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Ich habe nun eine Menge Themen bzw. Beiträge gelesen und bin zusätzlich an Gabys E-book am Lesen. Nun bin ich seit 18. April stabil nach kurzer Entgiftung und jetzigem Aufenthalt bei meiner Tochter in Südafrika. Die NEMs, die im Buch und im Forum empfohlen wurden, habe ich aus damaliger Nichtkenntnis nicht genutzt, überlege trotzdem noch ob ich nach Besuch meiner Hausärztin etwas davon als Unterstützung nehmen werde.
Zum anderen habe ich wie in der Vorstellung bereits geschrieben noch mein Kindheitstrauma in Bearbeitung - womit ich mit guter Unterstützung durch meine Psychologin (auch aus der Ferne, dank der tollen Technik) immer weiter vorankomme.
Mir ist bewusst, dass eine geregelte Tagesstruktur ein wichtiger Bestandteil des weiteren Verlaufs meiner Stabilität ist und hier werde ich von meiner Tochter wieder und wieder darauf hingewiesen.
Frage: Wie seht ihr das, wie baut oder habt ihr eine Tagesstruktur für Euch aufgebaut? Wie engmaschig haltet ihr diese ein, gibt es Euch ein gutes Gefühl?
Ich sehe es als für mich schon wichtig, bin jedoch nun in der Situation nicht nur mein Leben neu aufzubauen, sondern mich momentan auch im Leben der kleinen Familie meiner Tochter zu integrieren. Und das fällt mir schon schwer, zumal meine Tochter mich regelmäßig erinnert, die mir aufgebaute Struktur einzuhalten - ich mich dadurch kritisiert und gegängelt fühle (so empfinde ich es wirklich) ... obwohl ich weiß, dass sie sich an Situationen erinnert, die sie mit mir erlebt hat, wenn ich meine Durchhänger hatte und dann wie oft zum Alkohol gegriffen habe.
Liebe Sonnenblume,
ich würde Dir gerne genau antworten, aber ich weiss nicht genau, was Du meinst?
Mein Tagesablauf, ist nach meinem Biorhythmus ausgerichtet. Ich stehe gerne früh auf, mache ein Kaffeestündchen mit Lesen, Yoga, Meditation, Hund.
Das Mittagessen ist schon immer meine Hauptmahlzeit (auf dem Land grossgeworden)
Abends ein Snack und frühes Lesen und Schlafen gehen.
Also alles etwas unspektakulär und nach aussen langweilig. Inzwischen beginnt sich sogar das Ritual des Mittagspäuschens einzuschleichen.
Meintest Du so etwas?
Viele Grüsse, Birgitta
@sonnenblume1511 Erst einmal herzlichen Glückwunsch, das Du diesen Weg gewählt hast. Und: Herzlichen Glückwunsch, das Du die sensationelle Chance hast, in einer total neuen Umgebung (habe ich so verstanden) neu Dir Deinen Tag zu gestalten. Es ist wirklich ein Glück, denn so hast Du wirklich ALLE alten Verbindungen gekappt.
Das was sich bestimmt gerade komisch anfühlt ist, das Du noch keine Routine entwickelt hast, bedeutet, Du hast noch wenig/keine Struktur.
Was mir persönlich helfen würde, wäre einmal alles schriftlich festlegen, was meine Aufgaben sind - welche sind ganz wichtig, oberste Prio (damit es Dir gut geht, z.B. essen und trinken, wann sind die Zeiten dafür, wieviel Zeit brauchst Du dafür, Sitzungen mit Deiner Therapeutin), welche Aufgaben "musst" Du erledigen (z.B. Müll rausbringen, sonst stinkt es ;), also eventuell Dich um Deine Enkelin kümmern, weil Deine Tochter einkaufen/arbeiten geht (wann ist das, immer zur gleichen Zeit, wie viel Zeit nimmt das in Anspruch), welche Dinge machst Du super gerne?
Ich glaube, das ist super spannend, in einer neuen Umgebung: Welchen Sport willst Du/kannst Du machen, wie kannst Du neue Freunde finden, wie viel Pause brauchst Du?
Pausen: Etwas, was viele Menschen gerne ignorieren. Du hast die Chance in Dich hineinzuhorchen: Du darfst Dich immer wieder am Tag fragen "Wie fühle ich mich jetzt? In diesem Moment?" Und Dir natürlich diese Frage beantworten. Was kannst Du ändern, wenn das Gefühl eher negativ ist und was hast Du richtig gemacht, wenn das Gefühl positiv ist = merken 🙂
Was in meiner Welt MEGA wichtig ist, egal in welchem Alter: Aufgaben, durch die ich mich identifiziere, die es mir wichtig machen morgens aufzustehen. Bei mir ist es meine Aufgabe als Coach und Yogalehrerin.
Sind es Deine Enkel? Fein. Vielleicht probierst Du in dieser fremden Umgebung mal aus, was möglich ist, z.B. ehrenamtlich. Gibt es Tierschutz, andere Kinder? Welches Wissen hast Du in Deinem alten Leben genutzt und kannst es dort eventuell anbieten?
...
Das sind alles nur Ansätze, ich könnte noch mehr schreiben und ich finde, den Anfang finden und selber ausprobieren ist der beste Weg.
Kannst Du was mit meinen Worten anfangen? Ist es ein möglicher Weg zu mehr Tagesstruktur oder überhaupt zu irgendeiner Struktur, die Dir gefällt (nicht deiner Tochter und ich glaube, sie hat einfach Angst um Dich und nicht immer fällt es uns leicht, alles in richtige Worte und Handlungen zu bringen)
Falls Du Fragen hast, melde Dich gerne.
Ganz liebe Grüße und ganz viel SPASS auf Deinem Weg.
Sandra
@cairni Ich danke Dir für Deine motivierenden Zeilen und ich kann nur bestätigen, dass es eine tolle Chance für mich ist, hier die Ruhe und Zeit zu finden, mich neu zu finden und bin meiner Tochter und ihrer kleinen Familie unendlich dankbar dafür. Ich muss ein wenig ausholen: Ich hatte in meinen Zeiten vor dem Alkohol (wie geschrieben erst mit knapp 50 den Alkohol bewusst "gebraucht", hatte Struktur, Familie, war gut im Funktionieren, neben der Familie beruflich erfolgreich, doch zufrieden "Nein". Ich habe mein Trauma viel zu lange versucht mit mir auszumachen, mich niemanden anvertraut (konnte ich einfach nicht aus Scham, Schuld, Selbstvorwürfen, Nicht-Wissen) - konnte mir selbst nicht vertrauen, geschweige denn jemandem anderen. So habe ich den Alkohol eingesetzt um nicht zu fühlen - habe mich weggebeamt. Ich habe vier und sechs Jahre mit Therepien trocken geschafft, zufrieden war ich immer noch nicht, so dass der Alkohol wieder zum Einsatz kam. Scheidung, Entfremdung der Familie, Umzug - es wurde schnell wieder schlimmer. Selbst mein Aufenthalt vor vier Jahren in SA brachte nur kurzen Erfolg und ich verstand die Worte meiner Tochter nicht: "Du hast alles was Du brauchst, hier wärst Du schon längst 'krepiert'. Nun verstehe ich es. Ich hatte verlernt mir selbst zu vertrauen, geschweige denn anderen, fühlte und spürte mich nicht. Nun durch langsames Offenlegen meiner Geschichte - ob bei Suchtberatung, Psychologin und Familie spüre und fühle ich mich - ob negativ oder positiv und habe begriffen wie gut es mir geht, was ich wirklich brauche und was nicht. Meine Zufriedenheit wächst täglich, ich fange an mich zu mögen wie ich bin - deswegen auch noch oft die Frage "Wer bin ich, wer war ich - war ich das wirklich, oder war ich nur die ich sein wollte um anderen zu gefallen/zu imponieren?". Wie erwähnt, hat meine Tochter es nicht leicht mit mir, da sie mich und meine Macken durch den Alkohol von früher erlebt hat - sie heute mit einigen Äußerlichkeiten oder Worten an früher getriggert wird - doch das Wunderbare ist, wir reden ehrlich und direkt - es gibt keine Streitereien, Aussprachen und alles ist gut. Meine Tochter (sie hat noch eine große Schwester und einen jüngeren Bruder in Deutschland) hat durch eigene Erfahrungen, traurige Erlebnisse, viele berufliche erfolgreiche Auslandsaufenthalte und nun durch das Muttersein und Psychologiestudium (Fernuni) eine große Basis und eine für mich phantastische Lebenseinstellung. Das hilft mir sehr. Meine Frage nach Struktur kam eigentlich daher, da ich schnippisch reagiere, wenn ich z.B. von meiner Tochter höre "du musst" - das hat allerdings mehr mit meiner Traumageschichte zu tun, doch auch meine Sucht verlangt eine gute Struktur, an der ich momenan hier und später (möchte zum Ende des Jahres wieder ganz nach Deutschland - mein eigenes Leben führen. Nun fliegen wir Ende Juli für ca. 2 Wochen nach Deutschland, dort werde ich testen wie mein Umgang dort mit dem Alkohol ist und mich weiter nach einer geeigneten Wohnung (Ansbach) suchen (für die Zeit werde ich bei meinem Freund wohnen, ist aber nichts mehr für mich auf Dauer, egal wie sehr ich ihn vermisse). Anbindung habe ich dort mit Suchtberatung/Psychologin (momentan auch schon 14täglich per Video), Selbsthilfegruppe. Deutschland wieder hautnah zu erleben wird spannend, da ich hier so viel Elend, eine riesengroße Kluft zwischen Arm und Reich erlebe, kein bzw. kaum Jammern höre (meist lachende bzw. freundliche Menschen (vor allem die ärmeren) erlebe - nicht so wie in Deutschland - allerdings auch eine riesengroße Kriminalität und Korruption. So - jetzt Schluss - meine derzeitige Struktur erinnert mich, dass bald Essenszeit ist - meine Zuständigkeit. So long. Liebe Grüße Karin
@sonnenblume1511 Liebe Karin, Du hast es perfekt beschrieben bei "du musst" machst Du die Ohren zu.
So reagierst nicht nur Du sondern sehr viele Menschen. Dafür braucht es keine Sucht.
- Du könntest Deine Tochter bitten, nicht "müssen" zu sagen. Stelle Dir selbst die Frage, wie reagierst Du auf "Könntest Du.../Kannst Du?" oder "Willst Du" manche reagieren positiv auf "würdest Du" - jeder hat seinen Mops (Modaloperatoren, google mal 😉 und dann darf sie den verwenden und GARANTIERT wirst Du anders reagieren
oder
Du stellst Dir die frage, was hinter der Aussage Deiner Tochter steckt und ob Du eventuell drüber weg sehen könntest.
Ich bevorzuge den ersten Punkt - ganz easy verändert sich Deine Reaktion.
Viel Spaß beim Ausprobieren
@cairni Der erste Punkt gefällt auch mir und ich bin schon dabei. Es is t für mich wunderschön, dass wir (meine Tochter und ich) beide keine Streithähne bzw. nachtragend sind, wir können "vernünftig" miteinander umgehen und es klappt von Mal zu Mal besser. Ich bin ebenso happy, dass ich mit ihrer ein Jahr älteren Schwester nun auch in einem guten Dialog per WhatsApp und Mail bin - mein Jüngster (35 😉) ist nun der Nächste, wir haben zwar Kontakt, aber noch verhalten. "Es wird" - nichts machen, nur reden, bringt nichts - anpacken und machen ist die Devise. Und mit evtl. Tiefschlägen, von denen ich nicht ausgehe, werde ich ohne den Alkohol um einiges leichter fertig. Schönen Nachmittag 🤗 .
@sonnenblume1511 hallöchen,
Ich verstehe es als große Sorge,deiner Tochter.
Die ja auch ihre Berechtigung hat.
Zusätzlich zur traumatherapie und Abstinenz,mache ich täglich Meditation und die nems. Das jetzt seit 22 Monaten.
Das Vertrauen meiner Kinder habe ich mir mittlerweile zurück erarbeitet.auch wenn es Momente gibt,in denen ich ihre Angst und sorge noch spüren kann unterstützen sie meine Freiheit.
Lg




