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Lange Geschichte

18 Beiträge
8 Mitglieder
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(@agathe79)
Mitglied
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 12
Topic starter  

Hallo...

Ich bin auch neu hier....trinke seit 3 wochen nicht mehr....

Davor irgendwie schon immer zu viel und nie vertragen...

Alkohol war in meinem leben immer präsent und gehörte dazu...ob auf den Partys meiner eltern (haben beide kein alk problem) oder als meine sturm und drangzeit begann, es wurde immer viel getrunken und gehörte dazu...

Ich habe immer gerne getrunken und fühlte mich dann einfach lockerer und besser...k

Das ging halt immer so...wurde irgendwann mutter von 2 kids...da natürlich nie getrunken,war ja auch damals auch kein problem für mich...dann kam der fall in ein tiefes loch, trennung vom mann, alleinerziehend...kids im bett, schwupps der wein auf und probleme waren weg...

Konsum hat mich genervt, aber war 2 bis 3x die woche...habe vor 4 jahren dann meinen neuen Partner kennengelernt...in der ersten phase nach 6 monaten getrennt, ich war mit meinen kindern beschäftigt,haus verkauft...wollte für mich sein...

Konsum stieg in der zeit....mit kindetn in eine tolle whg...Konsum steigt...sekt...4 bis 5x die woche, jeweils eine ganze Flasche..kann besser schlafen,keine probleme...mein freund und ich probieren es nochmal...er ist strikter anti alkoholiker, nichtraucher...leben getrennt, kann also trinken wenn ich allein in meiner whg bin und bilde mir ein das die 3 bis 4 abende ja nicht bedenklich sein können...

Konsum steigt...alles heimlich....

Jahr 2 beginnt in dem ich fast tgl sekt trinke...steige um auf piccolo...kleine flaschen oder Dosen sind ja nix...

Wir beginnen zu bauen, planen eine gemeinsame zukunft...ich bin glücklich...wenn wir zusammen leben, rede ich mir ein, dann höre ich auf....

Konsum steigt...morgens geht's mir schlecht...eine dose dann geht's mir besser...nach der dose dieser Japp auf mehr...mehr...

Tagsüber ca 600ml sekt....schön den pegel halten...das alles wie gewohnt klappt...schlafen die kinder kommt die flasche...

Wir ziehen zusammen, endlich hört es auf...realität sagt: nein, trinke heimlich...fahre einkaufen,schnell n Prosecco rein...bei jeder Gelegenheit....

Partner merkt langsam hier stimmt was nicht...du riechst oft komisch, bist aufgekratzt..wird von mir runtergespielt...konsum steigt...kaufe morgens meine 5 bis 6 dosen...bin ja im homeoffice...familie ist versorgt...

Es kommt zu streitigkeiten weil ich besoffen bin und streitsüchtig und zickig...er findet dosen...ich schiebe die schuld auf andere...ja,ja ich hatte besuch bla bls...

Konsum steigt auf 6 tage die woche, bei jeder Gelegenheit...bin unkonzentriert...vergesse permanent dinge...frage 5x dasselbe...erzähle 5x das selbe...es kommt immer mehr ans licht...ich leugne alles...streitigkeiten arten aus....ich heule am nä tag...fühle mich schuldig...verspreche alles,es wird nie wieder vorkommen....3 tage später...wieder drin....

Konsum bleibt....mein freund kauft einen alkoholtester....ich flippe aus wie er mich sooo erniedrigen kann...frechheit...weiter trinken, weiter nur alleine für mich...heimlich....Wechsel tgl den laden und die orte...

Mein freund,die liebe meines lebens, will mich nicht mehr...ich soll verschwinden, ich lüge..ich mache alles kaputt...ich habe ein problem....was tue ich?nein,ich habe kein problem mir gehts gut...er ist der böse,so ablehnend....mir gehts ja sooo schlecht....

Irgendwie gehts trotzdem weiter......bis er mir vor 3 wochen hinterhergefahren ist....ich trank und rauchte heimlich, er hat alkes gesehen...gab streit,ich stritt alles ab...bin sann weg...2 tage getrunken...

Als ich wieder nüchtern war....zusammenbruch....ich wollte nie trinken...tat es trotzdem..wieso?keine ahnung...ich bin beruflich erfolgreich, tolle,erfolgreiche kids...schönes Haus,  toller Partner...ich hab in den 3 extremen jahren körperlich gelitten....ständig durchfall, urin dunkel...Schmerzen im bauchraum,leber...geschwollene lymphknoten in den achseln....ich war sehr sportlich,such nix mehr...sehr gepflegt...auch das litt...

Ich bildete mir ein die Schmerzen liegen ja nicht am saufen...ich wurde mega ungeduldig zu allen, konnte mich zu nix mehr aufraffen...totale wesensveränderung...

Ich habe von einen auf den anderen tag aufgehört...bin tgl müde und kaputt, benötige viel schlaf....habe seit einer woche 24std schlimmes herzstolpern....blutentnahme ergab extrem schlechte leberwerte...meine ärztin rief mich an, der bauchraum muss geschallt werden...das passiert nä woche...ich habe grosse angst,das mein körper einfach kaputt gemacht wurde, von MIR!!!für sekt dosen für 90cent....ich habe dieses brennen nicht mehr im körper, mein urin ist normal, kein belag mehr auf der zunge,kein stinkender schweissgeruch mehr obwohl grad frisch geduscht, kein tattermann mehr...ich bin positiv die kurve doch noch bekommen zu haben und sich alles wieder normalisiert.trotz des anrufs,trotz des rumpelnden herzens,musste ich aufeinmal weinen vor glück....endlich ist es vorbei.endlich bin ich frei....

Und dann kam noch die Erkenntnis, mein böser Partner ,dieser kontrollierende blödmann, der im streit schreit und mich geschubst hat...der mich ja frecherweise rauswerfen wollte und das schon mehrfach,der mich ja gar nicht liebt sonst wäre er ja nicht soooo böse zu mir armen,armen frau...

Ist der tollste und beste mann, der liebt mich mehr als alles andere, denn ich bin hier...in unserem Haus...kümmert sich auch um 2 nicht leibliche kinder wenn ich beruflich mehrere tage im ausland bin...versucht mir zu helfen,indem er mir immer wieder klar machen wollte das ich mich selbst belüge...mich kaputt mache, dadurch alles verlieren kann...der mit ansehen musste wie ich mit glasigem blick und torkelnd durchs haus stolziere und so tue als wäre nichts...der sich nicht helfen konnte indem er laut wird und mich ebend auch mal schubst....

Ich habe ihm sehr weh getan,ja....aber mir auch,mich selber belogen,die augen verschlossen,alles schön geredet...es ist ja alles nicht bedenklich....die scham ist sehr,sehr gross...kaum zu beschreiben....aber es ist vorbei...es ist ein schlimmes Kapitel in meinem leben...das buch ist geschlossen.

Ich stehe am Anfang....ich kümmere mich um meinen körper, ich weiß er wird wieder gesund....ich merke auch wie ich mich tgl besser und fitter fühle...ich lebe endlich wieder.....

Ich bin unendlich dankbar das ich meine gehirnzellen noch nicht so ganz weg gesoffen habe und es endlich kapiert habe...

 

L.g

Agathe

 

 

 

 

 

 

 

 

 



   
9
AntwortZitat
(@agathe79)
Mitglied
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 12
Topic starter  

@ladida meine eltern waren nicht alkoholkrank, ganz im Gegenteil....sie hsben früh kinder bekommen, war zu der zeit normal....wenn sie dann mal getrunken haben,kann ich mich erinnern,das dann immer freunde da waren....alle geschwister und verwandten meines vaters sind alkoholkrank....oder halt geweseb und such daran verstorben...mein vater hatte immer angst davor und ab seinem 30lj nie wieder was getrunken....

Ich denke es ist und liegt auch im Erbgut...

Meine schwester trinkt auch viel, aber kann es defintiv kontrollieren...

Ich bin da angekommen, ich muss mich jetzt alkoholikerin nennen....es kommt mir vor wie im traum,aber es ist realität und ich hab es versaut.

Jetzt hab ich die chance es wieder in ordnung zu bringen...

Ist traurig,aber ist die realität....

 

 



   
1
AntwortZitat
gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4356
 
Verfasst von: @agathe79

Ich bin da angekommen, ich muss mich jetzt alkoholikerin nennen....es kommt mir vor wie im traum,aber es ist realität und ich hab es versaut.

Jetzt hab ich die chance es wieder in ordnung zu bringen...

Ist traurig,aber ist die realität....

 

Ich möchte da mal ganz vehement intervenieren. Da ist gar nichts traurig, versaut hast Du auch nichts und Du "musst" Dich auch nicht Alkoholikerin nennen (da kommt durch, wie abwertend Du das empfindest).

Ersetze bitte mal das Wort "Alkoholikerin" mit "Diabetikerin" oder auch "Depressiven". Immer noch so fürchterlich? Nein. Eben. Wir reden beim Alkoholismus von einer Störung der Biochemie im Gehirn, die die Substanz nun mal hervorruft.

Muss man sich deshalb schämen? Nein.

Bitte, hör auf Dich zu geißeln. Notfalls lies das Buch noch mal. Da ist nichts versaut oder schuldhaft. Alkoholismus hat nichts, aber auch rein gar nichts, mit Schuld zu tun.

Kleine Anekdote noch, am Rande: Mein Vater war strikter Antialkoholiker. Er hat in seinem Leben niemals auch nur einen Schluck getrunken. Den Grund hat er mir erst am Ende seines Lebens erzählt: Weil sein Vater wohl gesoffen hat. Seine Mutter hat ihm erzählt, welch furchtbare Dinge dieser dann tat, wenn er betrunken war. Das hat ihn dazu animiert, nie auch nur einen Schluck zu trinken.

Das Ding ist: Ich habe trotzdem gesoffen, wie ein Loch. Solche Dinge können auch Generationen überspringen (siehe Kapitel "Epigenetik" im Buch).

Meine Mutter war manisch-depressiv. Hat "on-off" getrunken.

Und trotz allem kommt man da raus. Genetik ist viel, aber nicht alles.

Was ich sagen will: Mach Dir bitte darüber keinen Kopf. Du bist Du. Und Du packst das.

Liebe Grüße

Gaby


Dieser Beitrag wurde geändert Vor 4 Jahren durch gaby_guzek

   
4
AntwortZitat
(@franz)
Mitglied
Nüchtern: 6 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 13
 

Liebe Agathe,

Du schreibst, dass Du Dich jetzt "Alkoholikerin" nennen musst. Du musst gar nichts! Ich nenne mich jedenfalls nicht so. Auch wenn die meisten dieses Suchteingeständnis als wichtig empfinden, finde ich es ziemlich erniedrigend und alles andere als motivierend. Warum muss ich mir immer und immer wieder selber sagen, dass ich Alkoholiker bin? Nein, wir alle in diesem Forum tun etwas gegen unsere Sucht. Damit sind wir den tatsächlichen Alkoholikern doch einen weiten Schritt voraus!!

LG Franz



   
2
AntwortZitat
gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4356
 

@franz @agathe79

Genau! Seitdem ich nicht mehr trinke, nenne ich mich auch nicht mehr Alkoholikerin. Nur noch, wenn es in Interviews oder so aus Zeitknappheit und zum Verständnis ein "Label" braucht.

 



   
3
AntwortZitat
(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 5128
 

@franz Genau richtig,  für mich hat dieses Etikett " Alkoholiker " keinerlei Bedeutung, es interessiert mich einfach nicht, es verfestigt nur die Stigmatisierung und drängt die Betroffenen  in eine Opferrolle, die sie dann verinnerlichen und übernehmen. Als ich getrunken habe war ich ein Trinker,  jetzt bin ich ein Nichttrinker.



   
3
AntwortZitat
(@agathe79)
Mitglied
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 12
Topic starter  

Ich bin für mich der meinung, mich nur mich so betiteln zu müssen um mir klar zu werden, wie tief ich gesunken bin bzw wie tief ich war.

Ich möchte damit niemand anderen herabsetzen..trinkerin, alkoholikerin...es gibt ja viele begriffe...

Aber ich bin auf nem guten weg und dieser gedanke wird verblassen. Aber JETZT halte ich es mir vor augen um da durch zu kommen.es ist ja alles auch noch frisch bei mir...

L.g



   
1
AntwortZitat
(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 429
 

@soberrebel genau, Nichttrinker ist ein besseres Label.



   
AntwortZitat
(@ladida)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 429
 

Bitte fühle dich nicht schuldig! Oder vergib dir selbst, schenke dir ein bisschen mehr Wohlwollen. Ich sag mir oft: du hast dich dumm verhalten, aber jetzt nicht mehr. Das ist eben so. Und wichtig ist jetzt. Du schaffst das!



   
AntwortZitat
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