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Hallo, ich bin tatsächlich gerade nicht wirklich in der Lage, mich sinnvoll vorzustellen. Gestern ist mein Onkel gestorben. Er wäre am Samstag 55 Jahre alt geworden. Seit mindestens 15 Jahren hat er getrunken. Zum Schluss ging es nur noch von Sturz zu Sturz und Krankenhausaufenthalt zu KH-Aufenthalt. Große Teile der Familie hatten sich zurückgezogen, so auch ich - nachdem ich vor einigen Jahren begreifen musste, dass er sein Problem nach wie vor leugnet. Alkoholkrank? Das waren doch die Penner von der Straße, nicht er. Es hat unsere ganze Familie zerstört, weil ein Teil immer weiter unterstützt und gedeckt hat, um ja nichts der Öffentlichkeit preiszugeben - die aber längst Bescheid wusste, es war einfach nicht mehr zu verheimlichen.
ich bin jedenfalls sehr traurig, enttäuscht, frage mich, ob ich „noch mehr“ hätte machen können etc.
soweit erstmal von mir. LG
@tivi Herzlich willkommen, trotz des traurigen Anlasses.
frage mich, ob ich „noch mehr“ hätte machen können etc.
Ich meine, wenn jemand nicht will, dann kommst Du an den nicht ran. Du kannst niemanden gegen seinen Willen trocken legen. Meine persönliche Meinung.
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@isabel, @soberrebel, @sophia48, @kkopp, @mermaid, @rosine123, @krokodil_, @cairni
Ja, das musste ich über die Jahre einsehen… Trotzdem tut es sehr weh.
@tivi Ich denke auch, dass du dir keine Vorwürfe machen musst, auch wenn ich dich gut verstehe, weil ich solche Gedanken kenne.
Viel Kraft dir für diese schwere Zeit und alles Liebe. Schön, dass du bei uns bist!
Es hat unsere ganze Familie zerstört, weil ein Teil immer weiter unterstützt und gedeckt hat, um ja nichts der Öffentlichkeit preiszugeben - die aber längst Bescheid wusste, es war einfach nicht mehr zu verheimlichen.
Liebe tivi, ich kann es ein wenig nachvollziehen, denn auch mein Onkel hat getrunken, woran er am Ende auch gestorben ist. Im Nachgang in etwas rumzuforschen, was hätte wenn wie... ist nachvollziehbar und ich stimme harley voll zu: Du kannst niemanden zwingen sein Leben zu ändern, wenn er den Sinn nicht sieht und auch nicht erkennt, dass er zu viel trinkt.
Einem erwachsenen Menschen ist es erlaubt, sein eigenes Leben zu zerstören.
Zuzusehen tut weh. Ja, verstehe ich und weiß ich.
Solange es Menschen (in der Familie, im Freundeskreis) gibt, die die Sucht deckeln, die es verheimlichen wollen aus Scham, Angst oder welchen Gründen auch immer, sei es der mögliche Suchterkrankte als auch seine Familienangehörigen, leiden alle. Das ist nicht zu ändern.
Eine Seite muss aus dem System aussteigen, dann hat die andere Seite eine Chance.
Das wird Dir vermutlich im Moment wenig Trost sein.
Du persönlich wirst ihm nicht das Glas an den Mund gehalten haben, es war seine Entscheidung.
Sei gut zu Dir, lese hier im Forum wenn Du magst, Du wirst vermutlich viele Situationen wiedererkennen, nur von einer anderen Seite geschildert.
Ganz liebe Grüße
@tivi Das verstehe ich.
Und vielleicht gibt es noch andere Gefühle, die den Rückblick erschweren, wie Angst und Hilflosigkeit.
Lies hier im Forum, Du wirst so vieles entdecken, was Dich erinnert und Dich bestärken kann.
Du wirst bestimmt mehr verstehen und Du wirst stärker werden durch diese Erfahrung.
liebe Tivi,
Es tut mir sehr leid, was Deinem Onkel passiert ist und dass Dich das so mitnimmt.
Ich denke, Du hättest nicht helfen können. Es war seine Entscheidung, sich nicht helfen zu lassen bzw. er ist so krank gewesen, dass Du ihm hättest nicht helfen können.
Ich weiß nicht, ob Du gern liest. Ich habe die letzten Abende/Nächte ein Buch „ verschlungen“.
Lexa Wolf: „Ich sehe Dich sterben…“
es geht um eine Frau, die ihren alkoholkranken Mann über alles geliebt hat und ihm doch nicht helfen konnte.
alles Gute für Dich
Hallo, ich bin tatsächlich gerade nicht wirklich in der Lage, mich sinnvoll vorzustellen. Gestern ist mein Onkel gestorben. Er wäre am Samstag 55 Jahre alt geworden. Seit mindestens 15 Jahren hat er getrunken. Zum Schluss ging es nur noch von Sturz zu Sturz und Krankenhausaufenthalt zu KH-Aufenthalt. Große Teile der Familie hatten sich zurückgezogen, so auch ich - nachdem ich vor einigen Jahren begreifen musste, dass er sein Problem nach wie vor leugnet. Alkoholkrank? Das waren doch die Penner von der Straße, nicht er. Es hat unsere ganze Familie zerstört, weil ein Teil immer weiter unterstützt und gedeckt hat, um ja nichts der Öffentlichkeit preiszugeben - die aber längst Bescheid wusste, es war einfach nicht mehr zu verheimlichen.
ich bin jedenfalls sehr traurig, enttäuscht, frage mich, ob ich „noch mehr“ hätte machen können etc.soweit erstmal von mir. LG
Liebe tivi,
zuerst einmal möcht ich dir mein Beileid aussprechen.
Und ich möchte mich den Anderen anschliessen, du oder auch andere Familienmitglieder, ihr hättet nichts dagegen machen können. Dein Onkel war ein erwachsener Mann, offensichtlich auch nicht irgendwie teilentmündigt etc., somit konnte er mit seinem Leben anfangen was er wollte. So auch trinken.
Du schreibst ES hat unsere ganze Familie zerstört - ich sehe das etwas anders. Ich kann den Teil der Familie, der es nach außen hin nicht aufzeigen wollte, ebenfalls gut verstehen. Ob es gut oder schlecht für den Trinkenden war - ich weiß es nicht. Hätte er, wenn alle sich gegen die Deckung entschieden hätten, aufgehört? Wir wissen es nicht.
Ihr, die Hinterbliebenen, vielleicht könnt ihr euch jetzt wieder austauschen, hinterfragen warum manche es versteckt hielten. Zueinander finden.
Und wie cairni schon schriebe, lies dich hier durch, vielleicht kannst du dann das Denken deines Onkels ein Stück weit nachvollziehen.
LG Crazy
herzlichen Dank für die Buchempfehlung. Ja, so war es in den letzten Jahren. Ich konnte ihn sterben sehen…
Danke für deine Worte. Ich kann tatsächlich auch verstehen, dass ein Teil der Familie bis zum Ende gedeckt und verwischt und unterstützt hat. Leider sind dabei alle weit über ihre Grenzen gegangen und haben dadurch viele Federn gelassen, die nun, wo er gestorben ist, auch nicht binnen weniger Monate wieder nachwachsen.
es gab viel Streit, Misstrauen, Vorwürfe, Schuldzuweisungen etc. Nur einer ist unbeeindruckt seinen Weg gegangen: mein Onkel.
Ich sehe, dass er gescheitert ist. Und ich sehe auch, wie wir als ganze Familie gescheitert sind. Und ja, nun hoffe ich, dass wir uns wieder finden können.
Bizarrer Weise haben wir jetzt in dieser Woche zum ersten Mal seit Langem wieder alle zusammengesessen und gemerkt, wie sehr das eigentlich gefehlt hat.





