Mein Freundeskreis hat sich also nicht drastisch verändert. Als ich noch trank, zog ich mich auf’s äußerste zurück, gab auf Nachrichten keine Antwort mehr und wenn mich jemand auf mein Verhalten ansprach war die Antwort immer die selbe: Zuviel Arbeit, zu müde, ausgelaugt. Enthemmt oder locker machte mich der Alkohol nie, im Gegenteil im Nachhinein würde ich sagen er nahm mir meine diffusen Ängste, machte mich aber eher depressiv.
Jetzt nach über einem Jahr Abstinenz würde ich …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum führt Alkoholkonsum bei manchen Menschen zu Rückzug und depressiver Stimmung?
Alkohol wirkt nicht bei allen Menschen enthemmend. Gerade bei bestehender innerer Anspannung oder diffusen Ängsten verstärkt er häufig das Gegenteil. Die kurzfristige dämpfende Wirkung kann zwar subjektiv entlasten, gleichzeitig sinkt jedoch die emotionale Stabilität. Viele Betroffene ziehen sich sozial zurück, reagieren nicht mehr auf Kontakte und erklären dies mit Erschöpfung oder Stress. Biologisch spielt hier eine Verschiebung zentraler Botenstoffe eine Rolle, insbesondere im Bereich von Dopamin und GABA. Langfristig kann sich daraus eine depressive Symptomatik entwickeln, die durch Abstinenz oft erst allmählich wieder rückläufig ist. Der beschriebene Verlauf passt gut zu einem sogenannten stillen Rückzug bei Alkoholabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen zum sozialen Rückzug unter Alkohol (FAQ)
Warum macht mich Alkohol eher ruhig und zurückgezogen statt locker?
Alkohol wirkt je nach individueller Hirnchemie unterschiedlich. Bei manchen Menschen verstärkt er bestehende Ängste oder senkt die Antriebslage, statt zu enthemmen.
In vielen Fällen ja. Das Nervensystem stabilisiert sich schrittweise, was sich auch positiv auf Stimmung und soziale Aktivität auswirkt.Geht der soziale Rückzug nach Alkoholabstinenz wieder zurück?

