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Ich heiße Ulrich und bin Alkoholiker, nach 30 Jahren exzessiven Trinkens bin ich seit knapp 23 Jahren trocken.
@ulrich
Ganz, ganz groß! Toll!
Echt ein Gewinn, dass Du hier dabei bist.
Liebe Grüße!
Danke Gaby
Hallo Zusammen,
ich (eine Frau Ende vierzig, mit Grundschulkind, Mann und anspruchsvoller Arbeit) bin vor kurzem über das Buch gestolpert und diese Webseite entdeckt. Ehrlich gesagt, suche ich nach der Möglichkeiten, ohne Therapie abstinent zu leben.
Ich bin schon lange abhängig. Ich habe regelmäßig meistens Abends alleine getrunken. Mein wegen Ehrgeiz vollgepacktes Leben, Job als Beraterin und Abende alleine in Hotels oder zu Hause waren für die Entwicklung der Gewohnheit nicht ohne Bedeutung. Aber irgendwann war es auch egal, wo ich war und wie ich mich gefühlt habe. Das Alkohol hat immer gut getan. Bis die Nebenwirkungen die Vorteile überstiegen haben, aber auch dann ist doch das Alkohol die beste Medizin dagegen.
Ich habe im laufe der Jahre immer wieder versucht, weniger oder nichts zu trinken. Aber so ernst wurde es mir erst vor zwei Jahren. Ich kann alleine aufhören zu trinken, mit handhandbaren Entzug Symptomen. Dennoch komme ich meistens irgendwie nicht über die Woche fünf.
Dennoch empfinde ich jegliche Form der Therapie als einen Spuck. Schon immer wenn ich daran gedacht habe, verspürte ich richtige Angst davor. Ich habe mir gelegentlich damit gedroht ("Wenn du es diesmal nicht schaffst, dann muss du es machen.") Warum habe ich eine solche Abneigung gegen eine Therapie: Ich weiß es nicht. Vielleicht ist das dann das richtige Zugeständnis versagt zu haben? Vielleicht bin ich zu stolz, um mich anderen auszuliefern und zu öffnen. Bei mir sträubt sich einfach alles, wenn ich nur daran denke, dass ich eine machen müsste.
Ungeachtet dessen, was ich oben geschrieben habe, habe ich mich letzten Sommer überwunden und den Kontakt zur ambulanten Therapie gesucht. Da war ich so weit, meinem Fluch zu folgen, weil ich es nicht selbst schaffe. Ich hatte einige persönlich Gesprächstermine mit einem Therapeuten in der Aufnahmephase. In der Phase habe ich nicht getrunken und mich richtig richtig stabil gefühlt und mich daher entschieden, es alleine zu versuchen. Leider hat das nicht geklappt. Daher bin ich im Januar wieder zu der Einrichtung.
Der Kontakt mit dem Therapeuten war ab Januar nur noch telefonisch oder per email. Offensichtlich wurde meine Pensum an bezahlten Stunden ausgeschöpft. Ich sollte zuerst in eine Basisgruppe - es hieß, dass ich da nicht trocken sein muss. Dennoch habe neben dem normalen Alltag den Alkohol abgesetzt und bin vier Wochen ohne prima ausgekommen. Bis zur verhexten Woche fünf. Da habe ich wohl gedacht, dass ich zur Entspannung etwas trinken könnte. Und das wurde dann natürlich nicht nur ein Glas und nicht nur an einem Tag. Ich wollte die Basisgruppe ernst nehmen und nicht trinken, wenn ich diese Besuche. Daher habe ich die Teilnahme an dem kommenden Termin mit einer offenen Begründung abgesagt. Daraufhin kam per eMail eine Ferndiagnose. Der Therapeut hatte seine Bedenken geäußert, ob ich für eine Therapie stabil abstinent werden kann und mir eine stationäre Entgiftung dringend empfohlen. Mit dem Therapeuten habe ich seid September letzten Jahres mich persönlich nicht mehr getroffen. Und vielleicht ein Mal telefoniert und zwei eMails ausgetauscht. Er hatte auch überhaupt keinen Einblick über mein Trinkverhalten in der Zwischenzeit und seid erneutem Kontakt. Deshalb war ich ziemlich entsetzt und habe mich von dem Therapeuten und der Einrichtung in einem ziemlich emotionalen Telefonat verabschiedet.
Ich habe eine Familie, eine tolle kleine Tochter, einen anspruchsvollen bis stressigen Vollzeitjob, mein Mann kennt mein Problem und versucht mich zu unterstützen. Er arbeitet auch sehr viel und eine stationäre Therapie kommt für uns nicht in Frage. Ich denke, dass eine solche bei mir mehr zerstören als heilen würde.
Wahrscheinlich hatte ich einfach Pech mit dem Therapeuten und andere werden nicht auf eine solche Art und Weise der Motivation für eine Therapie beraubt. Bei mir sind nach dieser Erfahrung leider die Bedenken noch stärker.
Da ich sehr ehrgeizig bin, hoffe ich, dass dieses Ereignis meine innere Motivation stärkt, es ohne Therapie zu schaffen. Wie ich bei den anderen gelesen habe, denke ich, dass ich einfach süchtig bin und nicht psychisch vorbelastet. Die Unterstützung/ Motivation durchzuhalten muss ich mir jetzt halt irgendwo anders holen.
Daher würde ich mich freuen von euch zu hören, wie ihr es alleine schafft.
Heute ist mein siebter Tag ohne Alkohol. Bin gelegentlich reizbar, aber das schlimmste ist vorbei 🙂
Liebe Grüße
Nieszka
Bitte nicht wundern, ich habe diesen Beitrag eigentlich für das Forum meine Erfahrung mit Theraphie geschrieben. Wurde aber gebeten es auch hier zu veröffentlichen.
Einen wunderschönen guten Morgen und Danke, dass Du das noch mal als eigenständiges Posting eingestellt hast. Ich finde, das hat der Beitrag verdient 😊
Ich hätte ein, zwei Fragen, wenn Du magst. Die "magische Woche fünf." Hast Du mal genauer hingeschaut, was Dich da immer wieder dann straucheln lässt? Ist es Dein Suchtgedächtnis, das Dir einflüstert, das ginge ja wieder? Hast Du Dir für dieses Mal ein paar Strategien überlegt, wie Du dem begegnen könntest, wenn es wieder so weit ist?
Was lockt Dich zum Alkohol? Entspannung? Belohnung?
Wie weit bist Du mit dem Buch? Hast Du da für Dich vielleicht schon ein paar Erkenntnisse rausziehen können, die Dir vielleicht Hinweise darauf geben, warum Du nach vier Wochen so oft wieder rückfällig wurdest?
Als letztes: Hast Du mal in Erwägung gezogen, das Ganze mit Nährstoffen zu unterstützen?
Nochmals herzlich Willkommen hier, schön, dass Du da bist.
Liebe Grüße
Gaby
Hallo liebe Natascha,
ich bin überzeugt, daß jeder seinen ganz eigenen Weg findet aus der Sucht und Du startest ja auch immer wieder neu.
Neu und anders, vielleicht sind ja die NEMs Dein Weg, vielleicht ist es der Austausch hier im Forum, vielleicht beides zusammen und noch andere Aspekte.
Neu und anders und nicht aufgeben, das ist auch meine Devise, ich bin jetzt seit 6 Monaten wieder nüchtern und mir geht es gut. Bis vor 7 Jahren konnte ich immer wieder selbst stoppen, wenn ich merkte, daß es zuviel Alkohol wurde - seitdem schaffe ich es alleine nicht mehr und besuche eine Selbsthilfegruppe (zur Zeit online) und schaue mich im Netz um zum Thema Sucht und bin so auch hier gelandet.
Ich habe mir selbst das Versprechen gegeben, daß ich solange und immer wieder versuche, nüchtern zu bleiben, bis ich es schaffe und die positiven Aspekte des suchtmittelfreien Lebens so stark in mir geworden sind, daß ich mich möglichst nicht mehr verführen lasse.
Klappt das mal nicht, verzeihe ich mir und starte wieder neu. So habe ich mich dauerhaft von meiner Nikotinsucht befreit (seit 2012), bei Alkohol klappt es leider nicht so einfach und ich bin immernoch dabei, mich vorzutasten, zu suchen, zu schauen, was mir gut bekommt, auf mich zu achten - jeden Tag. Ich profitiere sehr von der Beschäftigung mit mir selbst, finde aber auch podcasts und infos im Netz spannend auch um zu sehen, wie andere es geschafft haben. Hier bei Gaby ist ein schöner Raum, den Gaby in einen liebevoll professionellen Rahmen stellt, aber auch zB Nathalie Stüben https://oamn.jetzt/podcast/ ist für mich interessant und inspirierend.
Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg auf Deinem Weg in die dauerhafte Nüchternheit und grüße Dich herzlich
Jutta
Dieses Forum ist so liebevoll, wie seine Mitglieder. Danke für Deinen tollen Beitrag. Einen wunderschönen, trockenen Tag wünsche ich Dir!
Liebe Grüße 😘
Liebe Gaby,
vielen Dank für deine Fragen. Ich bin in dem Buch noch bei den Hintergrundinformationen. Ich schaue mir aber die anderen Kapitel zu Nährstoffen an, da ich schon auf dem Weg bin und im Moment echt erschöpft. Bis jetzt habe ich mir mit Vitamin B, Mineralien und manchmal Baldriantabletten versucht zu helfen.
Meistens war das Scheitern in der Woche fünf keine wirklich zwanghafte und unkontrollierbare Handlung. Die Gründe warum ich getrunken habe, waren immer sehr vielfältig, sowohl positive als auch negative Gefühle, also Belohnung und Entspannung. Meistens jedoch das Bedürfnis abzuschalten, einfach raus aus dem Trott. Der Wein war irgendwie der einfachste Weg runterzukommen und sich gut zu fühlen.
In der Woche fünf, sind es dann wahrscheinlich wieder diese Uhrbedürfnisse und die Kenntnis des Mittels. Ich weiß zwar inzwischen, dass es am "einfachsten" ist gar nichts zu trinken. Und es verdammt schwierig ist dann wieder loszukommen. Ich lasse mich aber von Selbsttäuschung einfangen. Ich denke, dass ich jedes Mal die Chance hatte "Nein" zu sagen. Der einfachere und zu diesem Zeitpunkt schönere Weg war dem Bedürfnis nachzugehen.
Was ich dieses Mal anders mache, weiß ich noch nicht, aber ich muss in mir das Wissen stärken, dass ich es einfach nicht darf, dass es nicht gut für mich ist, dass es nicht wert ist. Das muss ich auch meinem Mann so klar machen. Und mir bis dahin Strategien erarbeiten, wie ich mit dem inneren Druck umgehen kann. Ich muss irgendwie in meinem Leben auch Platz für mich schaffen. Mit Beruf, Haushalt und einer fordernder Tochter fühle ich mich wie im Hamsterrad gefangen, ferngesteuert. Wegen dem Alkohol habe ich nie gelernt zu leben und für mich zu sorgen.
Ich bin aufgeschlossen meine Gedanken und Gefühle mit euch zu teilen, wenn ihr denkt, dass es Sinn macht.
Danke für die nette Aufnahme in das Forum 🙂 und bis bald
Nieszka





