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Synapsen, künstlerische Darstellung

Zwei Wochen ohne Alkohol – Stabilität statt Notbetrieb

Vielleicht fühlt sich dieser Tag unspektakulär an. Kein neues Symptom, keine klare Veränderung, kein weiterer „Aha“-Moment. Genau das ist typisch für diese Phase. Denn jetzt geht es nicht mehr um akute Anpassung, sondern um Stabilisierung.

In den ersten Tagen ohne Alkohol musste das Gehirn vor allem reagieren. Botenstoffe waren aus dem Gleichgewicht, Reizsysteme überaktiv, Hemmung und Aktivierung schlecht koordiniert. Viel Energie floss ins Gegensteuern. Inzwischen hat sich vieles beruhigt. Und genau dadurch wird etwas anderes möglich.

Nach etwa zwei Wochen beginnt das Gehirn, neu entstandene Anpassungen zu festigen.

Dabei spielen die Synapsen eine zentrale Rolle. Synapsen sind die Kontaktstellen zwischen Nervenzellen. Über sie werden Signale weitergegeben – chemisch und elektrisch. Sie entscheiden nicht nur ob Informationen ankommen, sondern auch wie zuverlässig, wie schnell und wie störanfällig diese Weiterleitung ist.

Alkohol beeinflusst diese Verbindungen massiv. Unter regelmäßigem Konsum werden manche Synapsen überreizt, andere unterdrückt. Das Gehirn lernt kurzfristig, mit diesem Zustand zu funktionieren – aber auf Kosten von Stabilität. Verbindungen werden labiler, Signale unpräziser, Reaktionen weniger fein abgestimmt.

Fällt der Alkohol weg, beginnt das Gehirn zunächst, neue Wege zu suchen. Das ist die Phase der Unruhe, der Schwankungen, des inneren Umbaus. Ab etwa der zweiten Woche folgt ein anderer Schritt: Verbindungen, die sich als hilfreich erwiesen haben, werden verstärkt. Weniger sinnvolle Reizschleifen verlieren an Bedeutung. Die Signalübertragung wird verlässlicher.

Das ist kein explosionsartiges Wachstum, sondern eine Konsolidierung.

Viele spüren das nicht als plötzliche Klarheit, sondern als etwas Dauerhafteres. Gedanken verlieren ihre Sprunghaftigkeit. Entscheidungen fallen weniger impulsiv. Reize drängen sich nicht mehr ständig in den Vordergrund. Das Gehirn arbeitet nicht schneller – sondern geordneter.


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Wichtig dabei: Diese Stabilisierung braucht Ruhe. Sie entsteht nicht durch Druck, Disziplin oder Willenskraft. Sie entsteht, wenn das System nicht permanent unter Stress steht. Genau deshalb ist diese Phase so wertvoll – und gleichzeitig so leicht zu unterschätzen.

Tag 14 markiert damit einen Wendepunkt. Nicht, weil „zwei Wochen geschafft“ sind, sondern weil das Gehirn beginnt, wieder tragfähige Strukturen aufzubauen. Was sich jetzt festigt, bildet die Grundlage für alles Weitere: Belastbarkeit, Konzentration, emotionale Stabilität.

Wenn Du heute das Gefühl hast, dass nichts Besonderes passiert, ist das kein Stillstand. Es ist ein Zeichen dafür, dass Dein Nervensystem nicht mehr improvisiert – sondern beginnt, sich dauerhaft zu organisieren.

Morgen schauen wir uns an, warum genau diese Stabilität darüber entscheidet, ob neue Gewohnheiten halten – oder bei Stress wieder wegbrechen.

Bitte beachte unbedingt: Wenn Du ohne Alkohol starke Beschwerden haben solltest wie Zittern, Angst, Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen oder plötzliche Schlafstörungen, dann beantworte den Fragebogen unter diesem Text ehrlich. Das könnten Symptome eines Alkoholentzugs sein, der unbedingt sofortige ärztliche Aufsicht bräuchte.

Falls der Arzt Dir raten sollte, vorerst wieder mäßig zu trinken, dann wäre das in dieser Phase ein absoluter Standardrat und nichts Verrücktes. Man kann so Entzugssymptome erst einmal unterdrücken und die Zeit bis zu einem professionellen Eingreifen überbrücken.

Entzugsrisiko-Selbstcheck: 10 Fragen

Dieser Selbstcheck dient ausschließlich der Einschätzung des medizinischen Risikos für einen Alkoholentzug. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung. Unabhängig vom Ergebnis gilt: Bitte wende Dich für Deine persönliche Einschätzung an Arzt oder Suchtberatung.

Datenschutz: Die Auswertung erfolgt anonym in Deinem Browser. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben und keine Antworten gespeichert oder übertragen. Wenn Du das Browserfenster schließt sind die Daten weg.

1) Hast Du in den letzten sechs Monaten Alkohol konsumiert?
2) Bestand in den letzten 90 Tagen eine Alkoholintoxikation?
3) Wurdest Du jemals wegen Alkohol-Entzugserscheinungen behandelt oder überwacht?
4) Gab es in der Vergangenheit Entzugsanfälle, also Krampfanfälle beim Weglassen des Alkohols?
5) Gab es in der Vergangenheit ein Delirium tremens?
6) Wird aktuell ein Blutalkohol > 0,1 % (1 ‰) gemessen?
7) Wurden in den letzten 90 Tagen Sedativa, Hypnotika oder andere GABA-wirksame Medikamente regelmäßig eingenommen?
8) Wird der Entzug stationär erwartet oder ausgelöst (z. B. geplante OP, Notaufnahme, Inhaftierung)?
9) Liegen Symptome vor wie Zittern (Tremor), Schwitzen, schneller Herzschlag (Tachykardie), Bluthochdruck (Hypertonie)?
10) Bestehen weitere Erkrankungen wie z. B. Lebererkrankungen, Elektrolytstörungen, Infekte oder Traumata, die Entzugssymptome verstärken könnten?
Bitte beantworte alle 10 Fragen, damit eine Auswertung möglich ist.

Die Einordnung erfolgt nach dem PAWSS-System, das an der MAYO-Klinik in den USA entwickelt wurde.

Mehr dazu findest Du in unserem Lexikon .

Beiträge in unserem Blog


Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Dr. med. Bernd Guzek

Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.


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