Du bist nicht angemeldet als Gast hier –
und kannst deshalb nur einen kleinen Teil des Forums sehen.
Hier kannst Du Dich kostenlos und anonym anmelden!
Hi alle zusammen,
ich bin jetzt an Tag 70 meiner Nüchternheit, und es geht mir soviel besser als davor.
Was mich z.Z. sehr beschäftigt ist die Auseinandersetzung mit meiner Kindheit. Ist das für irgendjemanden hier auch so ein Thema?
Liebe Grüße
Ladida
Herzlich Willkommen hier und Glückwunsch zu den 70 Tagen! Ich denke, die Kindheit ist für fast jeden in irgendeiner Form ein Thema. Guck Dich mal in Ruhe im Forum um. Jeder hat so sein Paket. Erzähl doch gerne genauer, wie Deines aussieht. Dann haben hier andere bestimmt eine Idee, wie Du das angehen könntest. Wir sitzen alle im selben Boot.
Deine Abstinenz: Wie kam es zum Entschluss aufzuhören? Wie bist Du es angegangen?
Neugier ist mein zweiter Vorname 🙂
Beste Grüße
Gaby
@ladida Liebe Ladida, das ist für mich ein ganz, ganz großes Thema, bei dem es für mich sehr emotional wird und das ich auch mit über 60 Jahren immer noch nicht vollständig aufgearbeitet habe. Vieles wird in der Rückschau klarer und verständlicher. Was aber auch schön ist: Bitterkeit und Groll nehmen ab - das hat bei mir , denke ich, auch mit meinem Ausstieg aus der Alkoholsucht zu tun.
Liebe Grüße
Isabel
Was mich z.Z. sehr beschäftigt ist die Auseinandersetzung mit meiner Kindheit. Ist das für irgendjemanden hier auch so ein Thema?
Hallo,
herzlichen Glückwunsch für die 70 Tage Trockenheit und möge noch viele Tage hinzukommen.
Meine Kindheit erfährt zurzeit erhöhte Aufmerksamkeit. Das hängt auch mit der hiesigen Buchempfehlung „Im Reich der hungrigen Geister: Auf Tuchfühlung mit der Sucht…“ zusammen. In seinen Erzählungen räumt der Autor dem Seelenleben einen hohen Stellenwert ein.
Ursprünglich dachte ich, eine glückliche Kindheit verbracht zu haben. Diese Einschätzung ist rückblickend nicht ganz zutreffend. In meiner Kindheit habe ich wenig Liebe und Akzeptanz erfahren, sondern vielmehr emotionale Hilflosigkeit und das Gefühlt vermittelt bekommen, den Ansprüchen nicht zu genügen – ständig wurde an mir rumgenörgelt. Mein Bruder hatte davon frühzeitig die Schnauze voll und sich mit 17 Jahren quasi auf nimmer wiedersehen davon gemacht. Mit 56 hat ihn dann der Alkohol gekillt.
Von nix kommt natürlich nix. Alles hängt auch mit dem Schicksal meiner Eltern zusammen. Bei meinem Vater genügte eine Nacht in einem Schützengraben in Polen, um im weiteren Verlauf seines Lebens selbst dem Alkohol zu verfallen. Meine Mutter wurde zum Ende des Krieges als kleines Mädchen in Pommern von ihren Eltern nach Berlin geschickt und ist dort, als fünftes Rad am Wagen bei einer spröden Tante aufgewachsen. Ihre Eltern hat sie nie wiedergesehen. Diese Geschehnisse wurden natürlich niemals nimmer thematisiert oder angesprochen, haben aber bei meinen Eltern Wunden und Narben hinterlassen, die, ob man nun will oder nicht, an der nächsten Generation nicht spurlos vorbei gehen.
Ich gehe davon aus, dass es Menschen gibt, die als sensible Naturen geboren werden und sich schwerer damit tun, mit gewisse Erlebnissen fertig zu werden. Der eine erlebt häusliche Gewalt und kommt im Leben trotzdem gut klar, ein anderer zerbricht daran und kommt nie richtig auf die Beine. Wobei häuslich Gewalt bei uns kein großes Thema war, bei mir genügten bereits die oben erwähnten „Kleinigkeiten“.
Gruß Matthias
für mich ist das gerade mein 'lebensthema', ich versuche seit ca. 1 jahr mein ganzes leben aufzuarbeiten, viele traumata bzw. ein großes.
mein entwicklungstrauma hat meinen ganzen lebensweg negativ geprägt. aber das war mir bis vor kurzem nicht bewusst.
und seit ich nicht mehr trinke, flüchte ich nicht mehr und kann wirklich an mir arbeiten. dadurch verstehe ich wiederum so vieles, jeden tag habe ich neue erkenntnisse über mich, mein leben, warum ich mit dem trinken überhaupt anfing (habe erst 'spät' angefangen), welche fehler sich nicht mehr rückgängig machen lassen und welche doch und vor allem wie....so dass ich endlich mein leben so viel besser machen kann, bevor es zu spät ist!
Guten morgen!
Als ich vor vier Jahren wieder anfing zu trinken, fragte ich mich was soll das denn jetzt? Nun geht es mir wieder besser nach so vielen Jahren Ehe. Ich hatte meine eigene Wohnung, Arbeit und den Kindern ging es auch gut. Zu dem Alkohol kamen urplötzlich körperliche Erstarrungszustände bei allen möglichen Gelegenheiten. Ich begann eine Körpertherapie, welche ich jetzt seit drei Jahren mache. In der Therapie habe ich sehr viel über die Zusammenhänge der körperlichen Reaktionen und meiner Kindheit gelernt. Meine Mutter war auch Alkoholikerin, aber schwerst. Sie trank jeden Tag mind. eine Flasche Chantre. Mein Vater war Geschäftsmann und ständig weg. Mittlerweile ist es so dass ich weiss, dass ich emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt war. Alles ist in den Körperzellen gespeichert und muss transformiert werden. Das was damals geschah ist heute nicht mehr. Doch es gibt Flashbacks und die fetzen dich in die Vergangenheit zurück. Gerade bin ich dabei diese wahrzunehmen und mich zu fragen was sie auslöst. Damit arbeite ich dann. Wenn der Suchtdruck kommt denke ich daran, dass ich in meiner Jugend ständig betrunken war um meinem Elternhaus zu entfliehen. Heute brauche ich das nicht mehr aber das Suchtgedächtnis weiss nur einen Weg um mit Stress umzugehen...trink was.
Es ist eine wundervolle Erfahrung wenn ich über diese Dinge bescheid weiss. Ich komme mir nicht mehr so ohnmächtig vor und weiss wie ich handeln kann. Ich bin nicht wie meine Mutter und die Lebensumstände aus meiner Jugend sind auch nicht mehr so wie sie damals waren.
Alles Liebe
Hallo guten Morgen,
erst einmal denke ich dass das Leben unserer Eltern in unseren Genen veranlagt ist. So wie Schock oder Angst und Not. Das haben sie uns mitgegeben und irgendwas drückt dann irgendwann auf einen Schalter in uns. Mein Vater war auch schwerer Alkoholiker, Kriegskind mit Hunger und einer Mutter die nur gearbeitet hat um die 4 Kinder durchzukriegen. Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit gab es da nicht. Meine Mutter ist auch süchtig. Ihr Leben war durch einen Autounfall 1964 geprägt. Auch hier keine Liebe, Wärme und Einfühlvermögen. Jeder kann sich denken dass wir als Kinder emotional unterkühlt aufgewachsen sind. Nett ausgedrückt. Als Erwachsene können wir dann gucken wie wir das ganze sortiert, verstanden und einigermaßen gehändelt bekommen. Aber das ganze verstehen hilft schon mal.
Meine Sucht schreit danach ein Loch in mir zu stopfen. Eine riesige Leere, die mit irgendwas gefüllt werden will, damit sie mich nicht auffrisst. Alkohol wirkt am schnellsten und besten. Da ich das nicht mehr will kommt Zucker in die Leere. Oh Mann. Keine Ahnung....
Liebe Grüße an alle
Trombine
@ladida Herzlich willkommen und gratulation dafür, dass Du schon so weit bist. Toll.
Ich komme gerade frisch aus einer "Langzeittherapie" und mir ist aufgefallen, dass wir so sehr durch unsere Kindheit geprägt werden, fast schon erschreckend. Das sind im Zweifel nur kleine Begebenheiten, die aus irgendeinem Grund eine Langzeitwirkung bei uns verursachen, die Konsequenzen bis ins Alter mit sich bringen. Leider bin ich nur gekommen in die Phase der ersten Bewusstmachung einzelner Aspekte.
Keine Ahnung, wie es damit weitergeht.
Sich dessen bewusst zu sein, ist allerdings auch schon mal ein Schritt.
Freue mich mehr von Dir zu lesen.
Hallo Trombine, da stimme ich dir absolut zu. ich lese gerade das Buch: "Der Emotionscode" von Bradley Nelson. In diesem Buch steht, dass jeder Mensch mehr oder weniger eingeschlossene Emotionen hat, die nicht richtig verarbeitet wurden, und dass einige davon nicht einmal selbst erworben, sondern von Eltern, sogar Großeltern weitergegeben wurden. Beim Lesen dieses Buches ist mir so viel klar geworden, was in meiner Kindheit/Jugend schiefgelaufen ist. Ich verstehe jetzt auch, warum ich so ein leichtes Opfer für den Alkohol wurde. Das empfinde ich als sehr hilfreich.
Liebe Grüße
Isabel





