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Von Engelchen und T...
 
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Von Engelchen und Teufelchen

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(@alex7)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 676
Topic starter  

Hallo zusammen! Nach ein paar Tagen als stiller Mitleser möchte ich nun auch gerne meine „ Geschichte“ mit euch teilen. Kleiner Spoiler – es könnte ein kleiner Roman werden.

Ich bin vor kurzem 35 geworden, habe keine Kinder im klassischen Sinne (meine 3 Katzen sind eben diese für mich), einen festen Partner (ich bin ein Mann) seit 15 Jahren und einen festen Job seit circa 12 Jahren.

Ich hatte eine zusammenfassend akzeptable Kindheit, in der nie etwas wirklich schlimmes passiert ist und auch die Homosexualität hat nie dazu geführt, dass ich irgendeine Art Ausgrenzung weder in der Familie noch meiner unmittelbaren Umgebung erlebt habe. Ein Outing als Teenager ist zwar nicht das leichteste der Welt; aber das wäre jetzt eher Stoff für einen anderen Blog 😉

Dennoch leide ich seit frühester Jugend an Depressionen; wie so viele von uns. Sie kamen, waren immer da und werden auch für immer bleiben. Öfter habe ich bereits über mögliche Behandlung nachgedacht. Dennoch habe ich abschließend meine Entscheidung getroffen, diese ständigen Begleiter – ich nenne sie liebevoll Engelchen und Teufelchen; es gibt mich nur mit den beiden – mit mir selbst auszumachen. Ich denke auch (als nicht studierter Psychologe), dass ich Gott sei dank keine schwere Form habe. Ich kann jeden Morgen mein Bett verlassen und bin auch nicht suizidal; aber manchmal sind da eben diese bösen und traurigen Gedanken und in diesen Zeiten geht es mir eben auch nicht gut. mal dauert dieser Zustand ein paar Stunden, manchmal ein paar Tage. Irgendwann geht es mir aber immer wieder gut.

Warum erzähle ich das?

Diese mentale Situation ist der Grund für meine Abhängigkeit. Gezielt habe ich mit ca 18 Jahren täglich Bier oder stärkeres aus dem elterlichen Vorrat genommen um Abend für Abend die traurigen Gedanken zu betäuben, was wunderbar funktioniert hat und bis heute anhält (auf den aktuellen Zustand der Abstinenz / meines Trinkverhaltens komme ich später).

Vom Prinzip her bin ich ein Trinker wie es die meisten hier auch sind. Der Tag beginnt mit einem Kater und einem geschwollen Gesicht. Dann muss erst mal Kaffee her. Der Arbeitstag beginnt, ist mal stressiger, mal weniger – umso stressiger, umso früher kommt der Gedanke an den vermeintlich so wohlverdienten Alkohol (in meinem Fall Sekt oder Weißwein). Der Feierabend ist da, je nach Uhrzeit und ob man alleine zuhause ist, wird das erste Glas gefüllt und plötzlich ist es nach 2 Sekunden wieder leer. Das dauert dann so lange – in meinem Fall zumindest- bis das selbe mit der zweiten Flasche geschehen ist. Das sehe ich dann aber am nächsten Tag meistens erst. Und so verläuft jeder einzelne Tag bis auf kleine Unterschiede. Bei Ausflügen im Urlaub zb darf das ganze auch gerne schonmal mittags losgehen, dann auch gerne länger denn ich habe ja den ganzen Tag Zeit um einen gewissen Pegel zu erreichen. Ansonsten bin ich allerdings tatsächlich ein ausschließlich abends Trinker.

Dass dies eine ausgewachsene Sucht ist, das wissen Engelchen und Teufelchen seit Jahren ganz genau. Der Gedanke auszuhören; der hat schon oft an der Tür geklopft; aber dem Idioten mache ich doch nicht auf, haha.

Nun ja – bis jetzt. Kaum nicht hin geschaut, hat der Idiot seinen Weg nach drinnen jetzt gefunden.

Jetzt folgt die Erklärung, wie ich meinen Weg hierher gefunden habe. Nämlich auf eine ursprünglich sehr unfreiwillige Weise. Genau heute vor einem Monat bin ich im Zuge einer Trunkenheitsfahrt in eine allgemeine Verkehrskontrolle geraten. 1,67 waren nach einem Fest mit Freunden im Blut, es wird eine Gerichtsverhandlung geben da es sich bei diesem Wert um eine Straftat handelt.

Ziemlich dumm gelaufen, dachte ich anfangs. Glaubt mir, so ein Monat kann lange sein, wenn das Damoklesschwert mpu mit einjähriger Pflichtabstinenz über einem schwebt und man herausfindet, wie lange man dem menschlichen Körper chronischen Alkoholmissbrauch auf verschiedenste Weisen nachweisen kann.

Nun zu meinem Stand der Abstinenz. Seit diesem Ereignis habe ich meinen Konsum zunächst 3 Tage immer wieder halbiert. 5 Tage totale Abstinenz sind gefolgt. Ein Zeitraum von 2 Wochen ist gefolgt mit meinem Geburtstag, der meines Partners und der alljährlichen Weihnachtsfeier (in diesem Zeitraum habe ich täglich getrunken zw 2 Gläsern und einer Flasche Sekt). Dann waren wieder 2 Tage Abstinenz dran und ein Tag trinken; nicht ein Tag des Komasaufens sind seitdem passiert, was mich bereits sehr stolz gemacht hat.

Nach diesem letzten Tag mit Alkohol (02.12) ist allerdings etwas seltsames passiert: Engelchen und Teufelchen haben einen Pakt geschlossen: mindestens bis Weihnachten kein Alkohol mit Verlängerung bis Silvester wenn wir die Feiertage durchhalten. Eine Wut hat sich an diesem Tag in mir breit gemacht, das habe ich noch selten erlebt. Diesem Scheiß Gegner (Teufel kann ich ihn ja nicht nennen, der sitzt auf der linken Schulter) werde ich es zeigen, nicht mit mir!!!!

Und so zählen wir die Tage bzw eher die Nächte seitdem und sehnen uns, dass jeder Tag gut vorübergeht. Es ist Tag 5 bzw Nacht 4 die mir bevorsteht. Die besagte Wut ist leider fast vollständig verflogen, ich erinnere mich aber noch an sie, was mich recht gut durchhalten lässt.

Ich weiß nicht, wohin mich der Weg führen wird, aber ich versuche mich nicht abbringen oder verleiten zu lassen. Zu sehr habe ich mich an einen klaren Verstand und (fast) ruhige Hände gewöhnt – wer hätte gedacht dass das ruhige Halten einer Kaffeetasse so befriedigend sein kann!

Im Ernst, es tut gut die Kontrolle über den eigenen Körper seit langer Zeit mal wieder zu fühlen…

Der kleine Roman ist hier erst mal zu Ende. Natürlich war dieser trotzdem nur eine kurze Zusammenfassung von ca 16 Jahren Sucht mit nur einem Monat der „Klarheit“.

Liebe Grüße



   
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sonnenhuhn
(@sonnenhuhn)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 285
 

Guten Morgen Alex,

Verfasst von: @alex7

Die Arbeit war heute echt stressig. Deine Nachricht zu lesen und eine Antwort zu verfassen hat mich auf andere Gedanken gebracht. Die sind heute nämlich wirklich stark um ein kaltes Glas irgendwas (Hauptsache mit Alkohol) gekreist.

Ich denke, dass ist der Wunsch nach Entspannung, dem Ausschalten des unruhigen Geist

der uns immer wieder nach dem schnell wirkenden Medikament greifen ließ. Da das keine angemessene Entspannungsmethode (mehr) ist, muss eine andere her. Nicht einfach, wenn man dazu noch ungeduldig ist. Mmm, ich hätte jetzt gerne ein Zaubermittel ohne Nebenwirkungen für dich! Ich tippe mal, dass es für dich etwas in Bewegung sein muss, vielleicht mit Musik, damit das schnatternde Gehirn übertönt wird.

Natürlich hat Gaby auch, wie so oft, recht!

Liebe Grüße

Das Sonnenhuhn



   
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(@alex7)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 676
Topic starter  

@gaby_guzek

Verfasst von: @gaby_guzek

Dann mein Lieber, wird es Zeit für ein paar Gedanken dazu, was Du vor allem in Deinem (wahrscheinlich) Arbeitsalltag ändern musst. Die NEMS sind keine Zaubermittel, denk dran. Wenn es zuviel wird, tritt auf die Bremse.

Ich weiß. Beides ist mir bewusst, mit beidem hast du recht. Bis auf die Vitamine alle paar Tage nehme ich auch nichts mehr, Gaba nach Bedarf 2-3 mal die Woche. Die Wirkung von Gaba hat sich auch leicht verändert. Die unangenehmen Nebenwirkungen haben sich einerseits intensiviert, dafür aber auch die körperliche Entspannung - also mein Strom nimmt dann ab sozusagen. Ich kann es nicht treffender umschreiben. Im Kopf bleibt es dennoch laut.

Ich hätte tatsächlich die direkte (aber irreversible) Wahl, etwas an meinem Arbeitsleben zu ändern, sodass es etwas entspannter werden würde. Ich hadere damit schon sehr lange; aktuell liegt die Entscheidung auf nein. Ein einfacher Arbeitsplatzwechsel würde mir nichts bringen. Es ist nicht die Arbeit an sich, die mich stresst - es sind die Menschen. Ein gut bezahlter Job, bei dem ich ausnahmslos mit wohlerzogenen, höflichen und freundlichen Menschen zu tun habe - finde mir den und ich kündige 😅

Verfasst von: @gaby_guzek

Wenn Du möchtest, frage ich sie mal.

Das wäre sehr lieb von dir! Aktuell bin ich schon auf eine Facebook Gruppe gestoßen, wo man anonym posten kann. Da habe ich mich schon in zahlreichen Schilderungen wiedergefunden. Aber eine 1:1 Kommunikation ist da so in der Form anonym nicht möglich.

Liebe Grüße 🙋‍♂️



   
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gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4317
 

@alex7 

Hier ist die Selbsthilfegruppe, die meine Tochter "fürs Schnuppern" empfahl. Schau unter "Termine." Jeden Monat so zur Monatsmitte gibt es ein Online-Meeting für Erwachsene.

Lass Dich nicht davon irritieren, dass es eine österreichische Gruppe ist, meine Tochter sagt, da sind auch viele Deutsche dabei. Sie meinte, das sei die ideale Gruppe, um mal reinzuhorchen und im Rahmen eines Meetings abzuklopfen, ob "man es denn habe oder nicht" sowie sich Tipps zu holen, wie es dann ggf. weiter geht.

Ich hoffe, ich konnte helfen.

Liebe Grüße

Gaby



   
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gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4317
 

Verfasst von: @alex7

Gaba nach Bedarf 2-3 mal die Woche.

Und wie wäre es, wenn Du das doch lieber wieder regelmäßig machst? Wenn man den "Bedarf" nämlich spürt, ist es oft schon deutlich drüber über den Anspannungspunkt.

Und: Behalte den Blutzuckerspiegel im Auge ...

LG



   
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sonnenhuhn
(@sonnenhuhn)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 285
 

Hallo Alex, das technisch begabte Sonnenhuhn hat dir eine PN geschickt! Ich bin mir nicht sicher, ob sie gesendet wurde! Hast du sie bekommen?
Liebe Grüße
das Sonnenhuhn



   
AntwortZitat
(@alex7)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 676
Topic starter  

@sonnenhuhn hat geklappt! Verschlafe den halben Tag, hab mir irgendwas eingefangen. Melde mich wenn mein Kopf nicht mehr so hämmert 😩



   
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sonnenhuhn
(@sonnenhuhn)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 285
 

Oh nein, gute Besserung! Fall nicht von der Stange und iss Hühnersuppe!

Liebe Grüße 

das Huhn, das nicht in die Suppe möchte!



   
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(@alex7)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 676
Topic starter  

@sonnenhuhn keine hypochondrichen Anflüge diesmal. Hab das erste Mal Corona 😲



   
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sonnenhuhn
(@sonnenhuhn)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 285
 

Lieber Alex, ich wünsche dir schnelle gute Besserung! Mein Hausarzt hat mir bei meiner Coronainfektion hochdosiert folgendes empfohlen: Zink, Vitamin C  und D! Dazu noch ASS Hustenlöser!

Ich hoffe, dein Mann 👨‍⚕️pflegt dich und du ruhst! 🛌

Leider wird Ostern 🐰dann dieses Jahr ohne Eier 🥚🥚stattfinden müssen. Der Hahn🐓 erkrankt 🤒 und das Huhn eingeschränkt🦽 . Es sei denn jemand von den anderen Forumsmitgliedern kümmert sich um die ungelegten 🥚🥚!

Liebe Grüße

☀️🐔



   
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(@alex7)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 676
Topic starter  

@sonnenhuhn Donnerstag meinte der Gockel schon, dass es nun Zeit für die Schlachtbank wird 🙉



   
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