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Hallo liebe Community,
ich möchte die Chance nutzen und mich hier vorstellen und dennoch zunächst anonym bleiben!
Ich bin 34 Jahre jung und habe eine verantwortungsvolle Position in einer großen deutschen Bank. Ich bin verheiratet seit inzwischen 7,5 Jahren und wir sind leider kinderlos (ungewollt).
Gerne würde ich behaupten mein Alkoholmissbrauch fußt erst auf 2-jähriger Gewohnheit - die traurige Wahrheit aber ist: ein gesundes Verhältnis zum Alkohol hatte ich wohl noch nie.
Während meines Studiums merkte ich erstmals dass mein Konsum anders war als der, der anderen: ich konnte nicht mehr aufhören. Meine Gedanken befassten sich immer darum dass ich uneingeschränkten Zugang zu Alkohol habe wenn ich erst zu trinken beginne. Das führte sich weiter fort…
Tatsächlich fuhr ich mit 23 Jahren mein Auto betrunken gegen einen Baum. Glück gehabt, ich habe niemand anderen verletzt bin selbst heil geblieben und musste lediglich 12 Monate meinen Führerschein abgeben weil ich unter der 1,6 Grenze war. 2 Jahre später fuhr ich betrunken mit dem Rad, deutlich über 1,6 Promille mit der Folge MPU. Fast parallel dazu lernte ich meine jetzige Frau kennen. Die Welt war fein, ich wurde vernünftig…das Studentenleben reizte mich nicht mehr so, ich wollte nun schnell fertig werden und Geld verdienen.
Das gelang mir auch aber in Gänze verschwand mein exzessiver Konsum nie. Ich konnte selten trinken, ja! Legte sogar ein Jahr Pause ein für die MPU ohne Probleme aber sobald ich trank, trank ich.
Das führte sich über die Jahre fort. Mein Kopf fand immer eine Ausrede: „Du arbeitest so hart, da kannst du dir die Auszeit gönnen“ - ihr kennt das sicher.
Hier sprechen wir von einer Intensität von ich würde Retrospektiv schon sagen ein Mal wöchentlich massiv.
Wir planten eine Familie, wollten zunächst ein Haus bauen. Der Bau startete im august 2019. Zunächst verlief alles relativ unspektakulär. Ich war zwar jeden Samstag auf der Baustelle musste aber immer auch wieder 40km zu unserer Wohnung fahren weshalb ich nie etwas trank. Parallel versuchten wir schwanger zu werden - erfolglos. Das alles setzte mir zu und ich merkte relativ schnell dass es mir nur noch unter Alkohol einigermaßen gut ging. Dennoch galt für mich (tatsächlich auch ohne große Kontrolle oder Druck) nur am Wochenende zu trinken da ich unter der Woche keinen Kater wollte um nicht auf der Arbeit unter zu performen.
Wir kündigten unsere Wohnung zu früh, da sich der Bau auch wegen Corona und materialengpässen verzögerte. Schließlich kamen wir bei meinen Eltern unter. Mir war sehr daran gelegen diese Wohnsituation schnellstmöglich zu verändern weshalb ich Sonderschichten für die Eigenleistung einlegte. Da das sehr anstrengend war nach 12-14 Stunden Arbeit noch auf die Baustelle zu fahren „belohnte“ ich mich mit Alkohol. Das wurde sehr schnell zur Gewohnheit und mein Belohnungsgedächtnis verknüpfte die Arbeit auf der Baustelle mit Alkohol.
Es etablierte sich schnell eine Art Gewohnheit nach dem Motto: wenn ich hier freitags abends nach 60 Wochenstunden gegen 20 Uhr anrücke und bis nachts 3 Uhr arbeite um am nächsten morgen um 7 Uhr wieder auf der Matte zu stehen, dann funktioniert das nur mit genügend Alkohol!“
Parallel versuchten wir weiter schwanger zu werden und es passierte nichts. Wir ließen uns beide gesundheitlich checken (noch vor dem Umzug zu meinen Eltern) mit dem Ergebnis dass bei mir alles gut war nur bei meiner Frau wurde eine frühe Menopause und einiges mehr diagnostiziert. Wir beschlossen es künstlich zu versuchen, schnellstmöglich und zahlten die Versuche selbst. Unsere Ausgaben beliefen sich - parallel zum Hausbau schnell auf höhere 5stellige Beträge. Mir wurde Angst und Bange existenziell… aber ich behielt es für mich da ich meiner Frau keinen zusätzlichen Druck machen wollte. So vergrub ich mich in meiner Freitagsabends-Alkohol Blase und suchte ganz männlich nach Lösungen.
Die Lösung lag meiner Meinung nach in einer Einkommenssteigerung durch Jobwechsel und so schaute ich mich auf dem Markt um.
Uns gelang es vor Weihnachten 2020 einzuziehen und ich war etwas entlastet dachte ich. Aber mein Vater hat sich an mein Arbeitspensum gewöhnt und da ich keine schwäche zeigen wollte, machte ich weiter. Zu tun gab und gibt es (leider) noch genug. Längst war ich daran gewöhnt alles mit Alkohol genussvoller zu gestalten und auch mein alter Herr versüßt sich so seine Arbeitslast glaube ich.
Ich kann keine schwäche zeigen, er versteht es nicht. Und ich mache mir viel Druck und möchte perfekt sein. Das sind meine Punkte. Die Anerkennung die ich unbedingt möchte, für die ich kämpfe und für die ich gewillt bin sogar 22 Stunden lang zu arbeiten. Die erreiche ich nur mit Hilfe des Alkoholkonsums.
Es ging weiter, es wurde Frühjahr 2021. Wir waren immer noch nicht schwanger, Terrasse, Garten und Hof müssen gemacht werden und ich fange einen neuen Job an.
Hier spielte alk für mich zunächst eine untergeordnete Rolle weil mein Fokus zunächst auf der unversehrten Performance im neuen Job lag. Kaum hatte ich mich bewiesen wurde alles nur schlimmer. Ich war zu 100% im Homeoffice, konnte meine Zeit wunderbar einteilen und war grundsätzlich zufriedener. Nur eines änderte sich nicht: die Kompensation der arbeit am Haus mit Alkohol.
Dazu muss ich erklären, mein Papa (ein toller Mann!) Arbeitet sehr hart für sein Geld er ist Handwerker. Aber er ist mittags früh zu Hause. Ich arbeite leicht aber viel und bin in der Regel nicht vor 18 Uhr fertig. Er turnte jeden Mittag im Garten rum ungefragt und arbeitete und trank um von zu Hause zu fliehen, das setzte mich wiederum unter Druck weil ich noch zu tun hatte im Job aber nicht wollte dass alle Welt denkt der junge Typ lässt den armen alten Mann draußen schuften. Daher fing ich gegen Mai 2021 schon donnerstags an zu trinken…warum? Weil ich dann nachmittags meine Arbeit unterbrach um draußen zu arbeiten aber ich dann noch bis lang in die Nacht saß um meine Performance aufrecht zu halten.
Mai 2021 bis Oktober 2021 Donnerstag bis Samstag ab Nachmittag 5-8 Halbe. Die unzähligen Samstage davor wo es um 12 los ging und meine Frau abends mit mir nicht mehr auf Geburtstage wollte oder Gäste empfangen wollte weil ich schon 4-5 Halbe drin hatte… mein letzter Suff im Oktober war ein Familienbrunch am Sonntag mit viel Rotwein..danach wachte ich auf und sagte mir „das war er erstmal“.
Ich hörte für 2 Monate komplett das trinken auf ohne Probleme, ich hatte einen super Rhythmus gefunden ich wollte gar nicht mehr trinken. Ich stand morgens um 5 auf, las 30 Minuten, trainierte dann 60 Minuten und saß von 7:30 bis 21:45 Uhr am Schreibtisch um zu arbeiten und kompensierte damit den fehlenden Alkohol + die ausbleibende Schwangerschaft. Ich nahm die Zeit aber nicht negativ wahr, im Gegenteil ich war nie fokussierter oder besser als da. Aber nach dem ersten Fastenbrechen dauerte es keine 4 Wochen und ich war in alten Fahrwassern bis heute.
Mir ist bewusst dass ich ein Problem habe. Ich weiß ich kann darüber mit niemandem sprechen denn sobald ich offen gestehe dass ich ein Problem habe muss auch mein Papa sich eingesehen dass er eins hat. Zu allererst geht es aber um mich, ich möchte das nicht mehr. Ich bin jetzt Mitte 30 und will nicht noch ein Jahrzehnt vernebelt erleben. Ich war nie so motiviert, konzentriert und effizient wie in den zwei Monaten letztes Jahr.
Jetzt bin ich hier! Das Buch habe ich heute halb inhaliert und alles macht so viel Sinn!
Ich hoffe ich finde Menschen, die mich auf meinen Weg begleiten!
Liebe Grüße
Cube
@cairni Danke für Deine Gedanken. Ich habe sie auf mich wirken lassen, aber finde mich in der Vorstellung, dass ich was auf sie projeziere, nicht wieder.
Nicht jeder trinkt Alkohol auch alleine
Die beiden tatsächlich schon. In der langen Zeit, die wir uns kennen, habe ich schon oft genug nichts mitgetrunken, wenn wir zusammen waren. Weil ich gerade Pause machen wollte, mir nicht danach war, ich auf dem Gesundheitstrip war, whatever. Es war immer einfach in Ordnung und wurde nicht thematisiert. Sie oder die beiden haben ihr Glas getrunken, keine Sprüche gemacht und mir nichts aufgequatscht.
Und weil Du Deine Sorgen mit Alkohol bekämpft hast, muss sie es doch nicht auch tun...
Das tut sie auch nicht. Es geht auch nicht darum, dass ich ihr etwas geben möchte, um ihre Sorgen zu ertränken. Wir kennen uns seit über 20 Jahren und es ist der Mensch in meinem Leben, dem ich mich am nächsten fühle. Und natürlich ist das, was wir miteinander teilen, in erster Linie gegenseitige Zuwendung und Aufmerksamkeit. Sie trinkt gerne mal ein Glas, auch grad gerne zum Beispiel in so Urlaubssituationen, was es jetzt für sie wäre, wenn sie mal nicht die Kinder den ganzen Tag um sich rum hat. Wenn sie hier bei mir zu Besuch war, waren wir manchmal auch im Café und sie hat sich einen Sekt bestellt und ich nicht. Immer alles völlig unproblematisch. Sie genießt das, aber bleibt bei sich. Es bleibt dann dabei, sie betrinkt sich nicht. Sie trinkt wirklich wenig und das oft noch gestreckt über mehrere Stunden. Ich weiß, dass sie gerade eine nervenaufreibende Zeit hat und es klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich würde ihr das einfach gerne anbieten, dass sie das machen kann, wenn sie das möchte. Vielleicht gerade weil ich weiß, dass sie das nicht missbraucht. Und dass es auch ohne ginge und auch dann völlig in Ordnung wäre.
Alkohol ist für mich in dieser Freundschaft überhaupt kein aufgeladenes Thema. Wir haben schon oft eine ganze Woche zusammen verbracht und vielleicht an ein oder zwei Abenden etwas zusammen getrunken. Oft genug sitzen wir auch abends wie die Teenies im Schlafanzug zusammen, futtern Chips oder Pizza und gucken uns alte Filme an oder hören die drei Fragezeichen.
Aber bei Menschen, die Dir wirklich nahe stehen, warum möchtest Du das Risiko eingehen?
Es fühlt sich für mich einfach nicht an wie ein Risiko eingehen. Ich bin für diese Menschen in Ordnung wie ich bin. Immer. Egal was ich denke und tue. Das weiß ich. Und ich habe vor allem so in den letzten 5 Jahren nicht mehr gerne in sozialen Situationen getrunken und wenn, dann eher wenig. Ich fand es meist eher anstrengend, mochte in der Situation die Wirkung nicht mehr, die der Alkohol bei mir hatte. Wenn die Wirkung vom Alkohol einsetzte, wollte ich eigentlich mit niemandem mehr reden. Die Vorstellung, in Gesellschaft nicht mehr mittrinken zu müssen, fühlt sich erleichternd an. Wobei ich es bei diesen Menschen auch nie musste.
Freundschaft definiert sich nicht darüber, ob Alkohol getrunken wird oder nicht.
Stimme ich Dir vollkommen zu. Unsere Freundschaft definiert sich auch in keinster Weise darüber, ob Alkohol getrunken wird oder nicht. Hat sie nie, wird sie nie.
Ich habe auch kein Bedürfnis, mir oder meiner Freundin irgendetwas zu beweisen. Sie würde mich sowieso durchschauen, wenn ich versuche ihr etwas vorzumachen. Da hätte ich gar keine Chance. Ich mache das wirklich absolut nur, wenn ich für mich keine Gefahr sehe.
Meine Freundin weiß nicht alles, aber viel von meiner Alkoholgeschichte, ich habe die nicht vor ihr verheimlicht. Es wird für sie keine Überraschung sein, wenn ich ihr sage dass ich nichts mehr trinke und warum.
Liebe Grüße
@imogenry Ich finde toll, wie intensiv Du Dich gefragt hast, was meine Worte bei Dir hinterlassen haben - Respekt!
Dennoch möchte ich einen Satz dazu noch loswerden (oder zwei 😎 ).
Besonders wir Suchtmenschen, ich nehme mich da überhaupt nicht aus, neigen dazu, sehr viel an die anderen Menschen zu denken, wie es denen geht, was ich denen gutes tun kann - und vergessen dabei uns selber (auch wenn es vielleicht in Eurer Freundschaft nicht so ist).
Will sagen, dass Du in Deiner jetztigen Situation das absolute Recht hast, auf Deine Bedürfnisse zu achten - und auf niemanden sonst. Das hat auch nichts mit Egoismus zu tun oder ähnliches, sondern eher mit Achtsamkeit, damit eine Krankheit nicht zum (wieder) Ausbruch kommt. Genau wie bei einer Pollenallergie vermeidest Du die Bäume, unter deren Pollen Du leidest, damit Du keine roten Augen bekommst, Atemnot, Pusteln oder wer weiß was noch.
Wir reagieren mit unserer Alkoholsucht nicht mit den o.g. Auswirkungen, sondern meistens wird es bei einem Rückfall heftiger. Das Schlimme: Wir werden getriggert und merken das gar nicht, werden unvorsichtig und irgendwann dann, wenn wir nicht damit rechnen, schlägt der Alkoholteufel wieder zu. ☹
Verstehe mich nicht falsch: Ich glaube Dir, dass der Abend mit Deiner Freundin nicht offensichtlich gefährlich für Dich ist.
Und es gefällt mir wirklich sehr, wie intensiv Du in Dich reingehorcht hast.
Dennoch möchte ich warnen: Eigenes Haus (my home is my castle, ich stelle die Regeln auf, meine sichere Basis), enge Freundin - keine Gefahr und ... wie lange bist Du ohne Alkohol? Eine zeitliche Basis zu schaffen mit etwas "strengeren" Regeln macht wirklich Sinn, als geschützter Raum sozusagen.
So, und jetzt höre ich auf, Du bist alt genug, Du kannst abwägen, Deine Entscheidungen für Dich triffst Du.
Ganz liebe Grüße und berichte bitte, wie Deine Zeit mit Deiner Freundin war (wenn Du magst).
Sandra
@gaby_guzek ganz lieben Dank für die Antwort. Ich habe mich den Tag über, über Teil III hergemacht - da wurde einiges klarer und deutlicher. Diesen Teil werde ich nochmal lesen und damit arbeiten (meine Liste erstellen usw.)
6 Wochen nach dem letzten Glas stand der erste Urlaub an und den hab ich in Gedanken schon durchgespielt und mir überlegt, wie einzelne Situationen ablaufen könnten. Das hat auch gut geklappt. Dann kamen noch kurz darauf der Geburtstag, dann Ostern. Vor diesen Festen hatte ich etwas Bammel und hatte mir auch eine Strategie zurechtgelegt. Ab dann war es eigentlich kein Thema mehr.
Alles Gute für dich!
Das finde ich extrem bewundernswert. Ich schätze ich brauche eine balancierte Strategie aus beidem. Denke ich heute an einen nüchternen Urlaub ist mir das Bild zu groß, jetzt möchte ich die ersten Wochen nüchtern erleben. Mein nächster Urlaub liegt noch gut 2,5 Monate in der Zukunft, das schiebe ich erstmal beiseite und nehme mir das einige Tage vorher zur Brust.
Will heißen, ich merke für mich gerade welche Punkten die nächsten Tage kommen wo es hart werden wird dafür baue ich gezielte die Strategien, was die Woche danach ist will ich auch erstmal da lassen, der Berg ist mir heute (noch) zu groß.
Danke für Eure Unterhaltung um die bevorstehende Situation bei dir zu Hause mit deiner Freundin @imogenry - hier konnte ich einiges nützliches für mich herausziehen. Im Prinzip eine völlig neue Perspektive!
@cairni Liebe Sandra, dieses "wir Suchtmenschen" gibt es nicht, jeder Mensch ist anders, und man muss auch nicht immer alles problematisieren und verallgemeinern.
@soberrebel ich stimme Dir zu, das hätte ich anders formulieren können.
Dennoch sehe ich in diesem spannenden Austausch die Möglichkeit eines kompletten Perspektivwechsel aufzuzeigen, dank des tollen hin und her.
das hat null mit problematisieren zu tun.
ich sehe es als wichtige Funktion in diesem Forum an, die Kehrseite aufzuzeigen.
nicht jeder kann so reagieren/agieren wie Du.
Und es gibt - gerade zum Beginn- ein paar Allgemeinheiten, die vor einem Rückfall bewahren können.
am Ende muss jeder die Verantwortung für sich selbst übernehmen und nicht immer ist uns bewusst, was eine Konsequenz sein könnte.
@cube87 Sorry… hab Deinen Thread zerschossen… wollte ich nicht 🙏🏻
@cairni Deine letzte Nachricht ging mir gestern noch nach und hat mir ziemlich zugesetzt. Ich meine, ich habe jetzt zweimal sehr ausführlich dargelegt, dass und warum sich für mich diese Situation nicht einmal ansatzweise für mich gefährlich, kritisch oder wie ein Risiko darstellt. Du schiebst trotzdem noch weitere Punkte und noch eine Warnung hinterher. Ich glaube, dass Du das wirklich nur gut meinst, aber mir war das jetzt echt zu viel.
Mir vermittelt das das Gefühl, als könnte ich trotz der ganzen tiefschürfenden Reflexion, die ich hier betreibe, dem immer wieder in mich Hören mir und meiner inneren Stimme nicht vertrauen. Als müsste ich trotzdem in ständiger Angst leben, dass etwas Anderes in meinem Inneren die Regie übernimmt. Ich brauchte jetzt einen Moment und einige Kraftanstrengung, um das wieder abzuschütteln. Ich bin das nicht. Und ich kann, will und werde nicht so durch mein Leben gehen.
Ich will mit dem Gefühl durch mein Leben gehen, dass ich mir, meiner inneren Stimme, meiner Selbstwahrnehmung und Fähigkeit zur Reflexion, meiner Intuition vertrauen kann.
Es ist so, wie soberrebel schreibt (Danke @soberrebel). Es gibt nicht den einen Typ Suchtmensch, jeder ist anders und jeder findet seinen Weg, seine Bilder und Gedanken, um mit seiner Abhängigkeit umzugehen. Es gibt in meiner Bilderwelt keinen Alkoholteufel, keine Bierhexe und keinen Weintroll. Warum? Weil ich keine Wut empfinde. Nie empfunden habe, von Anfang an nicht. Weder auf mich, noch auf den Alkohol. Er ist nicht mein Feind, er ist ein Lebensabschnittsbegleiter gewesen, mit dem ich Frieden geschlossen und von dem ich Abschied genommen habe, auf meine Art. Vor allem seit ich den Abschiedsbrief geschrieben habe, hat sich noch einmal etwas in mir noch tiefer gesetzt und ist zur Ruhe gekommen. Das Hauptrisiko, das ich sehe und dem ich vorbeugen will ist, wie ich es an Tag 30 geschrieben habe, das Vergessen und mangelnde Achtsamkeit.
Einer der Punkte in der Hausordnung dieses Forums, die ich am Ansprechendsten finde ist die Aufforderung, bei sich zu bleiben. Ich habe das immer versucht, immer mein Bestes getan ichbezogen zu kommunizieren und darzulegen, dass das was ich da gerade schildere meine ganz persönliche Art und Sicht auf die Dinge ist. Ich spreche hier wirklich nur von mir. Z.B. können Weinhexe und Biertroll für Viele eine gute Hilfe sein, der Sucht ein Gesicht zu geben und sich dagegen zu wehren. Für mich waren sie es nicht.
Ebenso mag dieses Szenario, das ich gezeichnet habe, für Viele sich ungut und heikel anfühlen. Für mich tut es das wie gesagt nicht. Ich habe auch nur über mich geschrieben. Ich wollte das nicht als Beispiel zur Nachahmung in den Raum stellen. Schon gar nicht für jemanden, der erst ein paar Tage nüchtern ist. Ich hatte auch diese Geschichte hier mit meiner Freundin gar nicht zur Debatte stellen wollen. Ich hatte nur auf cubes Frage antworten wollen mit "Ja, ich finde das ist eine gute Idee. Mir stehen gerade zum Beispiel diese Situationen ins Haus und ich überlege so oder so damit umzugehen."
Nichts für ungut, ich weiß Du meinst es nur gut, aber das musste ich jetzt nochmal schreiben. Und jetzt werde ich mich für ein paar Tage aus dem Forum zurückziehen. Ich merke, dass mich diese Geschichte erschöpft hat und ich eine Pause und etwas Abstand brauche.
Ein schönes Hasenfest euch
Imogenry
@imogenry Das hast du sehr schön beschrieben und vielleicht nochmal was grundsätzliches: Jeder sollte sich hier mit überzogenem Sendungsbewusstsein zurückhalten, meist ist es nur die Projektion eigener Ängste und Befürchtungen und wirkt dann leicht übergriffig.
@soberrebel PN
Guten Morgen Zusammen,
heute ist Tag 3 und ich bin super früh aber ohne hangover wach!
Tatsächlich bin ich ein absoluter Morgenmensch, ich liebe es früh aufzustehen und mit Energie in den Tag zu starten, die erste halbe Stunde genieße ich die Ruhe und lese etwas. Das kommt auf meine "positiv" Liste!
Inzwischen sind die NEMs alle angekommen, mit der Einnahme starte ich heute und bin schon sehr gespannt.
Die letzten beiden Tage konnte ich mich auf der Arbeit noch etwas zurücknehmen, die Zeit habe ich gebraucht um mich permanent mit dem Thema Abstinenz zu beschäftigen:
- Lesen
- Triggerpunkte ausmachen
- Strategien entwickeln
- Videos über das Thema schauen
- Nachdenken
Dabei wurden mir meine größten Trinkgründe ziemlich deutlich
- Kontrolle auf der Arbeit aber auch privat - dieses nichts delegieren und abgeben können aus Angst es wird nicht zu meiner Erwartung/Zufriedenheit erfüllt und es dann selbst übernehmen, was zur Überforderung und Erschöpfung führt
- Alkohol als Arbeitsmotivation für körperliche Arbeit am bzw. inzwischen rund ums Haus (vor allem wenn die Sonne scheint) / vor allem mit meinem Paps
- Alkohol als Optimismusgeber und Emotionsschwamm für das KiWu Thema
Der Grund warum ich heute poste ist, weil ich gestern eine typische Triggersituation hatte und diese ganz gut mit der Split-Screen Technik meistern konnte.
Mir graute es schon Dienstag vor dem Donnerstagabend weil ich irrtümlicherweise annahm meine Frau hat Nachtdienst (also ich sturmfrei), zudem war das Wetter gut, der heutige Tag frei usw. als sich dann auch noch mein Vater ankündigte weil er mit einem Kumpel einen Hänger in den Garten stellen wollte, den ich für Samstag brauche war ich alarmiert. Es hielt sich dann aber in Grenzen, gut ist auch erst der Anfang... die beiden tranken ein Bier und ich eine Flasche Wasser. Ich stellte mir nur kurz vor wie der restliche Tag verläuft wenn ich ein Bier trinke ... aus einem werden 2 dann 3,4,5,6 die restliche Arbeit wäre liegen geblieben und ich hätte heute morgen ein Brummschädel. Meine Frau wäre enttäuscht weil wir einen gemeinsamen Serienabend verabredet haben und ich wäre heute voller Selbsthass.
Alternative 2: ich trinke eine Flasche Wasser, nachdem die beiden weg waren gehe ich in mein Büro verrichte meine restliche Arbeit, fahre mein Laptop für das Osterwe zufrieden herunter gehe in die Küche und koche mit meiner Frau Abendessen, während des Essens führen wir normale Gespräche räumen die Küche dann gemeinsam auf und machen es uns mit der Serie gemütlich. Morgens stehe ich fit oder einigermaßen fit auf und kann mich aufraffen etwas zu tun wie z.B. bügeln und dabei weiter Videos zum Thema Alkohol schauen bis die Frau auch wach ist und wir den Tag gemeinsam verbringen können.
Das klappte gut. Aber war jetzt auch noch nicht sonderlich schwer, ich denke da kommen noch andere Tage auf mich zu. Insgesamt glaube ich aber, dass die Split-Screen Technik mir hilft.
Wünsche Euch allen ein ruhiges Osterwochenende 🙂





