Ich habe … aufgehört zu trinken und dann noch einmal richtig angefangen zu rauchen. Davor hab ich oft nur in Verbindung mit Alkohol geraucht. Ich hätte niemals gedacht, dass ich weiter rauche und dann auch noch viel mehr. Aber ich war gnädig mit mir und dachte, Hauptsache erst einmal nüchtern, alles andere ist schnuppe.
Nun ein Jahr später habe ich zum 1. Mai aufgehört zu rauchen (mit einem Rauchstopp-Programm an der Charité). Das war sehr gut. In dem Kurs saß auch eine Frau, die offen mit ihrer Nüchternheit umgegangen ist, so dass ich auch viel von meinem Alkoholkonsum und dem Aufhören reden konnte. Im Endeffekt haben wir beide, die trockenen Alkoholikerinnen, ziemlich entschieden aufgehört zu rauchen während fast alle anderen Kursteilnehmer sich doch nicht „getraut“ haben. …
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Ist plötzlich verstärktes Rauchen nach dem Alkoholentzug bereits eine echte Suchtverlagerung – oder nur eine vorübergehende Kompensation?
Wer nach einem Alkoholentzug plötzlich deutlich mehr raucht, erlebt ein bekanntes Muster: Das Suchtgedächtnis bleibt aktiv, auch wenn der Alkohol wegfällt. Das mesolimbische System, die zentrale Belohnungsbahn im Gehirn, sucht sich in dieser Phase häufig ein neues Ventil für Anspannung und Craving. Nikotin wirkt schnell und verlässlich auf dieselben Botenstoffsysteme, die zuvor durch Alkohol stimuliert wurden, und liefert damit kurzfristig genau die Entlastung, die im Entzug fehlt. Ob es sich dabei tatsächlich um eine Suchtverlagerung im engeren Sinn handelt, hängt davon ab, ob Kontrollverlust und zwanghafte Fortsetzung trotz spürbarer Nachteile hinzukommen. Häufiger ist zunächst eine vorübergehende Kompensation, die sich mit der Zeit von selbst abschwächt, sobald sich das Gehirn an die Abstinenz gewöhnt hat.
Häufig gestellte Fragen zu Suchtverlagerung nach Alkoholentzug (FAQ)
Ist Suchtverlagerung nach dem Alkoholentzug normal?
Ein vorübergehend erhöhtes Verlangen nach Ersatzreizen wie Nikotin ist häufig und meist kein Zeichen einer neuen Abhängigkeit, sondern eine Übergangsreaktion des Gehirns.
Woran erkennt man eine echte Suchtverlagerung?
Entscheidend sind Kontrollverlust über das neue Verhalten und dessen zwanghafte Fortsetzung trotz erkennbarer negativer Folgen – nicht die bloße Zunahme an sich.
Muss man gegen verstärktes Rauchen im Alkoholentzug sofort etwas unternehmen?
Nicht zwingend. Oft normalisiert sich der Konsum, sobald sich das Belohnungssystem an die Abstinenz gewöhnt hat. Bei anhaltend hohem Konsum kann ärztliche Begleitung sinnvoll sein.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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