Was ist Folsäure – und warum kann der Körper sie nicht selbst machen? #
Folsäure gehört zu den B-Vitaminen und ist unverzichtbar für den Aufbau des Erbguts. Jede Zellteilung im Körper braucht sie. Das Problem: Der Mensch kann Folsäure nicht selbst herstellen und auch kaum speichern – der gesamte Körpervorrat beläuft sich auf nur etwa 15 Milligramm. Bei vollen Speichern reicht das gerade mal drei Monate.
Zwei Drittel aller Deutschen nehmen täglich weniger als 300 Mikrogramm Folsäure mit der Nahrung auf – bei einem empfohlenen Tagesbedarf von 400 Mikrogramm. Bei Menschen mit Alkoholproblemen ist die Versorgung noch deutlich schlechter.
Wie Alkohol die Folsäureversorgung auf drei Wegen zerstört #
Alkohol greift an mehreren Stellen gleichzeitig ein. Erstens blockiert er die Folsäureaufnahme im Darm – was mit der Nahrung aufgenommen werden soll, kommt gar nicht erst ins Blut. Zweitens verhindert Alkohol, dass die Leber Folsäure speichert. Drittens sorgt er dafür, dass die Nieren das Vitamin nicht zurückhalten: Es wird einfach mit dem Urin ausgeschieden. Das Ergebnis sind besonders niedrige Folsäurespiegel – trotz regelmäßiger Nahrungsaufnahme.
Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Alkohol die Nährstoffaufnahme im Darm generell stört, findet im Lexikonartikel zu Darmflora und Alkohol weitere Hintergründe.
Was ein Folsäuremangel im Körper anrichtet #
Folsäure wird gebraucht, um aus Homocystein die Aminosäure Methionin herzustellen. Fehlt Folsäure – oder auch Vitamin B12 – funktioniert diese Umwandlung nicht. Der Homocystein-Spiegel steigt, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Außerdem stört ein Folsäuremangel das Blutbild und führt zu Blutarmut (Anämie) – typischerweise zu einer so genannten megaloblastären Anämie, bei der die roten Blutkörperchen zu groß und unreif sind. Eng verwandt ist die Perniziöse Anämie, die durch B12-Mangel entsteht.
Ein weiterer direkter Folgeschaden ist die Fettleber. Folsäure ist am Fettstoffwechsel in der Leber beteiligt – fehlt sie, lagert die Leber verstärkt Fett ein.
Folsäure und das Gehirn – unterschätzte Verbindung #
Folsäure spielt eine Schlüsselrolle bei der Zellteilung und der Bildung von Nervengewebe. In der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung deshalb besonders wichtig, um Fehlbildungen des Nervensystems (Neuralrohrdefekte) zu verhindern. Aber auch für das Gehirn Erwachsener ist Folsäure entscheidend: Ein Mangel begünstigt depressive Verstimmungen, Gedächtnisstörungen und Konzentrationsprobleme – Symptome, die bei alkoholabhängigen Menschen ohnehin häufig auftreten und durch den Mangel noch verstärkt werden.
Chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit und gedrückte Stimmung – vieles davon lässt sich teilweise auf einen massiven Folsäuremangel zurückführen, auch wenn das im klinischen Alltag oft übersehen wird.
Therapeutische Möglichkeiten: Folsäure gezielt ersetzen #
Bei Alkoholkranken wird daher häufig eine hochdosierte Substitution von Folsäure empfohlen, oft kombiniert mit anderen B-Vitaminen wie Vitamin B12, Vitamin B6 und Vitamin B3 (Niacin). Damit lässt sich nicht nur die Blutbildung stabilisieren, sondern auch das Risiko für weitere Folgeschäden senken. Die Behandlung sollte ärztlich begleitet werden, weil ein hoher Folsäurespiegel bei gleichzeitigem unerkanntem B12-Mangel neurologische Schäden verdecken kann.
Häufig gestellte Fragen zu Folsäure und Alkohol (FAQ) #
Alkohol stört die Folsäureversorgung auf drei Ebenen gleichzeitig: Er blockiert die Aufnahme im Darm, verhindert die Speicherung in der Leber und sorgt dafür, dass die Nieren das Vitamin nicht zurückhalten. Dadurch sinkt der Folsäurespiegel selbst dann, wenn die Ernährung einigermaßen ausgewogen ist.Warum haben Alkoholiker so häufig Folsäuremangel?
Typische Zeichen sind chronische Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit bei Anstrengung, depressive Verstimmungen, Konzentrationsprobleme und Gedächtnisstörungen. Diese Symptome überschneiden sich stark mit denen des Alkoholentzugs und werden deshalb oft nicht als Mangelerscheinung erkannt.Welche Beschwerden können auf Folsäuremangel hinweisen?
Folsäure ist notwendig, um im Körper aus Homocystein die Aminosäure Methionin herzustellen. Fehlt Folsäure, steigt der Homocystein-Spiegel im Blut. Erhöhtes Homocystein gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gefäßschäden.Was hat Folsäure mit Homocystein zu tun?
Folsäurepräparate sind rezeptfrei erhältlich. Allerdings sollte vor einer Einnahme immer auch der Vitamin-B12-Spiegel geprüft werden. Ein hoher Folsäuregehalt kann einen gleichzeitigen B12-Mangel im Blutbild verdecken – und dieser kann unbehandelt zu ernsthaften Nervenschäden führen. Eine ärztliche Begleitung ist deshalb sinnvoll.Kann man Folsäure einfach selbst kaufen und nehmen?
Bei ausreichender Zufuhr über die Nahrung oder Supplemente kann sich der Folsäurespiegel innerhalb weniger Wochen normalisieren. Die damit verbundenen Beschwerden wie Müdigkeit oder Blutarmut bessern sich häufig schon nach zwei bis vier Wochen spürbar – vorausgesetzt, kein weiterer Mangel (z.B. B12) liegt vor.Wie lange dauert es, bis sich der Folsäurespiegel nach Beginn der Abstinenz erholt?