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Hallöchen in die Runde,
durch einen Podcast bin ich auf Gaby und das Buch aufmerksam geworden. Das Buch habe ich fast schon durchgearbeitet und NEM sind auch vorher schon Bestandteil meines Lebens. Bis auf den Alkohol würde ich meinen Lebensstil auch als ziemlich im normal gesunden Bereich einordnen. Wo soll ich anfangen um hier nicht ein ganzes Buch zu schreiben 😉 Ich bin 39 Jahre, Mutter von drei Kindern, verheiratet, Haus, Garten, Job und studiere nebenbei noch mal und bereite gerade meine Masterarbeit vor. Genügend Belastung, dass der Drang zum Glas, zur Entspannung und dem Gefühl der Freude und Belohnung für mich gerechtfertigt ist/war. Alkohol hat in meiner Familie keine große oder dominante Rolle gespielt, außer dass mein leiblicher Vater Alkoholiker war und ist (seit Geburt kein Kontakt) Ggf. liegt da auch eine genetische Disposition vor. Alkohol zu trinken habe ich als Jugendliche auch erst etwas später mit 17 ca. und die üblichen Feiereien, klar manchmal zu viel aber das Thema Alkohol hat damals nie meinen Alltag begleitet. Mitte der 20er fing es an, dass unter der Woche nach langer Arbeit mal ein Wein gegönnt wurde. Mein Partner hat fast nie mitgetrunken. Anfangs habe ich mich dabei noch unwohl gefühlt aber als ich gemerkt habe, dass er es gar nicht thematisiert, ist diese Hemmschwelle schnell gesunken. Mit Ende 20 wurde ich schwanger. Das ist 11 Jahre her und ich weiß, dass ich damals schon den Alkohol vermisst habe. Ich habe keinen Tropfen getrunken 3 mal ein Jahr lang und, dann Schlückchen für Schlückchen mehr, so wurde das Stillen auch immer mehr mit der Milchflasche ersetzt, so dass ich abends auch wieder was trinken konnte. Seit Jahren bemerke ich schon, dass ich ein Problem habe. Es gab natürlich so viele Situationen, in denen es einfach zu viel war. Ein Glas trinken und dann nicht mehr? Das funktioniert überhaupt nicht, die Flasche ist dann schnell weg. Harte Sachen trinke ich eigentlich nicht aber vier Gin-Tonic oder Aperol Spritz oder 1- 1,5 Flaschen Wein können es sehr schnell werden, sobald ich anfange. Meine Kinder sind bereits in dem Alter, wo sie feststellen, dass Mama öfters ein Gläschen Wein trinkt. Mit Kindern gibt es absurderweise so viele Gelegenheiten und Zusammenkünfte in denen getrunken wird. Jeder weiß auch dass ich gerne was trinke, ein Verzicht wirft Fragen auf. Mein Mann ignoriert das Thema oder ihm ist die Problematik einfach gar nicht bewusst. Ich traue mich auch nicht, mich ihm zu öffnen. Ich habe jetzt 14 Tage nichts getrunken. Ich weiß nicht welches Ziel ich mir setzen soll. Ich bin tatsächlich nicht so weit an NIE WIEDER zu denken. Ich weiß auch nicht, was ich sonst trinken soll. Außer Kaffee, Tee und Wasser trinke sonst nur Alkohol. Mir schmecken keine Mischgetränke, Schorlen etc. Im Moment trinke ich alkfreies Bier. Es triggert mich nicht so sehr. Ich bin extrem belastbar und bemerke seit 1-2 Jahren einen radikalen Rückgang meiner geistigen Klarheit. Ich bin sehr vergesslich, meine Konzentration lässt zu wünschen übrig und meine Masterarbeit stellt mich vor ganz schöne Herausforderungen (ok zur Verteidigung, ich bin keine Studentin mehr mit 24, die sonst noch frei ist von vielen Verpflichtungen).
Ich weiß noch nicht welchen Weg ich gehen soll aber ich weiß auch, dass ich nach 3 mal einem Jahr Abstinenz sofort wieder getriggert werde vom Alkohol. Das ist die brutale Realität, die eigentlich das Ziel vor gibt aber ich weiß noch nicht, wie mir das gelingt und ob ich zu der Entscheidung für immer ohne schon stehen kann.
Ich ziehe meinen Hut vor euch allen und wünsche euch viel Erfolg!
Auch von mir ein herzliches Willkommen. Du hast ja schon viele tolle Antworten bekommen, u.a dass es - wenn Du langfristig Erfolg haben willst - ohne kompletten Alk-Stopp für immer nicht geht. Allerdings wäre ich die Letzte, die dieses "Verhandeln" nicht kennt.
Beim Lesen Deines Textes fragte ich mich: "Warum will sie eigentlich aufhören."
Magst Du mir das sagen?
Liebe Grüße, fühl Dich wohl bei uns
Gaby
@cabanossi Herzlich willkommen und viel Erfolg! Ich habe vor rund 2,5 Jahren mit Gabys Konzept das Nervengift über die Rampe geschoben, nach mehreren vergeblichen Anläufen auf der "klassischen Schiene" auf Anhieb. Es geht, und es lohnt sich.
Wow, vielen Dank an alle für eure ehrlichen Berichte und mutmachenden Worte, damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich dachte ich mache einfach mal einen Anfang mit meinem Hintergrund.
Vielen Dank, dass du diese Plattform und gegenseitige Unterstützung möglich machst und dein Wissen und Erfahrung teilst. Du hast nach meinem Motiv gefragt. Es gibt viele Gründe, die klassischen: Herzrasen, Schlafprobleme, Albträume, Emotionen nicht im Griff haben, kein Ende kennen, laut werden, Streit suchen, Dinge ausplaudern, die niemanden was angehen, lästern.
Am Freitag den 13.3.2020 (ich weiß das Datum genau, es war der Freitag vor dem ersten Lockdown) habe ich ein Beratungsgespräch beim blauen Kreuz wahrgenommen. Ein ziemlich unangenehmer Schritt. Der Berater sagte mir ziemlich klar, was aus meiner bis dato dreiviertel Flasche 5 mal die Woche noch wird. Wir besprachen, wieviel ich reduziere. Ich sagte zwei Gläser an zwei Tagen am Wochenende. Dabei wusste ich schon, eine Flasche gibt ja keine vier vollen Gläser her, da würde der zweite Abend ja schon etwas magerer ausfallen (also das ganze natürlich völlig für die Katz) Er entließ mich mit den Worten, "Sie stehen auf Messers Schneide" und "passen Sie auf Ihre Kinder auf". Das sitzt bis heute.
Im vergangen Jahr durfte ich eine Mutter-Kind Kur machen, aufgrund von Corona durfte mein jüngstes nicht mit. Nach langem Überlegen, bin ich mit den größeren gefahren, mit dem VOrsatz natürlich keinen Alkohol zu trinken. Der Strand war direkt vor der Tür, traumhaft. Der Abend begann gleich mit zwei Weinen an der Beachbar, dieser schöne Moment musste durch den Alkohol noch unterstrichen werden. Ziemlich schnell waren wir eine große Truppe und das abendliche Gelager am Strand ging los. Die Kinder waren bis fast Mitternacht am Spielen und wir unterhielten uns, hatten Spaß und tranken, meist war es moderat. Ein Abend artete so aus: Ich hatte mit meiner Etagennachbarin schon locker jeder 1,5 Flaschen Wein intus. Beim Heimgehen abends gegen 22:00 Uhr, sagte der eine Junge zu mir (er war 6), warum ich so komisch laufen/wackeln würde und seine Mama hätte gesagt, ich sei betrunken. Meine Kinder haben das wohl auch gehört. Das stritt ich natürlich ab. Im Zimmer angekommen, tranken ich und die andere Mama noch mal eine Flasche Wein, ich das meiste. Die Kinder sind ins Bett und ich bin im Bad so gestürzt, dass ich mir das Steißbein so angeknackst habe, mit dem Hinterkopf gegen die Fliesenwand geknallt bin und am nächsten Tag dachte, ich muss sterben. Dieses Gefühl, ich hätte mir den Kopf auch so aufschlagen können, dass das mein letzter Tag am Strand war und meine Kinder mich so auffinden müssten, treibt mir auch jetzt wieder die Tränen ins Gesicht. Naja, das war so ein Beispiel, davon gibt es natürlich auch mehrere.
Letztendlich geht es mir darum, meine Kinder zu schützen, ein gutes Vorbild zu sein und dem Alkohol keinen Vorrang zu geben, wie so oft an den Abenden, wenn ich mir das schöne Gefühl hertrinke, dann brauchen die Kinder dann nicht mehr wirklich zu ihrer Mama zu kommen.
Meine Geduld im Alltag ist gegen 0, die Frustration ist schnell da. Das matschige Hirn, schränkt mich bei allen geistigen Aktivitäten ein. Mein Kortisolwert ist sehr erhöht, das hatte ich im vergangen Jahr testen lassen.
Ach und so viele Beispiele mehr....
Ich freue mich auf den Austausch mit euch!
@isabel Vielen Dank für deine Worte und deine Ehrlichkeit. Dein Bericht berührt mich sehr.
Im Prinzip musst Du Dir doch nur diese Zeilen ausdrucken, in die Handtasche stecken und jedes Mal lesen, wenn Dich die Idee überkommt, Alkohol zu trinken.
Das gepaart mit dem - zwangsläufig gescheiterten - Versuch des kontrollierten Trinkens sagt Dir doch sehr klar, wo die Reise hingeht, oder?
Aber, Rom ist ja auch nicht an einem Tag gebaut. One day at a time, hier schön fleißig mitlesen und schreiben - dann geht das Ganze schon in die richtige Richtung.
Liebe Grüße
Gaby
Ich hab hier noch was für Dich. Thema u.a Kinder. Das bin ich. In der NDR-Reportage "Frauen und Alkohol."
So einen Brief willst Du nicht, ich schwöre es Dir.
Liebe Grüße
Gaby
@gaby_guzek wie du gesehen hast, habe ich es das erste Mal "gewagt", deinen Film anzusehen (ich hatte schreckliche Scheu davor, ich weiß nicht warum, doch - plötzlich wurde aus der Theorie Praxis, die Menschen bekamen ein Gesicht und eine Gestalt, wurden konkret und "real" ...) und der nächste Schritt war ein quasi-OUTING ... (davor wurde ich gewarnt, von liebsten nächsten Menschen - die ich sämtlich als AlkoholikerInnen bezeichnen könnte) - ich habe fast geschwitzt vor Angst. Soll ich soll ich nicht. Und dann machte mir der Beitrag selbst Mut. Warum soll das nicht an die Öffentlichkeit?! Ganz im Gegenteil. Und es ist ähnlich wie bei "ich habe abgetrieben" oder "ich bin schwul", ein richtiges Outing. Vor z.B. meiner FB-Community. Puh. Jetzt gehts mir besser. Vielleicht sollte ich einen eigenen Thread aufmachen: endlich das Outing ... 😉
Hut ab. Du wirst sehen, Du kannst stolz sein. Ich bin sicher, @cairni kann dazu auch noch einiges sagen :-). Vielleicht machen wir dazu aber einen eigenen Thread auf, wie Du sagst. Fände ich super, magst Du starten? Berichte, auch fortlaufend, was Dir so geschieht.
Liebe Grüße
Gaby
@gaby_guzek Ja, das werde ich machen. Muss noch schauen, ob ichs rein technisch schaffe (einen eigenen therad aufmachen, das klingt schwierig) ... An @cairni hab ich bereits sehr heftig gedacht, ich mag sie sehr gern, von Anfang an, total taffe Frau, sie ist mir zeitlich im Outing voraus und viel mutiger als ich!
"einen eigenen therad aufmachen, das klingt schwierig"
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