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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

Hi alle zusammen,

ich bin jetzt an Tag 70 meiner Nüchternheit, und es geht mir soviel besser als davor. 
Was mich z.Z. sehr beschäftigt ist die Auseinandersetzung mit meiner Kindheit. Ist das für irgendjemanden hier auch so ein Thema?

Liebe Grüße 

Ladida



   
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@herzblut Ich wünsche dir alles Gute! War dir denn schon in deiner Kindheit klar, dass deine Mutter trinkt? Ich habe es nämlich gar nicht wahrhaben wollen. Meine kleine Schwester hat mich irgendwann drauf aufmerksam gemacht, dass in der Kühlschranktür immer Schnaps steht. Sie ist dann mit ihren elf Jahren hingegangen und hat nachgemessen, wie schnell die Flasche abgenommen hat. Ich war damals 16 und hatte andere Probleme. Dass meine Eltern selbst unter der Woche schon zum Mittagessen Wein getrunken haben, schien mir damals normal zu sein. Wir kannten es ja nicht anders. Kam Besuch, gab es immer einen Sekt oder einen Wein, egal welche Tageszeit. Wenn man erwachsen ist, dann trinkt man eben Alkohol, so war das in den 1970ern.



   
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@trombine Wahrscheinlich  müssen wir alle lernen, mit diesem Loch zu leben… Mir ist es ein so großer Trost, dass ich mit diesem Loch nicht alleine bin, wie ich hier im Forum sehe. Danke an euch alle!

 



   
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@cairni ach du bist das! Das habe ich gestern gelesen, und es hat mich sehr zum Nachdenken angeregt.



   
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@ladida Das freut mich. Wenn Du Fragen hast, melde Dich gerne.



   
1
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@isabel schlimm! Es tut mir immer so leid, wenn ich solche Geschichten höre von kalten Eltern. Wobei wahrscheinlich niemand Kinder bekommt und sich denkt: klasse, die werde ich dann mal emotional vernachlässigen… deshalb tun mir diese Eltern auch sehr leid. Ich bin Tochter (gewesen? Meine Eltern leben nicht mehr) und ich bin Mutter, und keine dieser Rollen ist einfach.



   
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(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 429
Topic starter  

@finkchen71 genau! Das ist eben auch ein gesellschaftliches Problem, der Stellenwert, den Alkohol hier hat als einzige legale Droge, ist einfach unangebracht. Vielleicht passiert dem Alkohol in den nächsten Jahren das, was dem Rauchen in den letzten 20 Jahren widerfahren ist: Werbeberbot, Warnaufdrucke usw. Das würde ich mir wünschen.



   
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(@trosinette)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 550
 
Verfasst von: @ladida

aber ich glaube nicht, dass das alles Kleinigkeiten waren.

Hallo,

was mein Sucht angeht, würde ich in meinem Fall auf 85% genetische Disposition und 15% Erziehung und Kindheitserlebnisse tippen. Mein Vater und mein Bruder waren Alkoholiker. Meinen Vater habe ich fast ausschließlich abstinent in Erinnerung und mein Bruder war über alle Berge als ich 12 war. Mein Vater war sogar jahrelang Vorsitzender der Bezirksgruppe der Guttempler. Ein einziges Mal habe ich einen Rückfall von ihm erlebt, der mir gut in Erinnerung geblieben ist und mich ziemlich verstört hat. In diesen Tagen war meine Mutter verreist, was vermutlich den Rückfall begünstigt hat. Danach war aber, bis zum Ende seines Lebens, gleich wieder Ruhe im Karton.

Die 15% Erziehung und Kindheitserlebnisse haben mir gewissen Eigenarten beschert, die ich aber im Grunde autodidaktisch für händelbar halte - wenn ich mir darüber halbwegs Klarheit verschaffe.

Ich bin z.B. nicht depressiv. Depressive Allüren und Episoden verschaffen mir ausschließlich der Drogenkonsum. Ich hege keinen Groll oder Hass gegen sonst wen, ich habe keinen nennenswerten Stress oder existentielle Angstzustände im Alltag und noch(!) keine großartigen körperlichen Repressalien.

Ich habe "nur" emotionale und soziale Defizite, bin ein massiver Eigenbrötler und meine Empathie ist unterentwickelt. Ich bin mir gegenüber zu Anspruchsvoll, habe Angst vor einer großen Gruppen Vorträge zu halten und ich bin generell eher Menschenscheu und nicht auf anhieb und ohne weiteres zugänglich für andere.

Ich schreibe in meinem IT-Job lieber ewig E-Mails, anstatt einfach zum Telefonhörer zu greifen, um eine Fragestellung in wenigen Minuten vom Tisch zu haben. Ich löse Aufgaben lieber mühselig in Eigenregie, als jemanden zu Fragen, der Ahnung hat, um die Aufgabe schnell zu lösen. Ich hasse es, anspruchsvolle und kurz Angebundene Abteilungsleiter oder die Geschäftsführung wegen IT-Problemen zu konsultieren.

Ich schaue meinem Gegenüber ungern in die Augen, und ich kacke nicht auf dem Klo im Büro, wenn bereits eines der Klos besetzt ist. Kommt jemand dazu, während ich schon zugange bin, warte ich, bis er fertig ist, was bei machen Zeitgenossen bei ungeniertem Gestöhne und Gefurze schonmal eine halbe Ewigkeit dauern kann. Mein Horrortrip wären Klos mit brusthohen Trennwänden wie in Amiland(?), wo man mit dem Nachbarn beim Arschabwischen Smalltalk führen kann (muss?).

Ich habe mein ganzes Leben lang nur mit einer Frau geschlafen, weil ich niemals nimmer die Initiative ergreife. Der Papst hätte seine helle Freude mit mir, wäre ich noch dazu mit meiner Frau, mit der ich seit 35 Jahren zusammenlebe und zwei Kinder habe, verheiratet.

Das ist in etwa das Daumenkino meiner Probleme im Schnelldurchlauf.

Ich könnte aber auch eine ebensolche Litanei über meine positiven Seiten zum Besten geben, die ich sehr an mir schätze, über deren Qualität ich mir sehr wohl bewusst bin und die von anderen ebenfalls sehr geschätzt werden. 

 

Verfasst von: @ladida

Haben deine Eltern dir denn niemals etwas erzählt? Hast du es denn von der Verwandtschaft gehört?

Einiges haben meine Eltern vermutlich schon Durchblicken lassen, einiges ist über andere Kanäle durchgesickert. Und es gibt schriftlich Hinterlassenschaften, wie z.B. die Feldpost meines Vater, die mir Einblicke verschafft. Zu Ostzeiten haben meine Eltern Packet mit Westzeuge an eine polnische Familie geschickt. Die haben für meine Mutter, in Pommernland, ihrer alten Heimat, "spioniert" und ihr in Briefen und mit Fotos berichtet, wie es in ihrem Dorf aussieht. Ich habe den Plan da mal selber hinzufahren, kann mich aber nicht dazu aufraffen, was auch meinen Problemen geschuldet ist - keine große Lust auf fremde Länder, fremde Leute und fremde Sprache - "Ich möchte nur hier so sitzen".

Gruß Matthias


Dieser Beitrag wurde geändert Vor 4 Jahren 4 mal durch trosinette

   
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(@sunbabe)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 75
 

@ladida naja, spät und spät. in der jugend habe ich nicht getrunken, erst so ab alter 32 jahre wurde es zur abendlichen flucht. vorher auch nur 'sozial'. und da habe ich eher weniger getrunken, so dass ich nicht auffiel und immer noch nach hause kam. habe eher viel getrunken, wen ich alleine war.



   
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(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

@ladida Hallo Ladida in meiner Kindheit habe ich wohl gemerkt, dass mit meiner Mutter etwas anders ist. Immer war jeder Schrank voll mit leeren Schnapsflaschen. Mein Vater hat immer nur gemotzt, weil sie so viel trinkt. Mir fiel auch auf, dass die Mutter meiner besten Freundin von gegenüber "so ganz anders" war. Aktiv, interessiert an der Schule usw. Morgens waren meine Schwester und ich auf die Nachbarn angewiesen dass wir überhaupt in die Grundschule kamen. Frühstück gabs dann immer bei meiner Freundin. Aber es wurde natürlich nie mit uns gesprochen. Alles schön unter den Teppich. Wir haben schlimme Sachen gesehen. Z.b. hat meine Mutter sich einmal mit der elektr. Brotmaschine (ich hasse die Dinger heute) den halben Daumen abgeschnitten und sich dann ins Bett gelegt. Meine Schwester und ich fanden sie mit einer Blutlache neben dem Bett. Dann ist sie oft die Treppe runtergefallen....Niemand hat darüber mit uns geredet. Ganz im Gegenteil. Sie wurde von der ganzen Verwandschaft schief angeschaut und das merken KInder ja...Ich bin froh, dass heute die meisten Menschen mehr mit Ihren Kindern reden. Wenn bei uns früher gefeiert wurde haben alle getrunken und geraucht. Ausser meiner Mutter. Das fand ich ziemlich seltsam denn trotzdem hatten alle sie im Blick. Eigentlich konnte sie machen was sie wollte. Trinken, nicht trinken..immer war es seltsam

❤️liche Grüße



   
2
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@herzblut wie schrecklich... 🙁

Was tun Menschen sich nur gegenseitig an und noch schlimmer, Eltern ihren Kindern... mir blutet dabei das Herz, wenn ich das lese.

Eine innige Umarmung für Dich.



   
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