Ich leite z.B. unter anderem auch Gruppen, da trifft man sich am Abend für viele Projekte, danach sitzt man zusammen. So ist es auch im Vereinsleben, auf Dörfern zum Beispiel. Da sitzt der Tisch rund um voll, so gut wie jeder ein Glas Wein in der Hand. Jedes Dorffest, ist großer Ausschank. Mit Wasser bin ich definitiv eher der Exot. Noch dazu, da jeder weiß, wie gern ich Wein getrunken habe. Ich selber habe damit kein Problem zu sagen: ne, ich trinke aktuell immer noch nichts. Oder ich trinke keinen Alkohol mehr. Das ist es nicht. Es ist das die Menschen um einen sich natürlich dann verändern mit Alkohol im Blut …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum verändert sich das Umfeld beim Feiern, sobald man selbst in der Abstinenz bleibt und nüchtern bleibt? Was hier beschrieben wird, ist kein Einzelfall, sondern ein gut untersuchtes soziales Phänomen: In Gruppen mit hohem Alkoholkonsum wirkt Trinken oft als unausgesprochene Norm, an der sich alle unbewusst orientieren – man spricht von sozialer Modellwirkung. Wer nüchtern bleibt, durchbricht dieses stille Einvernehmen, und genau das kann bei anderen Unsicherheit oder Abwehr auslösen, selbst wenn niemand es offen anspricht. Hinzu kommt, dass wiederkehrende Situationen wie Dorffeste als starke Trigger wirken können, weil Ort, Geräusche und Rituale fest mit früherem Konsum verknüpft sind. Nicht der Verzicht selbst ist also das eigentliche Problem, sondern die veränderte Dynamik in der Gruppe, sobald einer nicht mehr mittrinkt. Diese Erfahrung ist belastend, aber sie ist ein normaler Teil des Weges in eine stabile Abstinenz – kein Zeichen, etwas falsch zu machen.
Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz auf Festen (FAQ)
Warum reagieren andere komisch, wenn ich beim Feiern keinen Alkohol trinke?
Das liegt selten an Dir persönlich. Alkohol wirkt in vielen Gruppen als stille soziale Norm. Wer davon abweicht, macht diese Norm sichtbar – das kann bei anderen unbewusst Unsicherheit auslösen.
Wie gehe ich mit Dorffesten oder Feiern um, wenn ich abstinent lebe?
Es hilft, sich vorher eine klare, kurze Antwort zurechtzulegen, ein alkoholfreies Getränk in der Hand zu haben und sich bewusst zu machen: Man muss sich nicht erklären oder rechtfertigen.
Ist es normal, sich in solchen Situationen als Außenseiter zu fühlen?
Ja, dieses Gefühl ist häufig und nachvollziehbar. Es verändert sich mit der Zeit, wenn Abstinenz zur selbstverständlichen Routine wird und weniger Erklärungsbedarf entsteht.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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