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Nachdem ich seit etwa zwei Wochen hier still mitlese, wird es wohl der Höflichkeit halber Zeit, mich kurz vorzustellen. Ich nenne mich hier WEINende, was hoffentlich bald zu weinENDE wird 😉
Ich lebe in einer Region, in der Alkohol eine riesige Rolle einnimmt und das tut er auch in meinem Leben....
Leider gehöre ich zu den Menschen, die nach einer Magenbypass Operation vor 6 Jahren nicht mehr gut auf die Beine kommen. Erst lag ich im Koma und dann trank ich mich regelmäßig ins Koma.
Mittlerweile bin ich bei zwei Flaschen Weißwein täglich und das über den ganzen Tag verteilt. An wirklich üblen Tagen können es auch bis zu 3 werden. Es ist ein unglaubliches Wunder, dass ich A) noch immer gut funktioniere, arbeiten gehe und auch meinen anderen Aufgaben nachkomme und B) ich tatsächlich keine körperlichen Entzugserscheinungen habe, wenn ich, so wie zB heute mal versuche erst einmal nicht zu trinken. Also ich zittere nicht, habe keine Schweißausbrüche und mein Puls/Blutdruck ist ebenfalls in der Norm.
Ich bin mit einem unglaublich geduldigen und liebevollen Mann verheiratet, den ich unfassbar mit meinem Verhalten quäle. Er sieht, dass ich mir am Abend zumindest fast eine ganze Flasche reinkippe und vermutet sicherlich, dass ich mehr trinke, das bekommt er aber nicht wirklich mit und ich rede auch nicht mit ihm darüber. Aus Scham, aus Angst, er könnte mich doch noch irgendwann verlassen, aus Sorge, er würde sich dann noch mehr um mich sorgen... Er selbst trinkt nur sehr wenig und würde es auch ganz lassen, wenn ich das wollte.
Am liebsten trinke ich alleine, wie so viele Fulltime Alkoholiker:innen. Auch aus Scham, auch aus Gier, auch aus Schuldgefühl heraus.
Ich dachte, dass ich wegen meines Jobs, den ich nach der OP angetreten habe in diese Lage geraten bin. Ich unterrichte. Das macht mir einen wirklich großen Spaß, aber das Drumherum ist kaum erträglich und wird immer unerträglicher. Getrunken habe ich zwar schon zuvor einiges, aber weder regelmäßig noch in diesen großen Mengen. Irgendwann fand ich es eine gute Idee, nach Feierabend, während des Spaziergangs mit dem Hund eine Weißweinschorle zu trinken. Die gibt es hier praktischerweise überall gekühlt in 0,5l Plastikflaschen zu kaufen. Hat mich irgendwie beruhigt und so wurde es zum Ritual zur "Me-Time". Dann kam Corona und irgendwie wurde aus dem Spritzer zum Feierabend 3 Spritzer über den Tag verteilt und dann am Abend gerne auch noch ein guter Weißer... Spirale abwärts.
Ich habe eine Therapie begonnen und sie abgebrochen, weil mir die Therapeutin nichts neues sagen konnte. Ich kenne meine Traumata gut und arbeite viel daran. Mein Mann ist seit über 20 Jahren ständig im Bereich der Gesprächstherapie tätig. Da kann man (manchmal auch leider) gar nicht anders, als sich ziemlich intensiv mit sich selbst zu beschäftigen.
Ich bin zum Psychiater gegangen, um mir Dependex verschreiben zu lassen. Ich wollte die Sinclaire Methode ausprobieren. Das hat gar nicht gut geklappt, weil ich einfach "drüber" getrunken habe.
Ich war beim TCM Arzt, der mich oft akupunktiert hat und mir einen Tee zusammengemixt hat. Auch hier war der Nutzen gering, denn ich habe es boykottiert, indem ich einfach drüber getrunken habe. Oft bin ich betrunken dort aufgetaucht, auch bei der Therapie, aber entweder haben sie nichts gemerkt, oder wollten es nicht....
Auch in der Schule bin ich echt erstaunt, dass noch nie jemand was zu mir gesagt hat. Dabei trinke ich sogar in den kurzen Freistunden. Es ist so erbärmlich...
Ich habe verdammt gute Gründe aufzuhören. Nummer 1 meine Gesundheit. Ich bin schon einmal haarscharf am Tod vorbei geschrammt, ich sollte dem Schicksal danken, indem ich mich gesund halte. Nummer 2 mein Mann, der immer an meiner Seite stand und es auch jetzt tut, den ich sehr liebe und der mich unterstützt wo er nur kann. Nummer 3 meine kleine Enkelin, die mich vor einigen Monaten zu einer sehr jungen (Stief)Oma gemacht hat und die ich gerne aufwachsen sehen und ihr ein Vorbild sein möchte. Nummer 4 meine Selbstständigkeit, die ich wieder voranpushen könnte, wenn ich nicht ständig besoffen in der Gegend rumliegen würde, sondern meine Zeit mit Arbeit nutzen würde. Dann könnte ich auch aufhören zu unterrichten.
Ich bin eine sehr warmherzige, gutmütige, humorvolle, liebevolle Person, die diesen Planeten gerne ein bisschen besser zurücklassen würde, als sie ihn vorgefunden hat. Und dennoch schmeiße ich all diese guten Voraussetzungen mit jedem Schluck weg. Bisher hatte ich nicht ganz verstanden, warum ich das tue und mich jeden Tag aufs neue von Dr. Jekill in Mrs. Chardonnaymonster verwandle, meinem Umfeld und mir das antue.
Ich habe zwar extrem viel Literatur darüber gelesen, besonders im Englischen gibt es da ja viel , zB von Annie Grace "This naked mind", aber auch "The unexspected joy of being sober" und Alcohol explained und und und... ich habe etliche Podcasts zum Thema gehört und bin immer wieder mit guten Vorsätzen erwacht, nachdem ich mich Nachts in großem Maße selbst gehasst und mein Leben verflucht habe. Nur eines habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Nicht getrunken.
Das letzte Mal war, so glaube ich, 2021 im August oder doch 2020 (?) Da habe ich das Alcohol Experiment von Annie Grace gemacht. 30 Tage nicht getrunken oder fast 30 Tage, denn dann ging die Schule wieder los und ich habe schon nach dem ersten Schultag am Supermarkt gehalten und mir meine Lieblingsdroge, die Schorle geholt.
Wie gesagt, ganz verständlich war mir das nicht, bis ich vor etwa 2 Wochen natürlich Nachts, wenn ich eigentlich schlafen sollte, vor lauter Selbsthass mal wieder gegoogelt habe, was man sonst noch machen könnte, um endlich wieder frei zu sein. Da kam wie ein Wunder dieses Konzept als Ergebnis und ich habe wirklich begriffen! Die Zusammenhänge wurden klar und ich habe das Buch bis zum Weckerklingeln um 5 Uhr fast durchgelesen gehabt.
Die meisten Nährstoffe sind bereits bei mir angekommen, wobei ich sie nun zusätzlich zu denen nehme, die ich ohnehin wegen meines Magenbypasses nehmen muss. Es geht mir um vieles besser insgesamt. Momentan trinke ich jedoch noch - also heute tatsächlich noch nicht....und dazu möchte ich gleich noch etwas sagen. Morgen kommt endlich das Gaba an.
Jetzt habe ich tatsächlich Angst. Zwar habe ich wie gesagt, keine Symptome und meinen Partner an der Seite, dem ich sage, wenn ich komplett aufhöre zu trinken. Allerdings ist meine Hausärztin nicht wirklich eine Hilfe und hier in der Nähe gibt es zwar eine Suchtberatung, aber keine für Alkohol. Eine Selbsthilfegruppe kommt im Moment für mich nicht in Frage.
Dieses Mal möchte ich wirklich von ganzem Herzen aufhören, aber ich sorge mich, dass ich zB in der Schule nächste Woche einfach krampfen könnte - man liest da ja Horrorstories. In 6 Wochen geht es in den Urlaub und den möchte ich zum ersten Mal seit ewigen Zeiten nüchtern verbringen. Vorher sind schon eine Woche Ferien. Deswegen frage ich mich, ob ich den Start des Nichttrinkens bis dorthin verzögern sollte und bis dahin "einfach" reduziere und die NEMs einfach trotzdem nehme. Ich vertrage sie gut und ich spüre, wie es mir viel besser geht und wie ich auch weniger Lust aufs Trinken habe.
Was meint ihr?
Jetzt ist die Vorstellung doch lang geworden. Ich bitte um Entschuldigung und Danke für eure Zeit.
@weinende Danke für deine lange Vorstellung und herzlich willkommen hier im Forum! 🧡 Wenn du bisher täglich 2-3 Flaschen Wein getrunken hast, würde ich es nicht riskieren einfach ohne ärztliche Begleitung von heute auf morgen aufzuhören. Entweder über die nächsten Wochen selbst runterdosieren oder einen begleiteten Entzug machen. Alles Gute für dich und viel Erfolg!
@rosine123 ich danke dir für deine freundliche Antwort. Hast du Erfahrung mit "runterdosieren" bzw. gleichzeitigem runterdosieren und NEMs?
@weinende Ich habe selbst über ein paar Tage von 1,5 Litern Wein auf null runterdosiert. Von "Alkohol adé" erfuhr ich erst am 4. Tag meiner Nüchternheit und begann deshalb erst etwas später mit den NEMs.
@rosine123 Wow das ist stark, ich werde mal sehen, ob ich deine Geschichte hier im Forum finden kann. Du kannst wirklich stolz auf dich sein.
@weinende Herzlich Willkommen, ich habe die tägliche Trinkerei nach 40 Jahren, vor gut 2 Jahren mit Hilfe des Konzeptes endgültig eingestellt. So schwer war das nicht. Ich lag bei 1-2 Flaschen Wein täglich, habe das über einige Wochen konsequent reduziert, und dann mit dem Konzept begonnen. Ich hatte keinerlei körperliche Entzugserscheinungen. Natürlich hatte ich auch Angst ohne Alkohol zu leben, das waren nur die Stimmen meines süchtigen Ichs, die schnell verstummten. Heute geht es mir großartig, das kannst du auch schaffen. Viel Erfolg.
@soberrebel Herzlichen Dank für deine Antwort. Ich habe tatsächlich keine Angst davor ohne Alkohol zu leben, im Gegenteil habe ich Angst vor einem Leben mit weiterem Alkohol 😉
Meine Angst bezog sich tatsächlich auf die körperlichen Nebenwirkungen. Es ist toll zu lesen, dass auch du es mit runterreduzieren geschafft hast. Damit werde ich heute definitiv beginnen. Bzw. ich habe es schon getan, denn um die Uhrzeit habe ich im Normalfall schon eine Flasche intus. Heute noch nichts und das bleibt auch bis zum Abend so. Ist nämlich nichts im Haus und mein Mann da.
@weinende Mache es nicht zu schnell, aber konsequent. Du wirkst sehr motiviert und bist nicht alleine, das sind gute Voraussetzungen.
@weinende Von mir gibt es keinen längeren Thread, in dem du meine Geschichte nachverfolgen kannst. Ich schreibe eher immer mal wieder in verschiedenen Threads. Ich hatte es einfach so leid, vom Alkohol versklavt zu sein und ständig heimlich Alkohol in verschiedenen Shops zu kaufen, dann vor allem heimlich zu konsumieren und wieder irgendwo zu entsorgen (einfach das ganze Programm, das dazu gehört), das half mir sicher auch. Nun bin ich einfach dankbar, dass ich frei leben darf. Ich will nie mehr diese Freiheit verlieren.
@weinende: Ich gehe davon aus, dass du angestellte Lehrerin bist, oder?
Eine mögliche Anlaufstelle zur Unterstützung wäre die "Schulpsychologische Beratungsstelle", die Mitarbeiter*innen dort haben Scherigepflicht gegenüber dem Dienstherrn!
Du schriebst, dass du erst deinen Konsum so erhöht hast, als du das " Drumherum" in der Schule nicht mehr ertragen konntest! Das deutet doch sehr darauf, dass du Entspannungstrinkerin bist (ich selbst als Lehrerin kenne das sehr wohl)!
Ich könnte mir daher vorstellen, dass du Hinweise sowohl bezüglich des Umgang mit Stress als auch Hinweise zu möglichen Fachleuten bezüglich der Sucht bekommst.
Ich habe dort gute Erfahrungen im Rahmen einer Supervision gemacht!
Liebe Grüße
Sonnenhuhn





