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42 Beiträge
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412 Ansichten
(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

Hi alle zusammen,

ich bin jetzt an Tag 70 meiner Nüchternheit, und es geht mir soviel besser als davor. 
Was mich z.Z. sehr beschäftigt ist die Auseinandersetzung mit meiner Kindheit. Ist das für irgendjemanden hier auch so ein Thema?

Liebe Grüße 

Ladida



   
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gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4317
 

@isabel 

Vererbtes Unglücklichsein: Das steht auch bei uns im Buch - nur mal als Tipp, liebe Isabel 😎 . Guck Dir bitte mal das Kapitel Epigenetik noch mal an.

Liebe Grüße

Gaby



   
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(@isabel)
Mitglied
Nüchtern: 6 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 605
 

@gaby_guzek Alles klar! Danke!



   
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(@finkchen71)
Mitglied
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 21
 

@ladida tatsächlich ist das ein großes Thema. Auf meiner Reise zu mir selbst, nehme ich zur Zeit an einer Seminarreihe teil, die gestern begonnen hat. Und tatsächlich ist genau dieses Thema in mir hochgepoppt. Die Tatsache, dass ich mich nicht erinnern kann, meine Eltern jemals in einem entspannten Moment ohne Wein erlebt zu haben. D.h. von klein auf wurde mir suggeriert, dass nur mit einem Glas Wein die Entspannung und der Genuß vollständig ist. Und mir wurde auch bewusst, dass ich bisher dasselbe meinen Kindern vermittelt habe. Ich bin so froh über diese Erkenntnis, es hilft, den richtigen Weg zu gehen. Herzliche Grüße, Kerstin



   
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@gaby_guzek

Danke erstmal! Das ist eine gute Frage, wie es dazu kam, dass ich aufgehört habe zu trinken. Das stand nämlich in Zusammenhang mit meiner Kindheit. Meine Eltern waren beide starke Trinker. Sie haben es über die Jahre geschafft, alles zu verlieren: Freunde, Haus, Zulassung als Rechtsanwalt im Falle meines Vaters. Ich wollte das nie wirklich in Zusammenhang bringen mit der Trinkerei, aber in Gesprächen mit der Verwandtschaft in letzter Zeit ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: nicht ich war sonderbares Kind, sondern ich war ein Kind, das in einer durch Alkohol dysfuntional gewordenen Familie aufgewachsen ist. Und dann dachte ich: ich selbst trinke viel zu viel, und das schon seit Jahren. Ich will das nicht mehr. Und dann ging es wirklich ziemlich leicht.Hat vielleicht noch jemand unter euch diese Erfahrung gemacht, dass beide Elternteile getrunken haben?



   
3
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@isabel

das hast du sehr schön gesagt, dass der Groll abnimmt mit der Zeit. Trotzdem ist noch eine sehr große Wut in mir. Ich dachte wirklich Jahre lang, mit mir stimmt etwas nicht, ich bin so empfindlich, leicht zu kränken, sehe alles so dramatisch… Aber seit ich mich damit auseinandersetze, dass ich nie richtig Kind sein durfte, weil meine Eltern keine Eltern sein konnten aufgrund des Trinkens, wird mir vieles klar. Was ist es denn, was in deiner Kindheit problematisch war?



   
1
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@cairni 

toll, dass du eine Therapie gemacht hast! Das habe ich auch einmal probiert, aber ich war damals noch nicht so weit. Es war damals eine komplizierte Zeit in meinem Leben, und ich bin einige Male zu einer Therapeutin gegangen. Allerdings hatte ich damals noch nicht die Erkenntnis, aus welchem Grund meine Kindheit so unerträglich war. Als es mir dann etwas besser ging, habe ich die Therapie beendet. Jetzt denke ich, es war zu voreilig.Erzähl doch gerne mal von deinen Erfahrungen in der Therapie, das würde mich sehr interessieren



   
1
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(@isabel)
Mitglied
Nüchtern: 6 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 605
 

@ladida Liebe Ladida, schwer, das kurz zu erzählen. Meine Eltern führten eine schreckliche Ehe, trennten sich aber wegen uns Kinder nicht. Haben selbst viele schreckliche Narben aus ihrer eigenen Kindheit. Sexualität war etwas Schlimmes, Sündhaftes. Schläge ein gängiges Erziehungsmuster. Z.B.:  als ich einmal mit vielleicht 14 Jahren beim Lesen unter dem Schreibtisch erwischt wurde (war und bin eine Leseratte) musste ich aufstehen, dann hieß es: "Brille runter" Reflexartig gingen die Hände ans Gesicht. "Hände runter!" Und dann kam eine Ohrfeige, das man in die Ecke flog. Oder wir 3 Kinder mussten mit nackten Knien "Holzscheitlknien", oft minutenlang. Aber ich habe auch gute Erinnerungen an meine Eltern. Da könnte ich auch viel darüber erzählen. Dass sie so waren, lag an ihrer eigenen Erziehung. Ich denke wirklich heute ohne Groll und voller Zärtlichkeit an sie. Als Jugendliche und junge Frau habe ich vor allem meine Mutter oft gehasst. Vor jeder Begegnung mit ihr  musste ich mir Mut antrinken, weil sie mich oft so fertiggemacht hat. In ihren Augen war ich eine schlechte Tochter, eine schlechte Mutter, eine schlechte Ehefrau, eine schlechte Lehrerin und zum Schluss sogar eine schlechte Oma. Und nach ihren Vorwürfen musste ich natürlich auch wieder trinken, weil es mir so schlecht ging. Ich habe aber viel Forschung betrieben und weiß inzwischen, warum meine Eltern so waren. Die Erinnerung tut nicht mehr weh und den Alkohol brauche ich auch nicht mehr. Das war jetzt ein kurzer "Ausschnitt." 

Liebe Grüße

Isabel



   
3
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@trosinette Ja, ich glaube auch, dass es tatsächlich Menschen mit mehr oder weniger Resilienz gibt.

aber ich glaube nicht, dass das alles Kleinigkeiten waren. Ich habe mal ein Buch gelesen über Kriegskinder und eines über Kriegsenkel. Traumata vererben sich, das war so ungefähr die Quintessenz.
Haben deine Eltern dir denn niemals etwas erzählt? Hast du es denn von der Verwandtschaft gehört? Bei mir war es so, dass meine Mutter mir sehr viel über ihre Kindheit erzählt hat: ihr Vater war im Widerstand (von der konservativen Seite) gegen den NS Staat, sie sind häufig umgezogen, so dass sie sich nie irgendwo zu Hause gefühlt hat. Sie hat mir von den Bombennächten erzählt, von den russischen Fremdarbeitern… das alles, als ich noch im Grundschulalter war. Mein Vater hat erst viele Jahre später, da war ich schon über 30, erzählt, dass sie vor der Flucht in der Nähe eines Kz Außenlagers wohnten und die Wachleute die Jungens mit auf den Wachturm genommen haben, von wo aus sie zusehen mussten, wie Häftlinge erschossen wurden. Mein Vater dann nie wieder darüber sprechen wollen. Das ist alles sehr schrecklich, und es ist auch verständlich, dass sie sich dann regelmäßig  mit Alkohol betäubt haben. Ich weiß gar nicht, ob sie nüchtern jemals fröhlich waren…



   
1
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@sunbabe Ja, so geht es mir auch! Nüchtern ist doch alles einfacher. Denken geht besser, Gefühle kann ich erleben und auch durchleben, bis sie ihren Schrecken verlieren.
Was meinst du mit „spät angefangen“? Ich würde darüber gern mehr hören. Ich hab nämlich erst mit 40 angefangen, zu viel zu trinken. Davor war es „nur“ soziales Trinken, also nur bei Gelegenheit. Dann wurde es zum Trinken zur Entspannung und schließlich zum Trinken um des Trinken Willens…



   
1
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352

   
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