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Hallo ihr Lieben,
ich war lange nicht im Forum. Bei mir lief es gut, ich hatte eine tolle Selbsthilfegruppe und war stabil. Außerdem war in meinem Leben so viel los, dass ich den Weg ins Forum nicht gefunden habe. Ich hatte großen Streß auf der Arbeit, da einige Kollegen gekündigt haben und die einzige Kollegin, die in meiner Abteilung übrig geblieben ist, lange Zeit krank war. Ehrlich gesagt hatte ich da in meiner Freizeit auch keine Lust, mich nochmal an den Laptop zu setzen und Forum am Handy ist auch nicht so dolle...
Lange Rede kurzer Sinn, ich hätte doch öfter reinschauen sollen. Denn was passiert, wenn die einzige Trocken-Stütze wegbricht? Das war in meinem Fall die Selbsthilfegruppe. Bereits vorletzte Woche wurde ich durch eine neue Teilnehmerin massiv getriggert, sodass ich vorzeitig die Gruppe verlassen musste. Das war eine Person, die 45 Minuten am Stück ohne Punkt und Komma geredet hat und quer durch alle Themen gekommen ist (Motorradausflüge, ihr Leben als Oma usw). Das hatte ich dann irgendwann nicht mehr ausgehalten. Ich mag es generell nicht, wenn sich andere Menschen zu wichtig nehmen und so viel Raum einnehmen, dass andere nicht mehr zu Wort kommen.
Tja, und dann letzte Woche. Die Gruppe lief eigentlich gut, es war aber schon wieder ein Neuer da, der 45 Minuten am Stück redete und dabei immer wieder dasselbe erzählte. Ich wagte es, ihn nach diesen 45 Minuten zu unterbrechen und darum zu bitten, dass doch nun auch mal andere zu Wort kommen sollten, da er sich nur noch im Kreise drehte. Am Schluß der Gruppensitzung kam eine andere Teilnehmerin auf mich zu, sie müsse sich mit mir mal dringend unterhalten, aber nicht hier und nicht jetzt und nicht am Telefon. Sie sagte das in aggressivem Tonfall. Ich bin aus allen Wolken gefallen und wollte natürlich wissen, was los ist. Sie sagte, sie hätte ein Problem damit, in die Gruppe zu kommen, wenn ich da wäre. Mehr wolle sie dazu nicht sagen.
Das hat mich so massiv runtergezogen, dass ich nach der Gruppe einen Zusammenbruch bekommen habe. Konnte kaum schlafen, habe viel geweint und gegrübelt. Ich hatte mich am nächsten Tag wieder gefangen und wollte eigentlich mal abwarten, denn ich habe zu den anderen Gruppenmitgliedern ein freundschaftliches Verhältnis und treffe mich mit einigen auch privat. Leider wurde mir dann am Freitag bei einem solchen privaten Treffen erzählt, dass die Person, die das Problem mit mir hat, nun auch mit den anderen Gruppenmitgliedern über mich gesprochen hätte. Diese Information hat mir dann quasi den Rest gegeben und ich bin abends auf Sauftour gegangen, um das Gedankenkarussell abzustellen.
Jetzt ärgere ich mich unendlich darüber, dass ich wieder bei 0 anfangen muss, nachdem es so gut gelaufen ist. Auch ist die Gruppe für mich verbrannt, weil ich mir nicht vorstellen kann, mich wieder in eine so bedrückende Situation zu begeben. Was aber tut man, wenn die Gruppe, die eigentlich ein Schutzraum sein sollte, zum zusätzlichen Trigger wird?
Sorry für das wirre Schreiben, ich hab jetzt einfach mal so runtergetippselt was mir durch den Kopf geht...
Liebe Grüße,
Rayanne
PS: Für den einen oder anderen mag eine solche Situation Pipifax sein. Da ich aber zusätzlich mit einer Sozialphobie zu kämpfen habe, empfinde ich das um ein Vielfaches schlimmer als ein "normaler" Alki.
Eigentlich hast Du primär richtig reagiert, indem Du Dich abgegrenzt hast.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass dich dieses „Nicht-Mögen“ so aus dem Tritt bringt – solche Dinge gehen einem einfach nahe. Aber – und ich meine das wirklich nicht als Klugschei***ei – was jemand von dir hält oder über dich sagt, hat in Wahrheit oft viel mehr mit dieser Person selbst zu tun als mit dir.
Ich weiß nicht, welche Form der Sozialphobie bei dir vorliegt, aber wenn es dir irgendwie möglich ist, versuch die Situation einmal unter diesem Blickwinkel zu sehen: Nicht dein Problem – sondern das des Gegenübers. Das nimmt zwar nicht den Schmerz, aber es schafft manchmal ein kleines bisschen Abstand.
Und was den Rückfall betrifft: Da ist nichts verloren. Wirklich nicht. Aufstehen, Krone richten, weitermachen – so wie viele von uns hier. Nicht jede/r schafft es gleich beim ersten Mal, ich auch nicht. Das Wichtigste ist, dass du dranbleibst und dir nicht selbst Vorwürfe machst. Jeder Tag, an dem du es neu versuchst, zählt.
Denk bitte daran: Mit dem Alkohol schadest du am Ende nur dir selbst – und genau das willst du ja nicht. Halte dir dein Ziel vor Augen, Schritt für Schritt. Und sei dabei auch ein bisschen nachsichtig mit dir.
Was für ein Schreck, liebe Ray! Ich hoffe, Du konntest Dich fangen und die Situation für Dich analysieren?
Wichtigstes zuerst: Aufrichten, Krönchen aufsetzen, weitermachen (wie Sabine es auch schon schrieb) Und dann hinterfrage alles nochmal! Du bist nicht allein, Rückfälle gehören scheinbar dazu. Du kannst nur lernen und es diesmal ein Stückchen besser und gewiefter angehen. Also gräm Dich nicht, zücke den mentalen Stinkefinger gegenüber der unemphatischen Dame und suche Dir ein Umfeld, in dem Du Dich wohl und geborgen fühlst.
Du bist jetzt stärker, denn Du hast ein wichtiges Stück Erfahrung über Dich selbst sammeln können!
Ganz liebe Grüsse und lass bitte von Dir hören!
Ich bin sicher, das Du das alles ganz grossartig schaffst!
Bis bald, Birgitta ❤️
@crazy2610 vielen Dank für deine liebe, ausführliche Antwort 😊
Meiner Meinung nach sollte eine Selbsthilfegruppe ein gewisser Schutzraum sein, in dem ich mich voll und ganz auf die Arbeit an meinem Suchtproblem konzentrieren kann. Vorlieben und Abneigungen gegenüber bestimmte Personen haben dort doch gar keinen Raum bzw. sollten keinen Raum haben. Es wäre etwas völlig anderes gewesen, wenn diese Person konkretisiert hätte, was genau sie gestört hatte (z.B. "was du zu dem Thema xy beigetragen hast, hat mir nicht gefallen" oder sowas in der Art). Damit hätte ich umgehen können. Aber dieses "ich habe ein Problem damit, in die Gruppe zu kommen, wenn du anwesend bist" greift mich ja als gesamte Person an und das ist für mich ein massiver Trigger. Für sowas bin ich einfach zu dünnhäutig und habe weder die Kraft noch den Nerv, mich ausgerechnet in der Selbsthilfegruppe auch noch mit jemandem auseinanderzusetzen, der mich augenscheinlich auf dem Kieker hat.
Leider ist meine Selbsthilfegruppe in kompletter Selbstverwaltung. Es ist kein Therapeut anwesend, der das Ganze moderiert. Daher sehe ich auch keine andere Lösung als das Fernbleiben von dieser Gruppe, auch wenn mir die meisten dort sehr am Herzen liegen und mir die Treffen bisher gutgetan und mich stabilisiert haben.
Ja, der Rückfall war besch**en. Mein Körper hat mir am nächsten Tag direkt den Mittelfinger gezeigt und ich bin 100% sicher, dass ich meinen nüchternen Weg weitergehen möchte. Nur eben nicht mehr mit dieser Gruppe. Diese Türe ist zu, eine andere wird sich öffnen.
Liebe Grüße,
Ray
@birgitta vielen Dank für deine liebe Antwort 😊
Mit Selbsthilfegruppen im realen Leben bin ich jetzt erstmal durch. Die Angst ist zu groß, dass mir dasselbe nochmal passiert. Ich hab aber schon einen anderen Plan: Ich werde meinen Suchtberater kontaktieren und einen Termin vereinbaren. Mit ihm gemeinsam werde ich eine Strategie finden, wie es weitergehen kann. Vermutlich muss ich doch nochmal eine Therapie-Schleife machen. Wegen meiner Sozialphobie war ich bereits ein Jahr lang in psychologischer Behandlung, aber das ist mittlerweile schon fast zehn Jahre her und vermutlich brauche ich eine Auffrischung. Damals war mir auch noch nicht klar, dass ich ein Suchtproblem habe und eine Therapie unter dem Aspekt der Abhängigkeit schadet bestimmt auch nichts.
Vielleicht gibt es ja auch Selbsthilfegruppen, in welchen ein Therapeut anwesend ist und eine Moderator-Funktion einnimmt. Sowas könnte ich mir auch noch vorstellen, weil ich in dem Fall sicher wäre, dass ein solcher Angriff auf meine Persönlichkeit nicht unkommentiert stehengelassen werden, sondern der Therapeut sicherlich eingreifen würde.
Liebe Grüße,
Ray
@harley ja, Abgrenzung ist wichtig. Aber ich kann auch nicht immer flüchten, wenn jemand was gegen mich hat. Und auch das Saufen ist keine Strategie. In dem Kontext kann ich allerdings nur flüchten, weil mich diese Feindseligkeit zu arg in Richtung Alkohol triggert - zumindest momentan noch.
Es wäre etwas völlig anderes gewesen, wenn diese Person konkretisiert hätte, was genau sie gestört hatte (z.B. "was du zu dem Thema xy beigetragen hast, hat mir nicht gefallen" oder sowas in der Art). Damit hätte ich umgehen können. Aber dieses "ich habe ein Problem damit, in die Gruppe zu kommen, wenn du anwesend bist" greift mich ja als gesamte Person an und das ist für mich ein massiver Trigger.
Und das - wenn es dir möglich ist - wäre für diese Situation genau die richtige Antwort gewesen.
Das bedeutet aber auch - du weißt, dass diese "Kritik" eigentlich keine ist. Sie - die andere Person - hat ein Problem!!
@rayanne0815 Du schreibst weiter oben, dass die Gruppe in freier Selbstverwaltung (was für sich nicht schlimm wäre) ohne professionelle Betreuung läuft – was ich wieder für gefährlich halte, denn solche Angriffe auf Personen helfen niemandem und müssten unterbunden werden.
Lieber harley,
das sehe ich ganz genauso. Unterbunden hat das leider keiner. Ich habe Tage später einem der Gruppenleiter per Whatsapp mitgeteilt, dass ich nicht mehr zur Gruppe kommen werde und habe auch den Grund genannt. Die Rückmeldung war nur "alles klar, du musst tun, was gut für dich ist".
Heißt im Klartext, dass in dieser Gruppe wohl nur die Starken übrig bleiben werden, denn wer solche Angriffe nicht aushält, wird weggebissen. Sehr schade.




