Alkohol gilt vielen als Genussmittel. Medizinisch betrachtet ist er jedoch ein nachgewiesener Krebsfaktor. Dieser Beitrag zeigt Dir, bei welchen Tumoren der Zusammenhang gesichert ist, wo er vermutet wird – und was im Körper dabei konkret passiert.
Von Dr. med. Bernd Guzek
Wie Alkohol Krebs begünstigt – was dabei im Körper aus dem Gleichgewicht gerät
Alkohol wirkt nicht über einen einzelnen Krebsschalter. Stattdessen verändert er mehrere Prozesse im Körper so, dass Zellen leichter entarten können und entstandene Schäden schlechter repariert werden. Entscheidend ist vor allem der Alkoholabbau selbst. Beim Abbau von Alkohol entsteht Acetaldehyd – eine hochreaktive und stark giftige Substanz. In der chemischen Industrie dient sie als Grundstoff für Kunststoffe, Lösemittel, Farbstoffe oder sogar Sprengstoffe.
Der Körper baut Alkohol in Acetaldehyd um, eine hochreaktiven und stark giftige Substanz. In der chemischen Industrie dient sie als Grundstoff für Kunststoffe, Lösemittel, Farbstoffe oder sogar Sprengstoffe.
Im Körper wirkt Acetaldehyd auch vergleichsweise explosiv: Es greift das Erbgut der Zellen direkt an. Dabei entstehen Schäden an der DNA. Wichtige Verbindungen gehen verloren oder werden fehlerhaft repariert. Zurück bleiben Veränderungen im Erbgut (Mutationen), die später die Grundlage für Krebs bilden können.
Besonders schädlich ist Acetaldehyd dort, wo es lokal in hoher Konzentration entsteht. Auch wenn der größte Teil des Alkoholabbaus in der Leber stattfindet, entsteht Acetaldehyd bereits im Mund- und Rachenraum. Dieser Umbau geschieht durch Prozesse an der Schleimhaut und im Speichel, genau dort, wo der Alkohol zuerst ankommt. Die Schleimhäute sind so wiederholt einer krebserregenden Substanz ausgesetzt. Das erklärt, warum Krebs der oberen Verdauungs- und Atemwege so eng mit Alkoholkonsum zusammenhängt.
Daneben gibt es Mechanismen, die nicht nur ein einzelnes Organ betreffen, sondern den gesamten Körper beeinflussen – unabhängig vom lokalen Acetaldehyd. Alkohol erhöht oxidativen Stress, verstärkt chronische Entzündungen und stört die Regeneration von Zellen.
Gerade in Geweben, in denen sich Zellen häufig teilen, steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit für Fehler im Erbgut, die an neue Zellen weitergegeben werden. Alkohol kann zudem in die biologischen Steuermechanismen eingreifen, die festlegen, wann sich Zellen teilen dürfen – und wann nicht. Gerät diese Steuerung aus dem Gleichgewicht, steigt das Risiko, dass sich Krebs entwickelt.
Bei einigen Krebsarten kommen zusätzliche, jeweils spezifische Mechanismen hinzu. Beim Brustkrebs spielt vor allem die Beeinflussung hormoneller Signalwege eine Rolle. Beim Darmkrebs sind es Veränderungen des Darmmilieus, der Schleimhautbarriere und chronische Entzündungsprozesse.
Entscheidend ist: Alkohol wirkt nicht nur als möglicher Auslöser. Er schafft ein biologisches Umfeld, in dem Krebs wahrscheinlicher wird – auch ohne extreme Trinkmengen.
Krebserkrankungen, bei denen Alkohol nachweislich eine Ursache ist
Kolorektalkarzinom – Krebs von Dick- und Enddarm
Kolorektalkarzinome entstehen im Dickdarm oder im Mastdarm. Meist entwickeln sie sich aus zunächst gutartigen Veränderungen der Darmschleimhaut, die über Jahre hinweg Schritt für Schritt entarten. In den betroffenen Darmabschnitten verlieren einzelne Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum und ihre Entwicklung. Sie wachsen in die Darmwand ein und können sich über Lymph- und Blutbahnen im Körper ausbreiten. Meist ist die Leber das erste Organ, in dem die Krebszellen Absiedelungen bilden.
Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Darmkrebs ist wissenschaftlich gut belegt. Beim Darmkrebs steht weniger ein einzelner direkter Giftstoff im Vordergrund. Entscheidend ist vielmehr, dass Alkohol die Darmschleimhaut dauerhaft reizt, Entzündungen fördert, Schutzmechanismen schwächt und das Gleichgewicht im Darm verändert. Über Jahre hinweg steigt dadurch das Risiko, dass sich Zellen fehlentwickeln.
Der Mechanismus beruht dabei weniger auf einem direkten Acetaldehyd-Effekt als auf einer Kombination aus lokalen und systemischen Einflüssen. Alkohol fördert entzündliche Prozesse in der Darmschleimhaut, erhöht oxidativen Stress und verändert die Zusammensetzung des Darmmilieus. Außerdem stört Alkohol den Umgang der Zellen mit Folsäure – einem Vitamin, das für den Schutz und die Reparatur des Erbguts wichtig ist. Dadurch gerät auch die Feinsteuerung der Gene aus dem Gleichgewicht. Die Schleimhautzellen verlieren an Stabilität. Vorstufen von Krebs können dadurch leichter entstehen und sich schneller weiterentwickeln.
Frühe Warnzeichen fehlen oft oder sind unspezifisch. Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, Blut im Stuhl, diffuse Bauchbeschwerden, ein deutlicher Leistungsknick oder ungewollter Gewichtsverlust werden häufig erst spät ernst genommen. Nicht selten wird Darmkrebs erst entdeckt, wenn er sich bereits deutlich ausgebreitet hat.
Verlauf und Aussichten hängen stark davon ab, wie weit der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten ist. Wird Darmkrebs früh erkannt, sind die Heilungschancen in vielen Fällen gut. Mit zunehmender Ausbreitung in die Darmwand, Befall von Lymphknoten oder Bildung von Tochtergeschwülsten verschlechtern sich die Aussichten deutlich.
Die wichtigste Behandlung ist die operative Entfernung, sofern der Krebs noch auf den Darm begrenzt ist. Nicht selten bedeutet das vorübergehend oder dauerhaft einen künstlichen Darmausgang. Je nach Ausbreitung der Erkrankung folgen weitere Behandlungen. Dazu gehören Chemotherapie, in bestimmten Fällen auch Bestrahlung sowie gezielt wirkende Medikamente, etwa monoklonale Antikörper, die bestimmte Eigenschaften der Krebszellen angreifen.
Krebs der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfs
Zu dieser Gruppe zählen Karzinome der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfs – sie entstehen aus Epithelzellen, die als Schleimhaut diese Bereiche auskleiden. Beim Trinken kommen diese Zellen direkt mit Alkohol in Kontakt – und da der Alkoholabbau nicht erst in der Leber, sondern sofort beginnt, werden sie auch dem Acetaldehyd ausgesetzt. Die Tumoren entstehen aus Schleimhautzellen, die durch wiederholte chemische und entzündliche Reize ihre genetische Stabilität verlieren. Mit zunehmendem Wachstum greifen sie auf umliegende Strukturen über, beeinträchtigen Schlucken, Atmung oder die Stimme und bilden früh Tochtergeschwülste über die Lymphbahnen.
Der Zusammenhang mit Alkoholkonsum ist eindeutig nachgewiesen. Der zentrale Mechanismus ist hier die lokale Wirkung von Acetaldehyd. Schon im Mund bauen Speichel, Schleimhaut und Mikroorganismen Alkohol zu Acetaldehyd ab. Die Schleimhaut ist dadurch immer wieder einem hochreaktiven Karzinogen ausgesetzt, das das Erbgut schädigt und die natürlichen Reparaturmechanismen überfordert. Alkohol wirkt zudem wie ein Lösungsmittel für andere krebserregende Stoffe, insbesondere aus Tabakrauch – und verstärkt deren Wirkung massiv.
Anders ausgedrückt: Zusammen mit Tabakrauch entsteht auf den Schleimhäuten keine harmlose Mischung, sondern eine unappetitliche, hochgiftige Suppe.
Frühe Warnzeichen sind häufig unspezifisch. Dazu gehören anhaltende Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl, nicht heilende Veränderungen der Schleimhaut oder lokale Schmerzen. Da diese Symptome oft banalen Infekten zugeschrieben werden, erfolgt der Besuch beim Arzt oft sehr spät.
Der Verlauf hängt stark davon ab, wie früh die Erkrankung erkannt wird. Wird der Krebs früh erkannt, ist er oft gut behandelbar. Fortgeschrittene Stadien gehen dagegen häufig mit ausgedehnten Operationen, bleibenden Funktionseinbußen und deutlich schlechteren Aussichten einher.
Behandelt wird je nach Stadium mit Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie – häufig in Kombination. In fortgeschrittenen Stadien kommen zunehmend auch Immuntherapien zum Einsatz. Funktionserhalt und Lebensqualität spielen eine große Rolle, da Sprache, Atmung und Nahrungsaufnahme direkt betroffen sein können.
Ösophaguskarzinom – Krebs der Speiseröhre
Beim Ösophaguskarzinom ist die Schleimhaut der Speiseröhre betroffen. Meist handelt es sich um ein Plattenepithelkarzinom. Der Krebs wächst zunächst lokal, verengt zunehmend den Nahrungsweg und bildet früh Tochtergeschwülste über die Lymphbahnen.
Alkoholkonsum ist ein gesicherter Risikofaktor, insbesondere für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Auch hier steht das hochgiftige Acetaldehyd wieder im Zentrum des Geschehens. Beim Trinken ist die Speiseröhre wiederholt hohen Acetaldehyd-Konzentrationen ausgesetzt, während ihre lokalen Entgiftungsmechanismen nur begrenzt greifen. Außerdem hängt es auch davon ab, wie gut der Körper jedes Einzelnen Acetaldehyd abbauen kann. Menschen mit einer eingeschränkter Aldehyd-Entgiftung sind besonders gefährdet.
Frühsymptome fehlen oft. Erste Warnzeichen sind Schluckbeschwerden, zunächst bei festen Speisen, später auch bei Flüssigkeiten, Schmerzen hinter dem Brustbein oder ungewollter Gewichtsverlust. Diese Symptome treten meist erst dann auf, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist.
Der Verlauf ist häufig aggressiv. Die Aussichten hängen entscheidend davon ab, ob der Tumor frühzeitig erkannt und operiert werden kann. In fortgeschrittenen Stadien ist die Lebenserwartung deutlich eingeschränkt.
Je nach Stadium wird mit Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie behandelt – meist in Kombination. In palliativen Situationen stehen Symptomkontrolle, Ernährungssicherung und die Lebensqualität im Vordergrund.
Leberkrebs – hepatozelluläres Karzinom
Das hepatozelluläre Karzinom entsteht aus entarteten Leberzellen. Es entwickelt sich meist auf dem Boden einer chronisch geschädigten Leber. Alkohol wirkt hier doppelt: Er schädigt die Leber direkt und verändert sie langfristig so, dass sich entzündetes und zunehmend vernarbtes Gewebe bildet – ein Boden, auf dem Krebs leichter entstehen kann.
Der Zusammenhang mit Alkoholkonsum ist klar belegt. Chronischer Alkoholkonsum führt schrittweise zu Fettleber, Entzündung und Fibrose bis hin zur Zirrhose. Das Lebergewebe muss sich dadurch immer wieder erneuern – damit steigt die Wahrscheinlichkeit für Fehler im Erbgut drastisch an. Acetaldehyd, oxidativer Stress und chronische Entzündung greifen hier ineinander.
Frühe Symptome sind oft unspezifisch oder fehlen ganz. Müdigkeit, Druck im Oberbauch, ein deutlicher Leistungsabfall oder Gewichtsverlust werden häufig erst spät als Warnzeichen erkannt. Bei fortgeschrittener Erkrankung kommen Gelbsucht, Bauchwassersucht oder eine erhöhte Blutungsneigung hinzu.
Der Verlauf hängt stark davon ab, wie weit der Krebs fortgeschritten ist und wie gut die Leber noch arbeitet. Ist die Leberfunktion noch erhalten und der Krebs früh erkannt, sind heilende Behandlungen möglich. Bei fortgeschrittener Leberzirrhose sind die Aussichten deutlich schlechter.
Je nach Stadium kommen unterschiedliche Behandlungen infrage – von der operativen Entfernung von Lebergewebe über lokale Verfahren bis hin zur Lebertransplantation oder medikamentösen Therapien. In fortgeschrittenen Stadien spielen zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eine zunehmende Rolle.
Brustkrebs – Mammakarzinom
Beim Mammakarzinom ist das Drüsengewebe der Brust betroffen. Der Krebs entsteht aus hormonabhängigen Zellen, deren Wachstum durch komplexe biologische Signalwege gesteuert wird.Alkohol greift in diese Regulation ein und erhöht das Risiko, dass solche Zellen entarten.
Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Brustkrebs ist sehr gut belegt, bereits bei niedrigen Trinkmengen. Anders als bei vielen anderen Krebsarten gibt es hier keinen klaren Schwellenwert. Die Mechanismen sind vielfältig: Alkohol erhöht den Östrogenspiegel, beeinflusst Wachstumsfaktoren und trägt über oxidativen Stress sowie Schäden am Erbgut zur Krebsentstehung bei. Acetaldehyd spielt hier eher eine begleitende Rolle.
Mögliche frühe Symptome sind tastbare Knoten, Hautveränderungen oder Veränderungen der Brustwarze – sie werden jedoch nicht immer sofort bemerkt. Viele Brustkrebserkrankungen werden im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen entdeckt.
Verlauf und Aussicht hängen stark vom Tumortyp, vom Hormonstatus und vom Stadium der Erkrankung ab. Wird Brustkrebs früh erkannt, ist er heute häufig gut behandelbar. Aggressive Subtypen können jedoch selbst bei früher Diagnose problematisch verlaufen.
Je nach Stadium und Tumortyp wird Brustkrebs mit Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, antihormonellen Behandlungen sowie Medikamenten und Immuntherapien behandelt. Die Behandlung besteht meist aus mehreren Bausteinen und wird individuell angepasst.
Tumoren mit vermutetem Zusammenhang mit Alkoholkonsum
Pankreaskarzinom – Krebs der Bauchspeicheldrüse
Das Pankreaskarzinom betrifft die Bauchspeicheldrüse – ein Organ mit zentraler Bedeutung für Verdauung und Zuckerstoffwechsel. Die meisten dieser Tumore entstehen im exokrinen Teil der Bauchspeicheldrüse, also in dem Bereich, der Verdauungssäfte produziert. Sie können lange unbemerkt wachsen, da die Bauchspeicheldrüse tief im Bauchraum liegt und frühe Veränderungen kaum Symptome verursachen.
Der Zusammenhang mit Alkoholkonsum ist hier nicht so klar belegt wie bei Leber- oder Darmkrebs. Er gilt jedoch als biologisch plausibel und zeigt sich in Studien zunehmend auffällig. Alkohol fördert chronische Entzündungsprozesse in der Bauchspeicheldrüse und erhöht das Risiko für akute und chronische Pankreatitiden. Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse gelten als Veränderungen, aus denen sich später Krebs entwickeln kann.
Hinzu kommen systemische Effekte wie oxidativer Stress, giftige Abbauprodukte und eine gestörte Geweberegeneration. Alkohol ist damit kein direkter Auslöser im engeren Sinne, kann aber die Entstehung eines hochaggressiven Tumors begünstigen.
Das zentrale Problem bei der Diagnose sind fehlende verlässliche frühe Anzeichen. In frühen Stadien bleibt die Erkrankung oft ohne spürbare Symptome. Wenn Symptome auftreten, sind es häufig Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Appetitverlust, ungewollter Gewichtsverlust, Gelbsucht oder eine ausgeprägte Müdigkeit. Diese Zeichen treten meist spät auf und sind wenig spezifisch.
Der Verlauf ist oft dramatisch schnell. Selbst wenn zum Zeitpunkt der Diagnose noch keine Tochtergeschwülste vorliegen, kann die Erkrankung rasch fortschreiten. Die Aussichten hängen entscheidend davon ab, ob der Krebs frühzeitig operabel ist. Wird die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt, sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt und die Überlebenszeit oft kurz.
Eine Operation ist die einzige Behandlung mit Aussicht auf Heilung – sofern der Krebs überhaupt noch operierbar ist. Ergänzend kommen intensive Chemotherapien zum Einsatz. In vielen Fällen steht jedoch früh eine palliative Behandlung im Vordergrund, mit dem Ziel, Symptome zu lindern und Lebensqualität zu erhalten.
Lungenkrebs
Beim Lungenkrebs sind entweder die Bronchien oder das Lungengewebe selbst betroffen. Es handelt sich um eine Gruppe von Krebserkrankungen mit sehr unterschiedlicher biologischer Aggressivität und sehr unterschiedlichen Heilungsaussichten.
Ein Zusammenhang mit Alkoholkonsum wird seit langem diskutiert, ist aber methodisch schwer eindeutig zu beweisen. Der Hauptgrund dafür ist die starke Überlappung mit Tabakkonsum, die eine saubere Trennung der Effekte erschwert. Auch nach statistischer Korrektur bleibt unklar, ob Alkohol selbst einen eigenständigen Beitrag leistet oder vor allem als Begleitfaktor wirkt. Einige Studien finden Hinweise auf ein erhöhtes Risiko bei höherem Alkoholkonsum, andere zeigen keinen solchen Zusammenhang.
Dabei wäre ein Zusammenhang aus biologischer Sicht durchaus plausibel.Alkohol kann systemischen oxidativen Stress erhöhen, Entzündungsprozesse fördern und die Entgiftung eingeatmeter krebserregender Stoffe beeinträchtigen. Acetaldehyd spielt hier, wenn überhaupt, nur eine indirekte Rolle.
Frühe Symptome fehlen häufig oder sind unspezifisch. Anhaltender Husten, Luftnot bei Belastung, Gewichtsverlust oder immer wiederkehrende Infekte werden oft spät als Warnzeichen erkannt.
Die Prognose hängt stark vom Tumortyp und vom Stadium der Erkrankung ab. Viele Lungenkrebserkrankungen werden erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt und haben dann ungünstige Aussichten.
Je nach Stadium wird Lungenkrebs mit Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie sowie modernen Immun- und zielgerichteten Therapien behandelt: Dazu zählen auch Immuntherapien und Antikörpertherapien, die gezielt an Krebszellen binden und deren Wachstum bremsen.
Hautkrebs, insbesondere das maligne Melanom
Das maligne Melanom entsteht aus pigmentbildenden Zellen der Haut. Es ist biologisch aggressiv und bildet frühzeitig Tochtergeschwülste, wenn es nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird.
Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang mit Alkoholkonsum, die bislang jedoch nicht als gesichert gelten. Einige große Studien zeigen ein erhöhtes Risiko bei höherem Alkoholkonsum, andere liefern widersprüchliche Ergebnisse. Als wichtigste bekannte Hauptursache gilt weiterhin die UV-Exposition.
Wissenschaftler diskutieren, dass Alkohol oxidativen Stress erhöht, immunologische Kontrollmechanismen schwächt und möglicherweise die Wirkung von UV-induzierten DNA-Schäden verstärkt. Acetaldehyd spielt hier als Erklärung bislang eine Nebenrolle.
Typische frühe Zeichen sind Hautveränderungen, die sich in Größe, Farbe oder Form verändern. Wird das Melanom früh erkannt, sind die Aussichten für eine erfolgreiche Behandlung gut.
Der Verlauf hängt stark von der Tumordicke und dem daraus abgeleiteten Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Früh erkannte Melanome sind meist heilbar. Fortgeschrittene Stadien können dagegen trotz moderner Therapien lebensbedrohlich sein.
Im Vordergrund stehen die operative Entfernung des Tumors sowie Medikamente, die gezielt an bestimmten Eigenschaften der Krebszellen angreifen – ergänzt durch Immuntherapien.
Magenkrebs
Beim Magenkrebs ist die Schleimhaut des Magens betroffen. Die Tumoren entstehen meist auf dem Boden chronischer Schleimhautschädigungen und anhaltender Entzündungen.
Der Zusammenhang mit Alkoholkonsum ist uneinheitlich bewertet, wie wohl er von der Biologie her logisch wäre. Einige Studien und Metaanalysen finden ein erhöhtes Risiko bei hohem Alkoholkonsum, andere sehen keinen klaren Zusammenhang bei moderaten Mengen. Der Zusammenhang gilt daher bislang nicht als eindeutig belegt.
Ein Zusammenhang ist eigentlich plausibel. Alkohol kann die Magenschleimhaut schädigen, Entzündungen fördern und in Kombination mit anderen Faktoren wie Helicobacter pylori oder Ernährungseinflüssen die Tumorentstehung begünstigen. Acetaldehyd kann im oberen Verdauungstrakt eine Rolle spielen, steht aber nicht so eindeutig im Fokus wie bei Mund oder Ösophagus.
Frühsymptome fehlen oft oder sind unspezifisch. Völlegefühl, Appetitverlust, Oberbauchschmerzen oder Gewichtsverlust werden häufig erst spät ernst genommen.
Die Prognose hängt stark davon ab, in welchem Stadium der Krebs entdeckt wird. Wird Magenkrebs früh erkannt, ist er operabel und potenziell heilbar. Fortgeschrittene Stadien haben dagegen deutlich schlechtere Aussichten.
Behandelt wird Magenkrebs je nach Stadium mit Operation und Chemotherapie. In ausgewählten Fällen kommen zusätzlich gezielt wirkende Medikamente zum Einsatz, etwa Antikörpertherapien, die bestimmte Merkmale der Krebszellen angreifen.
Prostatakrebs
Das Prostatakarzinom entsteht aus Drüsenzellen der Vorsteherdrüse. Es ist eine sehr uneinheitliche Erkrankung, die oft langsam verläuft, in einzelnen Fällen aber auch aggressiv sein kann.
Der Zusammenhang mit Alkoholkonsum ist widersprüchlich. In den meisten Studien zeigt sich bislang kein klarer Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Häufigkeit von Prostatakrebs. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass hoher Alkoholkonsum mit aggressiveren oder tödlichen Verlaufsformen verbunden sein könnte – ohne dass dies bislang abschließend gesichert ist.
Wissenschaftler diskutieren hormonelle Effekte, oxidativer Stress und individuelle Unterschiede im Alkoholstoffwechsel. Acetaldehyd spielt hier allenfalls eine untergeordnete Rolle.
Frühe Symptome fehlen häufig. Beschwerden beim Wasserlassen oder Knochenschmerzen treten meist erst in fortgeschrittenen Stadien auf.
Die Aussichten sind sehr unterschiedlich. Viele Prostatakarzinome wachsen langsam und lassen sich gut kontrollieren. Aggressive Formen können dagegen rasch lebensbedrohlich werden.
Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von aktiver Überwachung über Operation und Strahlentherapie bis hin zu antihormonellen und systemischen Therapien.
Fazit und Ausblick
Das war nur ein Ausschnitt der Krebserkrankungen, bei deren Entstehung Alkohol eine gesicherte oder zumindest sehr wahrscheinliche Rolle spielt. Neben den hier beschriebenen Krebsarten stehen zahlreiche weitere Erkrankungen im Verdacht, durch Alkoholkonsum begünstigt zu werden – darunter Krebsarten des Gallen- und Harnsystems, bestimmte Blut- und Lymphkrebse sowie einzelne Tumoren des Nervensystems.Auch wenn viele dieser Zusammenhänge noch nicht abschließend bewiesen sind, zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Alkohol verändert den Körper so, dass Krebs leichter entstehen kann.
Dabei geht es nicht um einzelne Organe oder isolierte Mechanismen. Alkohol greift an vielen Stellen gleichzeitig an: Er schädigt das Erbgut, fördert Entzündungen, stört Reparaturprozesse und verändert hormonelle sowie immunologische Steuerungen. Je länger und regelmäßiger dieser Einfluss wirkt, desto größer wird das Risiko. Entscheidend ist dabei: Es geht nicht nur um extreme Trinkmengen.
Für mehrere Krebsarten steigt das Risiko bereits bei regelmäßigem oder moderatem Alkoholkonsum. Einen sicheren Schwellenwert, unterhalb dessen Alkohol unbedenklich wäre, gibt es aus heutiger Sicht nicht. Die Forschung zu Alkohol und Krebs entwickelt sich weiter. Mit zunehmender Qualität der Studien wird sich das Bild in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter schärfen – eher in Richtung klarerer Risiken als in Richtung Entwarnung. Für viele der heute noch als „vermutet“ geltenden Zusammenhänge dürfte die Datenlage deutlicher werden
Für die folgenden Erkrankungen gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Die Datenlage ist hier jedoch uneinheitlich oder noch nicht abschließend geklärt.
- Verdauungssystem: Dünndarmkrebs, Gallenblasenkrebs, Gallengangskrebs (Cholangiokarzinom)
- Harn- und Geschlechtsorgane: Nierenzellkarzinom, Harnblasenkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Endometriumkarzinom, Ovarialkarzinom, vereinzelt Hodenkrebs
- Blut- und Lymphsystem: Non-Hodgkin-Lymphome, Hodgkin-Lymphom, Leukämien (insbesondere myeloische Formen), Multiples Myelom
- Haut: Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom der Haut
- Zentrales Nervensystem: Gliome und andere Hirntumoren (schwache Evidenz)
- Sonstige: Schilddrüsenkrebs, Weichteilsarkome, Nasen- und Nasennebenhöhlenkarzinome
Häufig gestellte Fragen zum Thema Alkohol und Krebsentstehung
Macht schon wenig Alkohol Krebs?
Ja. Für mehrere Krebsarten – insbesondere Brustkrebs sowie Tumoren der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre – steigt das Risiko bereits bei geringen Mengen Alkohol. Einen nachweislich sicheren Schwellenwert gibt es nicht. Je weniger Alkohol konsumiert wird, desto geringer ist das Krebsrisiko.
Warum ist Alkohol überhaupt krebserregend?
Beim Abbau von Alkohol entsteht Acetaldehyd, eine hochgiftige Substanz, die das Erbgut von Zellen schädigen kann. Zusätzlich fördert Alkohol Entzündungen, oxidativen Stress und stört wichtige Schutz- und Reparaturmechanismen der Zellen. Zusammen entsteht ein biologisches Umfeld, in dem Krebs leichter entstehen kann.
Ist Rotwein oder Bier weniger gefährlich als hochprozentiger Alkohol?
Nein. Entscheidend ist nicht die Art des Getränks, sondern der enthaltene Alkohol. Ob Wein, Bier oder Spirituosen – Ethanol wird im Körper immer zu Acetaldehyd abgebaut. Unterschiede im Risiko ergeben sich höchstens durch Trinkmuster, nicht durch das Getränk selbst.
Spielt Acetaldehyd bei allen Krebsarten die gleiche Rolle?
Nein. Bei Tumoren der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre spielt Acetaldehyd eine zentrale Rolle, da es dort lokal in hoher Konzentration entsteht. Bei anderen Krebsarten wirken eher indirekte Mechanismen wie Entzündung, hormonelle Veränderungen oder gestörte Zellsteuerung.
Kann sich das Krebsrisiko wieder senken, wenn man mit dem Trinken aufhört?
Ja. Nach dem Verzicht auf Alkohol beginnt sich das Krebsrisiko schrittweise zu verringern. Wie stark und wie schnell das geschieht, hängt von der Dauer und Menge des früheren Konsums sowie vom betroffenen Organ ab. Je früher der Alkoholkonsum beendet wird, desto größer ist der gesundheitliche Nutzen.
Gilt das erhöhte Krebsrisiko nur für Alkoholabhängige?
Nein. Das Krebsrisiko steigt bereits bei regelmäßigem oder moderatem Alkoholkonsum. Auch Menschen, die sich selbst nicht als abhängig sehen, können durch Alkohol ihr Krebsrisiko erhöhen.
Literatur: Alkohol und Krebs
Grundlagen und Gesamtbewertungen
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Gesicherte alkoholassoziierte Tumorerkrankungen
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Speiseröhrenkrebs
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Einordnung und Übersichtsarbeiten
Connor J. Alcohol consumption as a cause of cancer. Addiction, 2017.
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Dr. med. Bernd Guzek
Arzt, Autor, Angehöriger & Mitgründer von Alkohol adé
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Störungen des Hirnstoffwechsels sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.


