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Langzeittrinkerin v...
 
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Langzeittrinkerin von "moderaten" Mengen Alkohol

25 Beiträge
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(@nicki)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 54
Topic starter  

Hallo,

 

ich bin neu hier.

Seit über 40 jahren konsumiere ich Alkohl als Genussmittel.

Das heißt, 2 -3 Bier am Abend, am WE auch mal eine Fl. Wein.

Immer kontrolliert, um nicht den Überblick zu verlieren. Habe zwischendurch auch mal wochenlang nichts getrunken, doch immer wieder angefangen nach dem Motto: Frau gönnt sich ja sonst nichts.

Seit Ende 2019 bin ich in Rente und Corona kam dazu. Das bedeutet für mich als allein lebende, wenig soziale Kontakte. Kein Chorsingen, kein Reha Sport mehr. Sporadische Treffen mit Bekannten und Freundin. Das angestrebte Ehrenamt auch nicht möglich.Viele Spaziergänge in der Natur, die mir immer gut tun.

Mit der Zeit wurde mein Verlangen nach größeren Mengen Alkohol deutlich. Schon immer hatte ich mir nur so viel Bier gekauft, wie ich trinken wollte. Wenn mehr dagewesen wäre, hätte ich es nicht stehen lassen können. Auch eine Flasche Wein wurde immer ganz ausgetrunken, auch wenn ich es besser gefunden hätte, sie nur halb leer zu machen.

OK, an Ostern war es soweit. Ich hatte keine Lust zum Kiosk zu gehen, um mir mein Bier zu kaufen. Am Ostermontag auch nicht, weil ja auch teuer. Dann kam der Entschluss, bis Pfingesten keinen Alkohol zu trinken. Das tägliche Bier kaufen hatte mich auch schon lange genervt. Die Zeit habe ich problemlos geschafft. An Pfingstsonntag hatte ich 51 Tage hinter mir, worauf ich sehr stolz war. Am Pfingstmontag wollte ich testen, wie es sich jetzt anfühlt, wieder ein Bier zu genießen. 3 Flaschen kaufte und trank ich abends.

So toll fand ich es nicht, wie ich es mir immer eingeredet hatte. Es entspannte mich, ok. Am Samstag darauf kaufte ich mir eine Fl. Weißwein. Die trank ich am Abend. Tagsüber würde es mir nie einfallen, Alkohol zu trinken. Und gestern wieder ganz gezielt kaufte ich mir 4 Bier. Das war zuviel gewesen, ich hatte heute morgen Kopfschmerzen von den 2 Litern.

Nun weiß ich, dass kontrolliertes Trinken bei mir auf Dauer nicht funktioniert.

Im Chat des KB bin ich seit Ostern. Gleichzeitig bei der Suchtberatung der Caritas. Dort bekomme ich 5 Einzelgespräche in Präsenz, von denen ich 2 hatte.

Ich überlege, ob ich eine Therapie machen soll. Doch schäme ich mich, mit meinem Sohn darüber zu rden. Er ist beruflich sehr eingespannt, und ich will ihm keine Sorgen machen. 12 Wochen lang müsste ja meine Wohnung und meine Blumen, die ich sehr liebe, versorgt werden.

Und "aufgefallen" bin ich ja bisher nicht.

Das ist meine Geschichte, was Alkohol betrifft.

Ich möchte lernen, ganz darauf verzichten zu können. Und ich möchte mir ein zufrieden machendes Leben gestalten.

 



   
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AntwortZitat
gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4314
 

@nicki

Liebe Nicki,

auch an dieser Stelle noch einmal herzlich Willkommen und Danke für Deine Vorstellung.

Wenn Dir Videos helfen: Schau doch mal auf unseren youtube-Kanal. Da gibt es eine ganze Reihe davon, in denen ich die medizinischen Grundzüge der Sucht (Stichwort: Hirnchemie) erkläre.

Auch in unserer Video-Ecke hier auf der Website haben wir eine wirklich schöne Auswahl von Videos. Stöber doch mal.

Ansonsten: Das hier ist meine Geschichte. Da Du Dich ja so nett vorgestellt hast, dachte ich, ich zeig sie Dir noch mal.

Fühl Dich wohl hier bei uns, schön, dass Du da bist!

Viele Grüße

Gaby

 



   
3
AntwortZitat
(@nicki)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 54
Topic starter  

Danke Gabi, deine Geschichte hatte ich schon gelesen und sie hat mich mit motiviert, mich hier anzumelden. Einige Videos aus diesem Forum habe ich auch schon angesehen. Sie sind echt interessant. Ich lerne hier so einiges und das wird mir helfen.



   
1
AntwortZitat
cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

Liebe @nicki, herzlich willkommen auch von mir. Deine Geschichte ist so lieb...

Corona hat vielen das Leben etwas mehr schwer gemacht.

Ich verstehe Dich gut (alleinlebend, zwar mehr soziale Kontakte, jedoch alkoholbedingt stark reduziert).

Dazu kann ich nur sagen: Versuche in Kontakt zu kommen. So langsam öffnen sich ja wieder die Möglichkeiten, und nehme an, was geht.

Auch wenn Dein Sohn viel um die Ohren hat: Es geht um Dich, um Dein Leben.

Vielleicht hättest Du eine Nachbarin, die Du bitten könntest? (So kommt man auch mal in Kontakt 😉 - oder Dein Sohn soll die Blumen für die Zeit bei sich unterstellen. Ja, dann ist das einmal etwas aufwendig (nee, zweimal, weil geht ja auch return (was so überlebt;-) ), aber wegen Blumen gießen auf etwas zu verzichten, was Dein Leben durchaus positiv verändern kann?

Gleichgesinnte kennenlernen, neue Aktivitäten ausprobieren, regelmässig Kontakt zu allen möglichen Tageszeiten, Menschen, die sich um DICH kümmern, eine andere Umgebung erleben, einfach mal frischen Wind um die Nase wehen lassen... Na???

Ich finde die Idee toll und würde Dich echt motivieren wollen, Dir darüber noch einmal Gedanken zu machen. Vielleicht fällt Dir doch noch eine Lösung ein?!

Und manchmal benötigen Kinder, die stark eingebunden sind, einen Hinweis, dass ihre Mutter/Vater noch da sind und hin und wieder auch etwas "Pflege" brauchen.. (damit meine ich nicht körperlich, sondern eher familär, denn bei Freundschaften spricht man ja auch von "pflegen", oder?).

 

Sei herzlich gegrüßt.



   
1
AntwortZitat
(@nicki)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 54
Topic starter  

Liebe Cairni,

danke für deine liebvollen und aufmunternden Worte.

natürlich würde ich für die Blumen eine Lösung finden, sollte ich mich für eine lange Therapie entscheiden.

Es sind die Balkonblumen, die kann ich nicht umsiedeln. Doch würde ich die Freundin des Sohnes fragen, ob sie die Pflege übernimmt. Der Weg zum mir ist nicht weit, das wäre zumutbar. Sie hat mehr Zeit und ist daher flexibler. Die Nachbarin hat keinen grünen Daumen, sie hatte einmal gegossen und einiges ruiniert. Das ist keine Option mehr.

Als HSP Mensch tue ich mich mit vielen anderen schwer. Doch gebe ich nicht auf, die wenigen Kontakte, die da sind, zu pflegen. Keiner kann auf Dauer alleine sein, das ist nicht gesund.

Ich denke, wenn Corona so weit eingedämmt ist, dass ein Ehrenamt möglich wird, geht es mir auch besser. Ich würde ins Seniorenheim gehen, und ein mal in der Woche Bewohner mit wenig oder keinem Besuch Gesellschaft leisten. Spazieren gehen, singen, vorlesen, reden...da kommt Wertschäzung, die mir jetzt fehlt. Und ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben!

Die Caritas bietet auch ambulante Reha an. Ich werde in den kommenden Gesprächen heraufinden, was ich möchte oder brauche.

Hast du es denn schon geschafft mit dem Alkohol Schluss zu machen?

 

Liebe Grüße von Nicki 🙂 

 

 



   
1
AntwortZitat
cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@nicki seit dem 20.04.2021 bin wieder ohne Alkohol am Leben :).

Das ist eine schöne Aufgabe, die Du Dir aussuchen möchtest, finde ich toll.

Wenn Du es Dir aussuchen darfst: Ambulant oder Stationär, dann suche Dir eine schöne Klinik aus.

Es hilft wirklich, gerade in dieser Zeit, einen anderen Blickwinkel zu bekommen.

Das gelingt einfacher, wenn wir nicht in unserer gewohnten Umgebung sind.

Lass Dich gut beraten.

 



   
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(@nicki)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 54
Topic starter  

Ja, ein Ortswechsel fühlt sich schon gut an.

Danke für deine Anregung.

Jetzt bin ich hier raus, gucke Fußball. U21 - die sind gut.

Ich wünsche dir einen schönen Abend.

Und Glückwunsch zum 20.04.2021!



   
1
AntwortZitat
gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4314
 

@nicki

Wie steht es bei Dir? Guten Morgen erstmal und einen schönen Sonntag. Wollte mal schauen, wie es bei Dir so angelaufen ist - hältst Du durch?

Viele Grüße

Gaby



   
1
AntwortZitat
(@nicki)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 54
Topic starter  

 

Moin Gabi, danke der Nachfrage.

nein, ich habe nicht durchgehalten, es gab Rückschritte. für mich eine "Trinkfastenpause". Ganz bewußt habe ich mir den Alkohol in wieder "moderater" Menge gekauft, um ein Genusserlebnis zu haben.

Ich eier da wirklich rum, ich weiß. Doch hat sich bei mir die finale Motivation immer noch nicht eingestellt. Ich bin da echt in der Entscheidungsfindung.

Wenn es so wenige Highlight in meinem Leben gibt, wozu dann auch noch total verzichten? ich weiß aber auch, wie schnell es wieder täglich wird, und das will ich ja nicht.

Es ist psychische "Knochenarbeit".

 

Ich wünsche dir und allen hier einen schönen Sonntag. Liebe Grüße von Nicki



   
1
AntwortZitat
gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4314
 
Verfasst von: @nicki

Wenn es so wenige Highlight in meinem Leben gibt, wozu dann auch noch total verzichten?

Liebe Nicki,

ich möchte mal versuchen, Deine Perspektive zu ändern. Das Buch kennst Du ja. Du weißt, dass der Alkohol Dein Dopaminsystem zerschossen hat. Das tut er auch bei "geringem" Konsum und auch, wenn man nicht täglich trinkt.

Dopamin lässt uns Highlights überhaupt empfinden.

So lange Dein Dopaminsystem in Schutt und Asche liegt, kannst Du anders als mit Alkohol keine emotionalen Höhen empfinden. Da nutzten Dir auch so wohlfeile Tipps wie "belohn Dich doch mal, gönn Dir was Schönes, mach Dir mal einen schönen Tag" so was von gar nichts. So lange Du es nicht empfinden kannst.

Guck mal hier. Da siehst Du auf einen Blick, wie es Deiner Gehirnregion geht, die für "Highlights" zuständig ist. Ausgeknipst. Tote Hose.

Erste Zeile: Tag 1 der Trockenheit. Zweite Zeile: Tag 15 (da tut sich doch was?). Letzte Zeile: Es funkt wieder (kann noch besser werden, aber hey!).

Indem Du immer wieder trinkst, bleibt Dein Dopaminsystem auch hinüber. Und die blöde Weinhexe erzählt Dir, das Leben ohne Alkohol ist ein Jammertal.

Durchbrichst Du diesen Teufelskreis, kommen auch die Highlights ohne Alkohol wieder. Versprochen.

Wie wäre es?

Liebe Grüße

Gaby



   
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