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Mit guten 20 Jahren, voll im Saft, sagte ich mir einmal: Tim, wenn Du jetzt immer Bier zu Hause hast, wirst Du iwann zum Alki.
Bis dahin hatte ich nur gekifft, aber in der Azubi-WG kam dann immer mehr Bier ins Spiel.
Da gewöhnte ich mich dran.
Auf Partys viel, und im Alltag (abends) immer öfter.
Ich wurde unbemerkt regelmäßiger Feierabend-Trinker.
Das Kiffen stand im Vordergrund, das realisierte und akzeptierte ich.
Das war gut so.
Aber das trinken schlich sich ein.
Ich wurde Vater, merkte dass ich wegen dem Kiffen morgens nicht ausm Knick kam.
Daher habe ich vor 5 Jahren Kiffen aufgegeben, aber es hat sich alles langsam und subtil nur zum Alk hin verlagert.
Vom Regen in die Traufe.
Vom - Regen - in - die - Traufe.
Kein Kiff mehr.
Und der Mehr-Konsum von Alk schlich sich unbemerkt, gaaanz langsam ein.
Wurde zur Gewohnheit.
Jetzt bin ich 45, trinke täglich Bier. Fast immer nur abends, wenn alle (Frau & Kinder) im Bett sind.
Aber dann 4-8 Halbe (80g bis 160g Alk).
Auf Familienfeiern bleibe ich meist nüchtern, oder "gönne" mir nur 1-2 Pils 0.33L
In Gegenwart meiner Familie trinke ich kaum.
Mit meinen Kumpels ODER ALLEIN habe ich hingegen keinerlei Hemmungen.
Unter Fremdkontrolle hab ich mich im Griff.
Aber ohne... uferlos.
Ich hab die Schnauze voll - und zwar ganz einfach, weil ich meinen Alltag (tagsüber) nicht mehr im Griff habe. Ich bin völlig gelähmt. Komme nicht vom Sofa hoch, kriege nur das allernötigste hin (Job, Kids abholen und abfüttern, ...)
Seit langem nehme ich Antidepressiva, da es mich immer mal wieder so richtig aus der Bahn geworfen hat. Antriebslosigkeit, Erschöpfung. Manchmal auch nah am Wasser.
Hausarzt, Neurologe, Psychotherapie, Traumatherapie, Apnoe-Therapie mit CPAP --> Trotzdem immer tagsüber ohne Energie. Erst abends geht's steil. Und warum?
Kollege Alk ploppt. Gehirndusche.
Die Akku-Ladung für morgen wird noch heute Nacht verballert! Geil!
Ich habe heute die ersten 50 Seiten von Gabys Buch "Die Suchtlüge" verschlungen und bin sehr aufgewühlt. Und hoffnungsvoll.
Ich verstehe plötzlich so viel - und Schuldgefühle fallen von mir ab.
Ich verstehe plötzlich, warum mich SSRI (= Antideprssiva = Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) mich ansatzweise hochbringen. Aber nicht so richtig. Eigentlich kaum. Aber halt doch ein bisschen.
Gabys Buch "Die Suchtlüge" hat mir schon auf den ersten 50 Seiten (weiter bin ich noch nicht) die Augen geöffnet - ich haue meinen Stoffwechsel mit Alk und Kippen abendlich durcheinander, so richtig und amtlich, die Belohnungs-Autobahnen in meinem Gehirn werden mit Hilfe von Bier-Dopamin ausgebaut und gefestigt.
Und ich versuche mit Antidepressiva dagegen zu steuern? Haha!
Um meinen durch Alk und Rauch verkackten Serotonin-Haushalt wieder ins Lot zu bringen?
HA HA!
Diese Erkenntnis ....
Ich war in Psychotherapie wegen meiner Antriebsschwäche.
Und im Schlaflabor wegen meiner Apnoe.
WOHER KOMMT DAS, DASS ICH TAGS KEINE ENERGIE HABE, NUR ABENDS?
Dann war ich bei der Suchtberatung - alle spontanen Analysen und angebotene Unterstützungen haben mich abgeschreckt.
Also: weiter so. Trinken, leugnen, eingestehen, Scham, einschränken, abstürzen. Und: nochmal! Scham. Selbstverachtung. Schwäche. Und: nochmal!
Symptome von Alkoholismus leugnen, auf Krankheiten oder 1000 andere Gründe schieben:
Apnoe. Depressionen. Überlastung. Eule zu Lerche. Beziehung toxisch? Bore-out im Job?
Mit jedem Abend, an dem ich mich zurückziehe um (unbemerkt?) zu trinken, entferne ich mich weiter von meiner Frau, meinen Kindern und von MIR SELBST!
OK, hier beginnt meine Reise, ich habe keinen Entschluss, kein Ziel - aber die Einsicht: SO geht es nicht weiter, so ruiniere ich mich und meine Familie.
Und ich glaube, nach 50 Seiten Lektüre, das Stellrad gefunden zu haben:
Suchthygiene.
Autobahnen bauen - eigentlich doch ein cooler Job ?!
Ich will wieder Herr meiner Synapsen werden. Wie einst - damals. Als Kind.
Wie als Jugendlicher - der, der ich vor der ersten Zigarette, dem ersten Bier, dem ersten Joint war.
Das war doch rückblickend die beste Zeit....
Ich bin sehr gespannt.
Noch fühlt es sich nicht so an, als ob ich diesem Text morgen im nüchternen Zustand zustimmen könnte....
BG,
Tim
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PS: Dank Bio LK vor 25 Jahren verstehe ich den Scheiß mit Neurotransmittern, Synapsenspalt usw. sofort - ich frage mich wie man hier z.B. Hauptschüler aus den 90ern abholen könnte?!
PPS: Dieser Text wurde nach Konsum von 3 Litern Bier verfasst (=6 Halbe = 9x0.33 = 120g Alk ...meine Fresse)
3 Wochen rum - ich werd immer mehr und mehr "der alte".
Dinge, die ich sonst spät Abends bis in die Nacht erledigt habe (und nebenher ein Bier nach dem anderen inhalierte) mache ich nun teils tagsüber, teils morgens - das war bis vor 3 Wochen unvorstellbar, morgens was produktives auf die Reihe zu kriegen.
Zitat meines 9-jährigen: Papa, das ist ja wahnsinn, 2 Wochen und alles ist anders! Ich kann das gar nicht glauben, dass das Bier sowas macht. Das ist doch ein Getränk, fast wie Wasser oder Saft, das glaubt man doch nicht! Ich glaub ich trinke nie Bier...





