Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Ich weiß, das ich eigentlich komplett mit dem Alkohol aufhören muss und mir kam auch nie wirklich in den Sinn, das ich wirklich abhängig bin, weil ich ja immer mehrere Tage aufhören kann und auch nur am Abend meine 2 Gläser Wein getrunken habe. Jetzt ist es so, wenn ich aufhöre geht es mir die ersten 3-4 Tage gut und dann bin ich total erschöpft. Fühlt sich wie ein Burnout an und dann greife ich meist auch wieder zu einem Glas Wein und die Spirale beginnt von vorne. Kennt das jemand? Also das die ersten 3-4 Tage ohne Alkohol super sind und dann der Zusammenbruch kommt?
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek zum Erschöpfungseinbruch im Alkoholentzug
Häufig gestellte Fragen zum Erschöpfungseinbruch nach Alkoholentzug (FAQ)
Warum fühlt man sich nach einigen Tagen ohne Alkohol plötzlich erschöpft?
In den ersten Tagen nach dem letzten Glas läuft der Körper noch auf Anspannung – das Nervensystem ist überaktiv, weil der dämpfende Effekt des Alkohols fehlt. Wenn diese erste Anspannungsphase nachlässt, tritt das eigentliche Defizit zutage: Das Gehirn hat über Monate gelernt, mit Alkohol zu funktionieren, und braucht Zeit, um sein Gleichgewicht neu aufzubauen. Die Erschöpfung ist ein Zeichen dieses Umbauprozesses, kein Rückschlag.
Ist es ein Zeichen von Alkoholabhängigkeit, wenn man nur abends trinkt, aber nicht aufhören kann?
Alkoholabhängigkeit definiert sich nicht allein über die Trinkmenge oder den Tagesrhythmus, sondern über den Kontrollverlust und körperliche oder psychische Entzugsreaktionen beim Weglassen. Wer täglich trinkt und beim Versuch aufzuhören regelmäßig auf den beschriebenen Einbruch trifft, zeigt ein klassisches Entzugsmuster – unabhängig davon, ob es „nur zwei Gläser” am Abend waren.
Was hilft gegen den Erschöpfungseinbruch nach einigen Tagen Abstinenz?
Zunächst hilft es zu wissen, dass dieser Einbruch zeitlich begrenzt ist und biologische Ursachen hat. Regelmäßige kleine Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und Bewegung können die Erholung des Nervensystems unterstützen. Wer immer wieder an diesem Punkt scheitert, sollte ärztliche Unterstützung in Anspruch nehmen – ein begleiteter Entzug kann genau diese kritische Phase abfedern.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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