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Hi,
ich war bis vor 8 Monaten unter einem anderen Nick bereits hier. Ich bin nicht ausgeschieden wegen eines Rückfalls, sondern meine damaligen Probleme, welche nicht mit Alkohol ursächlich zu tun hatten, haben einfach überhand genommen und es war hier wohl auch nicht der richtige Ort dafür.
1 Monat nach meinem Ausscheiden hier, hat sich meine Welt komplett verändert. Mein Mann ist ohne Vorwarnung mit nur 55 Jahren binnen Minuten verstorben. Er war nicht nur mein Ehemann, er war mein bester Freund, meine Lebensmensch - er war der Grund warum das Leben wieder Freude machte - auch nüchtern.
Das war vor genau 7 Monaten - ich habe also die ersten Wochen funktioniert - habe das Begräbnis organisiert, habe Geld dafür aufgestellt, habe mich um die administrativen Dinge gekümmert ...... ein Rattenschwanz an Arbeit, der aber wunderbar von der neuen Situation ablenkt. Weihnachten, Silvester, sein Geburtstag Anfang Jänner - ich hab das alles alleine gemeistert. Es gibt kaum Familie, es gab kaum Freunde.
Zum Zeitpunkt seines Todes war ich 7 Monate trocken, ich habe weitere 2 Monate ausgehalten. Als ich dann aber wieder reduziert arbeiten ging und erstmalig realisierte, ich bin alleine, er kommt nicht mehr, habe ich mir wieder Alkhol gekauft. Ich blieb bei den "leichteren" Sachen - mir war vollkommen bewusst, dass ich nach dem ersten Rauschabend abdrifte - ich wollte es auch. Mehrmals habe ich darüber nachgedacht mich umzubringen, sich zu Tode saufen war eine schöne Vorstellung nur nach 4 Monaten wollte ich nicht mehr. Es würde ewig dauern bis ich draufgehe und derweil würde ich in den Ausnüchterungsphase in Selbstmitleid zerfliessen.
Die NEM Liste hatte ich noch, ich hab sie um Serosan und Melatonin ergänzt, habe wieder mit meiner Hausärztin gesprochen, hab zusätzlich noch ein leichtes Beruhigungsmittel bekommen und bin wieder komplett trocken.
Aber ich plane nicht mehr - ich plane nur mehr den aktuellen Tag. Ich sage nie mehr wieder " ich werde nichts trinken" sondern ich trinke heute nichts.
Ich bin nach wie vor am Boden zerstört - mein Mann war das Beste was mir passieren konnte. Ich bin nicht ausgesöhnt mit dem Schicksal in keinster Weise. Ich denke mir oft - wieviel muss ich noch in diesem Leben ertragen aber verdammt - ich werde versuchen es nüchtern zu nehmen. Der Ausweg zum Alkohol bleibt mir immer.
Gaby und so manch Anderer hier im Forum wollte mir zu meinem damaligen Problem mit dem Job gutgemeinte Tipps geben - leider, ich war in einer Spirale gefangen. 25 Tage vor dem Tod meines Mannes habe ich meine verkürzte Arbeitszeit angetreten. Ich habe aufgeatmet, es war hart und es ist auch jetzt noch hart, aber ich mache meine 3 Tage Dienst und dann drehe ich das Telefon ab. Wenn ich Lust und Zeit habe checke ich Mails an den freien Tagen, wenn nicht dann nicht. Es wird nach wie vor versucht aus mir mehr herauszupressen als da ist, aber ich habe Abstand gefunden. Und ich möchte nicht mehr darüber reden.
Jetzt bin ich auf der Suche nach mir - mir alleine ohne meinen Mann. Nachdem wir sehr viel Zeit miteinander verbracht hatten, ist das eine ziemliche Herausforderung.
Ach ja - weiblich 57 Jahre und war davor 2x bereits über mehrere Jahre trocken.
crazy2610
Einen Nachsatz hab ich noch:
Es war ziemlich ernüchternd (haha Wortwitz) wie sehr Trauer aus unserer Gesellschaft verbannt wurde, fast so wie Alkoholiker:innen
Es war ziemlich ernüchternd (haha Wortwitz) wie sehr Trauer aus unserer Gesellschaft verbannt wurde, fast so wie Alkoholiker:innen
Liebe Crazy, mein herzliches Beileid!
Wenn du magst, schreibe deine Trauer hier auf, ich höre (lese) dir zu!
Liebe Grüße Sonnenhuhn
@crazy2610 das tut mir sooo unendlich leid-ich kann’s gar nicht in Worte fassen. Es bricht einem das Herz…
Erstaunlich, wie stark du trotzdem sein musst, um nicht alle Vorsätze über Board zu werfen (ich hätt das in deiner Situation nicht geschafft, niemals…)
mein wirklich herzliches Beileid und viel Kraft und irgendwann wieder Lebensfreude für deinen derweiligen Weg alleine. Fühl dich umarmt!
@crazy2610 Puuh, crazy, das ist wirklich hart! Ich möchte Dir mein tiefes Mitgefühl bekunden. Ja, da gibt es keine "richtigen" Worte....... Ich bewundere Dich dafür, dass Du nicht aufgibst, Dich nicht aufgibst....... und bin froh, dass Du hier bist.
Allerliebsen Gruß
Yasmin
@crazy2610 willkommen zurück. Du hast mein tiefstes Mitgefühl. Ich wünsche dir ganz viel Kraft.
@lichtkind Nicht böse nehmen oder sein
aber genau mit solchen Aussagen fange ich garnicht an.
Nein es gibt nicht für alles einen tieferen Sinn, das Leben ist einfach nicht fair.
Und nochmals nein - ich bin extrem hart zu mir und ich kann dennoch nachsichtig zu Anderen sein, wohl nicht in diesem extrem Ausmaß mit Vollpolsterung rundherum aber durchaus gütig.
Tut mir leid aber NEIN dein Ansatz ist sowas von weit weg von meiner Welt
Dennoch lieben Gruß
crazy
Ich würde mich nicht als bitter sondern als Realistin bezeichnen.
Was ich erlebt habe - unglaublich. Die Leute WOLLEN nicht mit Trauernden reden, gleichzeitig wollen sie sich mit Ausflüchten aber die Absolution von mir holen, dass ihre Handlungsweisen okay sind.
NO WAY - sie können gerne Abstand nehmen, aber von mir bekommen sie für die Ausflüchte kein " ich verstehe dich eh".
LG crazy
@sonnenhuhn Danke - sonnenhuhn, welch lustiger Name.
Es passt schon, ich habe Kanäle die ich bediene
Schönen Tag
crazy
@crazy2610 alles gut, mein Leben ist nicht deines und umgekehrt
😎. Ich glaube auch garnicht dass das Leben "fair" zu sein hat. In meiner Welt schickt mir das Leben Wachstumsreize, es will mich frei sehen. Das fühlt sich nicht immer toll an. Manchmal ist es zum Schreien. Aber ich liebe mein Leben und will gerade nichts anderes als zufrieden und glücklich damit sein. PS: falls du das jetzt naiv und abgehoben findest ist das okay für mich. Ich fühle es so - obwohl ich gerade eine Diagnose bekommen habe mit der ich so garnicht gerechnet hatte. Aber das Leben muss vorwärts gelebt werden und wird rückwärts verstanden. Alles Liebe dir und das Allerbeste auf deinem Weg 🌹
Ich bewundere dich für deine Einstellung - kann sie nur nicht teilen.
Alles Liebe dir 🥀 🌹 🌺 🌻
@crazy2610 danke dir von Herzen ❤️ ich war auch nicht immer so aufgestellt wie jetzt. Alles hat seine Zeit.... Und davon hatte ich eine Menge in der ich mit meiner Hoffnung so gut wie am Boden lag..... Aber nie ganz. Irgendwie hatte ich immer die Gewissheit dass ich da raus komme, und heute ist es so.





