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Hallo zusammen,
ich bin Angehörige und lese unregelmäßig seit längerer Zeit mit. Ich versuche damit die Krankheit meines Partners zu verstehen, was mal mehr und mal weniger klappt.
Wir haben vor 15 Jahren schon einmal eine heftige Phase überstanden. Damals mit Langzeittherapie.
Leider kam es vor 4 Jahren zum Rückfall. Und seit dem nur noch Berg- und Talfahrten, ohne mal zwischendurch die Möglichkeit zu haben, mal richtig Luft zu holen. Etliche KH-Aufenthalte, Psychiatrie und zwei abgebrochene Therapien.
Ich merke mittlerweile deutlich, dass mich dieses Hin und Her zermürbt.
Aktuell haben wir gar keinen Kontakt mehr, weiß noch nicht einmal, wo er sich aufhält.
Es ist erschreckend, wie sehr Alkohol einen Menschen verändert 😢
@lipsscho Herzlich willkommen! Puuh, wenn Du schon nicht mehr weißt, wo er sich aufhält ... das ist schon heftig.
Es gibt da ein Buch von Carmen Jurela ( @Karmen_ ) aus der Sicht einer Angehörigen, Rauschliebe. Ich erinnere mich, dass sie hier auch ein paar Mal geschrieben hat, weiß aber nicht, ob sie noch mitliest.
Ja - ich lese ab und zu still mit und ja - Co-Abhängigkeit ist ein sau-schweres Los.
@lipsscho - Du hast mein volles Mitgefühl.
nichtmal zu wissen, wo und wie der geliebte Mensch und irgendwie auch noch Partner lebt, kann einen halb wahnsinnig machen.
Die Sorge, die gefühlte Respektlosigkeit, die Schande, die Angst… all das kann einen fertig machen…
Ich kann Dir insoweit Mut machen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass Co-Abhängigkeit überwindbar und auch durchschaubar ist. Es ist Schwerstarbeit, aber es geht und es lohnt sich!
Und deshalb meine Frage:
Frage: was brauchst Du denn jetzt?
Hast Du Hilfe, Freundschaften, Familie, die Dich tröstet und auffängt? Bist Du finanziell unabhängig?
Wenn Du reden willst, gerne: 0179 4388532.
Und Danke @harley, dass Du mich namentlich genannt hast. Das hab ich so direkt ins Postfach bekommen.
Viele Grüße, Karmen
@karmen_
Das ist eine gute Frage: was ich eigentlich brauche? Ich glaube, das weiß ich manchmal selber nicht so genau. Zu Beginn seines Rückfalls habe ich gedacht, okay es ist nicht schlimm. Ich war guter Dinge, weil er sich sofort auch an die Suchtberatungsstelle gewandt hatte. Ich dachte, dass er wieder wie vor 15 Jahren, mithilfe von Therapie abstinent wird. War ja „nur“ ein Rückfall. Dem scheint aber nicht so zu sein. Ich hätte niemals gedacht, dass es sich so lange hinzieht. Dinge erlebt, die ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte.
Ich schäme mich. Ich konnte das lange Zeit keinem erzählen, nicht mal meinen Eltern, meiner Schwester. Mittlerweile kann ich mit ihnen eingeschränkt darüber reden, aber auch nicht über alles, was ich erlebt habe. Mit wem ich bisher nicht darüber geredet habe: Enge Freunde und gemeinsame Arbeitskollegen. Ich schäme mich auch dafür, dass ich nicht die ganze Wahrheit gesagt habe. Und je länger ich damit warte, desto unangenehmer wird es. Oft denke ich: So, morgen erzählst du es. Und dann verlässt mich wieder der Mut. Und ich ahne, dass viele es sowieso schon wissen. Das macht es irgendwie noch unangenehmer.
Ich frage mich schon länger, ob es sich lohnt, zu bleiben. Ob er es irgendwann schafft, abstinent zu leben. In den vergangenen vier Jahren waren immer wieder abstinente Monate aber eben auch heftige Zeiten mit tagelangen Dauer-Trinken. Körperliche Gewalt ist zum Glück kein Thema aber Psychoterror ist es.
@lipsscho aus eigener Erfahrung kann ich dir berichten: Im Nachhinein betrachtet bin ich mir sicher, dass sämtliche Geheimhaltungsstrategien nicht wirklich kaschieren. Das direkte Umfeld merkt oft sehr schnell, wenn jemand ein Alkoholproblem hat, auch wenn niemand denjenigen oder seinen Partner direkt anspricht auf das Thema. Das ist für Außenstehende ja auch nicht einfach: Wie biete ich Hilfe an, ohne übergriffig zu werden? Wäre ab, wer im Freundes-oder Familienkreis könnte dich unterstützen? Für den Umgang mit dem Partner hat mir nur geholfen: Ein klarer Blick auf das, was ich mir für mein Leben wünsche und die Erkenntnis, dass ich die Einzige bin, die sich für dieses Ziel einsetzt. Mein Glück darf nicht abhängig sein, vom Verhalten eines Partners. Und Psychoterror darf nicht Bestandteil einer Partnerschaft sein. Die Grenzen für dich musst du selber stecken, ob dein Partner diesen Weg mitgehen möchte, liegt nicht in deiner Macht. Du kannst ihn Unterstützen bei seinem Weg daraus, aber du bist nicht verpflichtet ihn beim Saufen zu ertragen. Pass gut auf dich auf!
Liebe Grüße
JA, sich selbst zu spüren, ist Schwerstarbeit, wenn Vertuschung zum Alltag gehört.
Die Seele wird durch die "Dauermaske", die man eigentlich nur für ganz kurze Zeit aufgesetzt hat, betäubt und verletzt. Du hast sie überhaupt nur aufgesetzt, weil Du glaubtest, es geht ganz schnell vorbei, muss also "nicht jeder" von Eurer Situation erfahren....
Verleugnung und Vertuschung sind Werkzeuge dieser Dauermaske. Sämtliches Lügen, Übertreten der eigenen Werte und so tun als ob gehört auch zur Dauermaske dazu.
Dass Du keine klare Antwort auf die Fragen "was will ich eigentlich und was glaube ich eigentlich?" erhältst, zeigt nur diese Betäubung.
Mir hat damals die Erkenntnis sehr geholfen, dass ICH SELBST im Zusammenleben mit meinem ehemaligen Mann, meine eigenen Werte mit Füssen trete.
Ich habe mich gefragt - was sind denn meine Werte, und konnte das nicht beantworten. In einem Online Test habe ich festgestellt, dass meine Werte kaum Raum in meinem Leben finden, dass ich sie gar nicht leben konnte. Mir wurde auch klar, dass ich wegen der Dauermissachtung meiner Werte mindestens genauso leide, wie unter den anderen Dingen, die mein ehemaliger Mann zu verantworten hatte. Das war ein Gamechanger für mich.
Ich wusste ziemlich bald, dass nur ich für meine Werte geradestehen konnte.
Kurz darauf habe ich dann ersten mal WIRKLICH Grenzen gezogen, die MEIN VERHALTEN betrafen.
Wenn Du nochmal X, dann werde ich Y, auch wenn ich lieber Z hätte.
Und das habe ich durchgezogen, und habe so zu einem Leben gemäß meiner Werte zurückgefunden.
Vielleicht ist das auch etwas für Dich...
Ansonsten lohnt es sich absolut, in die eigene Selbstfindung zu investieren. Die Fragen "Wer bin ich und wie will ich leben?" sind wie Leuchttürme. In der Not kannst Du sie vielleicht nicht richtig beantworten, aber Du kannst sie sehen und hören, und sie können Dir den Weg weisen, was Du als nächstes brauchst. Und dafür darfst Du Dir Zeit nehmen.
Als aller erster und auch wiederkehrender Impuls darf auch Widerstand kommen: SO JEDENFALLS NICHT!
Und wenn das klar ist, dann bekommst Du Schwung für alles was danach kommt: Das wieder Entdecken des eigenen Selbstes, dass das Leben lebenswert ist und Du liebenswürdig bist...
Wie gesagt - gerne telefonieren. Ich mache sowas inzwischen ja auch beruflich.
Und was die Sorge um Deinen Mann angeht - das gehört ja auch dazu und darf angeschaut werden. Ein Mensch mit einem Herzen in der Brust ist kaum in der Lage, sich abzuwenden, wenn der Partner leidet, eigentlich mit dem Tod spielt. Das fühlt sich in der Situation wie der totale Irrsinn an.
Dass einem das niemand erklärt, bevor man erwachsen ist, ist eigentlich ein Skandal...
@pony: Glückwunsch und Bravo! I feel you!





