trunkenheitsfahrt in eine allgemeine Verkehrskontrolle geraten. 1,67 waren nach einem Fest mit Freunden im Blut, es wird eine Gerichtsverhandlung geben da es sich bei diesem Wert um eine Straftat handelt.
Ziemlich dumm gelaufen, dachte ich anfangs. Glaubt mir, so ein Monat kann lange sein, wenn das Damoklesschwert mpu mit einjähriger Pflichtabstinenz über einem schwebt und man herausfindet, wie lange man dem menschlichen Körper chronischen Alkoholmissbrauch auf verschiedenste Weisen nachweisen kann.
Nun zu meinem Stand der Abstinenz. Seit diesem Ereignis habe ich meinen Konsum zunächst 3 Tage immer wieder halbiert. 5 Tage totale Abstinenz sind gefolgt. Ein Zeitraum von 2 Wochen ist gefolgt mit meinem Geburtstag, der meines Partners und der alljährlichen Weihnachtsfeier (in diesem Zeitraum habe ich täglich getrunken zw 2 Gläsern und einer Flasche Sekt). Dann waren wieder 2 Tage Abstinenz dran und ein Tag trinken; nicht ein Tag des Komasaufens sind seitdem passiert, was mich bereits sehr stolz gemacht hat.
Nach diesem letzten Tag mit Alkohol (02.12) ist allerdings etwas seltsames passiert: Engelchen und Teufelchen haben einen Pakt geschlossen: mindestens bis Weihnachten kein Alkohol mit Verlängerung bis Silvester wenn wir die Feiertage durchhalten. Eine Wut hat sich an diesem Tag in mir breit gemacht, das habe ich noch selten erlebt. Diesem Scheiß Gegner (Teufel kann ich ihn ja nicht nennen, der sitzt auf der linken Schulter) werde ich es zeigen, nicht mit mir!!!!
Und so zählen wir die Tage bzw eher die Nächte seitdem und sehnen uns, dass jeder Tag gut vorübergeht. Es ist Tag 5 bzw Nacht 4 die mir bevorsteht. Die besagte Wut ist leider fast vollständig verflogen, ich erinnere mich aber noch an sie, was mich recht gut durchhalten lässt.
Ich weiß nicht, wohin mich der Weg führen wird, aber ich versuche mich nicht abbringen oder verleiten zu lassen. Zu sehr habe ich mich an einen klaren Verstand und (fast) ruhige Hände gewöhnt – wer hätte gedacht dass das ruhige Halten einer Kaffeetasse so befriedigend sein kann!
Im Ernst, es tut gut die Kontrolle über den eigenen Körper seit langer Zeit mal wieder zu fühlen…
Der kleine Roman ist hier erst mal zu Ende. Natürlich war dieser trotzdem nur eine kurze Zusammenfassung von ca 16 Jahren Sucht mit nur einem Monat der „Klarheit“.
Liebe Grüße
ch hasse es, grundlegende Entscheidungen zu treffen. Wenn dann noch Zeitzwang besteht, wird mir schwindelig, so wie jetzt
Mein Vater hatte in solchen Situationen einen wirklich goldenen Rat. Der hört sich total blöd an, hat mir (und uns) mehrfach wirklich geholfen. Und das meine ich wirklich in aller Tiefe. Es ging um sehr weitreichende Entscheidungen.
"Wenn Du nicht weißt, was Du tun sollst, tust Du erstmal gar nichts."
Ich will das gar nicht gleich weiter ausführen. Vielleicht hat der Satz für Dich ja schon Resonanz. Wenn nicht, sage ich gerne noch was dazu.
Liebe Grüße
Gaby
Entscheidungen zu treffen ist niemals leicht unter Zeitdruck noch weniger.
Was sagt dein Bauch?
Mir persönlich hätte die Variante tlw. streiken und tlw. in der Abteilung mithelfen gefallen - wird aber wohl zur Zerreißprobe.
Und wenn du entweder mit den Kolleg:innen in der Abteilung sprichst oder mit den Streikenden und deine Misere erläuterst? Vielleicht sagen ja die Kolleg:innen - hey dein mitstreiken hilft uns allen?
Möglich ???
@gaby_guzek ich hatte jüngst erst 2 Absagen auf Bewerbungen bekommen. Weitere Bewerbungen habe ich noch keine geschrieben.
@crazy2610 mein Bauch tendiert aktuell nach gaba Einnahme auch dazu. Damit werde ich am ehesten die Wogen (erstmal) glätten können. Drück mir die Daumen, dass ich den Druck aushalten werde...
Ein "nichts tun", wie @gaby_guzek es vorgeschlagen hat, ist mir zu gefährlich. Alle Mitspieler machen ihre Züge und ich setze die Runde aus - nein, besser nicht. Ich werde also heute auch nicht zur Ärztin gehen.
@alex7 Moin Alex, ganz kurz mein Senf zu dem Thema: Es gibt wichtigere Dinge als Job und Arbeit. Mittlerweile ist für mich Lebenszeit wesentlich wichtiger als Arbeitszeit. Ich war einmal in meinem Leben in einer ähnlichen beruflichen Situation wie du, hatte das Glück das diese Person dann das Unternehmen verlassen hat. Ansonsten sehe ich Arbeitsverhältnisse sehr nüchtern und emotionslos: Es ist ein Tauschgeschäft, mehr nicht, die Erwartung von Wertschätzung und Empathie ist wirklich ein bisschen naiv.Ich würde mich heute nicht mehr in ein stressiges Arbeitsverhältniss begeben. Deine Situation erscheint mir langfristig ausweglos, ich denke nicht das die Situation besser wird, eher schlechter. Ich wünsche dir ein gutes Bauchgefühl für deine nächsten Schritte.
Na dann rein mit dem GABA und tief durchatmen, versuche trotz dem Rundherum etwas Ruhe in dich reinzuatmen.
Natürlich halte ich die Daumen, aber du wirst es schaffen. Gib dem Druck ein Gesicht - versuche ruhig zu bleiben und halte dich zumindest teilweise an den Rat - mach was du für richtig hältst aber mach es mit Bedacht. Lass dich zu keinen Äußerungen oder Handlungen hinreißen, beiß dir lieber einmal mehr auf die Zunge oder wirf noch GABA ein.
Ich sitz dir gedanklich im Nacken und stärke deine Hinterfront.
LG Crazy
Ich bleibe bei tief in den Bauch atmen, denn damit werden die Gedanken langsamer und Du bekommst einen klareren Kopf.
Manchmal heißt es, einfach durch. Besonders, wenn wir "etwas angestellt" haben. Mir wurde beigebracht, dass ich für mich einstehen muss.
Wenn der Moment auch scheiße ist, der geht vorbei! Und was passiert am Ende? Du steigst im Ansehen bei Dir selbst, weil Du Dich nicht verbogen hast und für Deine Meinung eingestanden bist.
Ich drücke Dir dolle die Daumen, Gaba und Co. sind gute Unterstützer zusätzlich.
toi, toi, toi und berichte
@Alex7 die Situation erinnert mich irgendwie an deinen Arzttermin, in den du mit der Vorstellung gegangen bist, dass man dir zuhört. Du bist wieder aktiv geworden und hattest die Hoffnung irgendwie unterm Radar fliegen zu können und trotzdem zu bekommen, was du möchtest. Hat nicht funktioniert. Und dich in diesem Fall in die Enge getrieben. Für mich kämen 2 Möglichkeiten in Frage: 1. Den Rücken gerade und die Schultern breit zu machen und das Gespräch mit allen Beteiligten zu suchen. Das muss halt sehr gut vorbereitet sein: sprich Feedbackregeln klar kommunizieren und als Ziel direkt ein besseres Miteinander definieren und lösungsorientiert und rational bleiben. Im Zweifelsfall einen externen Mediator einschalten und dann dran bleiben, bis man sich wirklich geeinigt hat. Schwerer Weg, kann aber Wunder bewirken und dich sehr stärken. 2. Löosung: aussitzen. Du bist unkündbar. Du kannst alle Gesetze ausschöpfen. Und ja, du kannst dir auch einen gelben Schein holen, wenn du das Gefühl hast, der Situation nicht gewachsen zu sein.
Ich schick dir Kraft und Gelassenheit





