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Ein ‘Nein, ich mag das nicht’ muss reichen, ohne Rechtfertigung

    Eine Frau steht mitten in einer ausgelassenen Partyszene an einem belebten Strandclub auf Mallorca. Während um sie herum Menschen tanzen und feiern, hält sie gelassen ein Glas Wasser in der Hand und blickt selbstbewusst in die Ferne. Palmen, Sommerlicht und die dicht gedrängte Menge vermitteln Partystimmung, während die Frau Ruhe und Unabhängigkeit ausstrahlt.

    Es ist mir nach zweieinhalb Jahren wurscht, wer was zu meiner Abstinenz meint, sagen oder denken zu müssen; egal, wo. Ein ‘Nein, ich mag das nicht’ muss reichen, ohne Rechtfertigung, falls Fragen kommen. Kommen meist auch nicht (mehr). Wenn Druck oder Abwertung aufgebaut werden, weise ich darauf hin, dass ich bei der nächsten Aufforderung leider gehen würde. Ist aber auch erst einmal passiert, zum Gehen ist es nicht gekommen, weil dann endlich Ruhe war. Leider musste ich aber auch durch ‘die harte Schule’ gehen, unsere Chefs legen sehr viel Wert auf ‘Teambuilding’, also gemeinsame Aktivitäten wie Malle – Wochenenden, oder Weihnachtsfeiern auf Partybooten, Teambesprechungen in der Freizeit im Brauhaus u.ä.🙄 Mich ausschließen kann ich nicht, die Kollegen feiern alle gerne mit Alkohol und, mögen keine Alternativen; aber Dinge wie Bierkönig und Megapark sind…

    Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene

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    Abstinenz und sozialer Druck – fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek

    Muss man sich für Abstinenz rechtfertigen – und was macht sozialer Druck mit der Rückfallgefahr?

    Alkohol ist in beruflichen und privaten Gruppen oft so tief verankert, dass Nicht-Trinken als Störung der sozialen Norm empfunden wird. Wer abstinent lebt, gerät dadurch regelmäßig in Situationen, in denen Erklärungen erwartet oder Ausreden verlangt werden. Medizinisch betrachtet ist das problematisch: Jede solche Konfrontation kann als Trigger wirken und das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren – selbst nach Jahren stabiler Abstinenz. Die Strategie, eine klare, knappe Grenze zu setzen und keine Diskussion zuzulassen, entspricht dem Prinzip der Stimuluskontrolle: Die Reizsituation wird nicht vermieden, aber die eigene Reaktion darauf wird bewusst gesteuert. Dass der Rechtfertigungsdruck mit der Zeit nachlässt, ist ein häufig beschriebenes Muster – das Umfeld gewöhnt sich an die neue Rolle, wenn die Grenze verlässlich steht. Entscheidend bleibt, dass die Entscheidung zur Abstinenz keiner Begründung bedarf – nicht gegenüber Kollegen, nicht gegenüber Vorgesetzten.

    Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz und sozialem Druck (FAQ)

    Muss ich meine Abstinenz vor Kollegen oder Freunden begründen?

    Nein. Medizinisch und rechtlich gibt es keine Pflicht, den Verzicht auf Alkohol zu erklären. Ein sachliches „Nein, danke” ist ausreichend. Wer sich regelmäßig rechtfertigt, erhöht den eigenen Stresslevel und damit indirekt das Rückfallrisiko.

    Sind Firmenevents mit Alkohol ein Rückfallrisiko?

    Ja, sie können es sein. Alkoholbetonte Teamevents wie Weihnachtsfeiern oder Reisen mit Partyprogramm setzen abstinente Personen einer hohen Triggerdichte aus. Hilfreich ist eine klare innere Haltung, ein vorbereiteter kurzer Satz – und die Bereitschaft, im Notfall zu gehen.

    Wird der soziale Druck mit der Zeit weniger?

    In den meisten Fällen ja. Wenn das Umfeld erlebt, dass die Grenze zuverlässig steht und keine Diskussion entsteht, lässt der Druck meist deutlich nach. Die ersten Monate sind typischerweise die schwierigsten.

    Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
    Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

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