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Jetzt habe ich es schwarz auf weiss

59 Beiträge
17 Mitglieder
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1,826 Ansichten
(@sirius)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 26
Topic starter  

Hallo...

mit der Anmeldung hier und meinem ersten Beitrag, ist das wohl das offizielle Eingeständnis, dass ich ein Problem habe. Eigentlich weiß ich es schon lange. Gerne erzähle ich euch kurz was zu mir...

Ich habe schon immer einen Hang zur Sucht. Mit 14 wurde mir meine erste Pille angeboten, die ich ohne nachzudenken sofort nahm... Das war der Anfang meiner Drogen- und Alkoholkarriere. Mit Mitte 20 habe ich dann mit härteren Drogen aufgehört und "nur" noch gekifft und Alkohol getrunken. Vielleicht ein oder zweimal im Jahr gekokst. 

Ich bin Anfang 40, glücklich verheiratet, habe zwei wundervolle Kinder und trinke unter der Woche auch keinen Alkohol. Am Wochenende trinke ich allerdings regelmäßig und zwar fast jedes Mal so viel, dass ich am nächsten Tag einen Filmriss habe und körperlich und seelisch am Ende bin. Ich kann nicht mehr zählen wie oft ich mir geschworen habe, das nächste Mal weniger zu trinken. Geschafft habe ich es aber fast noch nie. Ein oder zwei Gläser kann ich einfach nicht, es endet fast immer im Delirium. Mein Mann trinkt auch regelmäßig, kann damit aber besser umgehen und wird nie unangenehm oder peinlich. Er sorgt immer dafür, dass ich im Vollrausch sicher in mein Bett komme.

Jedes Jahr im Januar mache ich einen Monat Alkoholpause. Das schaffe ich auch ganz gut, aber ich weiß ja auch, dass ich dann im Februar wieder mit gutem Gewissen weitertrinken kann. Ganz aufzuhören kann ich mir einfach nicht vorstellen, auch wenn ich weiß, dass ich es eigentlich muss, da alles andere so nicht weiter geht. 

Ich habe durch mein krankes Trinkverhalten schon so viel zerstört in der Vergangenheit. Ich habe große Angst, dass ich irgendwann im Rausch wieder mal etwas Dummes machen könnte und somit meine Familie gefährde. Trotz meiner ganzen schlechten Erfahrungen, schaffe ich es nicht aufzuhören. 

Das Buch habe ich mir heute bestellt, aber große Hoffnung, dass es mir hilft, habe ich leider nicht. Wie gesagt bin ich auch nicht der "typische" Trinker, da ich es unter der Woche ja auch unter Kontrolle habe. 

Habt ihr Tipps wie ich meine Abstinenz am besten starte? Hattet ihr einen entscheidenen Auslöser dafür oder was war bei euch der Durchbruch?

Am Freitag fahren wir in den Urlaub. Ich kann mir einen Urlaub / ein Leben ohne Alkohol einfach nicht vorstellen, auch wenn ich weiß, dass ich so nicht weiter machen kann.

Vielen Dank schon mal fürs "zuhören"...



   
2
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mermaid
(@mermaid)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 1230
 

@sirius super, dass du das Buch gelesen und die NEMs bestellt hast. Dennoch kleiner erhobener Zeigefinger... die NEMs allein haben noch niemanden trocken gelegt (Zitat @gaby_guzek ). Überlege dir weitere Strategien. Bücher, podcasts (Listen hier im Forum), auf jeden Fall Süßkram, Lieblingsgetränke wie Tees und Schorle auf Vorrat,  Einkaufgewohnheiten anschauen usw.

Zu heute abend: egal, wie du dich entscheidest, ist es richtig. Im Zweifelsfall hast du Kopfschmerzen oder Zahnschmerzen und tsbletten genommen. Dann wirds auch ohne lustig.

Lies viel hier im Forum,  viele von uns haben ihre Geschichte immer wieder im eigenen Thread ergänzt. (So wie du ja auch hier weiter schreibst..) das gibt dir gute Einblicke in das, was kommt und zusätzliche Strategien.  Lg die Mermaid 🧜‍♀️



   
1
AntwortZitat
(@isabel)
Mitglied
Nüchtern: 6 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 605
 

Hallo, Sirius!

Das Buch habe ich mir heute bestellt, aber große Hoffnung, dass es mir hilft, habe ich leider nicht

Diese Hoffnung darfst du aber durchaus haben, denn viele auch vermeintlich hoffnungslosen Fälle haben es mit dem Buch/Nems/Coaching hier geschafft.

Während meiner 40jährigen Trinkerkarriere habe ich auch alkoholfreie Wochen eingelegt. Bei mir war es immer die Fastenzeit von Aschermittwoch und Ostern. Das hab ich auch gut geschafft, was mir die Gewissheit gab, dass ich ganz bestimmt kein richtiger Alkoholiker bin. Und jeden Ostersonntag habe ich mir geschworen, ab jetzt "normal" Alkohol zu konsumieren. Jedesmal bin ich fürchterlich auf die Nase gefallen. Und gar nicht zu trinken konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Allein das Darüber Nachdenken löste Entsetzen aus. Bis dann irgendwann der Punkt kam, an dem ich das alles einfach nicht mehr wollte.

Seit fast 4 Jahren bin ich nüchtern und lass dir gesagt sein, das Leben völlig ohne Alkohol ist viel, viel einfacher als der tägliche oder wochenendliche Kampf um die Alkoholmenge.

Lies das Buch und starte dann. Es muss nicht vorher etwas richtig Schlimmes passieren. Deine Kinder und dein Mann werden dir großen Respekt zollen. Du selbst wirst wieder lernen, dich zu achten und zu lieben. Es gibt so viele gute Gründe, aufzuhören und keinen einzigen, weiter zu trinken.

Alles Gute!

Isabel



   
3
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(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

@sirius Ich bin zu spät dran, um dir zu raten, ob du weggehen oder daheim bleiben sollst 🙃. Aber wie @mermaid schon schrieb, die NEMs allein haben keine magische Wirkung, sondern es gehört noch mehr dazu. Mir persönlich hat es zB auch nichts ausgemacht, wenn andere neben mir getrunken haben, aber da ist jeder anders. Hör einfach in dich hinein, was dich triggert und was nicht. Und lies und schreib hier im Forum, das hat mir immer geholfen. 



   
1
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(@krokodil_)
Mitglied
Nüchtern: 5 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 997
 

@sirius Und? Wie wars? Ich wollte dir auch vorher, ganz im Sinn der Antworten, die du bereits von anderen bekommen hast, "raten" -

Ich denke, wenn einem mal bewusst geworden ist, was da passiert, kann man vor dieses Wissen nicht mehr zurück. Also vorwärts. Ob du jetzt beim Treffen getrunken hast oder nicht (wenn ja, war es sicher mit einem eigenartig "neuen" Gefühl ...), rekapituliere, was war und wie es war und überlege, wie du es in Zukunft haben willst: Weiter so oder den Sprung ins (vermeintlich) kalte Wasser wagen. Ganz oder gar nicht.

Ich bin gespannt auf deine Schilderung und die Konsequenzen, die du ziehen wirst ...



   
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(@sirius)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 26
Topic starter  

Vielen Dank für eure lieben Ratschläge und eure Hilfe. Es tut mir wirklich total gut hier im Forum zu lesen und zu schreiben. 
Die gute Nachricht zuerst: Ich war gestern aus und habe keinen Tropfen Alkohol getrunken 🤩 Das war das erste Mal, außer in meiner Schwangerschaft und Stillzeit, dass mir das gelungen ist. Und ich hatte sogar trotzdem Spaß, nur später getanzt habe ich nicht. Da habe ich nüchtern leider noch zu große Hemmungen. 
Leider war das Ende des Abends aber für mich dann doch recht traurig. Wir hatten einen Babysitter, deswegen mussten wir um 12 zu Hause sein. Mein Mann, der natürlich getrunken hat, fand die Stimmung aber so toll, dass er da bleiben wollte… Er weiß, dass es mein erster Abend eines neuen Lebens werden sollte und dann fährt er nicht mit mir nach Hause? Wenn wir beide getrunken haben sind wir immer zusammen gefahren, also Taxi oder Uber. Ich lag also die halbe Nacht wach und habe viel nachgedacht. 
Ich habe Angst wie es sich auf unsere Beziehung auswirkt wenn ich nicht mehr trinke. Eigentlich hat mein Mann es satt wenn ich so viel trinke, dass ich nicht mehr ich selbst bin. Aber natürlich gibt es ja auch Abende, die gut verlaufen obwohl ich trinke und wir dann viel Spaß haben Link entfernt Leider weiß man bei mir aber nie wie der Abend endet…

Deswegen möchte ich ja auch aufhören! Unsere Beziehung wird sich dadurch aber sicher verändern. Meinem Mann macht mein Trinkverhalten Angst, aber ich glaube er hat auch Angst davor wenn ich ganz aufhöre. Auch wenn er gesagt hat, dass er mich unterstützt. Gestern Abend war er auf jeden Fall keine Hilfe…

Sorry für den langen Text, musste mir das irgendwie von der Seele schreiben. 
Falls ich es heute nicht mehr schaffe zu schreiben, wünsche ich euch allen schon mal ein schönes Wochenende 



   
1
AntwortZitat
(@sirius)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 26
Topic starter  

@krokodil_ Habe deine Nachricht zu spät gelesen. Meine ausführliche Schilderung steht unten 😊 

Ich bin gerade in einem totalen Gefühlschaos. Das spiegelt sich auch in meinen merkwürdigen Träumen… Irgendwie hilft mir das Wissen enorm, dass ich nicht ganz alleine Schuld an meinen Fehlern, also meiner Sucht habe. Ich hoffe ich bleibe so stark. Und heute müssten zur Unterstützung auch noch meine NEMs kommen 😁



   
1
AntwortZitat
(@krokodil_)
Mitglied
Nüchtern: 5 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 997
 

@sirius - die werden dir helfen, wie sie uns allen geholfen haben, also wenn ich nur für mich spreche: ABSOLUT deutlich geholfen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich keine oder kaum körperliche Probleme habe nach jahrzehntelangem (!) Wahnsinn ...



   
AntwortZitat
(@sirius)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 26
Topic starter  

@krokodil_ 

Ich habe in der Vergangenheit auch schon NEM genommen, aber in einem anderen Zusammenhang. Da habe ich Abends vorm schlafengehen z.B. Aminosäuren und eine Multi genommen, da ich dann am nächsten Tag nicht so einen schlimmen Kater hatte. Dummerweise war ich aber auch oft so voll, dass ich es vergessen habe zu nehmen…

Aminosäuren haben mir auch am nächsten Tag immer gut gegen meine Alkoholdepression geholfen.
Ich schreibe als wenn das schon ewig her wäre, dabei war ich letzten Sonntag schon wieder total zu 🙄

Ein Ausgehabend ohne Alk ist noch nichts besonderes aber zumindest schon mal ein Anfang 😉 

Ich habe seit Sonntag nichts mehr getrunken, aber da ich unter der Woche oft nicht trinke, fange ich jetzt offiziell seit gestern an meine alkfreien Tage zu zählen! Heute also Tag 2 😊



   
3
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(@alex7)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 676
 

Verfasst von: @sirius

Ich war gestern aus und habe keinen Tropfen Alkohol getrunken 🤩

Sehr gut! Meine erste Erfahrung war ähnlich (nach 8 Wochen Abstinenz). Ich war ziemlich nervös vor dem ersten Abend, was sich als total unnötig herausstellte. Ich konnte es genießen und verabschiedete mich gg 0 Uhr (diese Uhrzeit kenne ich gar nicht mehr ansonsten). Dieser  Abend hat viel bei mir bewirkt, daran werde ich mich noch sehr lange erinnern. An dieses zufriedene Gefühl mit meiner Limo in der Hand 😁

Dein Mann scheint dich prinzipiell ja zu unterstützen, sehr gut. Das tat und tut meiner auch. Die ersten Wochen hat er sein Trinkverhalten auch stark reduziert, aber nicht auf 0 gesetzt, was ich bis heute als total ok empfinde. Schließlich bin ich der mit dem 'Problem' - er kann nach einem Glas oder 2 aufhören im Gegensatz zu mir. Erst neulich, an Halloween, bot ich ihm an, er könne noch auf der Party bleiben, ich hole ihn später ab. Ich schränke sein Leben mit meiner Abstinenz schon etwas ein, daher möchte ich ihm gerne etwas zurück geben. 

Geteiltes Leid ist zwar halbes Leid - aber wenn er dich prinzipiell unterstützt und womöglich zurückstecken muss (und wird) wegen deiner Sucht, sei ihm doch solch ein Abend durchaus vergönnt. Deshalb würde ich seine guten Absichten nicht in Frage stellen. Die Gewässer in denen ihr beiden jetzt schippert, sind ungewiss. Es wird gute und weniger gute Erfahrungen geben - und du wirst sie alle bewusst wahrnehmen (Zitat von hier: der Vorteil an der Abstinenz: man fühlt mehr. Der Nachteil: man fühlt mehr). Das ist eine spannende Reise auf der ihr beiden jetzt seid. Gemeinsam auf der einen Seite, in dem was ihr zusammen jetzt erlebt. Alleine auf dich gestellt auf der anderen. Wichtiger Ratschlag: redet viel miteinander. Ich habe die ersten Monate als Einzelkämpfer bestritten, damit habe ich meinen Partner im Trüben über meine Gefühle gelassen. Wahrscheinlich würde ich es wieder so machen, ich hatte ganz schön viel mit mir selbst zu tun. Aber es wäre anders einfacher gewesen.

Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas helfen.

Liebe Grüße 

Der Alex



   
3
AntwortZitat
(@sirius)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 26
Topic starter  

@alex7 

Und wie du mir helfen konntest…

Du hast so recht mit dem was du schreibst und irgendwie komme ich mir jetzt auch ziemlich egoistisch vor. Aber es ist halt einfach alles so neu. Ich freue mich auf ein anderes Leben und mich endlich selbst kennenzulernen, habe aber auch so viel Angst. 

Muss gerade total heulen von deinen Zeilen, weil mir bewusst wird wie unfair ich eigentlich bin. Werde aber weiter an mir arbeiten. 

Ich habe übrigens alle eure Geschichten verfolgt und gelesen. Das gibt mir so viel Hoffnung. Und ich bin so dankbar, dass ihr noch weiter hier im Forum seid und Leuten wie mir versucht zu helfen ❤️ 



   
2
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