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Auch ich möchte mich vorstellen.
Ich bin die Trinkerin (im wahrsten Sinne des Wortes) und habe es leider noch nicht geschafft, abstinent zu sein und zu bleiben.
Vor 6 Jahren habe ich mich in einen Mann (16 Jahre älter als ich) verliebt - so wie ich mich noch niemals zuvor in jemanden verliebt hatte - und habe für diesen Mann meine damalige Ehe aufgegeben; mit meinen zwei kleinen Kindern meinen damaligen Ehemann verlassen, mit dem ich zuvor 17 Jahre zusammen gewesen bin.
Was ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wusste und was mein Herz auch bis heute noch nicht recht wahrhaben will, dass es sich um eine toxische Verbindung und Liebe zu einem sehr selbst bezogenen Menschen handelt. All die Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen, die ich in Bezug auf diese Beziehung hatte (miteinander leben, sich gegenseitig unterstützen...) haben sich bis heute nicht erfüllt. Gelernt habe ich von klein auf immer: Wenn du geliebt werden willst, dann musst du etwas dafür tun; du bist nicht um deiner selbst Willen liebenswert, sondern nur wenn du Leistung bringst. Und in dieses unbewusste Fahrwasser bin ich leider geraten. Ich arbeite(te) mich ab an der Beziehung, glaub(t)e, dass wenn ich immer noch mehr tue (ihn umsorge, bekoche, beschenke, noch spektakulärere Urlaube buche, noch schlanker werde, noch besser aussehe usw.), dann würde sich irgendwann der Traum eines gemeinsamen Lebens erfüllen.
Nichts hat sich davon erfüllt. Bis heute nicht. Aus dem zweisamen Wein zum guten Essen, dem Wein beim geselligen Beisammensein wurde nach und nach für mich auch der heimlich bzw. alleine getrunkene Wein gegen den Frust, der Wein um den Hunger besser auszuhalten, der Wein um den Stress alleine mit zwei kleinen Kindern besser bewältigen zu können.
Kurze Phasen erlebten Paar-Glücks (etwa Freizeit am Wochenende) wechselten sich permanent ab mit Phasen heftiger Streitereien, in denen es immer wieder um die Frage ging und geht, warum wir nicht einfach miteinander leben und gut sein können; was ich noch alles dafür tun müsse.
Mitte 2019 erkrankte meine Mutter dann von heute auf morgen sehr schwer. Eine große emotionale Belastung für mich. Anfang 2020 dann der erste Lockdown. Mit einer sehr anspruchsvollen Arbeit und zwei kleinen Kindern zu Hause. Teilweise habe ich Videokonferenzen mit beiden Kids auf dem Schoß verbracht. Oft saß ich abends auf der Couch und weinte, weil ich gar nicht wusste, wie es am nächsten Tag weitergehen, wie ich das alles schaffen sollte. Kontakt-/Besuchsverbot zu meiner Mutter, die mittlerweile im Heim lebte, weil sie so schwer erkrankt war, dass sie zu Hause nicht mehr betreut werden konnte. Da fing es dann an, dass ich morgens schon anfing zu trinken, der erlebte Frust und die Auseinandersetzungen mit meinem Partner heftiger wurden.
Zwei, zweieinhalb Flaschen Wein über den Tag verteilt.
Meine Mutter starb im März des letzten Jahres. Ein Schock für mich. Doch ich fing mich nach einiger Zeit wieder und schaffte es, ein paar Monate trotz Beziehungsfrust nichts mehr zu trinken. Dann, im September 2021, wurde bei meiner kleinen Tochter (damals 5, mittlerweile 6 Jahre) eine schwere chronische Krankheit diagnostiziert. Ich war mit ihr mehrere Wochen im Krankenhaus, die Therapie ist emotional sehr anstrengend und zeitaufwändig. Oft muss ich nachts raus um bei ihr bestimmte Werte zu kontrollieren. Da bin ich wieder in die Sauferei gerutscht und bis jetzt auch nicht mehr herausgekommen.
Der/die eine oder andere werden sich jetzt sicherlich beim Lesen fragen, warum ich mich denn nicht schon längst von diesem Mann getrennt habe. Das ist auch sicherlich für Menschen, die nur Erfahrungen mit "gesunden" Beziehungen gemacht haben, nicht leicht nachvollziehbar. Eine toxische Dynamik und die starke Bindung kann man vielleicht nur erahnen, wenn man sich selbst schon einmal in einer solchen Beziehung befunden hat.
Am Donnerstag habe ich mich "mal wieder" getrennt. Seitdem Nachrichten, Briefe, Anrufe, vor der Tür stehen Tag und Nacht. Für mich als Alkohol kranker labiler Mensch nicht ganz einfach da standhaft und stark und klar zu sein.
Ich weiß noch nicht, wie ich es schaffen kann, abstinent zu werden und auf Dauer zu bleiben. Manchmal habe ich das Gefühl, notwendige Bedingung dafür ist die Trennung von diesem Mann.
Seit einem Jahr bin ich in Suchtberatung, aber das hat leider auch noch nicht richtig geholfen.
Ich gebe den Wunsch nicht auf, dass ich es nicht doch noch irgendwann schaffen kann. Allein um meiner Kinder willen.
Danke fürs Lesen meiner Zeilen. Meiner Abhängigkeits-Geschichte.
Der/die eine oder andere werden sich jetzt sicherlich beim Lesen fragen, warum ich mich denn nicht schon längst von diesem Mann getrennt habe
Das kann ich sogar sehr gut nachvollziehen.
Auch ich war 8 Jahre in einer toxischen Beziehung. Schon die Hochzeitsnacht war so schrecklich, dass ich eigentlich hätte gehen müssen. trotzdem blieb ich 8 Jahre. Je mehr ich in die Beziehung investierte, ohne dass sich etwas besserte, desto mehr strengte ich mich an. Wenn ich heute ( gut 30 Jahre später) nachdenke, wie ich mich habe behandeln lassen, kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Das ist eben das Gemeine an solch toxischen Beziehungen: der Andere raubt dir nach und nach jegliches Selbstwertgefühl, redet dir ein, dass nur du schuld bist, dass du ohne den anderen ein Nichts bist...und wehe, er merkt, dass du dir das Weggehen vorstellst: dann lässt er seinen beachtlichen Charme spielen, gibt dir ein bisschen was, damit du wieder das Hoffen anfängst...so geht es ewig weiter. Bis du endlich wirklich den Absprung schaffst oder daran zugrunde gehst.
Ich bin dann mit 2 Kindern gegangen, in eine absolut unsichere Zukunft - es hat sich sowas von gelohnt. Auch damals habe ich schon zu viel getrunken, auch wegen dieser so schrecklichen Ehe.
Ich wünsche dir sehr, dass du die für dich richtigen Entscheidungen triffst und drücke dir ganz fest die Daumen.
Liebe Grüße
Isabel
Wow!!!
Ich bin ganz berührt von euren lieben Antworten, der damit verbundenen Anteilnahme und Zuwendung! Wenn man sich selbst gerade so klein und schwach fühlt und man dann von euch auch als "stark" und "reflektiert" und "Heldin des Alltags" wahrgenommen und bezeichnet wird, dann tut das sooo gut! Ganz, ganz herzlichen Dank; da hatte ich echt Pipi in den Augen 😊
Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, versprochen! Und ja, die Frage nach einer Notwendigkeit der Trennung (auch um dauerhaft abstinent und zufrieden leben zu können) beschäftigt mich schon sooo lange, daher kann ich auch eure durchaus unterschiedlichen Meinungen gut nachvollziehen.
Anfang 2021 suchte ich in meiner Not meine alte Therapeutin wieder auf (bei der ich zehn Jahre zuvor mal eine Therapie gemacht hatte - sehr erfolgreich. Damals war ich arbeitssüchtig und konnte diese Sucht mit ihrer Hilfe gut überwinden). Als ich ihr von meinem Leben und meinen Problemen erzählte, war sie schockiert, war der Meinung, ich müsse mich sofort von diesem Mann trennen und wollte aufgrund meiner Alkoholsucht auch nicht weiter mit mir zusammen arbeiten (was mich übrigens ziemlich gekränkt hat). Stattdessen vermittelte sie mir den Suchtberater/-therapeuten, bei dem ich jetzt etwa seit einem Jahr in Beratung bin, der übrigens total nett und in Bezug auf die relevante Frage etwas offener ist. Dass es aus seiner Sicht vornehmlich darum gehe, mir Gutes zu tun, mich von dem Schlechten und Übergriffigkeiten abzugrenzen, mich zu schützen, achtsam mit mir zu sein, wenn ich zurzeit nicht in der Lage sei, mich zu trennen. Aber wenn er dann meinen Leidensdruck in Phasen wie diesen erlebt, würde er glaube ich manchmal am liebsten zu mir sagen: Tu es doch endlich, geh'!
Für mich wahrscheinlich die größte Herausforderung meines Lebens: Wenn man nie gelernt hat, sich selbst einen Wert zu geben, dagegen gelernt hat, das Liebe und Zuwendung nur geschenkt wird, wenn man etwas dafür leistet; und dass je mehr man leistet, desto größer auch die Portion Liebe wird, die man dafür erhält; wenn man dies in seiner Kindheit praktisch bis zur Negation der eigenen Bedürfnisse erfahren und gelebt hat und es einem dadurch heute noch oft so geht, dass man die eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr spürt oder erst zu spät spürt; dann stellt die genannte Lebenssituation eine echte Herausforderung dar, die es zu meistern und zu überwinden gilt.
Heinz-Peter Röhr, der übrigens sehr lesenswerte Bücher etwa zu Süchten und auch Persönlichkeitsstrukturen verfasst hat, schreibt, es sei nicht untypisch, dass Menschen mit abhängigen Persönlichkeitsmerkmalen (wie ich sie aufweise) in toxisch-narzisstische Beziehungen gerieten, die dann u.a. zur Drogensucht der abhängigen Person führten.
Dass es sich offenbar um ein typisches Muster handelt, hilft mir sehr, mich und das Geschehen besser zu verstehen. Aber wisst ihr was? Dagegen wehre ich mich auch, da will ich nicht stehenbleiben. Ich möchte nicht, dass alles erklärbar und verstehbar, aber dadurch letztlich auch determiniert ist. Ich will so gerne dieses Muster durchbrechen - durch Arbeit an mir selbst: durch Abgrenzung, Achtsamkeit, Abstinenz (wie witzig: beginnt alles mit "a" :-)). Die drei A's sollten vielleicht mein Motto für die kommende Zeit werden. Meine absolute Priorität.
Heute ist Tag 2 meiner drei A's. Ein bisschen fürchte ich mich vor dem Saufdruck. Und ich weiß, er wird kommen. Trotz NEMs. Aber dann weiß ich, ich kann hier Hilfe finden. Vielleicht indem ich kurz schreibe oder indem ich ältere Beiträge lese, die andere verfasst haben, als der Druck hochkam, und eure hilfreichen, Anteil nehmenden Antworten darauf.
Fühlt euch herzlich umarmt!
@isabel Danke von Herzen für deine Offenheit! Dass du das mit mir teilst. Deine Zeilen lesen sich wie die Beschreibung meines derzeitigen Lebens. Alles gleich. Muss gerade weinen.
Von Herzen
Danke
Wenn man nie gelernt hat, sich selbst einen Wert zu geben, dagegen gelernt hat, das Liebe und Zuwendung nur geschenkt wird, wenn man etwas dafür leistet;
Es tut Dir noch immer so weh, dass Du von "ich" auf "man" springst. Tipp: Lese Den Satz noch mal. Aber so, wie er gemeint ist. "Ich habe nie gelernt, mir selbst einen Wert zu geben, dagegen habe ich gelernt, dass mir Liebe und Zuwendung ...."
Wie gut ich Dich verstehe. Meiner sehr bescheidenen Meinung nach steht auch nicht die Frage im Vordergrund, ob Du Dich trennen solltest. Ganz vorne steht die Auflösung dessen, was ich oben anfing, von Dir zu zitieren. Dass Du Deine Bedürfnisse erspürst, Dich selber annimmst. Eine Riesenaufgabe, aber lösbar.
Immer noch meiner bescheidenen Meinung nach steht dann sehr wahrscheinlich tatsächlich die Trennung an, denn das ist toxisch und narzisstisch, was da läuft.
Die Trennung wird Dich aber nicht heilen. Erst steht Deine Selbstheilung an, dann der Rest. Sonst besteht eher nur die Gefahr, in die nächste toxische Beziehung reinzurasseln. Du wärst nicht die Erste.
Herzlich Willkommen übrigens noch sehr nachträglich. Ich habe in den letzten Tagen alles gelesen, war aber zeitlich sehr eng.
Alles Gute Dir, schön, dass Du hier bist
Gaby
@trinkerin0907 Ich lebe zwar nicht in einer toxischen Beziehung, habe aber gemerkt, dass der Alkohol meine Probleme/schwierigen Situationen/Kindheitstraumata etc. nicht zu lösen oder zu ertragen half, sondern mich nur zusätzlich versklavte und alles dadurch noch schlimmer wurde (da der Alkoholkonsum bei mir immer wieder zu Ängsten und depressiven Verstimmungen führte und ich außerdem in der Beschaffung, dem heimlichen Konsum etc gefangen war). Daran erinnere ich mich, wenn ich mal Lust auf ein Glas Wein etc bekomme. Und ich merke, dass ich schwierige Situationen besser mit einem klaren Kopf meistere - der Alkohol war ein falscher Freund diesbezüglich. Ich schicke dir alles Liebe und 🍀🙏
@trinkerin0907 habe herzlichen Dank für Deine ausführliche Vorstellung. Viele Freunde und Freundinnen hier haben schon gesagt, was auch ich empfinde: da schreibt eine tolle, starke, empathische Frau, die extrem viel „wuppt“. Ich hoffe, dass Du wirklich einen anderen, liebevollen, stolzen Blick auf Dich werfen kannst.
Das Gefühl, nicht zu genügen, kenne ich auch. Zu dick, langweilig, ich habe mich mit vielen negativ besetzen Eigenschaften immer selber niedergemacht - und mich mit Menschen umgeben, die mein Selbstbild bestätigt haben. Ich habe mich von denen verabschiedet, und jetzt, ich trinke seit gut einem halben Jahr keinen Alkohol mehr, wird mir klar, dass Wettbewerb und gemeinsames Weintrinken uns verbunden haben.
Keinen Alkohol zu trinken hat mich gelassener gemacht, ich habe in den ersten Wochen, als ich die NEMs genommen und unfassbar müde war, sehr gut mit mir allen gelebt. Nach und nach entwickeln sich neue Kontakte, Freundschaften.
Ich wünsche Dir viel Mut und Kraft, die Du vor allem nun für DiCH einsetzen solltest…
ich möchte gerne über mich erzählen!
Alkohol war leider bei mir in meiner Familie als Kind schon ein großes Problem
Meine Mutter ist lediglich zugrunde gegangen damit
Ich habe schon sehr viele Bücher gelesen und ich habe mich entschlossen dieses Gift nicht mehr in mein Leben zu lassen
ich habe auch und das regelmäßig getrunken
körperliche Veränderungen und meine Psyche hat auch darunter gelitten sowie Freundschaften
ich brauche ihn nicht und ich werde diesen verdammten Dämon namens Alkohol sein lassen da er mir nur schadet
Seit ich aufgehört habe Alkohol zu trinken ( ein Monat ) fühle ich mich frei und meine Last die ständigen Vorwürfe und die Körperlichen Symptome ( sind teilweise) verschwunden
diese FREIHEIT werde ich mir nicht wieder nehmen lassen und arbeite sehr daran
Gibt es eine App die eine daran erinner wie es mir schlecht gegangen ist bzw. Motivation weiter dran zu bleiben … so das man das verinnerlichen kann?
wünsche euch noch einen schönen Abend ! Lg Pflanze
Noch mal ich mit einem gut gemeintem Vorschlag: Bitte nenne dich doch anders als "Trinkerin", in mir sträubt sich alles, wenn ich das lese. Ich würde dich auch nie so ansprechen wollen.
Nomen est omen, bezeichne dich nicht so, auch wenn du noch trinkst. Stell dich dir als ganz andere Version deiner selbst vor, frei vom Alkohol, nüchtern...das wirst du auch sein.
Liebe Grüße
Isabel
@pflanze Herzlich willkommen und viel Erfolg! Eine solche App kenne ich leider nicht, aber vielleicht jemand anderes hier?





