Hallo miteinander,
ich lese schon seit einigen Wochen im Forum mit und finde eure Erfahrungsberichte einfach unglaublich wertvoll! Mit Menschen, die nach zwei Gläsern Prosecco die Flasche zustöpseln können und sich im Anschluss mit Sprudelwasser vor den TV pflanzen, kann ich über mein Problem nicht sprechen. Und bei der anderen Fraktion meiner Mitmenschen, die nämlich auch gern gluckern, höre ich immer das Argument des "guten Glases Wein mit Freunden", auf das nicht verzichtet werden möchte, von "Lebensqualität" usw. Mehr noch, ich gehe aus diesen Gesprächen eher wankelmütig raus und überlege dann, ob ich mein Problem dramatisiere.
Dass ich meine Situation recht realistisch einschätze, habe ich mir aber ziemlich deutlich selbst vor Augen gehalten: ich war seit Januar diesen Jahres sechs Monate abstinent. Dann gab es ein für mich stressiges Erlebnis, zudem kamen die Sonnenstrahlen endlich raus und ich war der Meinung, ich könne mir ja mal eines Freitagnachmittags wieder 1-2 Gläser Prosecco genehmigen. Es wurde dann die ganze Flasche plus Weinschorle und der nächste Tag war im Eimer! In null komma nix dort gelandet, wo ich vorher aufgehört hatte. Ich könnte mich bis heute in den Hintern beißen, dass ich mir meine schöne Abstinenz zerschossen habe, aber ich komme da nicht hin, trotz jahrelanger Yogaübungen 😉
Also geht es in die zweite Runde. Zwei Monate habe ich schon geschafft. Aber es ist nicht ganz soooo easy, wie ich es bei einigen Forumteilnehmern/-innen hier lese.
Ich hatte kürzlich drei etwas kritische Situationen: Treffen mit zwei Personen, mit denen ich immer ordentlich gebechert habe und dann noch gestern ein fetter Konzertbesuch unter lauter jungen bis sehr jungen Leuten, was mich vorher etwas gestresst hat. Habe aber hier vorher im Forum gelesen und mich mit neuer Energie aufgeladen! Und bin gut mit alkoholfreien Getränken durch die Treffen gekommen. Das freut mich ungemein!
Ich bin 52 Jahre... Ich kann mich gar nicht erinnern, ob ich in meinen Zwanzigern getrunken habe. Angefangen hat es jedenfalls nach meiner ersten Trennung, als ich Anfang dreißig war. Ab da habe ich eigentlich fast täglich Alkohol konsumiert. Immer mal zwischendrin abstinent gewesen, aber nie lange ausgehalten. Kneipentouren oder Alkoholexzesse kenne ich nicht, getrunken habe ich eher mit Freunden, mit allen meinen Ex-Lebensgefährten oder eben allein zu Hause. Anlässe gab es immer... ich bin traurig, also Flasche auf, ich bin fröhlich, Flasche auf, ich bin gestresst, Flasche auf. Mein Getränk war alles, was blubbert und bizzelt und sparkelt, wie Sekt, Prosecco, Weißweinschorle, selten Bier, Rotwein, keine harte Sachen. Gleichzeitig habe ich mich immer hochwertig und ballaststoffreich ernährt, esse selten Fleisch, rauche nicht und mache ziemlich viel Sport.
Mich nervt schon lange, dauernd die Flaschen zu schleppen und zu entsorgen, immer für Nachschub zu sorgen (da ja sonst die Laune im Keller ist), mich häufig so fix und alle zu fühlen, mich traurig dabei zu beobachten, wie es immer mehr wird... Leider kämpfe ich auch mit depressiven Phasen, die kommen und gehen, als hätte jemand den Schalter umgelegt. Ich möchte mich wieder frei fühlen, ein gutes und stimmiges Gefühl mit mir selbst haben, unkonditionierte Freude empfinden... einfach ein gesundes Leben führen! Ich habe nur diesen einen Körper! Einen anderen zum Auswechseln wird es nicht geben. Alles, was ich an Alkohol in mich reinschütte, macht meinen Geist und Körper krank. Ich will das nicht mehr! Der einzige Mensch, der das steuern kann, bin ich selbst.
Soviel zu meiner Vorstellung hier im Forum! Ihr habt mir mit euren Beiträgen schon viel geholfen, da möchte ich mich auch mal vorstellen.
Habt einen guten Start in die Woche, viele liebe Grüße von
Estrella