Mein Alltag ohne Alkohol läuft gut, besser als ich gedacht habe. Klar gibt es Situationen die mich immer wieder tiggern, speziell hier im Garten nach getaner Arbeit oder beim Grillen. Es wird immer weniger anstrengend es lockert sich. Jetzt habe ich seit zwei Tagen so eine Melancholie in mir bin traurig nachdenklich und unzufrieden ,kann mit der Situation aber nix anfangen ist für mich sehr befremdlich da ich ein positiver fröhlicher Mensch bin. … Es macht mir Angst …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum kommen Stimmungstiefs und Melancholie auch dann, wenn die Abstinenz eigentlich gut läuft?
Was dieser Beitrag beschreibt, ist in der Abstinenz weit verbreitet und hat einen biochemischen Hintergrund: Der Körper reguliert nach langem Alkoholkonsum sein Neurotransmittersystem neu – und das verläuft nicht linear. Phasen innerer Leere, Traurigkeit oder Antriebslosigkeit gehören zum typischen Bild des Post-Acute Withdrawal Syndrome (PAWS), das Wochen oder Monate nach dem letzten Glas auftreten kann. Auch Serotonin, der zentrale Botenstoff für Stimmung und Wohlbefinden, erholt sich nicht über Nacht. Dass jemand sich als grundsätzlich positiven Menschen erlebt und die Melancholie deshalb als fremd und beunruhigend empfindet, ist nachvollziehbar – es zeigt aber vor allem, dass es sich um ein vorübergehendes Regulationsphänomen handelt, nicht um eine Wesensveränderung. Solche Phasen klingen in aller Regel ab, wenn die Abstinenz stabil bleibt.
Häufig gestellte Fragen zu Depressionen in der frühen Abstinenz (FAQ)
Ist es normal, in der Abstinenz plötzlich melancholisch zu werden, obwohl es eigentlich gut läuft?
Ja, das ist gut dokumentiert. Das Gehirn braucht nach längerem Alkoholkonsum Zeit, sein Gleichgewicht wiederzufinden – auch wenn die äußeren Umstände stabil sind. Stimmungstiefs können in Wellen auftreten, ohne konkreten Auslöser.
Wie lange dauern solche Stimmungstiefs in der Abstinenz?
Das ist individuell verschieden. Im Rahmen von PAWS können emotionale Schwankungen über mehrere Monate auftreten, werden aber typischerweise mit der Zeit seltener und weniger intensiv. Körperliche Bewegung, Schlaf und soziale Einbindung helfen nachweislich.
Ist Melancholie nach dem Alkoholentzug ein Zeichen für eine Depression?
Nicht zwangsläufig. Vorübergehende Stimmungstiefs in der Frühphase der Abstinenz sind biochemisch erklärbar und kein sicheres Zeichen für eine depressive Erkrankung. Wer unsicher ist oder die Symptome länger als ein paar Wochen anhalten, sollte das ärztlich abklären lassen.

