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Hallo, vielleicht kann mein kleiner Beitrag jemandem helfen. Ich habe im Alter von plus/minus 33 Jahren angefangen, jeden Abend eine Flasche Wein zu trinken. Selten mal nicht und selten mal zwei, ergibt also durchschnittlich eine Flasche pro Abend. Dieses Jahr werde ich 56. Aufgehört habe ich am 12. Juli 2022, um 23 Uhr abends, also nach etwa 22 Jahren. An jenem Abend hatte ich ein Abendessen mit einer Freundin, die mir erzählte, dass sie wegen einer Diät zwei Monate lang keinen Alkohol getrunken habe. Jetzt trinke sie wieder, aber das Bedürfnis sei kleiner geworden. "Das will ich auch", dachte ich spontan, also hörte ich an diesem Abend auf, mit dem Ziel, mein Bedürfnis unter Kontrolle zu bringen (nicht aufzuhören). Zwei Wochen zuvor hatte ich einen Termin in einer Suchtklinik. Die Dame sagte, ich müsse dringend aufhören und ich müsse das stationär machen, weil es sonst für mich gefährlich werden könnte. Ich hatte keine Lust, zwei Wochen meiner Ferien für einen Aufenthalt zu opfern und dachte bei mir, ich riskiere das Aufhören ohne Klinik, irgendwann dann mal... Ihr schriftlicher Bericht über mich öffnete mir die Augen und liess mich MICH so sehen liess, wie sie mich sah und das war ernüchternd. Das, zusammen mit dem Bericht meiner teilabstinenten Freundin bei jenem Abendessen, bewirkten bei mir also die berühmte Einsicht. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Am 13. Juli wachte ich auf und dachte, nun brauchte ich eine Strategie und Optionen. Ich musste mir sofort ein alkoholfreies Ersatzgetränk beschaffen (mit nur Wasser und/oder Tee hätte ich nicht durchgehalten) und das waren für mich Bitteraperitifs in allen Varianten mit Zitrone und Eis, das mache ich heute noch. Zudem startete ich in dieser Zeit einige sehr anstrengende Wohnungsrenovationsarbeiten, um mich abzulenken. Ich vermied es, abends zum Einkaufen zu gehen, wenn, dann ging ich mittags. Ich vermied Routen an Läden und Tankstellen vorbei. Durch die Weinabteilungen rannte ich und schaute einfach nicht hin. Heute alles unproblematisch. Die ersten Treffen damals mit trinkenden Freunden waren schwierig, aber ich hielt durch. Ich kenne keine Leute, die überhaupt nicht trinken. Ich denke, ich brauchte drei Monate, um mich etwas entspannter zu fühlen. Mein besonderes Highlight ist, dass ich an Silvester zwei Gläser Sekt trinken konnte und vor zwei Wochen auch zwei Gläser Rotwein. Beides überstand ich unbeschadet (ich war mir des Risikos sehr wohl bewusst!). Bevor jemand fragt, ich nehme keine dieser NEMs, ich nehme Multivitamintabletten und dieses GABA, weil ich grottenschlecht schlafe. Mit Alkohol schlief ich gut, wachte einmal auf, und schlief dann weiter. Ohne Alkohol wache ich unzählige Male auf und bin morgens gerädert. Das ist das einzige, was mich trübt. Und ich esse mehr Süsses, weil mir die Süsse des Weins fehlt. Also nochmal meine Tipps: sucht euch ein yammie Ersatzgetränk, beschäftigt euch mit etwas Anstrengendem, verlasst eine Zeitlang abends wenn möglich nicht das Haus oder spaziert ungefährliche Routen, geht mittags einkaufen, abonniert einen Kanal mit guten Filmen und Serien, lasst mal eine Zeitlang Treffen mit Freunden aus, stellt die Wohnung um, putzt, versucht euch einfach zu entspannen... Alles Gute.
@repair danke für deine Nachricht. Darf ich trotzdem noch einmal nachfragen, kennst du das Konzept von "Alkohol ade " und den damit verbundenen Grund für die Einnahme der NEMs? Und auch die Begründung, warum es für viele eben nicht möglich ist, mit reiner Willenskraft aufzuhören, zu trinken?
@repair ich bin sehr froh, dass Du das geschrieben hast, denn das scheine ich überlesen zu haben. Gut, dass Du selber Deine Beurteilung geschrieben hast denn es könnte der Eindruck entstehen, dass das funktioniert. Um es klar auszudrücken: Bei den Meisten wird es nicht funktionieren und fatal in einem Rückfall enden. So schon mehrfach hier im Forum geschrieben und wiedergegeben. Für mich fing so mein Rückfall an: Ach einmal... (nach 8 Jahren!!!) geht doch, Monate später wieder und irgendwann (das waren bei mir 2 Jahre) war ich wieder dabei.
Bleib wachsam, das Suchtgedächtnis ist fies und ruft sich solche Situationen gerne wieder ins Bewusstsein. Besser ganz lassen.
Und gerne unterstütze ich @mermaid : Kennst Du das Konzept? Das Auffüllen der Speicher kann vor einem Suchtdruck schützen. Auch die Erfahrung von sehr vielen Mitgliedern (unter anderem von mir).
Viele Grüße





