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Neue Alte wieder da

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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
Topic starter  

Hi,

ich war bis vor 8 Monaten unter einem anderen Nick bereits hier. Ich bin nicht ausgeschieden wegen eines Rückfalls, sondern meine damaligen Probleme, welche nicht mit Alkohol ursächlich zu tun hatten, haben einfach überhand genommen und es war hier wohl auch nicht der richtige Ort dafür.

1 Monat nach meinem Ausscheiden hier, hat sich meine Welt komplett verändert. Mein Mann ist ohne Vorwarnung mit nur 55 Jahren binnen Minuten verstorben. Er war nicht nur mein Ehemann, er war mein bester Freund, meine Lebensmensch - er war der Grund warum das Leben wieder Freude machte - auch nüchtern.

Das war vor genau 7 Monaten - ich habe also die ersten Wochen funktioniert - habe das Begräbnis organisiert, habe Geld dafür aufgestellt, habe mich um die administrativen Dinge gekümmert ...... ein Rattenschwanz an Arbeit, der aber wunderbar von der neuen Situation ablenkt. Weihnachten, Silvester, sein Geburtstag Anfang Jänner - ich hab das alles alleine gemeistert. Es gibt kaum Familie, es gab kaum Freunde.

Zum Zeitpunkt seines Todes war ich 7 Monate trocken, ich habe weitere 2 Monate ausgehalten. Als ich dann aber wieder reduziert arbeiten ging und erstmalig realisierte, ich bin alleine, er kommt nicht mehr, habe ich mir wieder Alkhol gekauft. Ich blieb bei den "leichteren" Sachen - mir war vollkommen bewusst, dass ich nach dem ersten Rauschabend abdrifte - ich wollte es auch. Mehrmals habe ich darüber nachgedacht mich umzubringen, sich zu Tode saufen war eine schöne Vorstellung nur nach 4 Monaten wollte ich nicht mehr. Es würde ewig dauern bis ich draufgehe und derweil würde ich in den Ausnüchterungsphase in Selbstmitleid zerfliessen.

Die NEM Liste hatte ich noch, ich hab sie um Serosan und Melatonin ergänzt, habe wieder mit meiner Hausärztin gesprochen, hab zusätzlich noch ein leichtes Beruhigungsmittel bekommen und bin wieder komplett trocken.

Aber ich plane nicht mehr - ich plane nur mehr den aktuellen Tag. Ich sage nie mehr wieder " ich werde nichts trinken" sondern ich trinke heute nichts.

Ich bin nach wie vor am Boden zerstört - mein Mann war das Beste was mir passieren konnte. Ich bin nicht ausgesöhnt mit dem Schicksal in keinster Weise. Ich denke mir oft - wieviel muss ich noch in diesem Leben ertragen aber verdammt - ich werde versuchen es nüchtern zu nehmen. Der Ausweg zum Alkohol bleibt mir immer.

Gaby und so manch Anderer hier im Forum wollte mir zu meinem damaligen Problem mit dem Job  gutgemeinte Tipps geben - leider, ich war in einer Spirale gefangen. 25 Tage vor dem Tod meines Mannes habe ich meine verkürzte Arbeitszeit angetreten. Ich habe aufgeatmet, es war hart und es ist auch jetzt noch hart, aber ich mache meine 3 Tage Dienst und dann drehe ich das Telefon ab. Wenn ich Lust und Zeit habe checke ich Mails an den freien Tagen, wenn nicht dann nicht. Es wird nach wie vor versucht aus mir mehr herauszupressen als da ist, aber ich habe Abstand gefunden.  Und ich möchte nicht mehr darüber reden.

Jetzt bin ich auf der Suche nach mir - mir alleine ohne meinen Mann. Nachdem wir sehr viel Zeit miteinander verbracht hatten, ist das eine ziemliche Herausforderung.

 

Ach ja - weiblich 57 Jahre und war davor 2x bereits über mehrere Jahre trocken.

 

crazy2610

 

Einen Nachsatz hab ich noch:

Es war ziemlich ernüchternd (haha Wortwitz) wie sehr Trauer aus unserer Gesellschaft verbannt wurde, fast so wie Alkoholiker:innen

 

 

 

 

 

 



   
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(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

Verfasst von: @lichtkind

Aber das Leben muss vorwärts gelebt werden und wird rückwärts verstanden.

Ich bewundere das auch, liebe Lichtkind! Habe aber auch Probleme mit dem "rückwärts verstehen" bei manchen Dingen, die ich schon erleben musste. Ich muss sie akzeptieren und meinen Frieden darüber finden, sonst machen mich diese Erlebnisse kaputt, aber verstehen kann ich sie vermutlich Zeit meines Lebens nicht. 



   
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lichtkind
(@lichtkind)
Mitglied
Nüchtern: 6 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 590
 

@rosine123 liebe Rosine, verstehen meinte ich eher nicht intellektuell. Es hat auch nichts damit zu tun das in Ordnung zu finden was uns zugemutet wurde. Es ist kein Verstehen im Sinn das es "Richtig" war was geschehen ist. Aber es ist Vergangenheit und nicht mehr veränderbar. Es geht auch nicht um vergessen oder schön reden. Vielmehr ist es ein vergeben, vor allem sich selbst zu vergeben. Im letzten hab ich mich Jahrzehnte dafür fertig gemacht, geschämt und mich schuldig gefühlt für das was ich mir nicht bewusst ausgesucht hatte. Das hat so viel Leben gekostet-und keinem gedient. Ich hab mir auch meine Sucht-Krankheiten nicht ausgesucht. Sie sind mir passiert. Basta. Und jetzt "verstehe" ich dass mein Leben mir immer wieder ein Zuckerl hingeworfen hat, dass ich endlich Mut zu mir selbst haben darf. Ich darf meinem innersten Kompass vertrauen. Und der ist unkaputtbar, war immer da..... Auch wenn ich in phasenweise nicht mehr spüren konnte. Und das wird immer so bleiben.



   
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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
Topic starter  

@lichtkind 

Ich hätte dich auch anders verstanden.

Bei der Lebensrückschau kann ich dir beipflichten - zurücksehen, annehmen, abhaken, vergessen. Und auf keinen Fall sich selbst die Schuld für jeden Pfurz geben der passiert ist.

Auch nicht unbedingt im ewigen Hadern mit dem eigenen Schicksal hängenbleiben, ja sich darüber aufregen, warum gerade ich usw..... aber dann aufhören und wieder nach vorne blicken.

Das Beste daraus machen mit dem Zeug das man gerade hat.

 

LG crazy

 



   
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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
Topic starter  

Holla fast schon wieder ein Monat ohne geschafft.

 

Wie die Zeit vergeht - wobei ich mich, wie schon beim vorherigen Mal, noch nicht besser oder glücklicher oder sonst was fühle.

Ich bin ausgeschlafener, wacher, aufnahmefähiger uuuuund - sehr zum Leidwesen gerade on job....... ich gebe weniger oft nach.

Mein Wahnsinnsjob hat sich auch mit der drastischen Stundenreduktion und dem Schutzschild des Witwe seins nicht merklich gebessert, aber ich habe aufgehört es allen Recht zu machen. Manchmal schmerzt es wenn ich dadurch dann quasi von links überrundet werde und meine GF Dingen zustimmt ohne sich von mir Expertinnenwissen zu holen, aber hey - es ist nicht mein Unternehmen.

Meistens schlagen diese Dinge dann irgendwann später bei mir auf - weil sie so verkorkst sind dass sie anscheinend außer mir niemand mehr hinbiegen kann. Aber auch hier ........ nicht mehr im stillen Kämmerlein die Notfallsretterin spielen, sondern mit Pauken und Trompeten und viel Trara mach ich jetzt darauf aufmerksam und ich habe Spaß daran.

Und wenn die Aufmerksamkeit dafür zu schmal ausfällt, wirds nicht rechtzeitig fertig.

Diese Vorgangsweise getraue ich mich nur im nüchterenen Zustand und weil es mir mittlerweile deutlich egaler wurde, was Jeti und Pleti am Arbeitsplatz von mir halten.

Trockenheit sei Dank

 



   
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nicotenner
(@nicotenner)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 426
 

@crazy2610 

Ich bin sehr froh, dass Du den Weg wieder hierhergefunden hast.

Deine Erzählungen berühren mich wie "damals“. 8 Monate sind eigentlich nicht viel, umso mehr war ich zutiefst geschockt zu lesen, dass Du so abrupt Deinen Mann verloren hast. Eines der schmerzhaftesten Ereignisse eines Lebens. Zumal ihr so eine Einheit gewesen seid. Das sind mein Mann und ich auch. Manchmal denke ich darüber nach, wie es wäre, wenn mein Mann sterben würde (letztes Jahr war er ein Notfall und er schrieb mir auf die schnelle eine Abschiedsmail – überlebte GsD). Je weiter ich diesen Gedanken ausführe, desto tiefer tut sich mir ein Abgrund auf und ich wünsche mir vor ihm zu sterben (ganz feig). Ich habe angefangen auf YouTube Berichte über Nahtoderfahrungen zu schauen – die machen mir das Ableben schmackhafter als das Hiersein.

Wenn es einfach wäre sich mit Alkohol das Leben zu nehmen, dann gäbe es mindestens ein Viertel der Menschheit weniger (nur meine persönliche voreingenommene Einschätzung). Doch wer will schon gerne elend zugrunde gehen mit schlimmsten physischen und psychischen Symptomen?

Daher verstehe ich, dass Du Tag für Tag neu entscheidest nüchtern zu sein – trotz Deines schmerzhaften Verlustes und der nach wie vor prekären Arbeitssituation.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und sende Dir liebe Grüße

Christine



   
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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
Topic starter  

@nicotenner Hi 😀 

 

Bei mir ist gerade so viel im Umbruch - der Tod meines Mannes lässt mich auf ganz dünnem Eis wandeln. Interessanterweise beim Alkohol nicht - also jetzt nicht.

Es sind jetzt 7,5 Monate und ich fühle mich halb. Wir haben davor schon zurückgezogen und auf uns fixiert gelebt, jetzt bin ich gänzlich alleine. Die wenigen vermeintlichen Freunde haben sich auch rasch als eher oberflächliche Bekannte oder Nicht-Bekannte entpuppt.

Die ersten Monate waren extrem schwer und ich habe täglich an Suizid gedacht - mein Leben war freiwillig komplett auf WIR ausgerichtet. Mein Mann hatte keine Anzeichen, er wurde ihm offensichtlich daheim übel, er hat sich auf die Couch gelegt und ist dort verstorben.

Ich habe ihn gefunden - ich war bis zum Eintreffen der Rettung mit ihm allein, dann hab ich seine Familie verständigt, noch 10min bevor mir offiziell sein Tod bestätigt wurde. Die kamen 2 Stunden später, sie wohnen weiter weg.......

Die Liebe meines Lebens lag dort - mit einem friedlichen Gesichtsausdruck aber tot.

Ich wurde nach den ganzen Formalitäten, nach der Leichenbeschau, nach dem Abholen seines Körpers usw. alleine gelassen. Ich war die erste Nacht ganz alleine daheim.

Genauso geht mein Leben weiter - ich finde kaum Menschen die mich verstehen und die ich verstehe. Ich fühle mich sehr einsam - ich funktioniere.

Ohne Alkohol spürt man diese Trauer noch viel stärker - das ist es was ich betäuben wollte. Ich wollte meine Gefühle nicht spüren, eigentlich will ich es noch immer nicht. Ich sehe sein Gesicht auf einem Foto, ich bilde mir ein seine Stimme zu hören, ich kann ihn manchmal riechen aber es verflüchtigt sich und das macht mir Angst.

Erst kürzlich war ich in der Lage den Grabstein auszusuchen - mit dem letzten Geld das mir blieb. Sterben muss man sich leisten können, wir waren sparsam aber wir hatten unser Projekt. Das meiste Geld ist dort reingelaufen. Begräbnis, Notar und Grabstein haben jetzt trotz Sparsamkeit und Abstrichen EUR 21.000 verschlungen.

Seine Mutter und die Geschwister hätten gerne Einzelteile vom Grundstück, die er gefertigt oder ausgesucht hatte. Aber sie verschieben es immer wieder - egal ob ich darunter leide oder nicht. Auch haben sie in ihrer Heimatgemeinde für meinen Mann einen Extra Eintrag am Familiengrab gemacht - weil für SIE ist er dort zu beweinen. Hier ist nur das Grab das ICH für ihn angeschafft und ausgesucht habe. Aber HIER verweilen seine Überreste!!!

Ich habe Existenzängste, ich kann irgendwelche Klugschei***sprüche nicht mehr hören..... " das Leben geht weiter", Zeit heilt alle Wunden, alles im Leben hat einen Sinn" kotzen könnte ich bei diesen Aussagen.......

Und meine Schwiegermutter die rund 150km entfernt sitzt und die noch kein einziges Mal gefragt hat wie es MIR geht, nur das sie ihren Sohn verloren hat, das sie nicht mit ihren anderen Kindern darüber reden kann weil die weinen alle gleich. Aber bei MIR kann man alles abladen, mich frägt man nicht wie es mir geht.

Ich versuche das zu vergessen, vergeben kann und will ich es nicht. Aber ich fand und finde meinen Vergleich noch immer treffend - sowohl Alkoholiker:innen wie auch Trauernde sind de facto in der Gesellschaft nicht vorhanden. Sie werden an den Rand gedrängt - teilweise wahrscheinlich weil man sich mit den eigenen Problemen und der eigenen Sterblichkeit befassen müsste.

Mein Mann der warmherzigste, freigiebigste Mensch den ich kannte und geblieben ist davon kaum etwas....... mich schmerzt es - ihn hätte es wohl nicht getroffen, weil er hat es für sein Seelenheil gemacht, nicht für Anerkennung. Seine Größe habe ich nicht.

Sein Tod hat mich noch härter gemacht - weil ich kann meinen Gefühlen oft keinen freien Lauf lassen, es fängt mich niemand auf. Aber ich funktioniere...... und bin auf der Suche nach mir allein.

 

 

 

 

 

 

 

 



   
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nicotenner
(@nicotenner)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 426
 

@crazy2610 

Ich kann nachvollziehen wie es sich anfühlt auf so dünnem Eis zu gehen. Ein Teil von Dir ist mitgestorben, so bringt nicht einmal der Alkohol das, was man sich in so einem Fall von ihm erwarten würde (was auch immer…).

Gut kann ich mich daran erinnern, dass ihr, wie Du so schön sagst – freiwillig - Eure Zweisamkeit für Euch gelebt habt und Euch eher von der Außenwelt zurückgezogen habt. Das machen mein Mann und ich ebenso. Wohlwissend, dass sich dadurch natürlich auch Türen schließen, weil Freundschaften auch gepflegt werden wollen. Mittlerweile werden wir auch nicht mehr eingeladen, bis auf die ganz Hartnäckigen. Es ist für die meisten Menschen unverständlich, dass man nicht dauernd oder wenigstens ab und zu Gesellschaft (oder wie meine Psychologen/-innen immer betont haben „soziale Kontakte“) schlichtweg nicht braucht und sogar belastend findet. Und das liegt nicht an den Menschen – die meisten liebe ich aus tiefstem Herzen. Jetzt bin ich abgeschweift…

Deine Schilderungen wie Du Deinen Mann gefunden hast und was Du danach alles erlebt hast – das geht mir sehr nah und war für Dich sicher traumatisch. Schön fand ich, dass er so friedlich ausgeschaut hat und auch, dass Du ihn noch manchmal riechen und hören kannst. Magic...

In der Todesnacht allein zu bleiben stelle ich mir unerträglich vor. 2012, als mein Mann und ich mal in der Pampa spazieren gingen, starb vor unseren Augen ein Jogger. Seine Frau erfuhr erst nachts davon und wurde damals von der Krisenintervention betreut und die war wohl die halbe Nacht da. Allerdings war der Fall auch anders. Wenn jemand die Rettung zu Hause ruft, dann kommen sie wohl nicht automatisch dazu. Das wäre sicher hilfreich gewesen in dieser Nacht jemanden da zu haben.

Du schreibst: „Aber bei MIR kann man alles abladen, mich frägt man nicht wie es mir geht.“       Kannst Du das in so einem Moment, wenn das bei Dir hochkommt, kommunizieren?

Ich denk an Dich und sende Dir einen virtuellen Drücker

Christine



   
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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
Topic starter  

@nicotenner 

"Gut kann ich mich daran erinnern, dass ihr, wie Du so schön sagst – freiwillig - Eure Zweisamkeit für Euch gelebt habt und Euch eher von der Außenwelt zurückgezogen habt. Das machen mein Mann und ich ebenso. Wohlwissend, dass sich dadurch natürlich auch Türen schließen, weil Freundschaften auch gepflegt werden wollen. Mittlerweile werden wir auch nicht mehr eingeladen, bis auf die ganz Hartnäckigen. Es ist für die meisten Menschen unverständlich, dass man nicht dauernd oder wenigstens ab und zu Gesellschaft (oder wie meine Psychologen/-innen immer betont haben „soziale Kontakte“) schlichtweg nicht braucht und sogar belastend findet. Und das liegt nicht an den Menschen – die meisten liebe ich aus tiefstem Herzen. Jetzt bin ich abgeschweift…"

 

Danke, dass du deine Gedanken mit mir teilst - genau wegen dieser Erfahrungen schreibe ich auch drüber. Hier eher weniger, weil wir sind ja wegen etwas anderem da, aber ja die Trauer spielt stark in meine Trockenheit mit rein.

Ich habe in den letzten Monaten viel darüber nachgedacht. Mein Mann und ich, wir waren keine Einsiedler, aber beide Vollzeitjobs, uns selbst genügend, einige Interessen die man gut alleine machen kann - schwupps sind die Tage und Abende vorbei. Mein Mann hatte vor Corona jahrzehntelange wöchentlich seine Brettspielrunde. Also wir hatten schon Anschluss - ich eher nicht so regelmässig aber doch. Mit unserem Projekt und Corona wurde es halt noch weniger, aber es hat nicht gestört. Uns war nie fad, wir haben nichts vermisst.

Nun - nachdem er und somit das Projekt, für das wir fast jeden freie Minute der letzten 5 Jahre aufgebracht hatten, wegfällt, ist es für mich wirklich sehr sehr ruhig und ja etwas einsam.

Klar ich war bis vor 2 Wochen damit beschäftigt seine Verlassenschaft abzuhandeln, das Projekt habe ich ja noch immer an der Backe und eine bestimmte Stelle aus der Verlassenschaft auch. Aber gerade der Verkauf vom Landhaus und Grund fällt mir so schwer. Ich muss es wegbringen, weil nun das Ende des Geldes erreicht ist. Ich war in den letzten 7 Monaten 5x draußen - es verwildert zusehends. Nur ich bekomme da draußen keine Luft, ich werde panisch, ich weine ohne aufhören zu können. Ich - die sich ansonsten sehr gut im Griff hat. 

Nun ja jedenfalls habe ich schon sehr oft darüber nachgedacht, ob ich mit dieser Fokussierung nur auf unsere Zweisamkeit mich selbst in dieser Lage manövriert habe? Ob ich nicht selbst daran schuld bin, jetzt so ganz alleine dazustehen?

Ich denke ja - aber, weil ich ja viel Zeit hatte zum Überlegen, glaube ich auch, dass Menschen ohne Kinder in meinem Alter generell kein großes echtes Freundschaftsnetzwerk mehr haben. (wegen schnelllebiger Zeit, Fokussierung auf Konsum anstatt auf innere Werte etc.)

Diesen Gedanken habe ich doch glatt auch laut ausgesprochen, in einer Runde von Bekannten, die mir alle versicherten, ihnen könnte meine Situation so nicht passieren (sehr sehr freundlich und vorsichtig) , weil sie hätten genügend Freunde die sie auffangen und begleiten würden.

Ich habe es also darauf ankommen lassen und gefragt wer sich traut, 8 Wochen lange, sich bei seinen Freunden nicht zu melden um festzustellen wer vermisst wird und wer nicht !! April und Mai haben wir ausgesucht - es haben 2 Personen mitgemacht. Ich war verwundert überhaupt jemanden gefunden zu haben. Eine Dame ist beruflich sehr eingespannt, hat 2 erwachsene Söhne, eine Mutter, eine Schwester, normales Umfeld, einige Freunde und Bekannte.

Sie hat mir gesagt, außer ihrer Familie hat sich in den 8 Wochen nur 1 Freundin bei ihr gemeldet.

Die zweite Person, ebenfalls weiblich, rühmt sich, einen besonders großen Freundes/Bekanntenkreis zu haben. Auf FB und Instagram um die 3500 Follower gemeinsam, extrem kommunikativ (um nicht zu sagen eine Tratsche) - überhaupt nicht kontaktscheu usw....... Familie nur mehr Mutter und Ehemann plus Kinder des Ehemannes aus erster Ehe inkl. deren Partner:innen. Von ihr war ich verblüfft - ich hätte nicht gedacht dass sie mitmacht. Aber sie war sich so sicher und sie hat versprochen, außer die absolut notwendigen Telefonate und Treffen niemanden von sich aus anzurufen oder zu kontaktieren.

Sie hat nach 3,5 Wochen abgebrochen - sie hatte ihre notwendigen Treffen (ist in mehreren Verein im Vorstand in ihrer Freizeit) hat sich ansonsten bei niemanden gemeldet. Sie wurde in dieser Zeit auch von niemanden kontaktiert, nicht mal von der Mutter, weil die war im Urlaub.

Ihr Resümee war " sie will wieder in ihre oberflächliche Welt abtauchen, sie will darüber nicht nachdenken"

Zuerst war ich wegen dieser Aussage voll sauer - dann aber habe ich mir überlegt, sie hat für sich recht. Warum sich darüber Gedanken machen wenn man es beiseite drängen kann ? Wer das lockere Naturell dazu hat, der hat einen Vorteil. Und ich sage das ohne Groll.

---------------

So aber jetzt genug davon - ja es gibt auch hier die Krisenintervention, die aber eigentlich unter einem anderen Namen läuft. Die war auch bei mir, bevor die Familie eintraf. Sie sind gegangen als die Familie da war. Das Mutter, Schwestern und Schwager dann wieder heimfahren wusste von denen keiner.

Ich wollte es aber auch nicht - sie haben es zwar nicht angeboten, ich habe aber auch nicht danach gefragt. Seine Familie sind für mich immer Fremde geblieben. Sie haben eine ganz andere Art zu Leben, haben noch immer einen sehr guten Kontakt und Freundschaft zu seiner Ex-Partnerin usw.

Was mich zum nächsten Punkt führt - seine Familie hat zu seinem Begräbnis, welches ich zur Gänze alleine ausgerichtet und bezahlt habe, seine Ex-Partnerin eingeladen. Ich habe es in einem Nebensatz erfahren. Um diese Pein irgendwie abzuwenden, habe ich sie selbst angerufen und dazu eingeladen - habe so getan als wüsste ich nicht dass seine Familie bereits mit ihr gesprochen hatte.

Ich habe diese Dame für meinen Mann eingeladen - weil er keinen Streit gemocht hätte. Dafür aber war diese Person die Einzige, die es nicht geschafft hatte, mir am Begräbnis zu kondolieren. Dafür hat sie der Schwiegermutter ein Geldkuvert für mich zugesteckt. Welches ich natürlich nicht angenommen habe.

Die Familie meines Mannes fand es am Begräbnis auch nicht der Mühe wert sich zu mir zu setzen. Ich wurde von einer guten Freundin gestützt.

Ich habe mich um alle Dinge rund um Begräbnis, Verlassenschaft, Verträge, seinen Arbeitgeber usw. alleine gekümmert. Ich habe alles alleine bezahlt, niemand hat mich danach gefragt ob ich durchkomme.

Was ich festgestellt habe - und nun endgültig zurück zum Alkohol - Alkohol beeinträchtigt die "normale" Trauerarbeit.

Mit Alkohol kann man sich wunderbar betäuben, aber du arbeitest nichts auf. Trauerarbeit ist unheimlich schmerzvoll und oft schon wollte ich lieber sterben als diesen wahnsinnigen Schmerz in mir zu spüren.

Dennoch das Ertragen der Trauerwellen im nüchternen Zustand bringt einen weiter - nicht das man vergisst sondern das man vielleicht einen Weg findet, allein weiterzuleben, vielleicht irgendwann wieder einen Sinn finden usw.....

Mit Alk - no way - du bleibst in der Schockstarre, bist noch unfähiger irgendetwas zu realisieren. Ich würde es beschreiben mit " man bleibt in dieser Phase die eintritt, wenn das Begräbnis vorbei ist und man erstmals im Alltag den Verlust spürt"

Das ist der Moment des ersten großen Lochs, das man tatsächlich als solches erkennt.

Spannend bei meinem Alk-Verhalten finde ich ja auch - sobald ich funktionieren MUSS weil sonst keiner da ist mir zu helfen, kann ich trocken sein.

 



   
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(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

Verfasst von: @crazy2610

Diesen Gedanken habe ich doch glatt auch laut ausgesprochen, in einer Runde von Bekannten, die mir alle versicherten, ihnen könnte meine Situation so nicht passieren (sehr sehr freundlich und vorsichtig) , weil sie hätten genügend Freunde die sie auffangen und begleiten würden.

Da stimme ich dir voll zu. Ich habe zwar einige Freunde, habe aber schon seit Jahren festgestellt, dass die meisten Freundschaften quasi "von mir unterhalten werden", dass ich meist diejenige bin, die mal wieder ne Whatsapp schreibt (ich telefoniere ja gar nicht gerne) etc. Seit mir das aufgefallen ist, investiere ich mich da jetzt nicht mehr so wie früher und hab's kürzlich sogar mal erlebt, dass sich eine Freundin seit Längerem mal wieder von sich aus gemeldet hat 😀. Bei ein paar wenigen Freunden wird die Beziehung gleichwertig aufrechterhalten. Da ich aber seit über 30 Jahren mit meinem Mann (glücklich) zusammen bin und wir ein gutes Verhältnis zu unseren Kinder haben, ist mein privates Netzwerk sowieso schon gegeben. 

Habe das, was du erzählst, schon öfter von Trauernden gehört, dass man nach ein paar Wochen spätestens recht alleine da steht, weil dann das Interesse abflaut. Dass das bei dir von Anfang an so war, macht mich sehr traurig und auch wütend, gerade in Bezug auf die Family deines Mannes ... Da fehlen mir echt die Worte ... 



   
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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
Topic starter  

3.8.23

 

Da bin ich wieder - nach meinem gestrigen tiefen DOWN geht es heute an der Null-Linie weiter.

Ich hatte die Arztbesprechung, die wirklich gut lief. Ich lese zum wiederholten Male Alkohol Ade und nehme mir noch immer Neues daraus mit.

Heute vormittag habe ich mich über WA-Sprachnachrichten mit meiner Sober-Freundin ausgetauscht. Ich will sie im Moment nicht zu viel in Anspruch nehmen, da sie selbst mit einem großen negativen Thema gerade stark beansprucht ist. Im Gegenteil, ich versuche gerade Support zu geben - weil was sie gerade erlebt ist nichts Alltägliches.

Das Blutbild also hat dem Doc sehr gut gefallen - beim Ferretin hat er gemeint, da die anderen Werte nicht aus der Norm fallen, machen wir hier mal nichts.

Und ich muss sagen - ich bin wirklich erstaunt. Ich habe durch den Ansatz aus dem Buch mit Aminosäuren/Vitaminen/NEMs vieles für mich weiter recherchiert und bin wirklich dankbar darüber diesen Ansatz überhaupt bekommen zu haben. Ich bin fest davon überzeugt, diese Blutuntersuchung ist nur deswegen so positiv, weil ich auf meinen Körper gehört habe und das zugeführt habe was benötigt wurde.

Ich werde nun gemäß harley und Anderen mein GABA raufschrauben. Das habe ich im vergangenen Jahr nicht wirklich in großer Höhe gebraucht. Ich habe aber heute morgen schon Nachschub bestellt und vor dem Arzttermin ein Sackerl eingenommen.

Nachtritual ist auch als Anregung gefallen - auch hier werde ich mir etwas zurecht legen. Ich möchte einfach das Gefühl einer durchgeschlafenen Nacht mit erfrischt und ausgeschlafen aufwachen, wiederhaben. Zumindest gelegentlich.

Was ich aber wieder habe und was mich unheimlich freut - durch meine drastische Stundenreduktion on Job werde ich ja schon auch auf die Seite geschoben, damit umgehen lerne ich gerade, aber ich werde in der Tat doch gelegentlich gelassener.

Ich sehe nun aber auch den Trümmerhaufen - einerseits durch die jahrelange permanente Unterbesetzung aber wahrscheinlich auch weil ich doch durch meine Trinkerei einiges schleifen habe lassen bzw. für mein Team nicht in der Form da war die sie gebraucht hätten. Das nun noch auf Grade zu biegen ist mein Wunsch.

Wobei anders betrachtet - ich habe das alles trotz Trinkerei und trotz Ausbeutung seitens des Arbeitgebers noch recht gut beisammen gehalten.

Und genau dieser fett gedruckte Satz ist der Unterschied von HEUTE zu vergangenem Jahr. Und darauf bin ich stolz - auch weil ich es nüchtern noch viel mehr drauf habe.

 



   
5
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