Ich lese immer wieder, dass Leute die aufhören wollen, keine Unterstützung von Außen haben. Die hatte ich auch nicht. Ich habe sie mir aber geholt. Mir ging es damals einfach schlecht. Jeden Tag Alk, jeden Abend der Gedanke, das ist das letzte Bier. Jeden Morgen das selbe Spiel, das letzte Bier, meist war es ja fast voll, ab in die Spüle. In der Arbeit immer das selbe, hoffentlich merkt keiner meine Fahne. Und dann ab nach Hause auf das letzte Bier. dazwischen meist noch Bier besorgen, nur gut dass ich nicht auch noch Lebensmittel kaufen musste, wie hätte ich das auch noch tragen sollen…
Ich dachte lange, so tief bin ich nicht drinnen, ich leiste ja was. Aber wenn ich so nachdenke, da hab ich weit gefehlt. Manchmal zitterte ich so stark, dass ich mich nicht getraut habe, vor anderen etwas zu trinken, ich hätte da oft mit zwei Händen das Glas halten müssen. An Sport war auch nicht zu denken, jetzt leider auch nicht wegen der Gewichtszunahme.
Nun ja, Hilfe bekam ich dann von meiner Hausärztin, sie hörte mir zu und meinte, alles gut, du weißt gar nicht wie viele Leute mit dem gleichen Problem zu mir kommen. Ab da war …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Mach’ mit. Lies hier, was neue Mitglieder schreiben.
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Wie erkennt man eine Alkoholsucht, wenn man im Alltag scheinbar noch gut funktioniert?
Der Bericht zeigt ein Muster, das in der Suchtmedizin als „funktionierender Alkoholismus” bekannt ist: Betroffene halten Beruf und Alltag lange aufrecht, während im Hintergrund bereits eine ausgeprägte Alkoholabhängigkeit besteht. Das ständige Kreisen der Gedanken um das „letzte Bier” ist typisch für den sogenannten Saufdruck – ein starkes, biochemisch bedingtes Verlangen, das den Tagesablauf zunehmend bestimmt. Auch das beschriebene starke Zittern beim Trinken vor anderen kann ein frühes Zeichen für einen beginnenden Alkoholentzug zwischen den Trinkphasen sein, wenn sich der Körper bereits an regelmäßigen Konsum gewöhnt hat. Häufig wird das Ausmaß der Abhängigkeit lange verdrängt, gerade weil äußerlich noch „alles funktioniert”. Der Weg über die Hausärztin, wie im Bericht geschildert, ist ein niedrigschwelliger und oft unterschätzter erster Schritt – hausärztliche Praxen begleiten regelmäßig Menschen mit Alkoholproblemen und können erste Anlaufstelle für Diagnostik und Weitervermittlung sein.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholsucht und Alkoholentzug (FAQ)
Kann man trotz Alkoholsucht noch normal funktionieren?
Ja, das ist keine Seltenheit. Beim sogenannten funktionierenden Alkoholismus gelingt es Betroffenen oft über Jahre, Beruf und äußeren Alltag aufrechtzuerhalten, obwohl bereits eine körperliche und psychische Abhängigkeit besteht. Genau das erschwert häufig die eigene Einsicht.
Warum zittern manche Menschen, wenn sie kurz nicht trinken?
Starkes Zittern kann ein frühes Entzugssymptom sein. Hat sich der Körper an regelmäßigen Alkoholkonsum gewöhnt, reagiert das Nervensystem bereits nach wenigen alkoholfreien Stunden empfindlich – ein Hinweis auf eine fortgeschrittene Abhängigkeit.
Warum ist die Hausärztin oder der Hausarzt ein guter erster Ansprechpartner bei Alkoholproblemen?
Hausärztliche Praxen sind oft die niedrigschwelligste Anlaufstelle: kein Termin bei einer Suchtambulanz nötig, keine Vorgeschichte erforderlich. Sie können erste Diagnostik übernehmen und bei Bedarf an spezialisierte Anlaufstellen weitervermitteln.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

