Zum Inhalt springen

Freude fühlt sich wieder echt an

Frau sitzt an Tisch, schleift ein Stück Holz

Vielleicht fühlt sich der Tag heute seltsam unspektakulär an. Kein Hochgefühl, kein innerer Kick, kein „Jetzt geht’s richtig los“. Stattdessen eine gewisse Nüchternheit. Dinge machen wieder Sinn, aber sie reißen nicht spontan mit. Freude ist da – nur leiser, weniger grell, weniger zwingend. Nicht euphorisch.

Auch das ist kein Rückschritt.

Alkohol greift tief in das Belohnungssystem des Gehirns ein. Er sorgt für starke, künstliche Dopamin-Ausschüttungen, unabhängig davon, was gerade passiert. Das Gehirn lernt dabei nicht, auf echte Erfahrungen zu reagieren, sondern auf den Stoff selbst. Freude wird laut, kurz und unspezifisch – und im Alltag zunehmend schwerer erreichbar.

Fällt der Alkohol weg, fehlt diese Überstimulation zunächst. Das Belohnungssystem wirkt gedämpft, manchmal fast leer. Viele beschreiben diese Phase als flach, emotionsarm oder ernüchternd. Dabei ist genau das der Moment, in dem sich etwas neu ordnet. Dopamin wird wieder situationsabhängig ausgeschüttet. Nicht mehr als Dauerrauschen, sondern als Antwort.

Das braucht Zeit. Ein System, das lange überreizt war, findet nicht sofort zurück zu feinen Abstufungen. Aber an Tag 6 zeigt sich bei vielen erstmals, dass Freude wieder an reale Auslöser gebunden ist. Ein Gespräch bleibt hängen. Ein Gedanke trägt weiter. Ein kleiner Erfolg fühlt sich stimmig an, nicht überhöht, nicht leer.

Das ist der Unterschied zwischen Reiz und Bedeutung. Reiz verlangt Steigerung. Bedeutung braucht nur Wiederholung. Genau hier beginnt der Wechsel. Nicht spektakulär, sondern tragfähig.

Manche sind in dieser Phase irritiert. Sie erwarten Euphorie – und finden Normalität. Doch Normalität ist kein Mangel, sondern die Voraussetzung dafür, dass Motivation wieder aus dem Inneren entstehen kann. Ein Belohnungssystem, das zur Ruhe kommt, ist wieder lernfähig.

Der Körper und das Gehirn arbeiten jetzt zusammen. Schlaf unterstützt die Neubewertung, Stresshormone sinken, die emotionale Reizschwelle stabilisiert sich. Was früher nur mit Alkohol erreichbar schien, taucht jetzt langsam im Alltag auf. Leiser, aber verlässlicher.

Wenn Du heute also denkst, dass Freude weniger intensiv wirkt als früher, ist das kein Verlust. Es ist eine Rückkehr zur Echtheit. Gefühle müssen nicht überwältigen, um zu tragen. Sie müssen passen.

Morgen schauen wir uns an, warum genau diese ruhigere Form von Freude entscheidend dafür ist, ob neue Energie entsteht – und warum sie belastbarer ist als jedes Hochgefühl.

Bitte beachte unbedingt: Wenn Du starke Beschwerden haben solltest wie Zittern, Angst, Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen oder plötzliche Schlafstörungen, dann beantworte den Fragebogen unter diesem Text ehrlich. Das könnten Symptome eines Alkoholentzugs sein, der unbedingt sofortige ärztliche Aufsicht bräuchte.

Falls der Arzt Dir raten sollte, vorerst wieder mäßig zu trinken, dann wäre das in dieser Phase ein absoluter Standardrat und nichts Verrücktes. Man kann so Entzugssymptome erst einmal unterdrücken und die Zeit bis zu einem professionellen Eingreifen überbrücken.

Entzugsrisiko-Selbstcheck: 10 Fragen

Dieser Selbstcheck dient ausschließlich der Einschätzung des medizinischen Risikos für einen Alkoholentzug. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung. Unabhängig vom Ergebnis gilt: Bitte wende Dich für Deine persönliche Einschätzung an Arzt oder Suchtberatung.

Datenschutz: Die Auswertung erfolgt anonym in Deinem Browser. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben und keine Antworten gespeichert oder übertragen. Wenn Du das Browserfenster schließt sind die Daten weg.

1) Hast Du in den letzten sechs Monaten Alkohol konsumiert?
2) Bestand in den letzten 90 Tagen eine Alkoholintoxikation?
3) Wurdest Du jemals wegen Alkohol-Entzugserscheinungen behandelt oder überwacht?
4) Gab es in der Vergangenheit Entzugsanfälle, also Krampfanfälle beim Weglassen des Alkohols?
5) Gab es in der Vergangenheit ein Delirium tremens?
6) Wird aktuell ein Blutalkohol > 0,1 % (1 ‰) gemessen?
7) Wurden in den letzten 90 Tagen Sedativa, Hypnotika oder andere GABA-wirksame Medikamente regelmäßig eingenommen?
8) Wird der Entzug stationär erwartet oder ausgelöst (z. B. geplante OP, Notaufnahme, Inhaftierung)?
9) Liegen Symptome vor wie Zittern (Tremor), Schwitzen, schneller Herzschlag (Tachykardie), Bluthochdruck (Hypertonie)?
10) Bestehen weitere Erkrankungen wie z. B. Lebererkrankungen, Elektrolytstörungen, Infekte oder Traumata, die Entzugssymptome verstärken könnten?
Bitte beantworte alle 10 Fragen, damit eine Auswertung möglich ist.

Die Einordnung erfolgt nach dem PAWSS-System, das an der MAYO-Klinik in den USA entwickelt wurde.

Mehr dazu findest Du in unserem Lexikon .

Beiträge in unserem Blog


Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Dr. med. Bernd Guzek

Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.


Close Popup

Wir müssen Dir kurz auf den Keks gehen

Auch Alkohol adé braucht Cookies. Wir aktivieren aber nur technisch absolut notwendige Cookies, damit Dein Besuch dieser Seite möglichst nicht durch Dritte verfolgt werden kann.

Einige wenige brauchen wir aber - z.B. um diesen Hinweis anzuzeigen, damit Du Dich nicht für jede Seite erneut anmelden oder dieses Popup nicht bei jeder Seite neu sehen musst.

Sowie Du aber einen externen Link oder ein Video anklickst, können von den Betreibern dieser Seiten Cookies gesetzt werden, die wir nicht beeinflussen können. Mehr auf unserer Datenschutzseite.

Close Popup
Privacy Settings saved!
Wir aktivieren nur absolut notwendige Cookies

Auch Alkohol adé braucht Cookies Wir aktivieren nur technisch absolut notwendige Cookies, damit Ihr Besuch dieser Seite möglichst nicht durch Dritte verfolgt werden kann. Einige wenige brauchen wir aber - z.B. um diesen Hinweis anzuzeigen, damit Sie sich nicht für jede Seite erneut anmelden oder dieses Popup nicht bei jeder Seite neu sehen müssen. Sowie Sie aber einen externen Link oder ein Video anklicken, können von den Betreibern dieser Seiten Cookies gesetzt werden, die wir nicht beeinflussen können. Mehr auf unserer Datenschutzseite

Standard-Kategorie

Technisch notwendige Cookies
Folgende technisch notwendige Cookies können gesetzt werden – fast alle haben mit den Datenschutzbestimmungen zu tun: wordpress_gdpr_allowed_services: Speichert, welche zusätzlichen Cookie-Dienste akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_cookies_allowed: Speichert, ob zusätzliche Cookies neben den notwendigen akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_cookies_declined: Speichert, welche zusätzlichen Cookie-Dienste nicht akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_first_time: Wenn der Nutzer keine Entscheidung trifft, sondern weiter auf der Website navigiert, werden alle Cookies aktiviert und das Cookie speichert , ob die aktuelle Seite mit der zuerst besuchten Seite übereinstimmt. wordpress_gdpr_first_time_url: Speichert die URL des ersten Besuches der Webseite.
  • PHPSESSID
  • cookielawinfo-checkbox-non-necessary
  • cookielawinfo-checkbox-necessary
  • viewed_cookie_policy
  • wordpress_test_cookie

Technisch nicht notwendige Cookies
_koko_analytics_pages_viewed Dieses Cookie wird gesetzt vom datenschutzkompatiblen Plugin (Teil der Software) Koko Analytics.  Koko Analytics ist ein datenschutzfreundliches Analyse-Plugin für WordPress. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben. In der von uns benutzten Standardeinstellung werden durch Koko Analytics folgende Daten erhoben: * Besucher (Visitors) * Seitenaufrufe (Pageviews) * Referrers (Herkunftsseiten) Koko nutzt keine externen Dienste, so dass Daten über Ihre Besucher niemals an Drittunternehmen weitergegeben werden. Darüber hinaus werden keine besucherspezifischen Daten erfasst, und die Besucher können die Nachverfolgung leicht unterbinden, indem sie in ihren Browsereinstellungen "Do Not Track" aktivieren.

Alle Cookies ablehnen
Save
Alle Cookies akzeptieren