Wenn ich zurückblicke, hatte mein „Ego“ unter Alkohol zwei Gesichter. Mit den ersten Gläsern wurde ich selbstsicherer, lauter, vermeintlich stärker. Eine Art künstliches Aufpumpen – wie dieser Scheinriese, den du erwähnt hast. Ich fühlte mich größer, als ich war – aber es war eben nur eine Illusion.
Je später der Abend wurde, desto stärker schrumpfte alles wieder in sich zusammen. Und am Ende blieb oft nicht mehr als ein kleiner, beschämter Rest von dem übrig, was ich vorher zu sein glaubte.
Oder, wie ich es vor längerer Zeit mal für mich formuliert habe: „Alkohol sollte mir eigentlich zu Selbstvertrauen verhelfen – stattdessen hat er es zerstört.“ …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum fühlt man sich durch Alkohol selbstsicherer – und warum bricht dieses scheinbare Selbstvertrauen später oft zusammen?
Alkohol hemmt im Gehirn zunächst Kontroll- und Bewertungsinstanzen, vor allem im präfrontalen Cortex. Gleichzeitig verstärkt er die dopaminerge Aktivität im Belohnungssystem. Das subjektive Erleben wirkt wie ein „Aufpumpen“ des Selbstwerts. Tatsächlich reduziert Alkohol jedoch nur kurzfristig Selbstzweifel und soziale Hemmung. Mit steigender Blutalkoholkonzentration nimmt die Selbststeuerung weiter ab, während emotionale Instabilität zunimmt. Am nächsten Tag bleibt häufig Scham, Grübeln oder ein verstärktes Minderwertigkeitsgefühl zurück. Langfristig untergräbt Alkohol damit genau das, was er scheinbar liefern soll: echtes, stabiles Selbstvertrauen.
