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Wie ist das?
Wenn ein Reflex den Rückfall ankündigt.
Wie kann ich mir selbst helfen?
„Denk nach!“, befiehlt mein Alter Ego. „Du weißt, wie es geht! Du hast ein Rezept dagegen, es ist nur für dich gültig, aber vielleicht hilft es ja auch den Brüdern im Geiste, die noch da draußen herumirren …”
Ich führe mir jeden Schritt vor Augen, genauso, wie es früher immer war und wie es sein wird, wenn ich jetzt diesem, zugegeben irrsinnigen Drang etwas zu Trinken, nachgebe.
Ich werde Geld besorgen müssen, viel Geld, denn mein Rückfall soll nicht mit einem Fusel beginnen. Wenn schon - denn schon. Ich will besten Stoff, mindestens Kategorie Single Malt Whiskey oder Cognac vom Feinsten. Ich will eine Montechristo-Zigarre rauchen. Nachschub holen und wieder Nachschub.
Ich werde kein Geld mehr haben. Ich werde Angst bekommen. Ich werde zittern vor Angst. Ich werde Freunden aus dem Weg gehen, mich verleugnen lassen, den Wahnsinn am nächsten Morgen mit Resten aus den leeren Flaschen bekämpfen. Ich werde irgendwo billiges Bier trinken, das ich nicht bezahlen kann. Und ich werde nie mehr in den Spiegel schauen können.
Will ich das wirklich?
Nein!
Ich weiß, das klingt so einfach. Aber in diesem Fall ist die einfachste Antwort auch die beste: Nein! Heute nicht.
©text & foto by suffade
Genau, heute NICHT!!! Nicht mit Single Malt, nicht Champagner, nicht Underberg!
Auch nicht die nächsten Stunden oder Sekunden: Mach was schönes, kauf Dir nen tollen Kuchen, geh ins Kino, umrunde den nächsten See, rufe Freunde an!
Der Druck wird vergehen und Du wirst stolz sein auf Dich! Glücklich, wenn Du erfolgreich widerstanden hast.
Entwirf ein Notfallpaket für Dich, das Du immer zur Hand hast. Das kann ein treffender, aufgeschriebener Spruch sein, ein Chilibonbon, ein Gummibändchen, das Du auf Deine Hand schnippst. Sei kreativ bei der Zusammenstellung!
Oder schreib hier!
Super, dass Du Dich gemeldet hast! Ein erster, wichtiger Schritt zum NEIN.
Du schaffst das!
In Gedanken bei Dir, Birgitta
PS: Lass von Dir hören 🖐️
Guter Text, der bringt es auf den Punkt. Wenn ich übermütig werde denke ich an die ersten Tage meines letzten Entzuges. Und schon habe ich keinerlei "Bedürfnis" mehr 🙂
Noch was: 44 Jahre trocken?! Das schaffe ich altersmäßig sicher nicht mehr. Es motiviert mich aber sehr, Respekt!
@birgitta - Hallo Birgitta, vielen Dank für deine einfühlsamen Worte. Ich kann dich beruhigen: ich hab´mich voll im Griff. Leider habe ich im Eifer des Mitteilens verabsäumt zu schreiben, dass diese Rückfallsgedanken schon älteren Datums sind. Eigentlich wollte ich nur ein Beispiel geben, wie ich es früher immer gemacht habe, wenn sich mein innerer Schweinehund wieder einmal gemeldet hat.
Übrigens: Den Gummibärchen-Trick kenne ich - hilft kolossal! 🤗
@franz-x - Danke für deine Rückmeldung! Das mit den 44 Jahren Abstinenz klingt manchmal überheblich, ich weiß. Nichtsdestotrotz bin ich heilfroh, es bis zum heutigen Tag geschafft zu haben. 😊 Andererseits kann ich mich noch gut an meine erste Zeit in meiner SH-Gruppe erinnern: Da gab es Leute, die schon jahrelang trocken waren und damit brillierten. Das war schwer auszuhalten, weil ich mir das überhaupt nicht vorstellen konnte. Dennoch habe ich sie bewundert. Na ja, hab´ich halt weiter gekämpft und bin letztlich selber zu einem "Dino” geworden. 😏
Wenn es so einfach wäre, ich hasse mein Leben und bin so krass instabil mit der Psyche kein Therapeut hilft mir, kein Antidepressiva hilft mir, es ist zum Verzweifeln, mein einziger Wunsch ist das schöne Gefühl vom angetrunken sein, und dass ist gespeichert. 🤯
@suffade Das ist wirklich eine sehr treffende Beschreibung dieses inneren Dialogs. Dieses gedankliche „Sich-zu-Ende-Trinken“ ist tatsächlich eine der stärksten Strategien, die man haben kann – weil es den schönen Schein sofort zerreißt und zeigt, was am Ende übrig bleibt: Angst, Leere und der Verlust des eigenen Selbstwerts.
Der Satz mit dem Spiegel hat mich besonders getroffen. Dieses Gefühl kenne ich von früher nur zu gut. Heute sieht mein persönliches „Rezept“ anders aus. Ich kämpfe nicht mehr gegen den Suchtdruck, sondern ich stütze mich auf das, was mir Halt gibt: klare Tagesstrukturen, ehrliche Beziehungen und das Wissen, dass ich jeden Abend nüchtern in mein Bett steigen möchte.
Mein Alltag trägt mich inzwischen – und die Nacht gibt mir Ruhe statt Zittern. Dieses eigene, ganz individuelle Rezept zu finden, ist harte Arbeit. Aber es lohnt sich, weil es einen stabil macht und vor allem wieder handlungsfähig.
Danke dir für diesen Impuls. Er bringt vieles auf den Punkt, was man oft schwer in Worte fassen kann.
Mein Alltag trägt mich inzwischen – und die Nacht gibt mir Ruhe statt Zittern. Dieses eigene, ganz individuelle Rezept zu finden, ist harte Arbeit. Aber es lohnt sich, weil es einen stabil macht und vor allem wieder handlungsfähig.
Sehr wahre Worte, lieber Bergwacht!
Das eigene, individuelle Rezept finden, sich selbst wieder entdecken, ist ein grosser Schlüssel zur zufriedenen Abstinenz. Für mich war dieser Prozess mit teils kindlicher Freude verbunden. Das Wiederfinden des "kleinen Glücks" führt mich zu mehr Gewahrsam, Alltagsfreude und dem Mut sich auch in Grösserem auszuprobieren.
Das Schöne: Ich stecke immer noch mittendrin und erfreue mich an der grossen Neugier und Lebendigkeit, die mir das wiedergewonnene Leben zu bieten hat!
Wohl an, Birgitta
@birgitta ich glaube, unser besonderer Weg hat uns den Blick dafür geöffnet, das „kleine Glück“ überhaupt erst wieder als solches wahrzunehmen. Und ich hoffe sehr, dass dieser wunderbare Prozess nie endet. Für mich fühlt es sich wie ein großes Geschenk an, heute selbst die Hauptrolle in meinem eigenen Wandel spielen zu dürfen – etwas, das ich früher nie für möglich gehalten hätte.
Dass dieser Weg nie ganz aufhört, macht ihn so wertvoll. Er ist das Fundament, auf dem wir jeden Tag weiterbauen können.
Herzliche Grüße
bergwacht





