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Sehr geehrte Forumsmitglieder,
ich lese nun schon einige Zeit mit und möchte mich jetzt vorstellen. Ich bin Zahnarzt mit eigener Praxis. Leider muss ich sagen, dass ich wieder rückfällig geworden bin. Ich hatte es mehr als ein Vierteljahr geschafft, aber jetzt war der Alkohol stärker.
Meine Sorge ist, dass meine Sucht irgendwie öffentlich werden würde. Meine Mitarbeiterinnen oder Patienten haben sicherlich noch nichts bemerkt, auch mein Praxispartner nicht (der - so glaube ich - selber zu viel trinkt. Ich habe ihn auch schon darauf angesprochen). Das wäre furchtbar, wenn das bekannt würde.
Ich bin sehr ratlos im Moment. Vielleicht hat jemand ja einen Tipp für mich, wie ich wieder vom Trinken weg komme.
Ich trinke im Moment vor allem Abends und am Wochenende, in der Praxis nicht (obwohl ich manchmal schon daran denke). Allerdings habe ich Sorge, dass man beispielsweise morgens mir noch was anmerkt.
So viel für heute. Ich bin für jede Idee wirklich dankbar.
Herzlich Willkommen, Tim!
Nun, wie es aussieht, schaffst Du das nicht alleine. Hast Du schon mal drüber nachgedacht, zu einer Suchtberatungsstelle zu gehen? Mir sind die speziellen Umstände sehr wohl bekannt, die für suchtkranke Ärzte gelten, die Regeln der Ärztekammern sind geradezu absurd.
Gehe bitte mal aber davon aus, dass Mitarbeiter und das soziale Umfeld in der Regel sehr viel schneller was ahnt oder sogar weiß, als man es sich selber eingesteht. Übrigens: Wenn Dein Praxispartner auch zu viel trinkt, so solltest Du trotzdem erstmal bei Dir selber hin schauen. Selber trinken und andere trocken legen wollen, das passt nicht. Das ist so ein wenig mit dem Finger zeigen und "haltet den Dieb" rufen.
Du brauchst Unterstützung, das steht fest. Geh zur Suchtberatung, die beraten, so weit ich weiß, auf Wunsch auch anonym.
Schreib uns gerne mehr, beispielsweise, was so die Trigger sind, die Dich trinken lassen. Und vor allem: Probiere doch mal hier zu schreiben, bevor Du trinkst.
Viele Grüße
Gaby
Suchberatung berät in der Regel anonym. Es wurde mir auch angeboten in Einzelsitzungen ein "Programm" durchzuarbeiten. Ich kann auch jede Woche zum Gespräch, wenn ich das möchte und Selbsthilfegruppen werden einem auch meist empfohlen. Ich würde einfach mal hinschauen.
Lieber Tim. Ich kann dich so gut verstehen. Ich arbeite auch im sehr öffentlichen Dienst und kann es mir überhaupt nicht erlauben, dass das rauskommt. Für mich kommt aktuell auch keine Beratung in Frage, aus Angst dass mich dort jmd kennt. Vielleicht n bisschen bescheuert, aber erstmal für mich die beste Lösung.
Versuch es doch mal mit den Nahrungsergänzungsmitteln die im Buch beschrieben werden. Ich habe mir einige davon bestellt und bin guter Dinge, dass sie mir helfen werden.
Dann gibt es noch eine gute online Plattform, wo man ausschließlich digital an einen unterstützenden Programm teilnehmen kann. Da kannst du reduzieren oder abstinent eingeben. Kannst es ja mal ausprobieren! www.selbsthilfealkohol.de
Und verurteilte dich nicht, wenn dein Plan vom nüchtern sein nicht aufgeht, mach einfach weiter.
Ein Viertel Jahr hast du ja schon geschafft, das ist bombastisch!
Wie @Susanne schreibt: Suchtberatung geht auch in Einzelsitzung und anonym. Mal was zum drüber Nachdenken: Häufig genug ist dieses "ich möchte nicht erkannt werden" eine Ausrede (die man auch selber glaubt! Wir sind meister im Selbstbetrug!) dafür, nicht vor einem anderen erstmals eingstehen zu müssen, dass man zu viel trinkt.
Das zementiert es nämlich irgendwie und danach gibt es ja quasi kein zurück mehr. Dass es bereits viele in unserem Umfeld wissen, ohne vielleicht was zu sagen, auch das ignorieren wir und reden uns ein, es habe noch niemand gemerkt.
Bitte noch mal drüber nachdenken. Es gibt Möglichkeiten, sich zunächst auch anonym und einzeln beraten zu lassen. Außerdem ist der Schritt raus aus der Geheimniskrämerei auch ein Stück weit Heilung.
@trosinette hat beispielsweise den ersten Schritt getan. Vielleicht kann er hier ja noch ein wenig was dazu schreiben.
Viele Grüße!
Gaby
Guten Tag,
da mir Gaby freundlicherweise einen Termin verschafft hat, bin ich nun regelmäßig bei einem Suchtberater. Weil die Treffen mit dem Suchtberater nicht besonders schlimm waren, begab ich mich auf die Suche nach dem nächsten Kick und wollte am vergangenen Freitag bei der AA-Selbsthilfegruppe reinschnuppern, die bei mir um die Ecke normalerweise ihre Meetings abhält. Bevor ich losging, habe ich mit meiner Frau gewitzelt, dass ich bei dem Meeting voraussichtlich die halbe Nachbarschaft antreffe. Leider musste ich feststellen, dass wegen der „Coronaauflagen“ zurzeit keine Meetings stattfinden.
Für das Outen und für alle weiteren angsteinflößenden Momente meiner Lebensbewältigung, bete ich mir das folgende Mantra vor: „Scheiß drauf“. Mein spiritueller Meister ist Animal, der Schlagzeuger aus der Muppets Show. Der tut vollkommen unreflektiert immer das, was er tun wollen muss, scheißt auf die Folgen und auf alles, was andere darüber denken und sagen. Daran könnte ich mich noch weiter 100x erfreuen:
Mein erster Termin beim Suchtberater war an einem Montag um 13:00. Im Büro musste ich also ankündigen, dass ich früher Feierabend machen will. Mein Kollege fragte mich mittags in der Kantine, was ich für einen Termin habe. Ich kam natürlich kurz ins Grübeln und dacht dann „scheiß drauf“ und habe gesagt, dass ich einen Termin beim Suchtberater habe. Wir haben uns kurz darüber unterhalten und fertig.
Ich gehe davon aus, dass diejenigen, vor denen ich mich mehr oder weniger oute, sich nicht wochenlag über den suchtanfälligen Herrn Schneider einen Kopf machen. Dafür bin ich für Außenstehende viel zu unwichtig.
Fast alle haben ihren eigenen Dreck am Stecken. Übergewichtig, Spielsucht, Tablettenabhängig, Pädophile, Phobien, Psychosen, Depressionen, Aggressionen, Burnout, Putzfimmel, Kontrollzwang, Hämorriden usw. usf. Ich kann also getrost davon ausgehen, dass ich mit dem Mut, mich zu outen, eher Achselzucken oder neidvolle Bewunderung ernte, als in einem schlechten Licht dazustehen und dauerhaft negativ Aufsehen zu erregen. Ich glaube, dass mein schlechtes Image, dass ich als Alkoholiker bei den nicht Alkoholikern vermuten, gar nicht so schlecht ist. Doof ist nur, wenn man sich outet und trotzdem widerstandslos wie gewohnt weitersäuft. Die Wahrscheinlichkeit, widerstandslos wie gewohnt weiter zu saufen, nimmt nach meiner Einschätzung allerdings ab, wenn man sich geoutet hat.
Online-Outen ist nicht schlecht. Ich halte Online aber für was anderes als echte Begegnungen im echten Leben. Ich mache im echten Leben zwar nicht besonders viel, aber wenn ich mal was mache, dann versuche ich alles zu geben - scheiß drauf.
Ich arbeite auch im sehr öffentlichen Dienst und kann es mir überhaupt nicht erlauben, dass das rauskommt.
Was würde Dir passieren, wenn das rauskommt?
Mit freundlichen Grüßen
M.Schneider
Ich feiere Dich. Ganz, ganz, ganz großes Kino. So großartig ... ich finde echt keine Worte.
Chapeau!
Ich bin generell überhaupt nicht gegen eine Suchtberatung! Falls das hier so rüber gekommen ist. Ich finde es sehr charakterstark, wenn man sich Hilfe in solch einer Form sucht. Ich kann es aber auch verstehen, wenn es einige Menschen nicht so machen, aufgrund ihrer Arbeitssituation oder sonst was!
Was passieren würde?! Ich könnte mir vorstellen, dass es schwierig für mich werden könnte, indem Umfeld weiterhin zu arbeiten. Da bin ich sehr realistisch. Deswegen suche ich mir über den digitalen Weg Unterstützung. Allerdings wäre eine Suchtberatung natürlich nicht schlimm, da es ja wirklich total anonym ist und in Einzelgesprächen. Hm...bisschen ambivalent!
Zudem habe ich meine liebsten Freunde und Familienmitglieder ebenfalls darüber informiert. Was meinen Weg noch verstärkt!
Bei vielen Menschen mit Alkoholproblemen sind es sicherlich Ausreden. Dazu zähle ich mich jetzt mal vorsichtig nicht.
Viele Menschen mit Alkoholproblemen melden sich doch in erster Linie hier oder in ähnlichen Foren an, um sich zu vergleichen, Erfahrungen auszutauschen und schlicht einfach Unterstützung zu finden. Das hier ist der erste Schritt aus der Sucht. Bei manchen/vielen reicht das und sie schaffen es raus. Ich glaube (vlt liege ich auch falsch), wenn diesen Menschen sofort zu Beratungen und Selbsthilfegruppen geraten wird, schrecken einige wie scheue Rehe zurück, weil ihnen dadurch der Spiegel aufgezeigt wird --> "Du musst zur Beratung, du hast ein Problem!" Für die Menschen, die noch im Prozess der Problemannahme sind, ist das (glaub ich) schwierig. Weil viele doch genau DAS erstmal nicht wollen oder können, oder? In erster Linie geht es doch um den gegenseitigen Austausch. Und in den meisten Fällen kommen die Menschen mit Alk-Problemen selbst darauf, dass sie es doch nicht allein schaffen, da andere im Vergleich schon viel "weiter" sind. Und die eigenen Einsicht, ist der Schlüssel daraus, oder?
Und ich denke auch, dass der Weg über die Suchtberatung ein weitaus gefestigter Weg ist! Aber ...ne ohne Aber!
🙂
Stimmt schon, im Internet ist es anonymer und daher leichter. Wobei ich mich ganz sicher nicht mit meinem Echtnamen-Account bei Facebook in einer solchen Gruppe anmelden würde.
Stark finde ich wie @trosinette sich einfach hinstellt und dem Kollegen erzählt, dass er zur Suchtberatung geht. Soweit bin ich definitiv nicht.





