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Die Zicke im Kopf

19 Beiträge
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(@kariobinga)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 7
Topic starter  

Hallo ihr Lieben, ich bin schon seit mehreren Monaten Mitglied, aber ich habe erst jetzt den Mut aufgebracht um mich vorzustellen. Anfang 40 verheiratet und ein Sohn.

Angefangen hat meine Alkohol Karriere relativ unspektakulär. Ich musste mein Seelentier einschläfern und dachte ein wenig Courage antrinken schadet in der Situation nicht. Sie war seit 18 Jahren an meiner Seite und ich konnte sie nicht wirklich gehen lassen. 

Das Resultat war ,ich habe mir dennoch die Augen aus dem Schädel geheult und sie fehlt mir bis zum heutigen Tag.

Der Prosecco um den Verlust zu überwinden wurde Standard  bis mich mein Mann mit einer Batterie davon erwischte. Ich schwor Stein auf Bein ich könnte das beenden. Der Witz des Monats!

Corona kam und durch Selbsverschulden verlor ich meinen Job in dem ich 15 Jahre arbeitete. Mir fiel buchstäblich die Decke auf den Kopf. Aber zum Glück gibt es ja Supermarkt und Co direkt vor der Nase und sind in dieser Situation deine engsten Freunde. 

Kurz darauf konnte ich ein neues Aufgabengebiet in Angriff nehmen (vom Buchhandel zur Modebranche). Nach gerade mal 3 Monaten wurde meine Chefin gefeuert und meine Bezirksleitung schlug in Ermangelung von Alternativen mich vor. In geistiger Umnachtung und völlig Nichtsahnend sagte ich zu. Ich hatte weder die Kompetenz noch die Erfahrung in einer Führungsposition. 

Von vorher 90 Stunden, arbeitete ich nun 160.

Zu der Zeit bekam mein 16 jähriger Sohn starke Depressionen die er nicht mehr allein bewältigen konnte. Sein einziges Kind als Häufchen Elend auf der Couch vorzufinden ist kein Highlight im Mutter Dasein. 

Ich fühlte mich hilflos und in meiner neuen Position hatte ich kaum Zeit für ihn da zu sein. 

Aber die netten Flaschen in der Weinabteilung versicherten mir wiederholt das mit Ihrer Hilfe alles viel leichter wird. 

Mein Sohn ist jetzt seit einem Jahr in der Therapie. Ich bin kein von morgens bis abends Trinker. Abends nach der Arbeit oder viel schlimmer wenn ich frei habe, komme ich nicht zur Ruhe und stütze mich auf dieses Miststück Alkohol. Mittlerweile bin ich bei einer Flasche am Tag. Etwas härteres kommt nicht in die Tüte, macht es aber auch nicht besser. 

Mein Mann ahnt nichts ich überschreite nicht die Grenze das er etwas merken könnte. Würde er meinen Kleiderschrank öffnen wäre das für ihn eine echte Offenbarung!

Bitte entschuldigt den langen Text ihr bekommt ein Bienchen wenn ihr durchgehalten habt. 

Was kann ich tun um runterzukommen, meine Nächte sind grauenhaft, mehr als 3 Stunden am Stück schaffe ich nicht. Hätte die Hauptrolle in Walking Dead 

Danke für eure Antworten 

 

 

 



   
1
AntwortZitat
(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

@kariobinga Toll, dass du gleich angefangen hast, das Buch zu lesen. Da wird dir sicher einiges klarer. Ich kann deine Situation so gut nachempfinden, da ich bzgl. meinem Mann schon Ähnliches erlebt habe und bzgl. meiner Tochter Ähnliches erlebe. Seit ich keinen Alkohol mehr trinke, bin ich viel ausgeglichener und belastbarer. Ich hatte mich jahrelang selbst belogen, dass der Alkohol mir helfen würde, den Stress meiner Arbeit besser auszuhalten bzw. mich abends zu entspannen, oder mich zu trösten und mir den Schlaf zu erleichtern, weil mich die Sorgen um das Wohlergehen meiner Family zu sehr belasteten ... Der Alkohol hat alles nur noch schlimmer und mich kaputt gemacht. Seit über einem Jahr geht es mir viel besser. Alles Liebe für dich 🧡🍀



   
2
AntwortZitat
(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

Moin,

deine derzeitige Situation ist sehr schwer zu bewältigen.

Das der Alkohol uns vortäuscht, es geht mit ihm alles leichter zu bewältigen,

ist die Crux an der Sache.

Die Wirkung dauert bekanntermaßen vom Konsum bis zum Entzug.

Nicht umsonst haben Leute mit PTBS gleichzeitig mit Alkoholmissbrauch zu

kämpfen usw.. 

Also kann ich dir nur raten, lass ihn weg, verbanne ihn aus dem Haus, so

weit das möglich ist. 

Wenn die leitende Tätigkeit zuviel wird, überlege Alternativen.

Dir muss es in erster Linie gut gehen, also sei achtsam mit dem Körper und

deiner Seele, gönne dir schöne Momente, dann hast du auch wieder die Kraft

um für Andere da zu sein.

liebe Grüße, viel Erfolg und Kraft,

 

Andreas



   
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(@kariobinga)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 7
Topic starter  

@vollhorst ich danke dir für deine Antwort und gebe dir Recht ohne einen gesunden Körper bekomme ich die Situation langfristig nicht in den Griff. Ich bin 1,74 und wiege 50 Kilo das lässt nicht viel Spielraum. 

Leider habe ich 2 Supermärkte und einen Kiosk in nicht mal 100 Meter Entfernung. Das macht es nicht einfacher. Aber auch das schaffen andere. 



   
AntwortZitat
(@kariobinga)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 7
Topic starter  

@rosine123 vielen lieben Dank für deine Antwort. 

Das schlimmste ist die Scham wenn ich mal wieder in meinem, wie ich ihn liebevoll nenne Mülleimer der Schande,  meine leeren Flaschen entsorge. Es muss sich ändern definitiv. Dank der Unterstützung schaffe ich es diesmal 🙂



   
AntwortZitat
(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

@kariobinga 

Du kannst das auch schaffen, letztens an der Supermarktkasse, musste ich 

einen Blick auf die dort platzierten „ Kurzen“ werfen. Pervers, da liegen

Süßigkeiten, Zigaretten und kleine Alkoholflaschen,  früher habe ich mir eine 

kleine Packung Schnaps zu guter Letzt noch in den Wagen gepackt, ein

6- Träger Bier war schon im Wagen. Nach dem Einräumen des Einkaufs zu 

Hause, wartete die Belohnung für mein umsichtiges Hausmann- Verhalten.

Garten gepflegt, Haus sauber, eingekauft, also schön Musik an, raus auf

Terrasse und „ plopp“ war die Pulle auf. Nur dumm, dass ich in kurzer Zeit so

zufrieden mit mir war, dass ich alles aufgesoffen habe.

Heute bin ich an der Kasse und falls ich einen Blick auf die  kleinen 

Flaschen werfe, dann denke ich: „ da seid ihr ja, ich brauche euch nicht

mehr, ich lass euch nicht mehr an meinen Körper und nicht mehr in meinen

Kopf , jeder Tag ohne euch ist ein Geschenk für mich und meine Familie.“

Eine schöne Tasse Kaffee kann auch eine Belohnung sein. Usw.

In diesem Sinne, herzlichst 

Andreas

 

 

 

 

 



   
2
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(@trosinette)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 550
 

Hallo,

Verfasst von: @kariobinga

Mein Mann ahnt nichts ich überschreite nicht die Grenze das er etwas merken könnte.

Vielleicht weiß er es längst und Du glaubst nur, dass er nichts ahnt.

Ich würde mich mit dem Gedanken befassen, mich ihm zu offenbaren - erst recht, wenn alle weiteren Bemühungen nichts bringen. Verheimlichen hat keinen großen Mehrwert. Die Chancen sind beim Outen gegenüber Angehörigen in der Regel deutlich größer als die Risiken.

Gruß Matthias



   
1
AntwortZitat
(@kariobinga)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 7
Topic starter  

Ich habe auch schon darüber nachgedacht

mich ihm anzuvertrauen, aber er kämpft im Moment selbst mit einem Burnout und ich weiß nicht ob ich ihm das in seiner Verfassung zumuten kann. 

Ich weiß er wird sich schuldig fühlen  dabei bin ja schließlich ich diejenige die Dauergast in der Weinabteilung ist .Vielleicht wäre es besser es ihm zu gestehen wenn für mich das schlimmste Überstanden ist. 

Danke für deinen Ratschlag 

Grüße Franziska 



   
AntwortZitat
(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

Verfasst von: @kariobinga

Das schlimmste ist die Scham wenn ich mal wieder in meinem, wie ich ihn liebevoll nenne Mülleimer der Schande,  meine leeren Flaschen entsorge. Es muss sich ändern definitiv.

Diese Scham und auch die ganzen Versuche, meinen Alkoholkonsum zu vertuschen (Einkaufen in verschiedenen Super-/Getränkemärkten, damit es den Verkäufern nicht so auffällt, Verstecken der Flaschen zu Hause etc.) trug bei mir auch maßgeblich dazu bei, dass ich dieses Leben nicht länger wollte. 😉



   
1
AntwortZitat
cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@kariobinga mit Burnout/Boreout gilt eines ganz klar: Reden hilft. Überlege mal eine andere Sicht der Dinge: Vielleicht weiß er mehr als Du ahnst und traut sich selber nicht mit Dir darüber zu sprechen, vielleicht belastet ihn diese Situation ebenfalls sehr. Könnte gut sein?!

Und wenn Dein Mann so kurz vor oder sich bereits in einem Burnout befindet, benötigt er Hilfe, idealerweise von außen. Mit dieser Hilfe wird er auch im Umgang mit der Realität unterstützt und es werden (normalerweise) Wege aufgezeigt.

Ganz liebe Grüße

Sandra



   
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